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Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 127: Nördlich, südlich, rechts, links, unweit
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Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Alle Präpositionen sind ursprünglich einmal Adverbia gewesen. Auch die häßlichen, langatmigen Modepräpositionen unsrer Amts- und Zeitungssprache: anläßlich, gelegentlich, inhaltlich, antwortlich, was sind sie zunächst anders als Adverbia? Neuerdings soll nun aber noch eine Anzahl weiterer Adverbia mit aller Gewalt zu Präpositionen gepreßt werden, nämlich: rechts, links, nördlich, südlich, östlich, westlich und seitlich (das letzte ein recht überflüssiges Wort). Niemand wird bestreiten, daß auch diese Wörter Adverbia sind. Um anzugeben, im Vergleich womit etwas rechts oder links, nördlich oder südlich sei, haben wir denn auch bis vor kurzem immer die Präposition von zu Hilfe genommen und gesagt: rechts von der Straße, nördlich von den Alpen. Da haben nun offenbar manche Leute geglaubt, von sei hier, wie so oft, eine bloße Umschreibung des Genitivs, und da sei es doch gescheiter, lieber gleich den Genitiv zu setzen. Und so hat sich denn immer mehr der Fehler verbreitet, zu schreiben: rechts und links der Szene, nördlich des Viktoriasees, südlich der Kirche, seitlich des Altars, ja neuerdings sogar abseits aller Parteien und ringsum des Marktes. Namentlich Architekten, Techniker oder Geographen schreiben gar nicht mehr anders, aber auch der gebildete Philister am Biertisch sagt schon: Meißen liegt doch links der Elbe. Ein Fehler ist es aber doch, wenigstens solange es noch Menschen gibt, die so altväterisch sind, zu glauben, rechts und links, nördlich und südlich seien Adverbia, und solange – die Schule ihre Schuldigkeit tut.

Ebenso verhält sichs mit den verneinten Adverbien unfern und unweit. Auch sie können von Rechts wegen nur als Adverbia gebraucht werden: unweit von dem Dorfe; aber auch sie hat man zu Präpositionen zu pressen gesucht, und weiß nun nicht, ob man sie mit dem Genitiv oder, wie das gleichbedeutende nahe, mit dem Dativ verbinden soll; die einen schreiben: unfern des Bodensees, unweit des Flusses, andre: unfern dem Schlosse, unweit dem Tore. Und das hat wieder zur Folge gehabt, daß man sogar bei nahe irre geworden ist und zu schreiben anfängt: nahe Leipzigs! Auch nahe ist keine Präposition, sondern ein Adverbium (nahe bei, nahe an), und als Adjektiv kann es unzweifelhaft nur den Dativ haben; unfern aber und unweit könnte man sich doch ganz ersparen; sie sind gesucht (wie unschwer; vgl. S. 273) und der lebendigen Sprache fremd.