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Aladdin und die Wunderlampe / Tausend und einer Nacht nacherzaehlt cover

Aladdin und die Wunderlampe / Tausend und einer Nacht nacherzaehlt

Chapter 19: 14.
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About This Book

A poor, idle youth is recruited by a cunning sorcerer to fetch a treasure in a secret cave, where he obtains a magical ring and a lamp whose spirit grants wealth and protection. He uses the lamp's power to rise from poverty, build a splendid household, and win the hand of a princess. When the sorcerer steals the lamp, a contest of trickery ensues; through resourcefulness the youth recovers the lamp, overcomes the sorcerer, and secures his fortune and position.

11.

Am Tag darauf,

Als schon des Sonnenballes Lauf

Sich nah dem Mittagsgipfel zeigte,

Schritt Aladdin mit einem Heere

Von Dienern auf dem kurzen Pfad

Hinüber zum Palast und bat

Den Schwiegervater um die Ehre,

Sein Schloß in Augenschein zu nehmen.

Gewiß, der Sultan mochte gern

Zu dieser Einkehr sich bequemen

Und ging, begleitet von den Herrn

Des Hofs, mit ihm dorthin zu Fuße.

Doch als er wieder heimgekehrt,

Um manchen großen Eindruck reicher.

Da schlängelte der alte Schleicher

Von Großvezier sich unbegehrt

An ihn heran mit dem Vermerk:

"Wer könnte diesen Bau betrachten,

Erhabner, ohne für ein Werk

Der Zauberkunst ihn zu erachten?"

Der Sultan drauf mit strengem Blick:

"Das hochzeitliche Mißgeschick,

Das deinem Sohn so schlecht bekam,

Kannst du noch immer nicht verschmerzen,

Bist Aladdin deswegen gram

Und suchst ihn grundlos anzuschwärzen."

Der Zauberer befragt die "schwarze Kunst" über Aladdin

Der Zaubrer, der mit schnöder List

Ihn einst sich ausgesucht als Neffen,

Dann heimgewandert und seit Jahren

In Afrika nun wieder saß,

Wollt' eines Tages, rein zum Spaß,

Genaueres davon erfahren,

Wie Aladdin zugrund gegangen.

Denn daß der Bursch aus jener Gruft

Nie mehr, nachdem er drin gefangen,

Zurückgekehrt zu Licht und Luft,

War nicht im mindesten ihm fraglich;

Die Frage, die er noch gespart,

Galt einzig seiner Todesart.

Er setzte sich darum behaglich

An einen Tisch, worauf mit Sand

Gefüllt ein Viereck sich befand

In Schachtelform, nahm einen Stift

Und zog damit nach Zaubrerweise

Im Sande Linien und Kreise

Nebst Lettern einer fremden Schrift.

Berechnend, murmelnd unverständlich,

Nach Grundsatz, Regel und Gebot

Geheimer Schwarzkunst, bracht' er endlich

Heraus, daß Aladdin nicht tot,

Nein, daß er aus der Gruft entsprungen,

Zu Glanz und Ruhm sich aufgeschwungen

Und obendrein als der Gemahl

Der Sultanstochter herrlich lebe.

Ha, war das tückische Gewebe

Zerfetzt? Er wurde leichenfahl,

Krebsrot und wieder kreideblaß

Und dann vor Mißgunst gelb und gelber.

"Wie?" rief er aus in Wut und Haß,

"Der Schatz, den mühsam für mich selber

Ich ausgespürt mit saurem Schweiß,

In zähem, jahrelangem Fleiß,

Der Lampe hohe Wunderkraft

Ward mir zu meines Forschens Lohne

Von einem niedren Schneidersohne,

Von einem Tagedieb entrafft!

Er, den vermodert ich gewähnt,

Er darf zu schwelgen sich erfrechen

Im Reichtum, den er mir entlehnt!

Doch nur Geduld, ich will mich rächen!"

Er warf somit am selben Tag

Aufs Pferd sich ohne viel Besinnen

Und galoppierte stracks von hinnen

Zum Reich, das fern im Osten lag.


12.

Nachdem er auf der langen Reise

Sich und sein Pferd halb tot gehetzt,

Sich nur an kurzem Schlaf geletzt,

Sich nur genährt mit knapper Speise,

Mit kargem Trank erfrischt, gelangte

Der Zaubrer in des Sultans Reich,

Und bald vor seinen Augen prangte

Die Hauptstadt, wo sein Schurkenstreich

Ihm damals kläglich war mißlungen.

In einem kleinen Gasthaus stieg

Er ab, um seinen Rachekrieg

Zu fördern durch Erkundigungen.

Wo mochte wohl die Lampe stecken?

Wenn ihren Aufbewahrungsplatz

Er fähig wäre zu entdecken,

Dann könnt' er den ersehnten Schatz

Von ihm erlisten, Raub um Raub,

Und von der angemaßten Zinne

Zurück ihn schmettern in den Staub.

Er nahm behend wie eine Spinne,

Die rastlos webt an ihrem Netze,

Das Zauberviereck wieder vor,

Und durch die magischen Gesetze,

Die mit Gekritzel er beschwor

Und knifflicher Berechnungsart,

Ward bald unfehlbar ihm verraten:

Die Lampe war im Schloß verwahrt.

In ihrem großen Kuppelsaal

Saß Bedrulbudur. Das Gehöhne

Der Kinder und die schrillen Töne

Des Rufers drangen auch zu ihr,

Und einer Sklavin aufzutragen

Gebot ihr drum die Wißbegier,

Sie mög' hinuntergehn und fragen,

Was dieser wüste Lärm bedeute.

Die Sklavin ging und lachte hell,

Da sie zurückkam: "Der Gesell,

Der dort umringt wird von der Meute,

Ist ohne Zweifel gänzlich toll.

Sein Tragkorb ist von einem Haufen

Der schönsten neuen Lampen voll;

Er aber will sie nicht verkaufen,

Nein, will sie tauschen gegen alte."

"Was ist dein Begehr?"

So rief im nächsten Augenblicke

Der Geist, an Länge, Breite, Dicke

Fünfmal so massig wie ein Bär;

"Die Lampe macht es mir zur Pflicht,

Daß ich gehorsam dich bediene."

Der Zaubrer sprach mit Siegermiene:

"Du sollst das Schloß, das jener Wicht

Von dir sich hat erbauen lassen,

Mit seinen sämtlichen Insassen

Und mir zugleich alsbald von da

Forttragen durch des Äthers Wellen

Und an dem Punkt in Afrika,

Wo ich daheim bin, niederstellen."

Gehorsam seinem neuen Meister

Vollzog der Geist noch in der Nacht

Mit Hilfe seiner Nebengeister

Den Auftrag.

Der Sultan, der dem Lästerwort

Nicht mehr zu widerstehn vermochte,

Ward kirschrot im Gesicht; er kochte

Vor Zorn und fluchte: "Pest und Mord!

Ein Gauner, listig und verlogen,

Hat an der Nase mich gezogen!

Wo ist der Schurk', der das gewagt?

Noch heute soll sein Blut verschäumen!"

Drauf jener: "Herr, laß uns nur säumen,

Bis er zurückkehrt von der Jagd."

"Nichts da! Das wäre zu viel Schonung,"

Entgegnete der Sultan wild;

"Vom Henker werd' ihm die Belohnung,

Mit der man Hochverrat vergilt.

Geh', schick' ihm dreißig Reiter nach!

Die sollen unterwegs ihn greifen,

Verhaften und mit Schimpf und Schmach

Gefesselt vor mein Antlitz schleifen!"


13.

Der Liebling aller war in Not!

Man wußte nicht, aus welchem Grunde,

Sah nur ihn von Gefahr bedroht

Und wollte drum, zu raschem Bunde

Vereinigt, ihm die Freiheit schaffen.

Ein Teil ergriff metallne Waffen,

Ein andrer Steine, Knüttel, Stangen,

Den Reitern sperrend Weg und Raum;

Mit ihrem Häftling konnten kaum

Sie bis in den Palast gelangen.

Aladdins schlimmste Stunde

Da—was ist das? Was dröhnt und gellt?

Was schwillt und wirbelt, brandend, brausend?

Vom Volke haben viele Tausend

Im Aufruhr den Palast umstellt.

Man reißt und rüttelt an den Mauern,

Man bricht aus ihnen Stein um Stein,

Und lange kann es nicht mehr dauern,

Da stürzen sie zertrümmert ein,

Und alle Tore klaffen splitternd.

"O Herr, bedenk'!" so wendet zitternd

Zum Sultan sich der Großvezier,

"Schau hin, wie meuterische Horden,

Vollständig zügellos geworden,

Gleich einem grimmen Riesentier

Sich gegen deine Mauern türmen!

Der Mensch hat auch dein Volk behext,

Und wenn du diesen Spruch vollstreckst,

Dann wird es den Palast erstürmen."

Bekümmert, mit gesenktem Haupt

Schlich Aladdin wie ausgestoßen

Von dannen, und dieselben Großen,

An deren Freundschaft er geglaubt,

Die gestern noch ihm auf dem Fuß

Gefolgt, um sich vor ihm zu bücken,

Vermieden heute seinen Gruß

Und kehrten lieblos ihm den Rücken.

Was konnt' er tun? Wohin sich wenden?

Er lief, im Kopfe wirr und kraus,

Umher, die Stadt von Haus zu Haus,

Von Tür zu Tür nach allen Enden

Durchwandernd, ohne zu verstehn,

In welcher Absicht, fragte jeden

Mit abgeriss'nen irren Reden,

Ob irgendwer sein Schloß gesehn.

Gar manche wurden übermannt

Von Mitleid; andre wieder lachten

Ihn aus, vermutlich, weil sie dachten,

Er sei nicht richtig bei Verstand.

Der Geist führt Aladdin nach Afrika

Drauf Aladdin: "O Geist, errette

Zum zweiten Male mich vom Tod

Und bring', bevor der Morgen loht,

Mein Schloß zurück zur alten Stätte!"

Der Geist versetzte: "Dies Gebot

Verträgt sich nicht mit meinem Walten.

Ich diene nur dem Ring. Du mußt

Dich an den Geist der Lampe halten."

"Nun wohl; jedoch wenn dir bewußt,

Wo sich zurzeit mein Schloß befindet,"

Sprach Aladdin, "befehl' ich dir

Kraft dieses Ringes, der dich bindet:

Befördre mich sogleich von hier

Gradaus an seinen neuen Platz!"

Kaum ausgesprochen war der Satz,

Da trug beflügelt ihn der Riese

Nach Afrika, zu jenem Ort,

Wo nun inmitten einer Wiese

Das Bauwerk stand, und setzte dort

Ihn sänftlich nieder auf das Gras.

Zwar blieb es Aladdin verborgen,

Daß er im Innern Afrikas

Gelandet war; doch er genas

Von allen Martern, allen Sorgen,

Als er den wohlbekannten Bau

Trotz dunkler Nacht im Sternenschimmer

Gewahrte, ja sogar die Zimmer

Dicht vor sich sah, die seiner Frau

Zur Wohnung dienten; und sie schlief

Wahrscheinlich dort schon fest und tief.

Um Lärm und Aufsehn zu vermeiden,

Hielt er gewaltsam sich zurück,

Wie schwer's auch war, so nah dem Glück

Bis morgen früh sich zu bescheiden.

Er streckte, von der langen Pein

Ermattet, unter einer Palme

Sich aus zum Schlummer, und die Halme

Des Grases wiegten mild ihn ein.


14.

Erweckt von süßen Vogelliedern

Hob er sich mit gestählten Gliedern

Vom Lager zeitig, und gelenkt

Von Sehnsucht fiel zu seiner Freude

Sein erster Blick auf das Gebäude,

Das ihm erschien wie neu geschenkt.

Auch die Prinzessin, die vor Kummer

Und tausend Ängsten Nacht für Nacht

In all der Zeit nur wenig Schlummer

Gefunden hatte, war erwacht.

Wer aber schildert ihre Wonne,

Da vor dem Fenster sich im Strahl

Der eben aufgegangnen Sonne

Leibhaftig vorfand ihr Gemahl!

Erst wechselten sie hundertfach

Kußhände, Grüße, Flüsterworte;

Dann schlich durch eine kleine Pforte

Verstohlen er in ihr Gemach.

Aladdin holt sich die Wunderlampe wieder

Der Zaubrer bildete frohlockend

Sich ein, gewonnen sei das Spiel,

Sah sich im Geiste schon am Ziel

Des kühnsten Wunsches, dankte stockend

Und setzte sich mit ihr zu Tisch.

Wie dort zu ihm verführerisch

Nun ihre Blicke sich erhoben,

Da schien es ihm unzweifelhaft,

Sie habe sich in ihn vergafft

Und wolle sich mit ihm verloben.

Ein üppig Mahl ward aufgetragen,

Und eine Sklavin reichte Wein.

Selbst schenkte die Prinzessin ein,

Goß unbemerkbar ohne Zagen

Das Pulver in des Gastes Becher

Und sprach: "Willst du mir frohen Mut

Bereiten, dann als wackrer Zecher

Trink' auf mein Wohl dies Rebenblut!"

"Ja, du Geliebte, du Verehrte,

Dies auf dein Wohl und unsern Bund!"

So rief er hochbeglückt und leerte

Den Becher aus bis auf den Grund.

Nach einem letzten kurzen Schnaufen

Fiel er bewußtlos rücklings hin.

Geholt von einer Dienerin

Kam Aladdin herbeigelaufen.

Als Bedrulbudur ihn umschlang,

Sprach er: "Begib dich auf dein Zimmer;

Denn mancherlei bleibt mir noch immer

Zu tun, obwohl dir dies gelang."

Nachdem sie sich entfernt, verlor

Er keine Zeit. Er riß der Leiche

Das Kleid auf, zog die wunderreiche

Geraubte Lampe draus hervor,

Ließ das entseelte Jammerbild

Fortschaffen von zwei starken Knechten

Hinaus ins nächtige Gefild,

Damit die Geier sein gedächten,

Wenn sie's gelüstete nach Speise,

Berief dann in gewohnter Weise

Den Geist und sagte: "Bring' sofort

Mein Schloß an seine alte Stelle!"

Noch nicht vollendet war das Wort,

Als schon der Geist in Windesschnelle

Mit fast unmerklichem Vollzug

Das Bauwerk durch die Lüfte trug.


15.

Ihr Vater war damit zufrieden,

Und als nunmehr auch Aladdin

Ins Zimmer kam, da zog er ihn

An seine Brust und sprach: "Hienieden

Ist man dem Irrtum ausgesetzt.

Vergib mir, wenn aus Übereilung,

Mein Sohn, ich blindlings dich verletzt.

Du brachtest meinen Schmerzen Heilung,

Indem du mir mein Kind befreit

Und sie behütet hast vor Schande;

Dies dank' ich dir für alle Zeit."—

Gefeiert ward im ganzen Lande

Die Wiederkehr des jungen Paars.

Ihr Glück verdüsterte kein Schatten.

Doch nicht die letzte Prüfung war's,

Die beide zu bestehen hatten.

Sodann vor einem Spiegel schor

Den Bart sich weg der Halsabschneider,

Warf sich in seines Opfers Kleider,

Und als die Sonne stieg empor,

Trat er verschleiert auf die Gasse.

Der eine sprach zum andern: "Schau,

Dort geht einher die fromme Frau,"

Und eine große Menschenmasse

Umgab ihn rings voll Dankgefühl

Und folgte, Segenswünsche hegend,

Ihm nach bis in des Schlosses Gegend.—

Als die Prinzessin das Gewühl,

Vom Kuppelsaal herunterlugend,

Wahrnahm und obendrein erfuhr,

Daß all dies bunte Volk der Spur

Fatimens folge, deren Tugend

Und Heiligkeit ihr längst bekannt

Als der Verehrung Gegenstand

Und als das Vorbild frommer Sitten,

Da dachte sie, daß ihr gezieme,

Die Frau zu sich heraufzubitten.

Zu der vermeintlichen Fatime

Kam eine Botin, sie zu holen.

Der Zaubrer, nicht an seinem Sieg

Mehr zweifelnd, schmunzelte verstohlen,

Als er mit ihr den Saal erstieg,

Und fing, nachdem er ihn betreten,

Mit solcher Inbrunst an zu beten,

Daß die Prinzessin sich verneigte

Voll Ehrerbietung. Da der Schlimme

Sie ansprach mit verstellter Stimme,

Sowie nur hinter Schleiern zeigte

Sein glattgeschorenes Gesicht,

Erkannt' ihn Bedrulbudur nicht

Und sprach "Laß mich die Gunst begehren,

Fatime, daß du dauernd weilst

An unserm Herd und gute Lehren

Zu frommem Wandel mir erteilst."

Der abgefeimte Tückebold

Erklärte gern sich einverstanden;

Das war es ja, was er gewollt!

"Ein stilles Zimmer ist vorhanden

Im Schloß," fuhr die Prinzessin fort

In ihrer gläubigen Betonung,

"Und deiner Andacht wirst du dort

Obliegen können ohne Störung.

Erst aber mögest du mir ehrlich

Gestehn, wie dir das Schloß gefällt."

Der Zaubrer gab zur Antwort. "Schwerlich

Ist seinesgleichen auf der Welt;

Und dennoch, trotz der Raumverschwendung

Und dem Geschmack der Farbenwahl,

Bedrückt mich, daß in diesem Saal

Noch etwas mangelt zur Vollendung."

"Was ist es?" Scheinbar auf ihr Drängen

Erwiderte der Schuft: "Verzeih',

Von dieser Kuppel müßt' ein Ei

Des Vogels Roch herunterhängen."

Sie fragte, wo man das wohl fände.

Der Zaubrer drauf: "Gewaltig groß

Ist dieser Roch und nistet bloß

Auf Spitzen schroffer Bergeswände."

Sie dankte für den Rat und führte

Die falsche Heilige, noch immer

Nichtsahnend, selber auf ihr Zimmer.