1.
Ir sult sprechen: ‘willekomen!’
der iu mære bringet, daȥ bin ich.
Alleȥ daȥ ir habt vernomen,
daȥ ist gar ein wint: nū frāget mich.
5Ich wil aber miete:
wirt mīn lōn iht guot,
sō sage ich iu vil līhte, daȥ in sanfte tuot.
seht, waȥ man mir ēren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen
10solhiu mære, daȥ si deste baȥ
Al der werlte suln behagen:
āne grōȥe miete tuon ich daȥ.
Waȥ wold’ ich ze lōne?
si sint mir ze hēr;
15sō bin ich gefüege und bite si nihtes mēr
wan daȥ si mich grüeȥen schōne.
Ich hān lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
Übel müeȥe mir geschehen,
20künde ich ie mīn herze bringen dar,
Daȥ im wol gevallen
wolde fremeder site.
nū waȥ hülfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gāt vor in allen.
25Von der Elbe unz an den Rīn
und her wider unz an Ungerlant
Mügen wol die besten sīn,
die ich in der werlte hān erkant.
Kan ich rehte schouwen
30guot gelāȥ und līp,
sam mir got, sō swüere ich wol, daȥ hie diu wīp
beȥȥer sint danne ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wīp getān.
35Swer si schiltet, derst betrogen:
ich enkan sīn anders niht verstān.
Tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist wünne vil:
40lange müeȥe ich leben dar inne!
2.
Owē war sint verswunden alliu mīniu jār!
ist mir mīn leben getroumet oder ist eȥ wār?
daȥ ich ie wānde, daȥ iht wære, was daȥ iht?
dar nāch hān ich geslāfen und enweiȥ es niht.
45Nū bin ich erwachet, und ist mir unbekant,
daȥ mir hie vor was kündic als mīn ander hant.
liut unde lant, dā ich von kinde bin erzogen,
die sint mir fremde worden, reht’ als eȥ sī gelogen:
Die mīne gespilen wāren, die sint træge und alt;
50bereitet ist daȥ velt, verhouwen ist der walt:
wan daȥ daȥ waȥȥer fliuȥet, als eȥ wīlent flōȥ,
für wār ich wāndẹ mīn ungelücke würde grōȥ.
mich grüeȥet maneger trāge, der mich bekande ē wol.
diu werlt ist allenthalben ungenāden vol.
55als ich gedenke an manegen wünneclīchen tac,
die sint mir enpfallen gar als in daȥ mer ein slac,
iemer mēre owē!
Owē wie jæmerlīche junge liute tuont!
den vil unriuweclīche ir gemüete stuont,
60die kunnen niuwan sorgen: owē wie tuont si sō?
swar ich zer werlte kēre, dā ist nieman frō:
Tanzen unde singen zergāt mit sorgen gar.
nie kristenman gesach sō jæmerlīchiu jār.
nū merket, wie den frouwen ir gebende stāt;
65die stolzen ritter tragent dörperlīche wāt.
Uns sint unsenfte brieve her von Rōme komen,
uns ist erloubet trūren und fröude gar benomen.
daȥ müet mich inneclīchen (wir lebten ē vil wol),
daȥ ich nū für mīn lachen weinen kiesen sol.
70diu wilden vogellīn betrüebet unser klage:
waȥ wunders ist, ob ich dā von vil gar verzage?
waȥ spriche ich tumber man durch mīnen bœsen zorn?
swer dirre wünne volget, der hāt jene dort verlorn
iemer mēre, owē!
75Owē wie uns mit süeȥen dingen ist vergeben!
ich sihe die gallen mitten in dem honege sweben.
diu werlt ist ūȥen schœne, wīȥ, grüen’ unde rōt
und innen swarzer varwe, vinster sam der tōt.
Swen si nū habe verleitet, der schouwe sīnen trōst:
80er wirt mit swacher buoȥe grōȥer sünde erlōst.
dar an gedenket, ritter! eȥ ist iuwer dinc;
ir traget die liehten helme und manegen herten rinc,
Dar zuo die vesten schilte und diu gewīhten swert.
wolte got, wær ich der sigenünfte wert,
85sō wolte ich nōtic man verdienen rīchen solt.
joch meine ich niht die huoben noch der hērren golt:
ich wolte selbe krōne ēweclīchen tragen;
die möhte ein soldenære mit sīme sper bejagen.
möht ich die lieben reise gevaren über sē,
90sō wolte ich denne singen ‘wol’ und niemer mēre ‘owē,’
niemer mēre ‘owē!’
3.
Dō der sumer komen was
und die bluomen durch daȥ gras
wünneclīche ensprungen,
95aldā die vogele sungen,
dār kom ich gegangen
an einen anger langen,
dā ein lūter brunne entspranc;
vor dem walde was sīn ganc,
100dā diu nahtegale sanc.
Bī dem brunnen stuont ein boum,
dā gesach ich einen troum.
ich was zuo dem brunnen
gegangen von der sunnen,
105daȥ diu linde mære
den küelen schaten bære.
bī dem brunnen ich gesaȥ:
mīner swære ich gar vergaȥ,
schiere entslief ich umbe daȥ.
110Dō bedūhte mich zehant,
wie mir dienten elliu lant,
wie mīn sēle wære
ze himel āne swære
und der līp hie solte
115gebāren swie er wolte.
dā enwas mir niht ze wē.
got der waldes, swie’ȥ ergē:
schœner troum enwart nie mē.
Gerne sliefe ich iemer dā,
120wan ein unsæligiu krā,
diu begonde schrīen.
daȥ alle krā gedīen
alse ich in des günne!
si nam mir michel wunne.
125von ir schrīenne ich erschrac:
wan daȥ dā niht steines lac,
sō wær’ eȥ ir suontac.
Wan ein wunderalteȥ wīp
diu getrōste mir den līp.
130die begonde ich eiden.
nū hāt si mir bescheiden
waȥ der troum bediute.
daȥ merken wīse liute;
zwēne und einer daȥ sint drī;
135dannoch seitẹ si mir dā bī,
daȥ mīn dūme ein vinger sī.
4.
Ich saȥ ūf eime steine
und dahte bein mit beine;
dar ūf satzt ich den ellenbogen;
140ich hete in mīne hant gesmogen
daȥ kinne und ein mīn wange:
dō dāhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben.
deheinen rāt kond ich gegeben,
145wie man driu dinc erwürbe,
der keineȥ niht verdürbe.
diu zwei sint ēre und varnde guot,
daȥ dicke einander schaden tuot;
daȥ dritte ist gotes hulde,
150der zweier übergulde.
die wolte ich gerne in einen schrīn;
jā leider des enmac niht sīn,
daȥ guot und werltlīch ēre
und gotes hulde mēre
155zesamene in ein herze komen.
stīg’ unde wege sint in benomen:
untriuwe is in der sāȥe,
gewalt vert ūf der strāȥe,
fride unde reht sint sēre wunt.
160diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ē gesunt.
5.
Ich hōrte ein waȥȥer dieȥen
und sach die vische flieȥen;
ich sach swaȥ in der werlte was,
165velt unde walt, loup rōr und gras;
swaȥ kriuchet unde fliuget
und bein zer erden biuget,
daȥ sach ich unde sage iu daȥ:
der keineȥ lebet āne haȥ.
170daȥ wilt und daȥ gewürme
die strītent starke stürme,
sam tuont die vogel under in;
wan daȥ sie habent einen sin:
175sie enschüefen starc gerihte:
sie kiesent künege unde reht,
sie setzent hērren unde kneht.
sō wē dir, tiuschiu zunge,
wie stēt dīn ordenunge,
180daȥ nū diu mucke ir künic hāt
und daȥ dīn ēre alsō zergāt!
bekērā dich, bekēre!
die zirken sint ze hēre,
die armen künege dringent dich:
Philippe setze en weisen ūf und heiȥ sie treten hinder sich!
6.
Ich sach mit mīnen ougen
man unde wībe tougen,
dā ich gehōrte und gesach
swaȥ iemen tet, swaȥ iemen sprach.
190ze Rōme hōrte ich liegen
und zwēne künege triegen.
dā von huop sich der meiste strīt,
der ē was oder iemer sīt,
daȥ sich begonden zweien
195die pfaffen unde leien.
daȥ was ein nōt vor aller nōt:
līp unde sēle lac dā tōt,
die pfaffen striten sēre:
doch wart der leien mēre.
200diu swert sie legeten dernider
und griffen zuo der stōle wider:
sie bienen die sie wolten
und niuwet den sie solten.
dō stōrte man diu goteshūs.
205ich hōrte verre in einer klūs
vil michel ungebære:
dā weinde ein klōsenære,
er klagete gote sīniu leit:
‘ōwē, der bābest ist ze junc: hilf, hērre, dīner Kristenheit!’
7.
210Diu krōne ist elter dan der künec Philippes sī:
dā muget ir alle schouwen wol ein wunder bī,
wie s’ ime der smit sō ebene habe gemachet.
sīn keiserlicheȥ houbet zimt ir alsō wol,
daȥ sie ze rehte nieman guoter scheiden sol.
215ir dwedereȥ daȥ ander niht enswachet.
sie liuhtent beide ein ander an,
daȥ edele gesteine wider den jungen man:
die ougenweide sehent die fürsten gerne.
swer nū des rīches irre gē,
220der schouwe, wem der weise ob sīme nacke stē:
der stein ist aller fürsten leitesterne.
8.
Mir ist verspart der sælden tor:
dā stēn ich als ein weise vor,
mich hilfet niht swaȥ ich dar an geklopfe.
225wie möhte ein wunder grœȥer sīn?
eȥ regent beidenthalben mīn,
daȥ mir des alles niht enwirt ein tropfe.
des fürsten milte ūȥ Ōsterrīche
freut dem süeȥen regen gelīche
230beidiu liute und ouch daȥ lant.
er ist ein schœne wol gezieret heide,
dar abe man bluomen brichet wunder:
und bræche mir ein blat dar under
diu sīn vil milte rīchiu hant,
235sō möhte ich loben die süeȥen ougenweide.
hie bī sī er an mich gemant.
9.
Ich hān mīn lēhen, al die werlt! ich hān mīn lēhen!
nū enfürhte ich niht den hornunc an die zēhen
und wil alle bœse hērren deste minre vlēhen.
240der edel künec, der milte künec hāt mich berāten,
daȥ ich den sumer luft und in dem winter hitze hān.
mīn’ nāhgebūren dunke ich verre baȥ getān:
sie sehent mich niht mēr an in butzen wīs, alsō sie tāten.
ich bin ze lange arm gewesen ān’ mīnen danc.
245ich was sō volle scheltens, daȥ mīn ātem stanc.
daȥ hāt der künec gemachet reine und dar zuo mīnen sanc.
10.
Ōwē hovelīcheȥ singen,
daȥ dich ungefüege dœne
solten ie ze hove verdringen!
250ōwē, daȥ dīn wirde alsō geliget,
des sint alle dīne friunde unfrō.
daȥ muoȥ eht sō sīn, nū sī alsō:
frō Unfuoge, ir habt gesiget.
255diu reht und gefüege wære,
hei wie wol man des gedæhte,
swā man von im seite mære!
eȥ wær’ ein vil hovelīcher muot,
260des ich iemer gerne wünschen sol.
frouwen unde hērren zæme eȥ wol:
ōwē daȥ eȥ nieman tuot!
Die daȥ rehte singen stœrent,
der ist ungelīche mēre
265danne die eȥ gerne hœrent.
des volg’ ich der alten lēre:
ich enwil niht werben ze der mül;
dā der stein sō riuschend’ umbe gāt
und daȥ rat sō manegẹ unwīse hāt,
270merket wer dā harpfen sül!
Die sō frevellīchen schallent,
der muoȥ ich vor zorne lachen,
daȥ s’ in selben wol gevallent
mit als ungefüegen sachen.
275die tuont sam die frösche in eime sē,
den ir schrīen alsō wol behaget,
daȥ diu nahtegal dā von verzaget,
sō si gerne sunge mē.
Der unfuoge swīgen hieȥe,
280waȥ man noch von freuden sunge,
und sie abe den bürgen stieȥe,
daȥ si dā die frōn iht twunge!
wurden ir die grōȥen höve benomen,
daȥ wær’ alleȥ nāch dem willen mīn:
285bien gebūren lieȥe ich sie wol sīn,
dannen ist s’ ouch here komen.
11.
Der rīfe tet den kleinen vogelen wē,
daȥ sie niht ensungen.
nū hōrte ich s’aber wünneclīche als ē:
290nū ist diu heide entsprungen.
dā sach ich bluomen strīten wider den klē,
weder ir lenger wære.
mīner frouwen seite ich disiu mære.
Uns hāt der winter kalt und ander nōt
295vil getān ze leide.
ich wānde, daȥ ich iemer bluomen rōt
sæhe an grüener heide.
joch schāte eȥ guoten liuten, wære ich tōt,
die nāch freuden rungen
300und ie gerne tanzten unde sprungen.
Versūmde ich disen wünneclīchen tac,
sō wær’ ich verwāȥen
und wære an freude ein angestlīcher slac:
dennoch müese ich lāȥen
305al mīne freude, der ich wīlent pflac.
got gesegen’ iuch alle:
wünschet noch, daȥ mir ein heil gevalle.
12.
Wīp muoȥ ēt iemer sīn der wībe hōhste name
und tiuret baȥ dan frouwe, als ich’ȥ erkenne.
310swā nū deheiniu sī, diu sich ir wīpheit schame,
diu merke disen sanc und kiese denne.
under frouwen sint unwīp,
under wīben sint sie tiure:
wībes name und wībes līp
315die sint beide vil gehiure.
swie’ȥ umb’ alle frouwen var,
wīp sint alle frouwen gar.
zwīvellop daȥ hœnet,
als under wīlen frouwe: wīp dēst ein name der s’alle krœnet.
13.
320Sō die bluomen ūȥ dem grase dringent,
same sie lachen gegen der spileden sunnen,
in einem meien an dem morgen fruo,
und diu kleinen vogellīn wol singent
in ir besten wīse die sie kunnen,
325waȥ wünne mac sich dā genōȥen zuo?
eȥ ist wol halb ein himelrīche.
suln wir sprechen, waȥ sich deme gelīche,
sō sage ich, waȥ mir dicke baȥ
in mīnen ougen hāt getān,
330und tæte ouch noch, gesæhe ich daȥ.
Swā ein edeliu schœne frouwe reine
wol gekleidet unde wol gebunden
durch kurzewīle zuo vil liuten gāt,
hovelīchen hōchgemuot, niht eine,
335umbe sehendẹ ein wēnic under stunden:
alsam der sunne gegen den sternen stāt:
der meie bringe uns al sīn wunder,
waȥ ist dā sō wünneclīches under
als ir vil minneclīcher līp?
340wir lāȥen alle bluomen stān,
und kapfen an daȥ werde wīp.
Nū wol dan, welt ir die wārheit schouwen,
gēn wir zuo des meien hōchgezīte!
der ist mit aller sīner krefte komen.
345seht an in und seht an werde frouwen,
wedereȥ daȥ ander überstrīte,
daȥ beȥȥer spil ob ich daȥ habe genomen.
ōwē der mich dā welen hieȥe,
deich daȥ eine durch daȥ ander lieȥe,
350wie rehte schiere ich danne küre!
hēr Meie, ir müeset merze sīn,
ē ich mīne frouwen dā verlüre.
14.
Swie wol der heide ir manicvaltiu varwe stāt,
sō wil ich doch dem walde jehen,
355daȥ er vil mēre wünneclīcher dinge hāt.
noch ist dem velde baȥ geschehen.
sō wol dir, sumer, sus getāner emȥekeit!
sumer, daȥ ich iemer lobe dīne tage,
mīn trōst, sō trœste ouch mīne klage:
360ich sage dir, waȥ mir wirret:
diu mir ist liep, der bin ich leit.
Ich mac der guoten niht vergeȥȥen noch ensol,
diu mir sō vil gedanke nimet.
die wīle ich singe, wil ich vinden iemer wol
365ein niuwe lop, daȥ ir gezimet.
nū habe ir diȥ für guot (sō lobe ich danne mē):
eȥ tuot in den ougen wol, daȥ man sie siht,
und daȥ man ir vil tugende giht,
daȥ tuot wol in den ōren.
370sō wol ir des! sō wē mir, wē!
15.
In einen zwīvellīchen wān
was ich geseȥȥen und gedāhte,
ich wolte von ir dienste gān,
wan daȥ ein trōst mich wider brāhte.
375trōst mag eȥ rehte niht geheiȥen, ouwē des!
eȥ ist vil kūme ein kleineȥ trœstelīn,
sō kleine, swenne ich’ȥ iu gesage, ir spottet mīn;
doch fröwet sich lützel ieman, er enwiȥȥe wes.
Mich hāt ein halm gemachet frō:
380er giht, ich süle genāde vinden.
ich maȥ daȥ selbe kleine strō,
als ich hie vore sach von kinden.
nū hœret unde merket, ob si’ȥ denne tuo:
‘si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.’
385swie dicke ich’ȥ tete, sō was ie daȥ ende guot.
daȥ trœstet mich: dā hœret ouch geloube zuo.
16.
Nieman kan beherten
kindes zuht mit gerten:
den man z’ēren bringen mac,
390dem ist ein wort als ein slac.
dem ist ein wort als ein slac,
den man z’ēren bringen mac:
kindes zuht mit gerten
nieman kan beherten.
395Hüetet iuwer zungen,
daȥ zimt wol den jungen;
stōȥ den rigel für die tür,
lā kein bœse wort dar für.
lā kein bœse wort dar für,
400stōȥ den rigel für die tür:
daȥ zimt wol den jungen,
hüetet iuwer zungen.
Hüetet iuwer ougen
offenbāre und tougen:
405lāt sie guote site spehen
und die bœsen übersehen;
und die bœsen übersehen
lāt sie, guote site spehen:
offenbāre und tougen
410hüetet iuwer ougen.
Hüetet iuwer ōren,
oder ir sīt tōren:
lāt ir bœsiu wort dar in,
daȥ gunēret iu den sin.
415daȥ gunēret in den sin,
lāt ir bœsiu wort dar in,
oder ir sīt tōren:
hüetet iuwer ōren.
Hüetet wol der drīer
420leider alze frīer:
zungen ougen ōren sint
dicke schalchaft, z’ēren blint.
dicke schalchaft, z’ēren blint
zungen ougen ōren sint:
425leider alze frīer
hüetet wol der drīer.
17.
Junc man, in swelher aht dū bist,
ich wil dich lēren einen list:
dū lā dir niht ze wē sīn nāch dem guote:
430lā dir’ȥ ouch niht z’unmære sīn.
und volges dū der lēre mīn,
sō wis gewis, eȥ frumt dir an dem muote.
die rede wil ich dir baȥ bescheiden.
lāst dū dir’ȥ ze sēre leiden,
435zergāt eȥ so ist dīn freude tōt:
wilt aber dū daȥ guot ze sēre minnen,
dū maht verliesen sēle und ēre.
dā von sō volge mīner lēre:
leg’ ūf die wāge ein rehteȥ lōt
440und wig ouch dar mit allen dīnen sinnen,
als eȥ diu māȥe eht ie gebōt.
18.
Die väter hānt ir kint erzogen,
dar an sie beide sint betrogen:
sie brechent dicke Salomōnes lēre:
445der sprichet, swer den besmen spar,
daȥ der den sun versūme gar:
des sint die ungebatten gar ān’ ēre.
hie vor dō was diu werlt sō schœne,
nū ịst sie worden alsō hœne.
450des enwas niht wīlent ē:
die jungen hānt die alten sō verdrungen.
nū spottet alse dar der alten!
eȥ wirt iu selben noch behalten.
beitet unz iuwer jugent zergē:
455swaȥ ir nū tuot, daȥ rechent iuwer jungen,
daȥ weiȥ ich wol und weiȥ noch mē.
19.
Wer zieret nū der ēren sal?
der jungen ritter zuht ist smal,
sō pflegent die knehte gar unhövescher dinge
460mit worten und mit werken ouch.
swer zühte hāt, der ist ir gouch.
nemt war, wie gar unfuoge für sich dringe!
hie vor dō berte man die jungen,
die dā pflāgen frecher zungen;
465nū ist eȥ ir werdekeit:
sie schallent unde scheltent reine frouwen.
wē ir hiuten unde ir hāren,
die niht kunnen frō gebāren
sunder wībe herzeleit!
470dā mac man sünde bī der schande schouwen,
die maneger ūf sich selben leit.
20.
Swer āne vorhte, hērre got,
wil sprechen dīniu zehen gebot
und brichet diu, daȥ ist niht rehtiu minne.
475dich heiȥet vater maneger vil:
swer mīn ze bruoder niht enwil,
der sprichet starkiu wort ūȥ krankem sinne.
wir wahsen ūȥ gelīchem dinge:
spīse frumet uns, diu wirt ringe,
480sō si durch den munt gevert.
wer kan den hērren von dem knehte scheiden
swa ẹr ir gebeine blōȥeȥ fünde,
und hæte er ir joch lebender künde,
sō gewürme daȥ fleisch verzert?
485im dienent kristen, juden unde heiden,
der elliu lebendiu wunder nert.
21.
Ōwē daȥ wīsheit unde tugent,
des mannes schœne noch sīn jugent
niht erben sol, sō ie der līp erstirbet!
490daȥ mac wol klagen ein wīser man,
der sich des schaden versinnen kan.
Reinmār, waȥ guoter kunst an dir verdirbet!
dū solt von schulden iemer des genieȥen,
daȥ dich des tages wolte nie verdrieȥen,
495du’n spræches ie den frouwen wol und guoten wībes siten.
des suln sie iemer danken dīner zungen.
und hætest niht wan eine rede gesungen:
‘sō wol dir, wīp, wie reine ein nam!’, dū hætest an gestriten
ir lobe, daȥ elliu wīp dir iemer gnāden solten biten.
22.
500Dēswār, Reinmār, dū riuwes mich
michels harter denne ich dich,
obe dū lebtes unde ich wære erstorben
ich wil’ȥ bī mīnen triuwen sagen:
dich selben wil ich lützel klagen,
505ich klage dīn edelen kunst, daȥ s’ist verdorben.
dū kundest al der werlte freude mēren,
sō du’ȥ ze guoten dingen woltest kēren.
mich riuwet dīn wol redender munt und dīn vil süeȥer sanc,
daȥ der verdorben ist bī mīnen zīten.
510daȥ dū niht eine wīle mohtest bīten!
sō leiste ich dir geselleschaft: mīn singen ist niht lanc.
dīn sēle müeȥe wol gevarn und habe dīn zunge danc.
V
REINMAR.
Reinmar, often called Reinmar der Alte, was by birth an Alsatian. He spent many years of his active life as Court poet at Vienna, where he was extremely popular. Next to his rival Walther von der Vogelweide he was the most prolific and important lyrical poet of his period, cp. ll. 487-512, pp. 132-3. He died some time during the first decade of the thirteenth century. See Burdach, Reinmar der Alte und Walther von der Vogelweide, Leipzig, 1880, and Bartsch, Deutsche Liederdichter des zwölften his vierzehnten Jahrhunderts, Stuttgart, 1879.
1
‘Sī koment underwīlen her
die baȥ dā heime möhten sīn.
Ein ritter des ich lange ger,
bedæhte er baȥ den willen mīn,
5sō wære er z’allen zīten hie,
als ich in gerne sæhe.
owē des, waȥ suochent die
die nīdent daȥ ob iemen guot geschæhe?’
Mir ist geschehen daȥ ich niht bin
10langer vrō wan unz ich lebe.
sī wundert wer mir schœnen sin
und daȥ hōhgemüete gebe
daȥ ich zer werlte niht getar
ze rehte alsō gebāren,
15nie genam ich vrowen war,
ich wære in holt die mir ze māȥe wāren.
2
Ein rede der liute tuot mir wē:
da enkan ich niht gedulteclīchen zuo gebāren.
nu tuont si’ȥ alle deste mē:
20sī frāgent mich ze vil von mīner frouwen jāren
und sprechent welher tage sī sī,
dur daȥ ich ir sō lange bin gewesen mit triuwen bī;
sī jehent daȥ es möhte mich verdrieȥen.
nu lā daȥ aller beste wīp
25ir zühtelōser vrāge mich genieȥen.
3
Sī jehent, der sumer der sī hie,
diu wunne diu sī komen
und daȥ ich mich wol gehabe als ē.
nu rātet unde sprechet wie:
30der tōt hāt mir benomen
daȥ ich niemer überwinde mē.
waȥ bedarf ich wunneclīcher zīt,
sīt aller vröuden hērre Liutpolt in der erde līt,
den ich nie tac getrūren sach?
35eȥ hāt diu werlt an ime verlorn
daȥ ir an manne nie
sō jæmerlīcher schade geschach.
‘Mir armen wībe was ze wol,
dō ich gedāhte an in
40wie mīn heil an sīnem lībe lac.
daȥ ich des nū niht haben sol,
des gāt mit sorgen hin
swaȥ ich iemer mē geleben mac.
mīner wunnen spiegel derst verlorn
45den ich mir hete ze sumerlīcher ougen weide erkorn,
des muoȥ ich leider ænic sīn.
dō man mir seite er wære tōt,
zehant wiel mir daȥ bluot
von herzen ūf die sēle mīn.
50Die fröide mir verboten hāt
mīns lieben hērren tōt
alsō deich ir mēr enberen sol.
sīt des nu niht mac werden rāt,
in ringe mit der nōt,
55daȥ mīn klagedeȥ herze ist jāmers vol,
diu in iemer weinet, daȥ bin ich,
wan er vil sælic man, jā trōste er wol ze lebenne mich.
der ist nu hin: waȥ töhte ich hie?
wis ime genædic, hērre got,
60wan tugenthafter gast
kam in dīn ingesinde nie.’
4
Ich welte ūf guoter liute sage
und ouch durch mīnes herzen rāt
ein wīp von der ich dicke trage
65vil manige nōt diu nāhe gāt.
die swære ich z’allen zīten klage,
wand eȥ mir kumberlīche stāt.
ich tet ir schīn den dienst mīn:
wie möhte ein grœȥer wunder sīn,
70daȥ sī mich des engelten lāt?
Ze rehter māȥe sol ein man
beidiu daȥ herze und al den sin
ze stæte wenden, ob er kan:
daȥ wirt im līhte ein guot gewin.
75swem dā von ie kein leit bekan,
der weiȥ wol wie’ch gebunden bin.
ich gloube im wol, als er mir sol.
von schulden ich den kumber dol:
ich brāhte selbe mich dar in.
5
80‘Er hāt ze lange mich gemiten
den ich mit triuwen nie gemeit.
von sīner schulde ich hān erliten
daȥ ich nie grœȥer nōt erleit.
sō lebt mīn līp nāch sīnem lībe.
85ich bin ein wīp, daȥ im von wībe
nie liebes mē geschach, swie mir von im geschæhe.
mīn ouge in gerner nie gesach dann ich in hiute sæhe.’
Mir ist vil liebe nu geschehen,
daȥ mir sō liebe nie geschach.
90sō gerne hān ich sī gesehen
daȥ ich sī gerner nie gesach.
ich scheide ir muot von schwachem muote:
sī ist sō guot, ich wil mit guote
ir lōnen, ob ich kan, als ich doch gerne kunde.
95vil mēre fröiden ich ir gan dann ich mir selben gunde.
6
Wol mich lieber mære,
diu ich hān vernomen,
daȥ der winter swære
welle ze ende komen.
100kūme ich des erbeiten mac,
want ich fröide niht enpflac
sīt der kalte rīfe lac.
Mich enhaȥȥet niemen,
ob ich bin gemeit.
105Weiȥ got, tuot eȥ iemen,
deist unsælekeit,
wande ich schaden niht enkan.
swes ot sī mir wole gan,
waȥ wil des ein ander man?
110Solte ich mīne liebe
bergen unde heln,
sō müest ich ze diebe
werden unde steln.
sinneclīch ich daȥ bewar.
115mīn gewerbe ist anderswar,
ich gē dannen oder dar.
Sō sī mit dem balle
trībet kindes spot,
daȥ’s iht sēre valle,
120daȥ verbiete got.
megde, lāt iur dringen sīn:
stōȥet ir mīn frouwelīn,
so’st der schade halber mīn.
7
Ich sach vil wunneclīche stān
125die heide mit den bluomen rōt,
der vīol der ist wol getān:
des hāt diu nahtegal ir nōt
wol überwunden diu sī twanc.
zergangen ist der winter lanc.
130ich hōrte ir sanc.
Dō ich daȥ grüene loup ersach,
dō lieȥ ich vil der swære mīn.
von einem wībe mir geschach
daȥ ich muoȥ iemer mēre sīn
135vil wunneclīchen wol gemuot.
eȥ sol mich alleȥ dunken guot
swaȥ sī mir tuot.
Sī schiet von sorgen mīnen līp,
daȥ ich dekeine swære hān.
140wan āne sī vier tūsent wīp
dien heten’s alle niht getān.
ir güete wendet mīniu leit.
ich hān sī mir ze friunt bereit,
swaȥ iemen seit.
145Mir’n mac niht leides widerstān:
des wil ich gar ān angest sīn.
ergienge eȥ als ich willen hān,
sō læge’s an dem arme mīn.
daȥ mir der schœnen wurde ein teil,
150daȥ diuhte mich ein michel heil,
und wære ouch geil.
Deich ir sō holdeȥ herze trage,
daȥ ist in sumelīchen leit.
dar umbe ich niemer sō verzage:
155sī vliesent alle ir arebeit.
waȥ hilfet sī ir arger list?
si’n wiȥȥen wie’ȥ ergangen ist
in kurzer frist.
8
Mīn ougen wurden liebes alsō vol,
160dō ich die minneclīchen ērst gesach,
daȥ eȥ mir hiute und iemer mē tuot wol.
ein minneclīcheȥ wunder dō geschach:
sī gie mir alse sanfte dur mīn ougen
daȥ sī sich in der enge niene stieȥ.
165in mīnem herzen sī sich nider lieȥ:
dā trage ich noch die werden inne tougen.
Lā stān, lā stān! waȥ tuost du, sælic wīp,
daȥ du mich heimesuochest an der stat,
dar sō gewalteclīche wībes līp
170mit starker heimesuoche nie getrat?
genāde, frowe! ich mac dir niht gestrīten.
mīn herze ist dir baȥ veile danne mir:
eȥ solde sīn bī mir, nu’st eȥ bī dir:
des muoȥ ich ūf genāde lōnes bīten.
9
175Ze fröiden nāhet alle tage
der werlte ein wunneclīchiu zīt,
ze senfte maniges herzen klage
die nu der swære winter gīt.
von sorge ich dicke sō verzage,
180swenn alsō jæmerlīche līt
diu heide breit. daȥ ist mir leit.
diu nahtegal uns schiere seit
daȥ sich gescheiden hāt der strīt.
10
Sō wol dir, wīp, wie reine ein nam!
185wie sanfte er doch z’erkennen und ze nennen ist!
eȥ wart nie niht sō lobesam,
swā du’ȥ an rehte güete kērest, sō dū bist.
dīn lop mit rede nieman wol volenden kan.
swes dū mit triuwen pfligest wol, der ist ein sælic man
190und mac vil gerne leben.
dū gīst al der werlte hohen muot:
maht dū ouch mir ein wēnic freude geben?
VI
ULRICH VON LICHTENSTEIN.
Ulrich von Lichtenstein came of a better-class Styrian family, and was born about the year 1200 and died in 1275 or 1276. He was one of the best representatives of the later Court lyrical poets. For editions of his works, see Lachmann, Ausgabe der Dichtungen Ulrichs von Lichtenstein, Berlin, 1841; Bechstein, Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst, Leipzig, 1887. The following extracts are taken from Bartsch, Deutsche Liederdichter des zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts, Stuttgart, 1889.
1
Ein tanzwīse, und ist diu vierde wīse.
In dem walde süeȥe dœne
singent kleiniu vogellīn.
an der heide bluomen schœne
blüejent gegen des meien schīn.
5alsō blüet mīn hōher muot
mit gedanken gegen ir güete,
diu mir rīchet mīn gemüete
sam der troum den armen tuot.
Eȥ ist ein vil hōch gedinge
10den ich gegen ir tugenden trage,
daȥ mir noch an ir gelinge,
daȥ ich sælde an ir bejage.
des gedingen bin ich vrō.
god geb’ daȥ ich’ȥ wol verende,
15daȥ sie mir den wān iht wende
der mich freut sō rehte hō.
Sie vil süeȥe, valsches āne,
vrī vor allem wandel gar,
lāȥe mich in liebem wāne
20die wīl eȥ niht baȥ envar;
daȥ diu vreude lange wer,
daȥ ich weinens iht erwache,
daȥ ich gegen dem trōste lache
des ich von ir hulden ger.
25Wünschen unde wol gedenken
dēst diu meiste vreude mīn.
des sol mir ir trōst niht wenken,
sie enlāȥe mich ir sīn
mit den beiden nāhen bī,
30sō daȥ sie mit willen gunne
mir von ir sō werder wunne
daȥ sie sælic immer sī.
Sælic meie, du aleine
trœstest al die welde gar.
35du und al diu werlt gemeine
vreut mich min dann umb ein hār.
wie möht’ ir mir vreude geben
āne die vil lieben guoten?
von der sol ich trōstes muoten;
40wan ir trōstes muoȥ ich leben.
2
Ein sincwīse, und ist diu sibende wīse.
Wē war umbe sul wir sorgen?
vreude ist guot.
von den wīben sol man borgen
hōhen muot.
45wol im der in kan gewinnen
von in! der’st ein sælic man.
freude sol man durch sie minnen,
wan dā līt vil ēren an.
Wir suln tanzen singen lachen
50durch diu wīp.
dā mit mac ein man gemachen
daȥ sīn līp
wirdet wert, ob er mit triuwen
dienet guoter wībe gruoȥ.
55swen sīn dienest wil geriuwen,
dem wirt selten kumbers buoȥ.
Mit dem waȥȥer man daȥ, fiuwer
laschet gar:
vinster ist der sunnen tiuwer.
60beidiu wār
sint diu mære: ir hœret mēre.
habet für wār ūf minen līp:
rehten man von herzen sēre
scheidet nieman wan diu wīp.
65Owē owē, frowe Minne,
mir ist wē.
nu grīf her wie sēre ich brinne.
kalder snē
müeste von der hitze brinnen
70diu mir an dem herzen līt.
kanstu, Minne, triuwe minnen,
sō hilfestu mir enzīt.
3
Daȥ ist ein ūȥreise.
Wil iemen nāch ēren die zīt wol vertrīben,
ze sælden sich kēren, bī freuden belīben,
75der diene ze flīȥe mit triuwen vil schōne
nāch der minne lōne: der ist süeȥe, reine,
vil guot und aleine den guoten gemeine.
Swer volget dem schilde, der sol eȥ enblanden
dem lībe, dem guote, dem herzen, den handen.
80des lōnet vil hōhe mit guotem gewinne
diu vil werde Minne: diu gīt freud’ und ēre.
wol ir süeȥen lēre! sie kan trœsten sēre.
Der schilt wil mit zühten vil baltlīcheȥ ellen:
er haȥȥet, er schiuhet Schand’ und ir gesellen.
85got des niht enwelle daȥ man bī im vinde
sō swachlīch gesinde, er wil daȥ die sīnen
ūf ēre sich pīnen, in tugenden erschīnen.
Erg’ unde unfuoge und unfuore diu wilde
gezimt niht dem helme und touc niht dem schilde,
90der schilt ist ein dach daȥ niht schande kan decken.
sīn blic tæt’ enblecken an ēren die weichen,
von vorhten erbleichen: diu varwe ist ir zeichen.
Hōchgemuote frouwen, ir sült wol gedenken:
getriuwen gesellen vil stæte āne wenken
95den minnet, den meinet, mit herzen, mit muote,
daȥ in iwer huote behalte, behüete
mit liebe, mit güete, vrī vor ungemüete.
Sie ist āne schulde mir haȥlīch erbolgen
der ich ze dienste dem schilde wil volgen.
100nu hān ich für zürnen noch für herzen sēre
niht ander schilt mēre wan den trōst aleine,
daȥ ich sie baȥ meine dann ie wīp deheine.
Gein ir langen kriege setz’ ich mīn gedulde:
sō stē gein ir haȥȥe ze wer mīn unschulde.
105mīn wer gein den valschen daȥ sol sīn mīn triuwe
vil süeȥe āne riuwe: mīn kampflīch gewæte
für ir nīdetæte daȥ sol sīn mīn stæte.
4
Ditz ist der leich.
Got füege mir’ȥ ze guote:
ich bin noch in dem muote
110daȥ ich wil guoten wīben
mit dienest āne valschen muot immer bī belīben.
dā von rāt’ ich einen rāt
der allen wol gemuoten mannen tugentlīchen stāt.
Ich rāt’ iu, ēre gerende man,
115mit triuwen, als ich beste kan:
ob ir welt werende freude hān,
sō sīt den wīben undertān
mit triwen āne valschen muot.
ir güete ist alsō rehte guot,
120swer in mit triwen dienest tuot,
den kunnen sie wol machen frō.
der werlde heil gar an in līt:
ir güete ist freuden hōchgezīt,
ir schœne sō vil freuden gīt,
125dā von diu herze stīgent hō.
Werdekeit
sunder leit
kunnen sie wol friunden geben.
swem sō sī
130witze bī,
der sol nāch ir hulden streben
unde zinsen in sīn leben:
daȥ rāte ich ūf die triwe mīn.
swer ēren sælic welle sīn
135und rīche an hōhem muote,
der sol mit triwen guotiu wīp
reht minnen als sīn selbes līp.
vil guot vor allem guote
ist der wībe güete, unde ir schœne schœne ob aller schœne.
140ir schœne ir güete ir werdikeit ich immer gerne krœne.
an ir schœne und an ir güete stāt mīn heil und ouch mīn wunne.
wær’ guoter wībe schœne niht, wie selten ich gewunne
deheinen ēren gernden muot.
wol mich daȥ sie sint alsō guot,
145daȥ man hāt von ir güete
sō hōhen trōst für senediu leit.
ir schœne, ir güete, ir werdikeit
gīt mir vil hōch gemüete.
Mīn muot von wīben hōhe stāt.
150waȥ danne ob mir ir einiu hāt
erzeiget hōhe missetāt?
dēswār des mac wol werden rāt.
Waȥ sie gegen mir hāt getān,
daȥ wil ich gerne wiȥȥen lān
155mit zühten, als ich beste kan,
ūf genāde guotiu wīp.
ich hān ir driu und zehen jār
gedienet sunder wenken gar,
bī mīnen triwen, daȥ ist wār,
160daȥ in der zīt mīn seneder līp
nie gewan
sölhen wān,
des mīn stæte wurde kranc.
al mīn gir
165was gein ir
sleht mit triwen āne wanc.
nu vert entwer ir habedanc
reht als ein rat daȥ umbe gāt
und als ein marder den man hāt
170in eine lin gebunden.
kund’ ich als sie unstæte sīn,
sō hæt’ ich nāch dem willen mīn
ān sie ein frowen funden.
Ē daz ich mīn ritterlīche stæte bræch’ an guoten wīben
175ich wold’ ē immer valscher wībe hulde vrī belīben.
ich muoȥ in der stæten wībe dienest sunder lōn verderben
oder ich muoȥ ir stæten herzen liebe alsus erwerben
daȥ ich gewenke nimmer wanc
von in. ir hōhen habedanc,
180und mag ich den erringen,
sō hān ich alleȥ daȥ ich wil,
süeȥ’ ougen wunne, herzen spil,
vil wunne an allen dingen.
Nu waȥ bedarf mīn seneder līp
185genāden mēr, ob ich ein wīp
ze frowen vinde alsō gemuot,
diu sich vor wandel hāt behuot
und niht wan daȥ beste tuot?
der sol mīn dienest sīn bereit
190immer mē,
swie’ȥ ergē,
sunder valsch mit stætikeit.
dā von gewinne ich werdikeit
und alsō freuderīchen sin,
195des ich getiuret immer bin
an aller hande dingen.
Vind’ ich sie, ich sol sō ritterlīchen nāch ir hulden ringen.
daȥ mir von ir stætikeit muoȥ hō an ir gelingen.
sie muoȥ abr ūf die triwe mīn
200gar vrī vor allem wandel sīn,
diech mēr mich lāȥe twingen
und ouch in kumber bringen.
jā gehœret man mich nimmer mē
deheines valschen wībes lop gesprechen noch gesingen.