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Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 50: Ärztin und Patin
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About This Book

Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Ärztin und Patin

Von Substantiven, die einen Mann bezeichnen, werden Feminina auf in gebildet: König, KöniginWirt, WirtinKoch, KöchinBerliner, Berlinerin – sogar Landsmann, Landsmännin (während sonst natürlich zu Mann das Femininum Weib oder Frau ist: der Kehrmann, das Waschweib, der Botenmann, die Botenfrau). Von Arzt hat man in letzter Zeit Ärztin gebildet. Manche getrauten sich das anfangs nicht zu sagen und sprachen von weiblichen Ärzten, es ist aber gar nichts dagegen einzuwenden, und es ist abgeschmackt, wenn unsre Zeitungen immer von männlichen und weiblichen Arbeitern, männlichen und weiblichen Lehrern reden statt von Arbeitern und Arbeiterinnen, Lehrern und Lehrerinnen (abgeschmackt auch, wenn es in Polizeiberichten heißt, daß ein neugebornes Kind männlichen oder weiblichen Geschlechts im Wasser gefunden worden sei, statt ein neugeborner Knabe oder ein neugebornes Mädchen). Dagegen ist es nicht gut, ein Femininum auf in zu bilden von Pate, Kunde (beim Kaufmann) und Gast. In der ältern Sprache findet sich zwar zuweilen auch Gästin, auf Theaterzetteln konnte man noch vor gar nicht langer Zeit lesen, daß eine auswärtige Schauspielerin als Gastin auftrete, aber wer möchte noch heute eine Frau oder ein Mädchen seine Gästin oder Gastin nennen? Bei Pate unterscheidet man den Paten und die Pate, je nachdem ein Knabe oder ein Mädchen gemeint ist, und der Kaufmann sagt: das ist ein guter Kunde oder eine gute Kunde von mir. Entsetzlich sind die in der Juristensprache üblichen Bildungen: die Beklagtin, die Verwandtin und – das neueste – die Beamtin. Von Partizipialsubstantiven – und ein solches ist auch der Beamte, d. h. der Beamtete, der mit einem Amte versehene – können keine Feminina auf in gebildet werden; niemand sagt: meine Bekanntin, meine Geliebtin, auch Juristen nicht.