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Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 113: Der Dichter-Komponist und der Doktor-Ingenieur
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Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Der Dichter-Komponist und der Doktor-Ingenieur

Eine fehlerhafte und abgeschmackte Nachahmung des Französischen und des Englischen liegt auch in Verbindungen wie Prinz-Regent und Dichter-Komponist vor. Nach deutscher Logik (vgl. Chorregent, Liederkomponist) wäre ein Dichterkomponist ein Komponist, der Dichter komponierte, ein Prinzregent ein Regent, der einen Prinzen regierte; das eine soll aber ein Dichter sein, der zugleich komponiert, das andre ein Prinz, der die Regentschaft führt; das erste Wort soll also nicht das Bestimmungswort des zweiten, sondern das zweite eine Art von Apposition zum ersten sein. Das erste Beispiel dieser Art war wohl der Bürgergeneral, wie Goethe wörtlich das französische citoyen-général übersetzt hatte; später kam der Prinz-Gemahl dazu (dem englischen prince-consort nachgebildet). Und nun war kein Halten mehr. Nun folgten auch die Herzogin-Mutter, die Königin-Witwe, der Prinz-Regent, der Fürst-Bischof und der Fürst-Reichskanzler, und in andern Lebenskreisen, dem französischen peintre-graveur, membre-protecteur und commis-voyageur nachgeäfft, der Maler-Radierer, der Maler-Dichter (z. B. Reinick, Stifter, Fitger), der Dichter-Komponist und der Senior-Chef. Kann man sich da wundern, wenn die Dienstmädchen nun auch von einem Prinzen, der in Leipzig studiert, sagen: Dort fährt der Prinz-Student? Manche Zeitungen getrauen sich schon nicht mehr, Fürstenkinder als Söhne und Töchter zu bezeichnen, sondern schreiben stets: die Prinzen-Söhne, die Prinzessinnen-Töchter. In gewissen sächsischen Zeitungen z. B. hat der König von Sachsen immer nur Prinzensöhne. Es fehlt nur noch die Kaiserin-Großmutter und die Königin-Tante. Das neueste der Art ist der Doktor-Ingenieur, der lächerlicherweise noch dazu Dr. ing. geschrieben wird, was man doch höchstens Doctor ingenii lesen kann. Hätte es da nicht näher gelegen und wäre es nicht logischer gewesen, solche Herren als Dr. techn. zu bezeichnen?