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Aladdin und die Wunderlampe / Tausend und einer Nacht nacherzaehlt cover

Aladdin und die Wunderlampe / Tausend und einer Nacht nacherzaehlt

Chapter 7: 2.
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About This Book

A poor, idle youth is recruited by a cunning sorcerer to fetch a treasure in a secret cave, where he obtains a magical ring and a lamp whose spirit grants wealth and protection. He uses the lamp's power to rise from poverty, build a splendid household, and win the hand of a princess. When the sorcerer steals the lamp, a contest of trickery ensues; through resourcefulness the youth recovers the lamp, overcomes the sorcerer, and secures his fortune and position.

The Project Gutenberg eBook of Aladdin und die Wunderlampe

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Title: Aladdin und die Wunderlampe

Author: Ludwig Fulda

Release date: November 30, 2004 [eBook #14221]
Most recently updated: October 28, 2024

Language: German

Credits: E-text prepared by Miranda van de Heijning and the Project Gutenberg Online Distributed Proofreading Team

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ALADDIN UND DIE WUNDERLAMPE ***

The Project Gutenberg eBook, Aladdin und die Wunderlampe, by Ludwig Fulda, Illustrated by Max Liebert

 

 


 

Aladdin und die Wunderlampe

Tausend und einer Nacht nacherzählt

von

Ludwig Fulda

Mit Bildern von Max Liebert

Berlin 1912


1.

Kommt, Kinder, faßt mich bei der Hand!

Ich führ' euch in das Morgenland

Und in sein Märchenparadies

Auf einem wohlbekannten Pfade.

Vor langen, langen Jahren wies

Ihn die berühmte Schehersade

Dem argen Sultan Scheherban,

Sodaß der greuliche Tyrann—

Weil ihre Kunst, in bunten Bildern

Ihm eine Zauberwelt zu schildern,

Unwiderstehlich ihn berauschte—

Vergessend Speis' und Trank und Ruh',

Ihr volle tausend Nächte lauschte

Und eine weitre noch dazu.

Von jenen köstlichen Geschichten,

Mit denen sie sein Ohr betört,

Will ich euch eine nun berichten;

Seid also mäuschenstill und hört:

Den Sohn—man hieß ihn Aladdin—

Konnt' er nur mangelhaft erziehn;

So ward aus dem ein rechter Flegel,

Der gut tat, nur solang' er schlief,

Der schon frühmorgens in der Regel

Barfüßig auf die Gasse lief,

Sich dort herumtrieb nach Belieben

Mit andern kleinen Tagedieben

Und, bis ihm durch ihr Heer von Sternen

Den Heimweg zeigen ließ die Nacht,

Auf jeden Unfug war bedacht,

Sich aber sträubte, was zu lernen.

Der Vater hieb den Arm sich lahm,

Sah schließlich ein, mit solchem Rangen

Sei nichts Gescheites anzufangen,

Und wurde krank und starb vor Gram.

Gesagt, getan. Sie gingen beide

Von jetzt ab täglich durch die Stadt,

Und Aladdin, im neuen Kleide

Stolz wie ein Pfau, ward nimmer satt,

Sich wißbegierig anzusehn,

Was ihm sein guter Oheim zeigte.

Sie wandelten durch weitverzweigte

Gewölbe, Hallen und Moscheen,

Betrachteten die schönsten Läden,

Der Straßen emsiges Gewühl,

Die Brunnen, draus erquickend kühl

Das Wasser schoß in Silberfäden,

Von hohen Palmen überschattet,

Und drangen durch ein Gittertor,

Wo freier Zutritt war gestattet,

zum Prachtpalast des Sultans vor.

Auch pilgerten sie manchen Tag,

Die Glieder doppelt rüstig regend,

Hinaus in die begrünte Gegend,

Bis fern die Stadt im Rücken lag

Und zu den Gärten sie gelangten,

Drin unter üppigem Gerank

Die wundersamsten Blumen prangten,

Umspült von Teichen spiegelblank.

Aladdin im Zaubergarten


2.

So setzten ihren Weg sie fort

Und kamen bis zu einem Ort,

Den riesenhafte Felsenwälle

Allseitig schienen zu verrammeln.

Der Oheim rief: "Wir sind zur Stelle!"

Er hieß ihn trocknes Reisig sammeln,

Schlug Feuer, das bald lustig sprühte,

Warf Räucherwerk aus einer Düte

Hinein und murmelte dann leise,

Sobald sich Qualm und Schwefelduft

Verbreiteten in dichtem Kreise,

Seltsame Formeln in die Luft.

Aladdins Oheim murmelt eine Zauberformel

Und richtig, als nach bangem Säumen

Der Bursch am Eisenringe zog,

Konnt' er den Stein beiseite räumen,

Obwohl er hundert Zentner wog,

Und er gewahrte drunter Stufen

Nebst einer Tür. "In diesen Schacht

zu steigen bist nur du berufen,"

Begann der Oheim; "drum gib acht

Auf alles, was ich nun dafür

Zu deinem Schutz dir anempfehle.

Geöffnet findest du die Tür;

Sie führt in drei gewölbte Säle.

In jedem stehn vier große Becken

Voll Gold und Silber; doch laß ab,

Die Hand nach ihnen auszustrecken.

Schürz' auch dein Kleid und gürt' es knapp;

Denn streift es irgendwo die Wände,

So mußt du deinen Tod erwarten.

An jenes dritten Saales Ende

Wird auftun sich vor dir ein Garten,

Bepflanzt mit Bäumen mannigfalt,

Ein jeder voll mit Frucht behangen.

Geh' nur gradaus, dann wirst du bald

Zu einer Treppe hingelangen;

Ersteige sie getrost: sie mündet

Auf eine stattliche Terrasse;

In einer Nische angezündet

Steht eine Lampe dort. Die fasse,

Verlösch' sie, gieß' die Flüssigkeit

Mitsamt dem Docht heraus, verhülle

Sie sorgsam unter deinem Kleid

Und bring' sie mir. Wenn dich die Fülle

Des Gartens etwa lockt, so pflück'

Auf deinem Weg hierher zurück

Dir von den Früchten nach Belieben.

Und nun, zu deinem eignen Glück

Befolg', was ich dir vorgeschrieben."

Er steckte noch für jeden Fall

Ihm einen Ring an seinen Finger;

Der werde sich als Hilfebringer

Bewähren stets und überall.

So stieg denn Aladdin hinunter;

Die Säle fand er laut Bericht,

Berührte deren Wände nicht,

Kam in den Garten, eilte munter

Hinan die Treppen zur Terrasse,

Sah Nisch' und Lampe dort, verfuhr

Streng nach Geheiß, damit er nur

Vom Auftrag keinen Punkt verpasse,

Und kehrte, nun er unterm Kleide

Die Lampe sicher hielt verwahrt,

Zum Garten um. O Augenweide!

Denn Früchte von verschiedner Art

Trug leuchtend jeder Baum zur Schau,

Teils hell, teils dunkel, weiß und blau,

Rot, gelblich, violett und grün,

Und allesamt in buntem Scheine

Durchsichtig wie von innrem Glühn.

Es waren lauter Edelsteine.

Da flammten, funkelten und brannten

Türkise, Perlen, Diamanten,

Smaragd, Rubin, Saphir, Topas

Von gänzlich beispiellosem Werte.

Doch Aladdin, der unbelehrte,

Hielt sie für nur gefärbtes Glas.

Er hätte lieber von den Zweigen

Sich süße Trauben oder Feigen

Gepflückt; als Spielzeug aber war

Der bunte Tand ganz annehmbar.

Drum nahm er sich von jeder Sorte,

So viel er in die Taschen zwang,

Schritt die drei Säle sacht entlang

Und kam zurück zur Eingangspforte.

Den Oheim, der mit allen Zeichen

Der Ungeduld hier Wache stand,

Bat er, zur Hilf' ihm seine Hand

Beim Ausstieg aus dem Schacht zu reichen.

Der aber rief in einem groben

Befehlerton: "Die Lampe her!"

"Du sollst sie haben nach Begehr,"

Sprach Aladdin, "sobald ich oben."

Der Oheim schrie mit steter Steigrung:

"Die Lampe!" Doch voll Eigensinn

Blieb Aladdin bei seiner Weigrung:

"Wart', bitte, bis ich oben bin."

Des Oheims Wut ward ungeheuer;

Schnell goß er Räucherwerk ins Feuer,

Indem er eine Formel schnaubte.

Der Quader klappte drauf im Nu

Dem Aladdin grad überm Haupte

Wie eines Kastens Deckel zu.—


3.

Wer schildert Aladdins Entsetzen,

Als er sich hilflos, wie ein Fink

In eines Vogelfängers Netzen,

Verstrickt sah durch des Zaubrers Wink!

Vergebens, daß er laut und schrille

Nach dem vermeinten Oheim rief;

Mit Bleigewicht bedeckte tief

Ihn Dunkelheit und Grabesstille.

Vergebens, daß ihn Furcht und Schauer

zurück durch die drei Säle trieb;

Der Zugang zu dem Garten blieb

Verschlossen wie durch eine Mauer,

Und nicht imstand, sich zu befrei'n

Aus diesem schrecklichen Gefängnis,

Fing in verzweifelter Bedrängnis

Er an zu weinen und zu Schrei'n,

Bis endlich vor Entkräftung krank

Er auf den Boden niedersank.

Zwar froh, jedoch zum Sterben matt

Und halb verhungert, suchte gierig

Er nach dem Heimweg in die Stadt.

Zum Glück war das nicht allzu schwierig.

Die Felsen halfen eng und dicht

Ihm auf den schmalen Pfad gelangen,

Den vor drei Tagen er begangen.

Die Gärten kamen bald in Sicht,

Und weit schon grüßten ihn voraus

Die wohlbekannten Türm' und Dächer.

Er schleppte, schwach und immer schwächer,

Sich bis zu seiner Mutter Haus

Und schlug, sobald er es betreten,

Ohnmächtig in der Stube hin.

Kaum aber war er endlich wach,

Als auch sein Hunger wiederkehrte

Und nach dem Frühstück er begehrte.

Doch seufzend rief die Mutter: "Ach,

Ich habe keinen Bissen Brot;

Denn alles, was ich noch besessen,

Das hast du gestern aufgegessen.

Wie helfen wir uns aus der Not?

Ich muß erst wieder näh'n und spinnen,

Bevor ich was verdienen kann."

"Nein, Mutter, sorg' dich nicht," begann

Der Sohn nach einigem Besinnen.

"Für unsern heutigen Bedarf

Genügt's, die Lampe zu verkaufen,

Die gestern ich beiseite warf.

Ich will mit ihr zum Händler laufen;

Der wird gewiß mir einen Groschen

Dafür bezahlen oder zwei."

Das Erscheinen des Geistes

Doch Aladdin, der in der Gruft

Gelernt, wie man mit solchen Geistern

Verfährt, ergriff die Lampe schnell

Und säumte nicht, ihm zu befehlen:

"Ein gutes Frühstück schaff' zur Stell'!"

Der Geist verschwand. Nicht drei zu zählen

Vermochte man, da kam er wieder

Mit einer großen Silberplatte

Und setzte sie behutsam nieder.

Was irgend man zu wünschen hatte,

Das bot sich drauf in Fülle dar:

Zwölf Silberschüsseln, drin ein feines

Und reiches Mahl enthalten war,

Zwei Flaschen voll erlesnen Weines,

Vier Brote von dem besten Mehl,

Kurzum ein Frühstück ohne Fehl.

Die Mutter lag in Ohnmacht noch,

Wie sich der Geist bereits empfohlen,

Und konnt' erst langsam sich erholen,

Indem den würzigen Duft sie roch.

Der Sohn erfaßte sie beim Arm

Und drängte sie, den guten Speisen

Geziemend Ehre zu erweisen;

Denn ewig blieben sie nicht warm.

Sie sprach, verblüfft im höchsten Grade:

"Woher denn dieser Überfluß?

Zeigt uns der Sultan seine Gnade?"

Drauf Aladdin: "Zuerst Genuß,

Erklärungen dann hinterdrein."

Und unbedenklich hieb er ein.

Die Mutter, vor Erstaunen wirr,

Betrachtete bei jeder Pause,

Die stattfand zwischen ihrem Schmause,

Das schöne silberne Geschirr,

Und als die Zwei gesättigt, lag

Noch ganz genug in jeder Schüssel

Für diesen und den nächsten Tag.

Sie fragte wieder nach dem Schlüssel

Zu diesem seltsamen Erlebnis,

Und als der Sohn ihr wahrheitstreu

Geschildert hatte das Begebnis,

Versetzte sie voll banger Scheu:

"Mit Geistern ist nicht gut zu scherzen;

Drum folg' mir, wirf die Lampe fort

Und nimm den Druck von meinem Herzen."

"Nein," rief er, "einen solchen Hort

Soll, wer ihn einmal hat, behüten.

Nun ist, was erst ich nicht begriff,

Mir klar—des falschen Oheims Kniff

Sowie der Grund von seinem Wüten.

Durchaus die Lampe wollt' er haben,

Weil sie versehn mit Wundergaben,

Und jetzt mit Recht gehört sie mir.

Ich will sie bergen zwar und Schützen

Vor unsrer Nachbarn Neid und Gier,

Im Notfall aber sie benützen,

Sie und den Ring an meiner Hand.

Vertrauen darf ich meinem Glücke,

Weil dieses Schurken arge Tücke

Sich so zum Guten hat gewandt."


4.

In solcher Art allmählich ließ

Elf Schüsseln, eine nach der andern,

Wenn ihn die Not von neuem stieß,

Nichtsahnend er zum Trödler wandern.

Nun kam ihm bei dem nächsten Fall

Zu Sinn, die Platte loszuschlagen;

Nur konnt' er die nicht selber tragen;

War viel zu schwer doch ihr Metall.

So bat er, weil er noch nicht klüger

Geworden, jenen Schelm ins Haus,

Und schleunig zahlte der Betrüger

Goldstücker zehn dafür ihm aus.

Von diesem Tag an war das Darben

Für Sohn und Mutter abgestellt,

Und übermalt mit Rosenfarben

Schien die zuvor so graue Welt.

Wenn ihre Barschaft nicht mehr langte,

Ließ Aladdin der Lampe Geist,

Ob auch der Mutter vor ihm bangte,

Erscheinen und gebot ihm dreist,

Ein neues Frühstück anzurichten;

Pünktlich vollzog der seine Pflichten.

Die Silberschüsseln und die Platten

Bracht' er hierauf, so oft es Zeit war,

Zum Goldschmied hin, der stets bereit war,

Den vollen Preis ihm zu erstatten.

Fortan drum ward es ihnen leicht,

Bequem zu leben und behaglich;

Doch weil es leider niemals fraglich,

Daß Mißgunst hinterm Glücke schleicht

Und man sich hüten muß vor Neidern,

Vermieden sie trotz gutem Trunk

Und gutem Essen jeden Prunk

In ihrem Haus und ihren Kleidern

Und hielten hinter sich'rem Schloß

Dadurch geheim den goldnen Bronnen,

Der ihnen unversiegbar floß.

Durchwandelnd eines Tags die Straßen,

Vernahm er ungewohntermaßen

Ein laut Bumbum und Schnettretteng.

Zum Schall von Pauken und Trompeten

Rief öffentlich ein Herold aus,

Man möge schließen jedes Haus

Und nicht die Straße mehr betreten.

Prinzessin Bedrulbudur nämlich,

Des Sultans Tochter, wolle heute

Zum Bade gehn, und zwar bequemlich

Gesichert vorm Gegaff der Leute.

Aladdin belauscht die Prinzessin

Herab in reicher Lockenflut

Floß ihr kastanienbraunes Haar

Auf ihrer Augen dunkle Glut

Ihr Blick war sittsam und voll Güte,

Die Wangen sanft gerundet, weich

Und rosenrot wie Pfirsichblüte,

Die Lippen zwei Korallen gleich.

Ihr Wuchs und Gang war ohne Tadel,

Und ihre liebliche Gestalt

Verriet in Reizen tausendfalt

Holdseligkeit vereint mit Adel.

Kein Wunder drum, daß Aladdin,

Nachdem die Herrliche verschwunden,

Noch immerdar wie festgebunden

Und wie verzaubert sich erschien.


5.

"Mein Sohn," begann die Mutter ernst,

"Damit du recht erwägen lernst,

Wie kindisch deine Reden sind,

Antworte mir: Wer soll es wagen

Ihm diese Bitte vorzutragen?"

"Du selbst!" rief Aladdin geschwind.

"Ich? Gott behüte mich davor!

Schon der Gedanke macht mich beben!

Wie dürftest du dein Aug' erheben

Zu einem Sultanskind empor?

Hast du vergessen, daß ein Schneider

Bescheidnen Rangs dein Vater war,

All deine Ahnen Hungerleider?

Und ist, so frag' ich, nicht sogar

Für unsres Herrschers Schwiegersohn

Ein Prinz noch von zu niedrem Stande,

Falls er in seinem Heimatlande

Nicht Aussicht hat auf einen Thron?"

Ein Herold verkündet das Nahen der Prinzessin

Die Mutter wurde höchst verlegen.

Ihn zum Verzicht auf seinen Plan

Durch Überredung zu bewegen,

Schien hoffnungslos bei solchem Wahn.

Nochmals versuchte sie's mit Güte:

"Gott weiß, daß für mein armes Teil

Ich allezeit mich um dein Heil

Mit meiner ganzen Kraft bemühte.

Für dich vollbrächt' ich schlimmsten Falles

Die schwerste Tat aus eignem Trieb;

Denn wahrlich, ihrem Kind zulieb

Tut eine Mutter freudig alles.

Ja, wenn ein Mädchen dir gefiele,

zu vornehm weder noch zu reich,

Nicht säumen würd' ich, sondern gleich

Dir ebnen deinen Weg zum Ziele,

In deinem Namen um sie frei'n

Und meinen Segen dir verleihn.

Doch nimm nur an von ungefähr,

Daß ich dir deinen Willen täte,

Verwegen vor den Sultan träte

Mit solchem frevelnden Begehr—

Würd' überhaupt ich vorgelassen?

Würd' augenblicklich nach Gebühr

Nicht einer mich beim Arme fassen

Und mich befördern vor die Tür?

Nimm aber an, daß mir's gelänge,

Durch all der Bittenden Gedränge

Dem Sultan selber mich zu nah'n,

Und er, der gnädig ist für jeden,

Wär's auch sein letzter Untertan,

Gestattete mir frei zu reden—

Wie dann begründ' ich dein Gesuch?

Welch ein Verdienst ist dir zu eigen?

Kann ich auf deinen Namen zeigen

In irgendeinem Ehrenbuch?

Kannst du durch eine seltne Leistung,

Durch eine vielgerühmte Kunst

Nachsicht verschaffen der Erdreistung,

zu flehn um diese höchste Gunst?

Und sei noch dessen eingedenk,

Daß man vorm Sultan darf erscheinen

Nicht ohne kostbares Geschenk.

Du selber wirst wohl kaum vermeinen,

Es finde sich in deiner Habe

Ein Kleinod von so hehrem Glanz,

Daß ich es bieten könnt' als Gabe

Dem größten Herrn des Morgenlands."

"Ei, grade wenn ich dies bedenke,"

Versetzte ruhig Aladdin,

"Dann wird mir neuer Mut verliehn.

Ich hätte nichts, was zum Geschenke

Für einen Sultan gut genug?

Entsinn' dich doch der hübschen Sachen,

Die dazumal ich bei mir trug,

Als ich der Höhle finstrem Rachen

Entronnen war mit heiler Haut,

Und die mein Mangel an Erfahrung

Für bunte Gläser angeschaut.

Längst aber ward mir Offenbarung;

Lernt' ich doch von den Juwelieren

Den Unterschied von falsch und echt.

Juwelen sind es, nicht zu schlecht,

Um eine Krone zu verzieren

Durch auserlesne Farb' und Art.

Die werden, kann ich dir versprechen,

Dem Sultan, wenn er sie gewahrt,

Gewaltig in die Augen stechen,

Sodaß er überfließt von Gnade."

Nachdem an dem erhabnen Schimmer

Die beiden lange sich geletzt,

Nahm Aladdin das Wort. "Was jetzt?

Sag', Mutter, zweifelst du noch immer,

Daß mein Geschenk der Sultan schätzt?

Du wirst, so wett' ich, im Palast

Mit dieser Gabe gut empfangen.

Sprich, welchen Einwand du noch hast,

Um mir zu weigern mein Verlangen?"

So wußt' er überaus gewandt

Auch ihren letzten Widerstand

Mit Gründen aller Art zu brechen,

Und sie erklärte sich bereit,

Beim Sultan morgen vorzusprechen,

Wenn's im Bereich der Möglichkeit.