Geheilt der Menschheit tiefste Wunden,
Ihm hat man von den scharfen Ersten
Die Letzten um das Haupt gewunden.
94.
Und sehe die Erste glänzen.
Wie rings die Wellen den Ufersand
Mit der schneeigen Zweiten umkränzen!
Wie glänzt mein Kopf, aus dem Ganzen gemacht,
Er ist gar lieb mir und teuer!
In seinem Innern hab’ ich entfacht
Ein heimliches glimmendes Feuer.
95.
Durch eine gute Zwei kannst Weisheit du erwerben.
Das Ganze kann der Kaufmann nicht entbehren;
Es steht in der Geschäftswelt hoch in Ehren.
96.
Vom Zweiten schneidet das Ganze man zu.
97.
Bleibt dir manches Weh erspart;
Hat ein Unglück dich betroffen,
Lindert es die Letzte zart.
Gute Kinder sind das Ganze
Ihren Eltern jederzeit;
Aus der Blumen reichem Kranze
Winkt es in bescheid’nem Kleid.
98.
So frug zwei Jäger ich letzthin,
Durchsuchte eifrig ihre Taschen,
Doch in den Taschen war nichts drin.
»Du bist und bleibst ein rechter Spötter«,
Versetzt’ der Eine d’rauf geschwind,
»Und manchesmal möcht’ ich dich wünschen,
Dorthin, wo die zwei Letzten sind.«
Wir lachten. – »Kellner, ich hab’ Hunger«,
Sprach ich, »die Karte, wenn’s gefällt!«
Und hab’ darauf zum Abendessen
Das leck’re Ganze mir bestellt.
99.
Das Zweite ist oft schwer.
Aufs Ganze nur zu hoffen,
Bringt keinem große Ehr.
100.
Die Zweit ertönt oft zum Pläsier,
Doch geht es gegen einen Feind,
Dann ist sie immer ernst gemeint.
Zum Ganzen man das Beste wählt,
Doch zu ihm auch das Schlechte zählt.
101.
Die Zweite lohnt der Menschen Fleiß,
Und auf dem Ganzen findest du
Manch wack’res Haupt in süßer Ruh.
102.
Schuster, Schneider, Schlosser bist,
Freude wirst du stets empfinden,
Wenn die Erst’ vollendet siehst.
Dick und dünn und grob und fein
Und sie kann von Sammt und Seide
Oder Garn und Wolle sein.
Ob du Schuster, Schneider bist,
Weil es, um die Erst zu schaffen,
Jederzeit vonnöten ist.
103.
Ein Stein ist nichts dagegen,
Nur wenn dich drückt der Sorgen Heer,
Kannst bildlich du’s erwägen.
Die Zweite, die das Mitgefühl,
Der Edelmut gegründet,
Ward manchem Herzen das Asyl,
Wo es die Heimat findet.
Steht auch die Erste wie bekannt,
Im Dienst der Todeswaffen,
Als Ganzes hat’s in Künstlerhand
Manch schönes Werk geschaffen.
104.
Dasselbe sagt die Zweite mit der Dritten,
Nur paßt das eine mehr zu Saus und Braus,
Das and’re zu der Kirche heil’gen Sitten,
Zu jedes Christmenschen frommen Bitten.
Das Ganze reihet Frag’ an Frage,
Der Schüler wie der Lehrer Plage.
105.
Nach blutigem Kriege die Zweite uns lacht;
Ein ruhmreicher Held aus vergang’nen Tagen,
Das Ganze noch lebet in Liedern und Sagen.
106.
Sie sind der Schatten in dem Bild des Lebens!
Warst andern sie zu mildern du bereit,
So sei getrost, du lebtest nicht vergebens.
Die Dritte treibt oft Blatt und Blut empor,
Auch trägst du es von Meister Schusters Händen;
Es ist das Ruder an dem Feuerrohr,
Den raschen Tod, wohin du willst, zu senden.
Das Ganze wütet in des Menschen Brust.
Oft unterliegt er ihm im heißen Ringen.
Nicht selten wird’s des Lebens höchste Lust,
Doch öfter noch dir die Verzweiflung bringen.
107.
Der Dämmrung Schleier leis’ und sacht,
Und ihre traumumfang’nen Glieder
Begann zu regen nun die Nacht.
Am Fuße einer Drei – Vier saß ich,
Vor mir die frisch begrünte Flur;
Des heißen Tages Müh’n vergaß ich
Im holden Frieden der Natur.
Wie war erquickend diese Kühle!
Sie machte Herz und Sinne klar. –
Wie labte nach des Tags Gewühle
Sich lechzend nun mein erstes Paar
Und von den Letzten kehrte wieder
Die Herde mit melod’schem Klang,
Wobei ihr Hirte treu und bieder
Ein Lied mit frommem Sinne sang.
Leis tönten aus dem nahen Orte
Die Abendglocken übers Feld. –
So ward mir zu dem ganzen Worte
Auch noch ein Ohrenschmaus bestellt.
108.
Und was du einsam denkst, macht sie bekannt,
Oft geht sie mit dem Zwang auch Hand in Hand,
Schlägt selbst in Fesseln deine freien Glieder!
Doch gibt das zweite Paar dir Hoffnung wieder,
Sein Feueratem weht von Land zu Land,
Sprengt deines Kerkers festgetürmte Wand,
Wirft deine Häscher, deine Fesseln nieder.
Scheint zwei mit eins sich nimmer zu vertragen,
So ist das Ganze doch ein hohes Wort,
Woran man nur den Widerspruch getadelt;
Doch hat sein Widerspruch manch großen Geist geadelt!
Fürwahr! es starb des letzten letzter Hort,
Wär’ es gestorben jüngst in unsern Tagen.
(Hauff.)
109.
Und in Begeist’rung für dich singen unzählige noch.
Einmal nur mit all’ deiner Pracht erscheinst du des Jahres,
Und wie im Jahre, so blühst einmal im Leben du nur.
Liebe beut dir die Zweite, du kennst sie in vielerlei Arten –
Was ihm am meisten behagt, wähle ein Jeder sich aus.
So zu der Zweiten gehört auch das Ganze, das köstliche Ganze
Schenkt dir die Erste. Da ist Keiner, der es je verschmäht.
110.
Hervor aus Schmerz und Leid.
Die Dritte sich vollzieht
In Lust und Heiterkeit.
Durch’s Ganze stellt man uns
Handgreiflich, wunderbar,
Im Schmuck der Poesie
Den Ernst des Lebens dar.
III. Kapselrätsel:
In ein Wort sollen eine oder mehrere Silben eingeschaltet (=kapselt) werden.
111.
Stets ein Spieler ist’s;
Fehlen die vier Spiele,
Klar, wie Wasser, ist’s.
112.
Daß nahe ich des Thrones Stufen
Der Künste schönster liege ob,
Erwarb ich mir schon manches Lob.
Doch wenn es glückt, aus meinem Herzen
Ein sichtbar Mal ganz auszumerzen,
So dien’ als Held ich von Tirol
Der tapfern Treue zum Symbol.
113.
Bin ich ihm zugetan;
Doch fehle ich; zu einer Stadt
Am Rheine wird es dann.
114.
Hol’ ab und zu ich’s von der Post:
Doch fehlt die Mark dem Rätselworte,
Empfang ich’s täglich von der Post.
115.
Triffst du zu jeder Zeit mich an;
Doch fügst du mir den Namen ein,
Dann bin ich oft von Erz und Stein,
Wohl auch von Holz, Gips oder Stuck
Und diene immer nur zum Schmuck.
116.
Du in dem Wort versteckt,
Wird’s mich von Herzen freuen,
Wenn’s jeden Tag dir schmeckt.
Tret’ ich jedoch für Erich ein,
Schafft dir das Rätselwort nur Pein.
117.
Tummelt’s sich im Rhein;
Fehlet das genannte Städtchen,
Heißt’s gleich: das ist fein.
118.
So galt ich schon auf Schritt und Tritte
So manchem als ein Hindernis,
Dem Untergang er schwor gewiß.
Um selbst an seinen Platz zu kommen,
So wink’ ich Trost und süße Ruh’
Von oben vielen Herzen zu.
119.
Auch nichts als hartes, kaltes Eis,
Bin ich doch Quelle allen Lebens.
Mir gilt des Todes Ruf vergebens
Und ewig kann allein nur sein,
Was ich in Wahrheit nenne mein.
120.
Wenn in mir einen Weg man sieht,
Und was zur Nacht wie auch bei Tage
Schafft vielem eine and’re Lage.
Doch tauscht der Weg mit einer Zahl,
Bereit ich manchem herbe Qual,
Dem in bezug auf seine Schulden
An Mark es fehlet oder Gulden.
121.
122.
Und laß ihn auseinander klaffen;
Dir einen Schweizerkanton leih’
Und schieb ihn in den Schmerzensschrei,
Dann hast du eine Stadt geschaffen!
123.
In den folgenden Versen von Goethe ist eine Frauengestalt aus einer Oper enthalten:
Nach lustigen, gescheiten Worten,
An bösen Tagen mußt ich mich freuen,
Daß diese die besten Worte verleihen.
IV. Logogryph:
Das Wort erhält durch Beifügung oder Weglassung eines oder mehrerer Laute eine andere Bedeutung.
124.
Am schönen Donaustrande;
Ein Zeichen mehr, ein schattiger Baum
Im lieben Vaterlande.
125.
Dann hört ihr’s rufen aus dem Klee;
Mit Sch jedoch birgt’s allerhand;
Oblaten, Pillen, Hut und Band.
126.
Füg ein zweisilbig Längenmaß.
So hast ein Kirchlein du erbaut,
Das hell ins Tal herniederschaut.
127.
Doch immer ich der Schönste war;
Drum bringt mir jeder Huld’gung dar.
Versiehst du mich mit einem Fuß,
Bin ich ein sehr bekannter Fluß,
Den man in Deutschland suchen muß.
128.
Und gibst du mir noch Kopf und Fuß,
Dann klimm ich zu der Höh’ hinan,
Verfolgt vom kühnen Jägersmann.
129.
Mit »i« von hohem Wert ein Stein.
130.
Hascht manche K so manche R.
131.
Doch kopf- und fußlos ist es hin.
132.
Werden die Zeichen versetzt, flößt es uns ein ihre Macht.
133.
Berühmt durch seine Frauen.
Doch wenn’s sein Herz verloren hat,
Trifft man’s in vielen Gauen.
134.
In dem sich birgt ein Sakrament?
135.
Mit C ist’s eine Stadt.
136.
Wirf einen Augenblick
In diesen Augenblick,
Ist’s oft ein Meisterstück.
137.
Auf dem Hof mit H,
Durch den Schnee mit B,
In dem Kopf mit W,
Und im Mund mit Z,
Du weißt es schon, ich wett.
138.
Nimmst du mir ein Zeichen weg,
So bin ich nur
Ein Teil von jeder Kreatur!
Zwei Zeichen weg, ein wildes Tier!
139.
Dem muß sie auch gelingen;
Mit Liebe wird er sie und Lust
Allzeit zu Ende bringen.
Gibt man ihm »l« statt »r« zum Fuß,
Nicht weit vom Rhein man’s suchen muß.
140.
Pfleg’ ich kopflos mit zu sein.
141.
Der Baum hat’s mit St;
Mit K ist es von Bein;
Mit L noch jung und klein.
142.
Bei »ll« aber streiten sie;
Bei »ll« gibt’s oft scharfen Knall,
Bei »tt« süßen Widerhall.
143.
Ich bin für Herrn und Land die Quelle mancher Leiden.
144.
Anfang und Ende hinweg, – hast du ein geistig Getränk.
145.
Mit drei ein Ort, doch weder Dorf noch Stadt;
Such uns nicht fern! leicht zu erspäh’n sind wir.
Indem du liest, hast beide du vor dir.
146.
Nimm ihm den dreifachen Kopf! sagt es auch gleich, was sie sind.
147.
Mit »o« kannst’s essen du, du darfst’s mir sicher glauben.
148.
Weil das mit »e« nicht gar so häufig mehr.
149.
Vorn ein Zeichen hinzu! fiel es vom Himmel herab.
150.
Mit »e« dir nah, doch ewig dir entrückt.
151.
Schiebt ihr ein l noch hinein, trifft man’s dort tausendfach an.
152.
Bin ich dir, Rater, wohl bekannt;
Nimmst du mir Kopf und Fuß – o Graus!
Entsteht ein schwarzes Tier daraus. –
153.
Und in der Zeitung find’st du’s alle Tage.
Ein Fisch entsteht, – versetzest du die Zeichen,
Den du als Speise gern dir lassest reichen.
154.
Dem Fleißigen Genuß.
Wirfst du ein »r« hinein,
So wird’s nichts Ganzes sein.
155.
Doch wenn man versetzt die Zeichen hat,
Da kommt herein
Ein Tierchen klein,
Das einer Pflanze viel Schaden tut,
Darum ist ihm auch niemand gut.
156.
Mit dem B durchzieh ich Stadt und Land.
157.
Schnell die Zeichen versetzt, spiegelt darin sich die Welt.
158.
Doch immer soll’s gerade sein.
Kehrst du die erste Silbe um
Ist Stahl und Eisen auch, doch krumm,
Und – dessen Fuß zum Kopf verkehrt
Hat das Erraten Raum gewährt.
159.
Sind wir Nummer 5 und 8;
Weißt du wie auf leichte Weise
Man uns flugs zu Mädchen macht?
Füg’ hinzu ein »d« dem Einen,
Und dem Anderen ein »a«;
Wie auf eine Zauberformel
Sind die beiden Mädchen da.
160.
Doch trennst du grausam mir den Kopf vom Rumpfe,
So geht mein ganzer Leichnam mit verloren;
Nichts bleibt zurück als eines meiner Ohren.
161.
Die sonst schon starr und kalt,
Dann plötzlich hebt sie hoch
Und stolz ihr Haupt im Wald.
162.
Gewähr’ ich vielen große Freude;
Mit »i« bin ich sehr hochgestellt,
Mit »ü« noch höher auf der Welt.
163.
Aus längst vergang’nen Zeiten;
Mit einem L ist es ein Stoff,
Draus manches wir bereiten.
Doch eh’ man’s mit dem F gebraucht,
In eine Flüssigkeit man’s taucht.
164.
Ein Zeichen fort, dien’ ich dir zum Genuß;
Noch eins davon, bedeck ich Teich und Fluß,
Und soll ich nochmals dir Genüsse bringen,
Nimm noch ein Zeichen weg, jedoch am Schluß!
165.
Denn sing’ ich nicht die schönsten Lieder?
Tausch’ jetzt den Kopf, dann flatt’re bunt
Vom Schiffe lustig ich hernieder.
166.
Wird’s ihm genommen, steht er ehrlos da;
In andrer Form dient es dem Staat zur Hut,
Wird’s ihm genommen, steht er wehrlos da.
167.
Schwing ich hoch mich in die Lüfte,
Dort ich Herrscher bin.
Nimm den Kopf mir oder Leib,
Ich dann noch gleichlautend bleib,
Doch nicht gleich der Sinn:
Eine wohlbekannte Größe
Ist’s, in die ich mich auflöse.
168.
Bin Glanzes Sinnbild, beut’s auch Bürde.
Versetzest in der Mitte du zwei Zeichen,
Wirst eine feste Stadt in Preußen du erreichen.
169.
Mit »t« und »t« wird’s auf dem Meer sich zeigen.
170.
Auf das, was mein fremd’ Wort gibt kund;
Doch, ob man’s später nicht mehr fand,
Kopflos fließt’s stets in seinem Land.
171.
Denen der Feind muß weichen.
Um die ersten Viere
Sie dienen,
Bereit zu Schutz, bereit zu Trutz!
172.
Mit »o« ich’s fast an jedem Schlosse sah;
Mit »e« ein groß Stück Holz liegt vor mir da.
173.
Weil dem Verlachen er geweiht,
Sei Herr er oder Dame.
Mit einem »t« zu jeder Zeit
Gelt ich als Männername.
174.
Setze einen Buchstaben ein, findest einen Berg,
worauf Moses stand im Hirtengewand.
175.
Zwei Zeichen richtig du ans Kleid,
Wird es zu einem großen Land,
Das ohne Zweifel dir bekannt.
176.
Und des Leidens höchster Überwinder wird gefunden sein!
177.
Stadt bin ich, gar schön und reich;
Suche nördlich der Ardennen,
Doch entfernt, dann hast mich gleich.
Willst mich vorn ein wenig stutzen,
Siehst du mich an manchem Tier,
Aber keine große Zier.
178.
Doch sollt’ nen Laut es weniger zeigen,
Fast zahllos in der Erde Landen
Und schön und häßlich ist’s vorhanden.
179.
Als Stadt in der Franzosen Land;
Ein Städtchen in dem Deutschen Reich
Wird aber es mit »e« sogleich.
180.
Schling ein langes »s« hinein,
Alsdann wird es wie durch Zauber,
Eine große Menge sein.
181.
Zu jeder Stunde läßt die Wahl;
Verlier’ ich aber meine erste Silbe,
Such’ mich in der Gelehrten Zahl.
182.
Und diene kopflos manchem Tier
Zu seines eigenes Kopfes Zier.
183.
So scheuest du’s, wenn es dir naht –
Hat’s eingebüßt jedoch den Fuß,
Brauchst gerne zur Bedienung du’s.
184.
Verschlossen bleibt ihm Hof und Haus.
Ein einzig Zeichen fort nur, dann
Ist’s gern hienieden jedermann.
185.
Denn oft hast du’s vielleicht entbehrt
In trüber Lebenslage!
Ein Zeichen fort, – du hast’s nicht gern,
Hältst es von deinen Sachen fern,
Wo’s tunlich ohne Frage,
Und noch ein Zeichen fort, so bricht
Von dort dir an das Himmelslicht
So ein wie alle Tage!
186.
Sucht es Rauhes zu verschönen;
Nimmt man ihm das erste Zeichen,
Hilft es schnell ein Ziel erreichen.
187.
Sich eine Stadt, in der ihr Leben
Viel edle Geister lange Zeit
Der Wissenschaft allein geweiht.
Kannst den Tod aus ihr vertreiben,
So wird ein Name übrig bleiben,
Der, seit er einen Papst genannt,
Allüberall ist wohlbekannt.