WeRead Powered by ReaderPub
Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 47: Kännte oder kennte?
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Kännte oder kennte?

Ein Irrtum ist es, wenn man glaubt, aus dem Indikativ kannte einen Konjunktiv kännte bilden zu dürfen. Die sechs schwachen Zeitwörter: brennen, kennen, nennen, rennen, senden und wenden haben eigentlich ein a im Stamm, sind also schon im Präsens umgelautet. Ihr Imperfekt bilden sie ebenso wie das Partizip der Vergangenheit (durch den sogenannten Rückumlaut) mit a: brannte, gebrannt, sandte, gesandt, und da der Konjunktiv bei schwachen Verben nicht umlautet, so sollte er eigentlich ebenfalls brannte, sandte heißen. Zur Unterscheidung hat man aber (und zwar ursprünglich nur im Mitteldeutschen) einen Konjunktiv brennete, kennete, nennete, rennete, sendete und wendete gebildet. Das e dieser Formen ist nicht etwa ein jüngerer Umlaut zu dem a des Indikativs, sondern es ist das alte Umlauts-e, das durch das Präsens dieser Zeitwörter geht. Wirft man nun, wie es jetzt geschieht, aus brennete, kennete das mittlere e aus, das in sendete und wendete beibehalten wird, so bleibt brennte, kennte übrig. In früherer Zeit gehörten noch andre Verba zu dieser Reihe, z. B. setzen und stellen; der Konjunktiv des Imperfekts heißt hier setzte, stellte, der Indikativ und das Partizipium aber hießen früher: sazte, stalte, gesazt, gestalt (das noch in wohlgestalt, mißgestalt, ungestalt erhalten ist).