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Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen cover

Allerhand Sprachdummheiten / Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen

Chapter 89: Noch ein falsches würde
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About This Book

Der Text versammelt typische Fehler und unsichere Wendungen der deutschen Sprache und erläutert sie nach Wortbildung, Formenlehre und Satzbau geordnet. Er behandelt Deklinationen und Konjugationen, Plural- und Genitivformen, Steigerung, Partizipien, Präpositionen, Relativsätze, Tempus- und Modusfragen sowie zahlreiche Beispiele problematischer Formulierungen. Ziel ist weniger ein vollständiges Regelwerk als die Schärfung des Sprachgefühls: durch kritische Analyse und treffende Beispiele soll eine einfachere, natürlichere Ausdrucksweise gefördert werden. Das Werk ist als aufmerksam zu studierender Leitfaden gedacht, nicht als bloßes Nachschlagewerk.

Noch ein falsches würde

Ein abscheulicher Stilunfug, der jetzt durch unsre gesamte Erzählungsliteratur geht, ist die Schluderei, die Erzählung durch eine abhängige (indirekte) Rede zu unterbrechen, ohne ein Zeitwort des Sagens, Denkens oder Meinens vorauszuschicken oder wenigstens einzuschalten. Etwa so: Trotz solcher bittern Erfahrungen ließ H. den Mut nicht sinken. Er würde nach Berlin gehn, würde sich dort Arbeit suchen, und es würden auch wieder bessere Zeiten kommen. Jeder, der das liest, glaubt zunächst, der Erzähler spreche weiter, „Er würde“ sei der Konjunktiv des Imperfekts, und es werde nun ein Bedingungssatz folgen. Statt dessen ist der Satz als indirekte Rede dem Helden in den Mund gelegt, und „Er würde“ soll der Konjunktiv des Futurums sein (in direkter Rede: ich werde nach Berlin gehn, werde mir dort Arbeit suchen, und es werden auch wieder bessere Zeiten kommen). Ein guter Erzähler hätte etwa so geschrieben: Er wollte nach Berlin gehn, er beschloß, nach Berlin zu gehn, er hoffte, daß auch wieder bessere Zeiten kommen würden. Das unvorbereitete Umspringen in die indirekte Rede soll wohl der Darstellung etwas dramatisch lebendiges geben, es ist aber eine Liederlichkeit. Leider ist sie in neuern Erzählungen schon so verbreitet, daß sie dem gewohnheitsmäßigen Romanfresser gar nicht mehr auffällt. Woher sie stammt? Wie es scheint, aus schlecht übersetzten Erzählungen aus den skandinavischen Sprachen.