Nachwort des Verfassers.
.… Wenn Ihr aber nicht wollt, so ist und bleibt es ein Märchen, was ich Euch erzählt habe.
Ich gedachte, eine Lehrdichtung zu verfassen. Mehr Dichtung als Lehre! werden die einen sagen — — mehr Lehre als Dichtung! die anderen.
Denn jetzt, nach drei Jahren der Arbeit, müssen wir uns trennen, und es beginnen deine Schmerzen, du mein liebes Buch. Durch Feindschaften und Entstellungen hindurch wirst du deinen Weg nehmen müssen, wie durch einen finsteren Wald.
Wenn du aber zu freundlichen Leuten kommst, so grüße sie von deinem Herrn Vater. Er meint: das Träumen sei immerhin auch eine Ausfüllung der Zeit, die wir auf der Erde verbringen. Traum ist von That nicht so verschieden, wie mancher glaubt. Alles Thun der Menschen war vorher Traum und wird später zum Traume.
[345]
Jüdischer Roman- und Novellenschatz
Preis pro Band brosch. M. 1.80, vornehm geb. M. 3.—. □ Bei Abonnement, d. h. Subskription auf mindest Bd. 1–10 kostet der Band brosch. M. 1.20, geb. M. 2.20.
Verlag: Hermann Seemann Nachfolger, Berlin NW. 87.
Der „Jüdische Roman- und Novellenschatz“ soll in periodischer Folge die markantesten Werke der jüdischen oder das Judentum berührenden Erzählungskunst dem deutschen Publikum zugänglich machen und weitesten Kreisen die bisher noch viel zu wenig gewürdigten Schätze jüdischen Geistes und Seelenlebens erschließen. Die besten Namen und die bekanntesten in- und ausländischen Autoren werden in unsrer Sammlung vertreten sein.
Jüdische Probleme haben die Dichter aller Länder und aller Zeiten zur Bearbeitung gereizt. In früheren Jahrhunderten mehr die religiöse, in der neueren Zeit mehr die kulturelle und östlichnationale Seite dieses eigenartigen Volkes. Gerade die Dichter, jüdische wie nicht jüdische, die sich mit den gewaltigen Tragödien des Judentums befaßten, haben mehr zum Verständnis und damit auch mehr zum Ausgleich der Gegensätze beigetragen als die andern, die das Judenproblem rein wirtschaftlich oder politisch zu lösen versuchten. Von solchem Gesichtspunkt aus betrachtet hat der „Jüdische Roman- und Novellenschatz“ als ein kulturförderndes Unternehmen zu gelten.
Bis jetzt liegen folgende Bände vor:
1. Prinzessin Sabbath
Jüdische Erzählungen v. Arthur Silbergleit, Marie Eugenie delle Grazie, Richard Huldschiner, Hermann Menkes, Georg Hermann, H. York-Steiner, Max Viola, Hanns Heinz Ewers, Martin Buber, Leo Herzberg-Fränkel, Marco Brociner, Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe, Julius Stettenheim, Walter Turszinsky, Hermann Blumenthal, J. Löwenberg, Else Lasker-Schüler, Ulrich Frank.
Heinrich Heine hat diesem stimmungsvollen und feinsinnig zusammengestellten Band den Namen gegeben mit seinem sentimental-satirischen Einleitungsgedicht zu den „Hebräischen Melodien“. In „Prinzessin Sabbath“ gibt sich ein ausgewählter Kreis beliebter Erzähler ein Rendezvous. Jeder von ihnen hat irgend ein den heutigen Menschen interessierendes jüdisches Problem zum Vorwurf genommen. Es ist außerordentlich interessant zu beobachten, wie sich das Judentum, sein Wesen und Empfinden, seine Kämpfe, Siege und Niederlagen im Geist bedeutender Dichter widerspiegeln. Während Marie Eugenie delle Grazie in meisterhafter Fresko-Malerei ein Kulturbild aus dem tiefsten, schwärzesten Mittelalter gibt, zieht uns Martin Buber mit einer Art poetischer Hypnotik in die sensitive psychische Sphäre des Menschen von heute ein. Skizzen ähnlich intimer Art steuerten Arthur Silbergleit, Richard Huldschiner und Hermann Menkes bei. Eine Erzählung mit starker ethischer Tendenz ist der Beitrag von Freiherrn v. Dincklage-Campe, und daß natürlich auch der schnell berühmt gewordene Autor des „Jettchen Gebert“ nicht fehlen durfte, war von vornherein selbstverständlich.
Blumen der verschiedensten Farben und Düfte sind hier zu einem wundervollen Strauß zusammengebunden, dem jeder Leser, sei er nun Jude oder Christ, einen großen ästhetischen Genuß abgewinnen wird. [346]
2. Tante Guttraud
Bilder aus dem jüdischen Familienleben von Salomon Herm. Ritter von Mosenthal.
Mosenthal ist der Klassiker des mitteldeutschen Ghettos, wie es noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bestand. Poetisch reizvolle Szenen aus dem jüdischen Familienleben, wie er sie teils selbst noch erlebt, teils aus dem Munde der älteren Leute erfahren hat, hat er in der Sprache und Denkweise jener Ghettobewohner in lebenswahren Farben geschildert.
Eine Figur, wie die der Tante Guttraud, mit all ihren seelisch vertieften Zügen, mit ihrer unendlichen Pflichttreue, wird sich jedem, der diese Erzählung nur einmal gelesen hat, tief in das Gedächtnis einprägen. Über dem Ganzen liegt ein eigentümlicher Zauber, wie ihn nur jene stillen und rührenden Geschichten und Gestalten des „Ghetto“ hervorzubringen vermögen.
3. Ruchele
Roman aus dem jüdischen Volksleben des Ostens von Scholem Alechem. Aus dem Jüdischen übertragen von Samuel Meisels.
Zum erstenmal erscheint hier in deutscher Sprache ein im Jargon, d. h. im jüdisch-deutschen Dialekt geschriebener Roman, meisterhaft von dem bekannten Schilderer jüdisch-östlichen Lebens Samuel Meisels ins Deutsche übertragen. Hier tritt uns das unverfälschte nationale Judentum entgegen, wie es sich in schroffer Abgeschlossenheit und Abgesondertheit durch das ganze Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart rein und sich selbst getreu erhalten hat. Ein alle Menschen und Völker gleichmäßig interessierendes Problem, das der Liebe, erscheint hier in die Sprache und Handlungsweise der Ghettobewohner übertragen. Hinsichtlich idyllischer Kleinmalerei kann sich Scholem Alechem neben den bedeutendsten europäischen Dichtern von heute und einst ruhig sehen lassen, und es muß als ein großes Verdienst von S. Meisels gelten, daß er diesen reichen Schatz menschlich bedeutungsvoller Poesie dem deutschen Publikum zu eigen gemacht hat.
4. Der Streik der Schnorrer
Humoristische Erzählungen aus dem jüdischen Volksleben, von Schalom Asch, Scholem Alechem, M. M. Baaroch, R. Braudes, David Pinsky, Mendele Mocher Sephorim, J. L. Perez, Abraham Reisen, M. Spector u. a.
Der Schnorrer ist eine der typischsten Figuren des östlichen Judentums, wie wir sie in jedem Ghetto, in jedem jüdischen Kleinstadtleben vorfinden. Ohne Schnorrer keine Hochzeit, aber auch kein Begräbnis! Der Schnorrer ist sozusagen der Hofnarr des Judentums. Die Träger des eigentlichen jüdischen Witzes und Humors waren und sind bis auf den heutigen Tag die professionierten Lustigmacher, die Schnorrer. Der richtige Vertreter dieser Gilde ist eigentlich alles, zugleich Witzbold, Sänger, Schauspieler und die lebendige zweibeinige Zeitung der Judenschaft. Die Literatur, die sich im Anschluß an die Schnorrer entfaltet hat, ist außerordentlich reich und vielseitig. Man wird erstaunt sein über die Fülle von Witz und sprühendem Geist, die oft die kleinsten Skizzen und Novelletten in sich bergen.
Man findet hier im „Streik der Schnorrer“ eine Fülle der besten Autoren des Jargons vereinigt. In allererster Reihe meisterhafte Beiträge von Scholem Alechem, der sich schon seit langem den Ehrentitel des „Jüdischen Mark Twain“ erworben hat. [347]
5. Zelte Jakobs
Erzählungen und Kulturskizzen von Dagobert v. Gerhardt-Amyntor, Moritz Hartmann, Hermann Heiberg, Wilhelm Jensen, Gustav Kühne, Leopold v. Sacher-Masoch, Mor. Gottlieb Saphir, Adalbert Stifter u. a.
Die Begründer der jüdischen Novellistik auf deutschem Boden sind hier in trefflichem Ensemble vereinigt. Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in den kultivierten Ländern des Westens, so auch bei uns in Deutschland die Ghettomauern fielen, waren es auch eine ganze Reihe berühmter deutscher Dichter, die anfingen, sich das eigenartige Leben und Treiben ihrer jüdischen Glaubensgenossen zum Vorwurf zu nehmen. Wilhelm Jensen entwarf in seinen „Juden von Köln“ ein historisches Bild aus der Zeit des großen Sterbens im Mittelalter. Dichter wie H. Heiberg, Gerhardt-Amyntor, G. Kühne gaben einzelne packende Züge aus dem Leben der deutschen Juden wieder. Während Saphir die jüdische Eigenart mehr von der humoristischen Seite schildert, richtet Leopold von Sacher-Masoch die Augen nach seiner galizischen Heimat, um aus dieser eine ganze Reihe menschlich bedeutungsvoller und poetisch ergiebiger Motive zu schöpfen. Alle in den „Zelten Jakobs“ vereinigten Beiträge verdienen ebensosehr als interessante Kulturbilder wie als vorzügliche Unterhaltungslektüre weiteste Beachtung.
6. Ghetto
Geschichten a. d. Polnischen v. E. Orszesko, Klemens Junosza, Ad. Szymanski, L. Feldmann, M. Konopnicka, Rosa Pomeranz u. a.
Im Osten, in Polen und Galizien, wo noch breite Massen des jüdischen Volkes in geschlossenen Gemeinwesen zusammen wohnen, ist das Ghetto bis zum heutigen Tag geblieben. Hier haben wir reines, unverfälschtes, nationales Judentum, mit all seinen uralten Sitten und Gebräuchen, zusammengepfercht in enge Straßen und Gassen. Auch im Ghetto wird geliebt und gehaßt, werden Kriege geführt und Intriguen gesponnen, wie in der großen Kulturwelt des Westens. Warum also sollten nicht auch die Dichter sich das Ghetto zu eigen machen und ihm seine Geheimnisse ablauschen? Elise Orszesko in allererster Reihe hat das getan und wie kaum einer ihrer männlichen Kollegen von der Feder zum Verständnis der jüdischen Volksseele im europäischen Osten beigetragen. Auf ihren Bahnen wandelten späterhin Clemens Junosza, Adam Szymanski, R. Pomeranz-Melzer u. a. m., sie alle geben uns getreue Spiegelbilder des Lebens u. Treibens der Judenheit innerhalb der Ghettomauern.
7. Pogrom
Erzählungen aus dem Leben der russischen Juden von Ossip Dymow, Maxim Gorki, Wladimir Korolenko, L. Juschkiewitsch, Grigorij Matschtet, Anton Tschechoff, A. Serafimowitsch u. a.
Die Judenfrage ist unter all den Problemen, die das heutige Rußland bewegen, eins der wichtigsten. Kein Wunder, das die bedeutendsten russischen Dichter, zumal nach den entsetzlichen Greueln der Pogrome, ihr besonderes Interesse dem Judentum und seinen Schicksalen zugewandt haben. Es gibt fast keinen bedeutenden russischen Dichter, der nicht von dem jüdischen Problem angezogen wurde. Wir finden hier charakteristische Erzählungen von Maxim Gorki und von dem so früh verstorbenen Anton Tschechoff, von dem gewaltigen Korolenko wie von Ossyp Dymov, von Juschkiewitsch, von Serafimowitsch und anderen bedeutenden russischen Autoren. Sie alle erkennen in der Lösung der Judenfrage im gewaltigen Reiche des Zaren einen der bedeutendsten Fortschritte in der Entwicklung des Landes überhaupt. [348]
8. Chanukalichter
Meisternovellen von Beno de Majo, Gaston Menard, Graf Villiers de l’Isle-Adam, Anatole France, Oskar Levertin, Bruno Lessing, Samuel Gordon, Hermann Heyermans, Henrique de Vasconcellos u. a.
Es gewährt einen eigentümlichen Reiz zu sehen, wie die Dichter der verschiedensten Nationen, Franzosen, Engländer, Spanier, Portugiesen, Holländer, Schweden usw., jeder in seiner Art und von seinem nationalen Gesichtswinkel aus, dem Judentum seine eigentümlichen Seiten abgelauscht haben. Heyermans führt uns in das Ghetto von Amsterdam, der Spanier Beno de Majo in die Kämpfe der heutigen spanisch-maurischen Völker in Nordafrika, der Schwede Oskar Levertin gibt uns ein eigentümliches Bild aus dem skandinavischen Judentum, Bruno Lessing schöpft seine Motive aus dem gewaltig angewachsenen Ghetto von New York, Samuel Gordon aus dem von East-London.
Durch alle diese Schilderungen zieht sich wie ein roter Faden der seltsame Reiz, den die einzelnen Dichter bei den Juden ihres Landes zu finden gewußt haben. Es sind Bilder aus aller Herren Länder, in allen möglichen Formen und Gestaltungen, die aber doch wiederum in wesentlichen Punkten zusammentreffen und die uns zeigen, daß das Judentum bei aller kaleidoskopartigen Verschiedenheit und den unzähligen abwechslungsreichen Schicksalen im Laufe der Jahrtausende doch seine ursprüngliche Wesensart wie kein anderes Volk auf der ganzen Welt zu wahren verstanden hat.
9. Die im Dunkel wandern …
Erzählungen von Israel Zangwill. Autorisierte Ausgabe. Übersetzung aus dem Englischen besorgt von Dr. Hanns Heinz Ewers.
Preis brosch. M. 1.80, gebd. M. 3.—
„Israel Zangwill ist tatsächlich der geistreichste Schilderer des modernen jüdischen Ghetto, der feinfühligste und glänzendste Beschreiber des modernen jüdischen Lebens in allen seinen Erscheinungen. Seine Werke sind in alle Sprachen übersetzt worden, weil sie eine Fülle entzückender, streng realistischer und psychologisch wirkungsvoller Bilder enthalten, die das Dasein der jüdischen Volksmassen mit photographischer Genauigkeit vorführen.“
Neue Freie Presse, Wien.
10. Werther, der Jude
Roman von Ludwig Jacobowski — Simon Spira und sein Sohn. Erzählung von A. E. Brachvogel.
Preis brosch. M. 1.80, gebd. M. 3.—
Jacobowskis in der christlichen wie jüdischen Presse außerordentlich vielbesprochener und vielumstrittener Roman ist wohl das bedeutendste literarische Dokument zur Jugendfrage aus neuerer Zeit. Das Werk durfte um dieser markanten Eigenschaft willen unter keinen Umständen im „Jüdischen Novellenschatz“ fehlen.
In demselben stattlichen Band ist noch ein poetisch wie kulturhistorisch gleich wertvoller Roman von A. E. Brachvogel abgedruckt, nämlich „Simon Spira und sein Sohn“, ein kleines Meisterwerk historischer Erzählungskunst, in dem uns der beliebte Romancier eine fesselnde Darstellung der aufregenden Kämpfe in und um die Stadt Prag während des Dreißigjährigen Krieges und des Heldentums von Simon Spiras Sohn gibt.
Eingehende Kataloge und Illustrierte Prospekte gratis und franko.
Verlag von Hermann Seemann Nachfolger, Berlin NW 87.
Inhaltsverzeichnis
Kolophon
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- 2025-10-25 Started.
Korrekturen
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| 109 | . | , | 1 |
| 132, 158 | Mizraim | Mizrajim | 1 |
| 143 | machen. Er trat in das schmucke kleine Pfarrhaus ein. | [Weggelassen] | 53 |
| 149 | Betlehem | Bethlehem | 1 |
| 179 | Mandelaprikosen- | Mandel-, Aprikosen- | 4 |
| 206 | “ | [Weggelassen] | 1 |
| 209, 224, 275, 287, 300 | [Nicht in der Quelle] | “ | 1 |
| 229 | Leokin | Leonkin | 1 |
| 249 | Centraldirektion | Zentraldirektion | 1 |
| 256, 261 | , | [Weggelassen] | 1 |
| 258 | Centrale | Zentrale | 1 |
| 260 | Landescentralen | Landeszentralen | 1 |
| 276 | Beyrut | Beirut | 1 |
| 285 | seiner | seine | 1 |
| 285 | universelle | universellen | 1 |
| 300 | Stockton-Darling-Feier | Stockton-Darlington-Feier | 3 |
| 321 | Schiffman | Schiffmann | 1 |
| 346 | Mark-Twain | Mark Twain | 1 |