Die Pantherin jedoch, durch das Auge, das Jener fest auf sie geheftet hielt, eingeschüchtert, begnügte sich damit ihr Junges beschützt zu wissen, und jede Bewegung ihres Feindes auf das Aufmerksamste zu beobachten, während sie, kaum sechs Fuß von ihm entfernt, mit dem Schweife wedelnd da lag.
Zuerst glaubte sich Wiston verloren, denn wenn auch sein Messer eine gute und starke Waffe selbst gegen den grimmigsten Feind sein konnte, so war doch schon der Platz allein, wo er stand, und wo ihn der geringste Fehltritt zerschmettert in die Tiefe gesandt haben würde, nicht zu einem Kampf mit solchem Feinde geeignet; kaum fand er daher, daß sein Gegner sich damit begnügte, ihn zu bewachen, als er schnell, aber vorsichtig und ohne irgend eine rasche Bewegung zu machen, die das Ungethüm hätte reizen können, das Messer in die Scheide schob und langsam seinen Rückzug antrat.
Der Panther, als er sah, daß Jener sich mehr und mehr von ihm entfernte, folgte ihm langsam, und mehreremal zuckte Wiston's Hand nach dem Stahl, wenn sich die schlanke Gestalt der Katze zum Sprung niederbog, immer aber konnte sich diese nicht zu einem offenen Angriff, Aug' in Aug, entschließen.
So erreichte er den untersten Ast wieder, schlang das Seil um den Stamm, erfaßte beide Ende desselben, und glitt bedächtig, aber doch so schnell als möglich hinab. Die Hunde hatten aber indessen ihren Feind in den Ästen bemerkt, wie er ihrem Herrn folgte, und in toller Wuth, fast zur Verzweiflung getrieben, daß sie ihn nicht erreichen konnten, sprangen sie empor und bellten und heulten auf eine herzbrechende Art.
Endlich gewann Wiston wieder den festen sicheren Boden; seine Kleider waren zerrissen, das Blut tropfte von seinen Armen, denn die rauhe Rinde des Stammes hatte sie zerschnitten, seine Kräfte waren erschöpft und seine Kniee zitterten; aber nicht einen Augenblick vergönnte er sich zum Ausruhen, sondern sprang zu dem Ort, wo seine Büchse lehnte, ergriff diese und hob sie, um den Panther aus seiner sicher geträumten Höhe herabzuholen; aber vergebens bemühte er sich das schwere Rohr auch nur eine Secunde lang still und unbeweglich zu halten, seine Glieder zitterten, und er war genöthigt sich niederzuwerfen, um auszuruhen. Aber kein Auge wandte er von der, jetzt dicht an den Stamm angeschmiegten Gestalt der Bestie, neben der das Junge, keine Gefahr weiter fürchtend, mit emporgehobenem Schweife, auf einem etwas vortretenden Aste stand, und sich behaglich an der Mutter strich.
Wiston erholte sich bald, faßte noch einmal seine Büchse, zielte lange und sicher, und donnernd schallte das Echo von fernen Hügeln herüber.
Die Bestie, vom tödtlichen Blei durchbohrt, zuckte zusammen, sprang empor und kletterte in wilder Eile von Zweig zu Zweig in den Gipfel des Baumes; die dünnen Äste schwankten unter ihr; jetzt hatte sie den höchsten Punct erreicht – höher hinauf wollte sie; das schwache Laubwerk gab nach – sie stürzte, faßte noch mit den gewaltigen Tatzen im Herunterfallen nach den Blättern und Ranken und schmetterte, von den Hunden heulend erwartet, verendet zu den Füßen Wiston's nieder.
Zwar stand diesem jetzt kein weiteres Hinderniß entgegen, das Junge lebendig zu fangen, das ängstlich bis zu den niedrigsten Ästen des Baumes der Mutter gefolgt war, doch hatte er das erste Mal seine Kräfte zu sehr angestrengt, und vermochte nicht auf's Neue den beschwerlichen Weg anzutreten; er lud daher seine Büchse wieder und brachte es mit sicherem Schusse in den Bereich der Hunde, die mit grimmiger Wuth über dasselbe herfielen.
In wenigen Minuten waren die Felle abgestreift und auf den Pony geworfen, und von den Hunden gefolgt, trabte der kühne Jäger neuer Beute und neuen Gefahren entgegen.
Wandernde Krämer.
In den Vereinigten Staaten, wo die Farmer und Pflanzer nicht, wie in Europa, in Dörfern und Marktflecken zusammen, sondern vereinzelt auf ihrem eigenen Lande und von diesem umgeben wohnen, ist natürlich der Handel und Verkehr zwischen den verschiedenen, isolirt liegenden und oft meilenweit von einander getrennten Besitzungen, wenn auch nicht gehindert, doch sehr erschwert, und feststehende Kaufläden könnten nur denen zum Nutzen und zur Bequemlichkeit gereichen, deren Ansiedelung sich gerade in ihrer Nähe befänden.
Da nun aber der Farmer nicht gern sein Land verläßt, an das ihn dringende Arbeiten fesseln, um irgend einen kleinen unbedeutenden Gegenstand, den er vielleicht auch entbehren kann, einzukaufen, und sich lieber einmal eine Zeitlang ohne solche Gegenstände behilft, die er sich, wenn er sie eben bei der Hand hätte, wirklich anschaffen würde, so fanden es die Handelsleute bald für nöthig, anstatt auf seinen Besuch zu warten, ihn selbst aufzusuchen, und durchzogen nun entweder in eigener Person mit ihren Waarenpäcken das Land oder schickten ihre Leute aus, während sie dem Laden zu Hause vorstanden.
Vorzüglich fanden die Deutschen an dieser Beschäftigung Geschmack, besonders unter diesen die Israeliten, (denn von all den wandernden deutschen Krämern in ganz Amerika sind kaum ein Hundertstel Christen) und von New-York und New-Orleans, später von Cincinnati aus durchstreiften sie mit unermüdlicher Ausdauer jeden Winkel der Union.
Der Handel ist das Lebensprincip der Israeliten, davon liefert Amerika den unläugbaren Beweis; dort wird ihnen keine Schranke gesteckt, in der sie sich bewegen müssen; dort sind sie durch Vorurtheile oder Gesetze an keine Beschäftigung, an kein Gewerbe gebunden, sie stehen mit der ganzen übrigen Bevölkerung auf Einer Stufe; was sie aber auch im Vaterlande getrieben haben mögen, welches Handwerk, welche Kunst, es bleibt sich gleich, in Amerika, wo sie wählen dürfen, greifen sie nach dem Handel und werden mit sehr wenigen Ausnahmen Kaufleute, oder geht das nicht, Krämer und Hausirer, wie man sie dort nennt, »Pedlars.« Zwar ist ein kleiner Theil dieser Pedlar, wie schon gesagt, Christen; doch dieser sind so wenige und sie verlieren sich so sehr unter der Masse, daß sie kaum einer Erwähnung verdienen, und nur die wirklichen Yankees (die Bewohner der nordöstlichen Staaten der Union) concurriren bedeutend mit ihnen, und nehmen auch wirklich in diesem Geschäftszweig, selbst den Juden gegenüber, den ersten Rang ein. Wir aber haben es hier erst vor allen Dingen mit den Deutschen zu thun. – In einem der Seehäfen angekommen besteht die Baarschaft der wandernden Krämer, wenigstens die der ärmern Classe, gewöhnlich noch aus wenigen Dollars, mit denen sie denn auch nicht säumen, ohne weiteren Zeitverlust ein »Geschäft zu beginnen.« Ein schmaler Korb (zum Umhängen) wird vor allen Dingen angeschafft, dahinein ein kleiner Vorrath von etwas Band und Zwirn, einige Kämme und Zahnbürsten, Hosenträger und Zahnstocher, wunderbar schimmernde Hemdknöpfchen und Näh- und Stecknadeln und andere derartige Sachen gekauft, und der Weg zu ihrem Glück ist gebahnt.
Noch versteht der angehende Kaufmann keine Sylbe von der Sprache des Landes, das er jetzt zu seiner Heimath gemacht hat, yes und no und noch ein paar kleine Hülfswörter, wie very cheap (sehr billig) und very good (sehr gut) ausgenommen, mit einer liebenswürdigen Dreistigkeit aber sucht er vorzüglich die amerikanischen Häuser auf (denn die Deutschen selbst sind schlechte Kunden), und knüpft hier mit der Hülfe von solch barbarischen Wörtern und lebensgefährlichen Gesticulationen ein Gespräch an, daß die Leute, wenn sie nicht den ohne alles weitere Eintretenden beim ersten Anlauf aus der Thüre werfen, sehr häufig geneigt sind eine Kleinigkeit zu kaufen, die sie natürlich im Leben nicht benutzen können, blos um das Mienen- und Gebärdenspiel wie die außerordentliche Unterhaltung des »jungen Amerikaners« eine kurze Zeit zu genießen.
Das dauert aber nur wenige Monate; in fast unglaublich kurzer Zeit lernt der Pedlar die Landessprache wenigstens so weit, daß er sich verständlich ausdrücken kann, und nun beginnt das eigentliche Leben desselben.
Wie der Schmetterling aus der Puppe, so kriecht er mit seinem mächtigen Packen und einem tüchtigen Wanderstab versehen aus den Straßen der engen Stadt hervor und flattert, wenn man überhaupt mit einem Waarenballen von einigen 60 Pfund auf den Schultern flattern kann, hinaus ins Weite, den fernwohnenden Farmern das an Herrlichkeiten zuzutragen, was er entweder auf Auctionen mit baarem Gelde eingekauft, oder von bekannten Kaufleuten auf Credit erhalten hat.
In dem Staat, in welchem er Handel treibt, muß er freilich eine bestimmte Taxe, sogenannte Licence entrichten, weiter ist er aber auch in nichts gebunden, und kann an Waaren ausbieten, was ihm nur immer und wo es ihm beliebt; deshalb haben sie sich auch über die ganzen östlichen, südlichen und mittlern Staaten ausgebreitet, und nur die ganz westlich liegenden größtentheils den Amerikanern überlassen, da dort die Gegend noch zu unbebaut ist und ihnen der Anblick von wilden Thieren, die, wenn auch einzeln, doch dann und wann umherstreifen, keineswegs zu behagen scheint.
Natürlich wählt sich der Pedlar stets den Strich Landes, auf welchem die meisten Ansiedlungen liegen und der noch am wenigsten von seinen Collegen heimgesucht ist; dort geht er dann von Farm zu Farm und fragt, ob die Inwohnenden etwas von Waaren nöthig haben. Gewöhnlich lautet die Antwort »nein.« Da aber der Mann selten zu Hause ist und die Frauen stets gerne sehen möchten, was der Krämer denn eigentlich in dem großen, schweren Packen für Kostbarkeiten verborgen trägt, so erhält dieser leicht die Erlaubniß seinen Ballen zu öffnen und seine Waaren auszubreiten. Erhält er die übrigens auch nicht, so bleibt sich das im Grunde gleich, denn öffnen thut er ihn doch, und seine Sachen zeigt er auch vor, ehe er geht, Stück für Stück, ob er nun freundliche oder mürrische Zuschauer um sich sieht.
Das Ausbreiten der Waaren in einsamer, den Städten fernliegender Hütte, hat aber seinen doppelten Nutzen; erstlich sehen die Bewohner derselben so viele Sachen, welche sie gut gebrauchen können, ja deren sie wohl gar nothwendig bedürfen, vor sich und werden dadurch an manche Kleinigkeit erinnert, die sie sonst vergessen hätten; und dann gewinnt auch die Waare selbst, in der unscheinbaren niedern Hütte, auf dem rohen Holztisch, in der ganzen hausbackenen Umgebung zur Schau gestellt, ein ganz anderes Ansehen. Wie verführerisch glänzen die schildpattähnlich gemalten Hornkämme von dem schlauen Krämer gegen den dunkeln Scheitel des neben ihm stehenden erröthenden Mägdeleins gehalten; wie feenhaft zauberisch glitzern die mächtig großen Vorstecknadeln und Ohrgehänge auf den sauber gebürsteten, schwarzen sammtmanchesternen Kissen und die goldenen Ringe mit den Brillanten und Rubinen auf der schwarzen Rolle aufgereiht wie Bretzeln am Fenster eines Bäckerladens; welche kaum geahnte Pracht eröffnet sich nicht in den jetzt aufgeschlagenen Stücken Kattun, dessen wunderliche Muster, mit den blitzähnlichen Zickzacks und unzähligen Monden und Sternen selbst der ältern Farmersfrau ein lautes »Ach« der Bewunderung entlocken; und dann erst gar die seidenen Halstücher und Bänder, die Perlmutterknöpfe und Haarnadeln mit den kleinen farbigen Glaskugeln oben drauf, die Haarschleifen und Armbänder, die Ketten und feuerstrahlenden Ohrringe, das alles muß in einem solchen Blockhaus, mitten im Walde gesehen werden, um ganz den, wenigstens für den Verkäufer wünschenswerthen und günstigen Eindruck hervorzubringen.
Der Pedlar läßt seine Waaren gewöhnlich nur für baar Geld aus den Händen; kennt er aber seine Leute oder sieht er an der ganzen Umgebung, daß er gerade nicht viel zu fürchten hat, so creditirt er wenigstens einen Theil derselben, was ihm zu gleicher Zeit Entschuldigung für einen zweiten Besuch gewährt. Ein anderes ist es mit den »Jewelry pedlars« oder denen, die nur goldene Schmuckwaaren, einige Taschenuhren und silberne Löffel führen. Diese geben nie Credit, weil sie aus sehr vernünftigen Gründen nie ein und denselben Ort zweimal besuchen: sie trauen dem Frieden nicht recht und sind selten geneigt, dem Mann wieder unter die Augen zu treten, dem sie früher von ihren Waaren verkauft haben.
Der größte Betrug wird in dieser Hinsicht mit den Argentan-Löffeln getrieben, die in den Städten unter dem Namen german silver oder deutsches Silber bekannt sind und wo, besonders in Ohio, den leichtgläubigen Farmern unter dem Vorwande, daß deutsches Silber nur eine andere Art, aber sonst eben so gut sei, das Dutzend Eßlöffel zu 18 und 20 Dollars verkauft wurde. Hätten die Gesetze in diesen Fällen wirklich einschreiten wollen, so würden sie nichts haben ausrichten können, denn die Waare war unter dem rechten Namen, »deutsches Silber,« wenn auch zu einem übermäßigen Preise, verkauft, die Landleute selbst aber, welche mit der Zeit, obgleich erst durch Schaden, klug wurden, schwuren nachher freilich dem Pedlar, sobald er sich wieder blicken lassen würde, furchtbare Strafe zu. Dieser jedoch trieb dann schon in einem anderen Staat, entweder weiter westlich oder südlich, – wer konnte sagen wohin er gezogen, – sein Wesen, und nur wenige Jahre bedurfte es, so hatte sich der arme Packträger ein Pferd oder gar einen kleinen Wagen angeschafft, auf dem er jetzt seine Waaren, in bedeutend größerer und besserer Auswahl, durch das Land fuhr.
Louisiana besonders wimmelt von diesen Leuten und es kommt dort vor, daß mehrere derselben zusammenlegen und sich ein Pferd gemeinschaftlich kaufen, um ihre Waarenballen fortzuschaffen; das arme Thier ist aber dann wahrlich zu bedauern, denn erstens muß es die sicherlich übermäßige Last, und gewöhnlich auch noch abwechselnd einen der hoffnungsvollen Jünger Mercurs schleppen, und nicht selten geschieht es dann, daß solch ein gequältes Geschöpf zusammenbricht und nicht weiter kann.
In Louisiana besteht der Hauptnutzen des Pedlars in dem Verkehr mit den Negern und besonders den Negerinnen, welche, da sie die Plantagen nicht verlassen dürfen, für alles das, was sie gebrauchen, einzig und allein auf diese wandernden Krämer angewiesen sind. Den jungen Mulattinnen und Mestizen fehlt es dabei nicht an Geld, besonders wenn sie schön sind, und sie wissen den Minnesold natürlich auf keine andere Art zu verwenden, als daß sie Putz und Kleider dafür einkaufen, die ihnen von den geschäftigen Deutschen in reicher Auswahl zugeführt werden. Grellrothe Tücher, Glasperlen, auffallend bunte Kattune und alle Arten von Schmuck finden hier einen ausgezeichneten Markt, und der Nutzen an diesen Gegenständen, die spottbillig auf den Auctionen in New-Orleans eingekauft werden, ist bedeutend. Am meisten verdienen diese Leute aber mit dem verbotenen Handel, wie das fast stets der Fall ist.
Den Negern dürfen sie nämlich keinen Whiskey verkaufen, wie überhaupt kein Kaufmann in den Sklavenstaaten; und die Strafen, welche für Übertretung dieses Gesetzes bestimmt sind, werden sehr streng beobachtet; der Krämer weiß aber der Gefahr entdeckt zu werden, sehr gut zu entgehen; Verrath ist von den Negern selbst nicht zu befürchten und eine mittlere, doppelte Wand im Wagen birgt den geheimen Schatz, aus dem sie heimlich die Flaschen der durstigen Sklaven füllen.
Viel bedeutendere Geschäfte machen übrigens in diesem Artikel die großen Flat- und Kielboote, welche für den heimlich ausgeschenkten Whiskey, wenn sie einmal eine kurze Zeit am Ufer anlegen, Landesproducte annehmen, als Hühner, Ferkel, Truthühner, Mais und was die Sklaven sonst selber ziehen oder in der Geschwindigkeit stehlen können, welche Gegenstände der wandernde Krämer freilich nicht im Handel annehmen kann, da er keinen Ort hat, an dem es möglich wäre, diese Sachen zu verbergen, auch bliebe ihm, im Fall es entdeckt würde, kein Weg zur Flucht offen, während die Bootsleute weiter nichts zu thun haben, als ihr Tau loszubinden, wo sie in wenigen Stunden mit dem Strome hinabtreibend unter der Masse ähnlicher Fahrzeuge verschwinden und vielleicht zehn Meilen weit unten denselben Handel auf's neue beginnen.
Wunderbar ist es übrigens in der That, wie diese Pedlars, besonders in einigen Staaten noch, ihren Lebensunterhalt verdienen können, denn z. B. Louisiana, Ohio, Pennsylvanien und selbst Kentucky sind mit ihnen ordentlich überschwemmt; die Amerikaner kennen sie aber schon, wissen, daß es wirklich positive Unmöglichkeit ist, einen derselben loszuwerden, ohne ihm eine Kleinigkeit abzukaufen und fügen sich dann auch meistens mit vieler Ruhe in das doch einmal unvermeidliche Schicksal.
Hat sich der Pedlar nun endlich nach langen, mühsam und auf der Landstraße durchlebten Jahren etwas erspart, so giebt er das wandernde Leben auf und wird »Storekeeper,« d. h. er miethet sich irgendwo an der Dampfboot-Landung eines kleinen Städtchens oder einer Stadt, und ist das nicht möglich, im Innern des Ortes selbst einen Laden, und beginnt ein Geschäft mit fertigen Kleidungsstücken, inclusive Hüten, Mützen, Schuhen und Stiefeln, Messern, Pistolen, goldenen Ringen und Vorstecknadeln. Die sämmtlichen Kleiderläden der Vereinigten Staaten (es bestehen deren Tausende) gehören auf diese Art, mit nur sehr wenig Ausnahmen, deutschen Israeliten, von denen viele in kurzen Jahren ein recht anständiges Vermögen zusammengescharrt haben, und sämmtliche Städte eben dieser Staaten, die an einem Fluß oder sonstigen Wassercours liegen, sind auf diese Art im wahren Sinne des Wortes mit wehenden und flatternden Kleidungsstücken garnirt, zwischen denen unter jeder Thür ein mit vieler Aufmerksamkeit frisirter, sehr elegant gekleideter, und die rothen Finger mit Ringen, die scheinende Weste mit Ketten und Vorstecknadeln überladener junger Mann steht und die Vorübergehenden fortwährend mit lauter Stimme einladet, sein »wohlassortirtes Lager« etc. etc. in Augenschein zu nehmen; ja oft sogar mit wahrer Todesverachtung besonders ärmlich Gekleidete gewaltsam in das Heiligthum seines Verkaufslocals hineinzerrt, wo er im düstern Schatten einer Unzahl flatternder Beinkleider das unglückliche Opfer förmlich zu irgend einem Handel zwingt.
Diese Kaufleute übrigens, die einst wandernde Krämer gewesen, geben ihren ärmern, noch umherstreifenden Collegen selten oder nie Credit; sie mögen wohl wissen, wie sie es selbst in früheren Zeiten getrieben, und wie oft ein solcher nomadischer Händler, wenn er eine Zeitlang Kleinigkeiten im Vertrauen auf seine Redlichkeit erhalten und verkauft, auch stets richtig bezahlt hat, mit dem ersten größeren Waarenballen spurlos verschwindet, und erst wieder in einem andern Staat, wo möglich 5 bis 600 Meilen von dem ersten entfernt, auftaucht. Ihn durch die Gesetze zu verfolgen, ist kaum möglich, der angeführte Kaufmann erfährt vielleicht auch den neuen Aufenthaltsort seines Schuldners erst nach geraumer Zeit, wenn die Schuld selbst schon lange verjährt ist.
Ich war übrigens selbst einst Zeuge, wie mehrere Kleiderhändler in New-Orleans eine wenn auch komische Art Lynchgesetz in Anwendung brachten, um einen Pedlar zu bestrafen, der fünfe von ihnen, die sich später alle zufällig in New-Orleans zusammengefunden und festgesetzt hatten, in verschiedenen Städten der vereinigten Staaten um eine nicht unbeträchtliche Summe in Waaren betrogen. Die Schuld war verjährt und in einer Versammlung vor die er berufen, wurde ihm als Strafe von jeder Hand (es hatten sich etwa 18 eingefunden, und ich war eigentlich nur ein zufälliger Zeuge) zwanzig Stockschläge zuerkannt, denen er sich auch im Gefühle seiner Schuld, geduldig unterwarf. Als aber der vierte, an dem er vorzüglich gesündigt, seinen größern Verlust auch durch stärkere Schläge, als sie der Delinquent wohl erwartet, wieder einzubringen gedachte, lehnte sich dieser höchst unvorhergesehenermaßen gegen die Gewalt auf, und faßte den Strafenden mit so schlauem Griff, daß dieser erschreckt aufschrie, den Stock fallen ließ und froh war, dem kräftigen Schuldner wieder entrissen zu werden. Das schreckte die andern ab, und der Pedlar ward in Gnaden, aber mit entsetzlichen Schimpfworten entlassen.
Zwei Arten von Waaren giebt es übrigens, mit denen sich die Deutschen nie oder wenigstens sehr selten befassen: es ist dies der Verkauf von Wand- oder Standuhren und Medicinen. Zum ersten Geschäft sind sie nicht gewandt, zum zweiten nicht unverschämt genug. Diesen Handel haben also die Amerikaner fast allein an sich gerissen, vorzüglich die Yankees, d. h. die Bewohner der nordöstlichen Staaten, als Maine, New-Hampshire, Connecticut, Vermont, Massachusetts und Rhode-Island, deren »Clock pedlar« oder Uhrenkrämer in der ganzen Welt berühmt sind.
Sam Slick hat einen tiefen Blick in ihre Verhältnisse thun lassen und ich will sie, da sie doch einmal in diese Rubrik gehören, nur kurz erwähnen.
Mit einem kleinen Wägelchen, vor das ein ziemlich gut aussehendes, sonst aber gewöhnlich höchst nichtsnutziges Pferd gespannt ist, zieht der Uhrenhändler oder Clockpedlar in die weite Welt, und zwar am liebsten in die westlichen und süd-westlichen Staaten hinein; sein Zweck und Ziel ist Uhren zu verkaufen und er verkauft sie auch, mag er nun willige oder zähe Käufer finden. Leute, die früher nie auch nur an die Möglichkeit gedacht haben, je eine Summe, die für sie ein Capital ist, an die Anschaffung eines so leicht entbehrlichen Gegenstandes zu wenden, finden sich plötzlich als Eigenthümer eines solchen Werkes, von dem es ihnen fast wie Zauberei und schwarze Kunst erscheint, wie sie eigentlich und so ganz gegen ihren positiv ausgesprochenen Willen zum Besitz desselben gelangt sind. Da steht es aber jetzt, oben auf einem groben, unbehobelten Bret zwischen dort aufgehangenen Hirsch- und Waschbärenfällen so ruhig und gemüthlich mit seinem stillen, selbstzufriedenen Ticktack, als sei es etwa 1500 Meilen von dort ganz besonders zu dem Zweck angefertigt worden, in möglichst kurzer Zeit hierher geschafft zu werden, und durch die Augen einer holdselig lächelnden Dame in wunderbar schimmerndem, feuerfarbenem Kleid, die, auf der Klappe der Uhr befindlich, in der einen Hand eine außergewöhnlich große Rose, in der andern einen chinesischen Fächer hält, dem wirklich verblüfften Farmer seine volle Zufriedenheit mit dessen trefflicher Wahl zu erkennen zu geben.
Der Yankee, eine stets sehr lange und sehr sorgfältig bis hoch hinauf an die Schläfe rasirte Gestalt mit glatt gestrichenen Haaren und grauen, lebhaften Augen, etwas vorstehenden Backenknochen und etwas schiefgezogenen Gesichtszügen, wovon jedoch größtentheils ein in der linken Backe ruhendes entsetzliches Stück Kautaback die Schuld trägt, versichert indessen den Farmer schon zum drittenmal, daß er ihn erst binnen Jahresfrist und vielleicht selbst dann noch nicht wiedersehen solle, läßt sich jedoch »um Lebens oder Sterbens willen« einen kleinen Wechsel nach Sicht schreiben, setzt sich am nächsten Morgen in sein kleines, grün lackirtes Wägelchen, nickt noch einmal einen freundlichen Gruß herüber und verschwindet in den Biegungen der durch den dichten Wald führenden Straße. Er hält Wort – er selbst kommt weder in Jahresfrist noch jemals wieder in dieselbe Gegend, aber nach zwei Monaten erscheint sein »Partner« oder Compagnon, präsentirt den Wechsel und dringt auf die Bezahlung. Von jähriger Frist weiß er nichts, sein College »hat ihm nichts davon gesagt,« der Wechsel lautet auf augenblickliche Bezahlung und muß, wenn er unter 50 Dollar ist, dem Vorzeiger bezahlt werden. Der arme Backwoodsman weiß das und schafft seufzend Rath, der Pedlar aber, oder Einkassirer vielmehr, zieht heimlich lachend von dannen.
Die Hinterwäldler sind sonst so schlau und gewandt, im Geschäft sowohl wie im wirklichen Leben; in den Händen eines Yankees aber ist es ordentlich, als ob sie ihre bisherige That- und Denkkraft verlieren; sie erkennen seine geistige Überlegenheit an und geben sich rettungslos verloren. Kehrt der Händler in seine eigene Heimath zurück, so hat er auch stets ein ausgezeichnet gutes Pferd vor dem Wagen, denn das vortheilhafte Vertauschen desselben gehörte mit zu seinem Geschäft.
Nur ein Beispiel weiß ich, wo ein Yankee und noch dazu einer der pfiffigsten, von einem Backwoodsman mit seinen eigenen Waffen geschlagen wurde und sehr betrübt abziehen mußte. Es war in Arkansas, und Jackson, ein Ansiedler, der erst kürzlich von Tenessee herübergekommen, sein letztes baares Geld für 40 Acker Land, zwei Milchkühe und ein Pferd, da ihm das alte krank geworden und gestürzt war, ausgegeben hatte, saß Abends in der ärmlichen Blockhütte beim frugalen Nachtmahl von Speck, Maisbrod und Milch, als das kleine Fuhrwerk eines solchen Clockpedlars vor seiner Thür hielt.
Freundlich lud er den Krämer ein, bei ihm die Nacht und mit seinem Mahl vorlieb zu nehmen, und dieser ließ sich auch nicht lange bitten, besorgte sein Pferd selbst, trug, wobei ihm Jackson half, die Uhren unter Dach und Fach und begann hier nun auf den Verkauf einer derselben hinzuarbeiten; Jackson war aber »an old hand,« wie sie in Amerika sagen, und durchschaute nicht allein seinen Plan, sondern hatte ihn schon von dem ersten Anblick an vorausgesehen, sagte daher dem Pedlar ganz freundlich, er sei zu arm eine Uhr zu kaufen, denn wenn er sie wirklich kaufen wolle, könne er sie nicht bezahlen. Dies war übrigens eine zu alltägliche Ausflucht, als daß sich der Yankee dadurch hätte sollen abschrecken lassen; im Gegentheil gab ihm das ruhige Betragen des Mannes die besten Hoffnungen zu einem guten Geschäft, und nicht eher ruhte er, bis sämmtliche Uhren in Reih und Glied vor dem still vor sich hin lächelnden Backwoodsman aufmarschirt standen, und jetzt handelte es sich nach des Krämers Meinung nicht mehr darum, ob er eines der herrlichen Kunstwerke, sondern nur welches er kaufen solle. Vergebens erwähnte der Arkansaner, daß er arm sei und keine Uhr kaufen könne, der Pedlar ließ nicht locker, und jener richtete sich endlich entschlossen auf und sagte:
»Gut – ich nehme eine – Ihr bekommt aber kein Geld.«
»Im ersten Jahr nicht,« lächelte der Krämer, »habt die Uhr nur einmal ein Jahr, Ihr laßt sie nicht wieder fort.«
»So will ich diese wählen – was ist der Preis?«
»Achtundvierzig Dollar.« (Er wußte recht gut, daß er bei einer Klage auf mehr als 50 Dollar Jahre lang hinausgehalten werden konnte.)
Jacksons Frau sah ängstlich zu ihm empor, er winkte ihr aber lächelnd zu, ruhig zu sein, und ließ es, behaglich auf ein Bärenfell ausgestreckt, geschehen, daß der Fremde die aufgedrungene Uhr über dem Kamin auf einem durch hölzerne Pflöcke gehaltenen Bret befestigte und aufzog.
»Ihr bekommt aber kein Geld dafür,« sagte er dem Yankee.
»Ich weiß es wohl,« erwiederte dieser, »aber doch Euern Wechsel, Ihr wißt wohl, das ist so Sitte.«
»Gut, dagegen habe ich nichts, den sollt Ihr haben,« sagte der Farmer, und unterschrieb das schnell ausgestellte Papier.
Der Pedlar zog am nächsten Morgen weiter, aber ehe sein Collecteur mit dem fälligen, natürlich nach Sicht ausgefüllten Wechsel erscheinen konnte, hatte Jackson die Uhr auf sein Pferd genommen, nach der nächsten Stadt gebracht und dort verkauft.
Der Compagnon des Yankees kam endlich nach drei Monaten, und erstaunte zwar, keine Uhr in der Hütte des Farmers zu finden, äußerte jedoch hierüber nichts, sondern präsentirte nur seinen Wechsel. Der Farmer bedeutete ihn aber sehr kaltblütig, daß er dem Uhrenhändler aufrichtig gesagt habe, er bekäme nie sein Geld und das wäre in der That wahr, denn er sei nicht allein nicht gesonnen, sondern auch nicht im Stande, die 48 Dollars jetzt oder jemals zu bezahlen; er hätte die Uhr nehmen müssen, um den Krämer nur loszuwerden, und der Collecteur möge ihn jetzt, wenn er sonst glaubte, etwas dabei verdienen zu können, verklagen.
Als dieser endlich wirklich sah, der Farmer sei fest entschlossen, sein Wort zu halten, so ging er zum nächsten Friedensrichter und klagte; der gute Mann war jedoch zum erstenmal in Arkansas – er hatte gut klagen, das Erlangen seiner Schuld stand aber auf einem anderen Blatt, denn der Farmer war – nicht zahlungsfähig.
Vergebens warf der Yankee ein, daß er eine Menge Hausgeräth, eine Büchse, ein Pferd und zwei Kühe habe, es half ihm nichts; in Arkansas kann einem Farmer weder die Büchse noch Handwerkszeug, weder zwei Kühe noch zwei Pferde, noch alles nöthige Hausgeräth als Pfand weggenommen werden, denn es giebt ein gewisses Eigenthum, welches er besitzen muß, ehe das Gesetz ein Recht auf das übrige erhält, und da er das, was ihm der Staat als unantastbar zugestand, noch nicht einmal alles besaß, denn er hatte nur ein Pferd und kaum die Hälfte des ihm verstatteten Hausgeräthes, so war natürlich an eine gewaltsame Bezahlung gar nicht zu denken. Als dies dem Yankee endlich in all seiner entsetzlichen Wahrheit einleuchtete, versuchte er die Uhr zurückzuerhalten, aber auch das war zu spät, und seit jener Zeit ist Jackson nie wieder eine Uhr zum Verkauf angeboten worden.
Ein anderer Handelszweig und keineswegs der unbedeutendste, mit dem die Yankees fast gänzlich Monopol treiben, ist der Medicin-Handel. Ein alter Yankee, der seine Söhne in die Welt schickt, damit sie Erfahrungen – die wichtigste Schule im menschlichen Leben – sammeln, und einmal von den Zwiebelbeeten erlöst werden, an die sie bis zu ihrem einundzwanzigsten Jahr gefesselt gewesen, stellt ihnen die Wahl frei, ob sie Clockpedlar oder – Doctor werden wollen, und wählen sie das letztere, so bedarf es noch nicht einmal so vieler Warnungen und Ermahnungen, als bei dem ersten Geschäft, um den jungen Mediciner mit der Wirkung seiner Heilkräfte, die er in einem kleinen Felleisen bei sich führt, bekannt zu machen.
Die Mittel, deren er sich bedient, sind sehr einfach. Calomel ist die Hauptcur, und macht, nebst irgend einer großnamigen Patentmedicin, den Mittelpunkt, um den sich alles übrige dreht; sonst gebraucht er noch etwas Opium (aufgelöst), Ricinusöl, Glaubersalz, etwas Ipecacuanha, Chinarinde und Brechweinstein, und er hat alles, was er zu einer ausgebreiteten Praxis bedarf.
Schon fünf Meilen von seinem Heimathsort, wo er dem ersten fremden Menschen begegnet, erhält er den Namen »Doctor,« und die können von Glück sagen, die noch mit Salz oder andern unschädlichen Medicinen abgefertigt werden, denn wo der junge Doctor Geld wittert, da müssen die Leute von seiner Patent-Medicin kaufen, und Gnade ihnen Gott, wenn sie das rothe, zusammengeknetete Zeug verschlucken. Sind sie vollkommen gesund, so kommen sie vielleicht mit einer heilbaren Kolik oder einigen gelinden Krämpfen und einem schwachen Anfall von Apoplexie davon; sind sie aber ohnedies kränklich, dann ist ihnen selten mehr zu helfen, und sie vermehren die Zahl der Schlachtopfer, die jährlich dem so scheußlichen Götzen »Quacksalberei« geopfert werden.
Manchmal betreiben auch diese wandernden Krämer oder »Doctoren,« wie sie sich am liebsten genannt hören, ihr Geschäft humoristisch, im Fall sie entweder zu gewissenhaft sind, den Farmern ihre Latwergen aufzudringen oder darin eine leichtere und schnellere Art sehen, Geld zu verdienen; so durchzogen z. B. im Jahre 1843 zwei Yankees die nördlichen oder nordwestlichen Staaten mit solchem Glück, daß sie in wenigen Monaten eine bedeutende Summe Geldes erübrigt hatten. Ihr Plan, oder vielmehr ihre List, war die folgende gewesen.
Der Eine von ihnen, ohne Waaren oder Gepäck, mit nur einer gewöhnlichen amerikanischen Satteltasche von seinem kleinen, feurigen Pferde getragen, war der erste auf der unter ihnen ausgemachten Marschroute, und hielt bei jedem Haus, das auf seinem Wege lag, an, stieg ab, schüttelte den Bewohnern desselben sehr freundlich und lang die Hand, ging an den Wassereimer und trank aus dem langstieligen Flaschenkürbis, der neben demselben an einem Haken aufgehangen war, unterhielt sich dann noch eine Weile mit den Leuten, sprach über dies und jenes, schüttelte ihnen noch einmal zum Abschied die Hand, kehrte wieder um und entdeckte nun irgend einem der Männer, den er bei Seite nahm und um Verschweigen des ihm Anvertrauten bat, daß er – an einer sehr bösartigen Hautkrankheit leide und frug ihn, ob er nicht irgend eine dieser abhelfenden Salbe habe. Er hielt dabei die Hand des Farmers fest in der seinen und sah ihm bittend in's Auge, bis dieser plötzlich den Sinn der Worte begriff und schnell zurücktrat. Gewöhnlich wurde er hierauf schnell und mit einigen kurzen, nicht besonders freundlichen Worten abgefertigt; das that aber nichts, er hatte seinen Zweck erreicht, schwang sich in den Sattel und trabte, wehmüthig zurückgrüßend, langsam der nächsten Ansiedlung zu, um hier seine List zu wiederholen.
Die Farmerfamilie blieb aber in größter Aufregung zurück – was mußten hiervon die Folgen sein? Der Mann mit der ekelhaften Krankheit hatte allen und höchst warm und freundschaftlich die Hand gedrückt, hatte aus demselben Trinkgeschirr mit ihnen getrunken und es war jetzt fast unvermeidlich, daß sie angesteckt werden mußten. Da nähert sich auf hohem, starkknochigem Roß ein Fremder, hält und steigt ab; die Familie ist noch so bestürzt, daß sie kaum seiner achtet, er nimmt aber ohne weiteres das kleine Felleisen, welches er hinter sich am Sattel trägt, geht in's Haus und fragt, ob niemand etwas von seinen Medicinen bedürfe.
Medicin? das war ein Wink des Himmels – der Mann kam wie von Gott gesandt, und welch ein Glück, daß er auch eine solche gerade für diese Art Hautkrankheiten nützliche Salbe bei sich führte. Es ist seiner Aussage nach das letzte, und wenn auch etwas viel für die eine Familie, so kann man ja doch nicht wissen, ob die Krankheit nicht wirklich zum Ausbruch kommt und wie sie sich zeigen wird, gut oder bösartig. Auch ist der Preis gerade für diesen Artikel sehr hoch, aber was schadet das, beugt man denn nicht damit dem Unangenehmsten vor? Der schlaue Krämer hat aber in der That seinen Mantelsack nur mit dieser Arznei gefüllt, welcher blos oben darauf zum Schein noch einige andere beigefügt sind; er streicht daher fröhlich das Geld ein und folgt schnell dem Compagnon, der indessen auf seiner Schrecken verbreitenden Bahn weiter gegangen ist und neue Opfer gesammelt hat. Da sie ihren Weg natürlich immer weiter und stets durch fremde Gegenden fortsetzten, so war auch eine Entdeckung gar nicht zu befürchten, und nie haben wohl zwei Yankees in so kurzer Zeit solche brillante Geschäfte gemacht, als diese beiden wandernden Medicinkrämer.
Zu dieser Menschenclasse gehören auch noch eigentlich streng genommen die unzähligen Kiel- und Flatboote, welche mit den größeren Strömen hinabtreiben; nur eine gewisse Art derselben legt aber an den einzelnen Farmen und Plantagen an, die Mehrzahl schwimmt dem großen Markt des Südens, dem gewaltigen New-Orleans zu. Diese Krämerboote zeichnen sich vor den ersteren Kameraden durch eine kleine Stange und einen flatternden Wimpel aus; sie landen an jeder größeren Ansiedlung und führen theils Producte des Nordens, theils Ausschnitt- oder Blechwaaren, ja manchmal sogar Schaubuden und Theater mit sich. Ist an dem einen Ort ihr Geschäft beendet, so lösen sie das Tau und treiben weiter hinunter zum nächsten Platz, wobei sie, wie schon oben erwähnt, besonders in den südlichen Staaten vorzüglich gute Geschäfte machen, indem sie heimlich an die Negersklaven Whiskey ausschenken und dafür von diesen Feldfrüchte und selbstgezogenes oder gestohlenes Vieh eintauschen.
Der amerikanische Urwald.
Der deutsche Jäger, der Abends seine Jagdgeräthschaften für den nächsten Tag in der freundlich-gemüthlichen Stube zurechtlegt, Pulverhorn wie Korbflasche füllt und nun mit Tagesgrauen nichts weiter zu thun hat, als den Hund zu füttern und für sich selbst ein Paar Butterbröde zu schneiden, wenn nicht auch das die Frau schon besorgte; der dann sein Schießzeug umhängt und mit dem klugen Ponto durch offene Felder sucht, oder durch lichte Waldung pürscht, Nachts aber wieder ruhig in seinem warmen, weichen Bette liegt: der weiß freilich nicht, wie es einem armen Streifschützen zu Muthe ist, der, weit von jeder menschlichen Wohnung entfernt, in Regen und Sturm, vielleicht in Schnee und Eis draußen im Walde campirt, und hungert und friert.
Das Leben in den amerikanischen Urwäldern hat aber stets einen geheimnißvollen Reiz für den Europäer gehabt; schon der Name klingt romantisch, man denkt dabei an die gewaltigen, riesigen Bäume, an das schaurige Rauschen der mächtigen Wipfel, an die Schlingpflanzen und an den wilden Wein, der in schweren, dunklen Trauben von den Ästen herniederhängt, an das Wild, das leisen, bedächtigen Schrittes hindurchzieht, an den finstern Bären, den stattlichen Hirsch, die zahlreichen Völker wilder Truthühner, vielleicht gar an einen in den Zweigen lauernden Panther; ja das ist Alles sehr schön und gut – existirt auch wirklich, nur ist es schlimm, daß die Sache, so recht in der Nähe, aus der Mitte heraus, betrachtet, sehr, sehr viel an Reiz und romantischem Zauber verliert. – Es ist damit gerade so, wie mit einer weidenden Heerde.
Welch einen lieblichen Anblick gewährt es, wenn man, auf einem Hügel gelagert, in der Ferne, auf grüner blumiger Wiese eine Heerde weiden sieht, wo die einzelnen buntscheckigen Kühe nach dem duftigen Futter umhersuchen, wo der Hirt, dessen Hund ihn spielend umspringt, an seinem Hirtenstabe lehnt; wenn man das melodische Läuten der Glocken, das weiche Blöken des Viehes selbst, das freundliche Klaffen des Hundes hört – ein unendlicher Zauber liegt über dem anmuthigen Bilde; – steigt man aber von dem Hügel herunter und kommt in die Nähe, so wird aus der blumigen Wiese ein mit ganz anderen Gegenständen als Blumen bedecktes Brachfeld, die Glocken klingen nicht rein, die eine besonders, die einen Sprung hat, und die man in der Ferne nicht hören konnte, vernichtet den ganzen günstigen Eindruck. Der Hund läuft Einem schon von weitem entgegen und weist knurrend die Zähne – und kommt man nun gar noch näher – riecht erst die Heerde – und den Hirten – ja dann ist's mit dem idyllischen Wesen vorbei – der Zauber schwindet und wir haben eine Heerde Rindvieh, mit Jürges Gottlieb, der daneben steht und an einem außergewöhnlich schmutzigen Strumpfe strickt.
Nun ist es freilich nicht ganz so arg mit dem Urwald; das einzelne Schöne, aus dem er besteht, bleibt immer, ja gewinnt sogar noch in der Nähe an Großartigkeit, wenn man es nämlich blos anzusehen brauchte; muß sich aber der Jäger durch die Schlingpflanzen mit Messer und Tomahawk Bahn brechen, dann findet er zu seinem Schrecken, daß jene malerischen Geflechte voll Dornen und giftiger Blätter sind, die, wenn ihr Saft die Haut berührt, Blasen ziehen und das Fleisch entzünden; der mit Blumen und Kräutern bedeckte Boden giebt nach, und zäher Schlamm umschließt Fuß und Knöchel, umgestürzte Riesenstämme versperren den Weg und sie zu umgehen, ist unmöglich, denn in ihrem Sturz haben sie alles Danebenstehende mit niedergerissen und undurchsichtige Brombeerhecken sind aus den Wurzellöchern aufgewachsen; – Schaaren von Mosquitos stürmen auf den Geplagten ein, zahllose Holzböcke peinigen ihn auf eine fast unerträgliche Art, und ist er im flachen Lande – (denn nur dort findet er den Urwald noch in seiner ganzen Majestät, da in den Hügeln das dürre, trockene Laub zu oft angezündet wird, was die jungen Bäume tödtet und die älteren im Wachsthum hindert), so darf er den Blick kaum zu den herrlichen Stämmen aufheben, weil er fortwährend fürchten muß, auf eine der zahlreichen Schlangen zu treten, die überall dort, wo die Sonne durch's dichte Laubdach bricht, zusammengerollt liegen und dem Unvorsichtigen leicht gefährlich werden können.
Im Winter fallen nun allerdings eine Menge dieser Übelstände weg, die giftigen Schlingpflanzen sind unschädlich, die Insekten fort, die Schlangen liegen in Erdlöchern und hohlen Bäumen; – das ist etwas; – damit aber der deutsche Jäger einen Begriff davon bekommt, wie ein amerikanischer Urwald im Winter beschaffen ist, so will ich hier ein Paar Tage, freilich nicht die angenehmsten, aus meinem Jagdleben, aus den Niederungen von Arkansas, beschreiben.
Im Januar 1840 hatte ich den Theil dieses Staates wieder aufgesucht, der östlich vom Mississippi und westlich vom Whiteriver, zwischen diesen beiden Strömen einen wohl hundert englische Meilen breiten und viele hundert langen Landstrich einschließt und von zahlreichen anderen, aber kleineren Flüssen durchschnitten wird. Wild gab es in den mächtigen Wäldern genug, das entsetzlich ungesunde Klima aber hatte mich im Sommer aus den Sümpfen getrieben, wo ich das kalte Fieber nicht los wurde, jetzt jedoch, bei Frost und Schnee, war das nicht mehr, wenigstens nicht anhaltend, zu befürchten, und ich beschloß, wo möglich eine Büffeljagd auf meine eigne Hand anzustellen, denn dort ist der einzige Platz in den vereinigten Staaten, wo sich noch Büffel aufhalten.
Nun waren die Aussichten zur Jagd freilich nicht die lockendsten, denn ich bekam die letzten Tage des Januar gar Nichts zu schießen und mußte halb verhungert, als ich endlich nach einer glücklichen Schneenacht einen Hirsch erlegte, den mich von meiner Beute trennenden, schmalen Fluß durchschwimmen um diese zu erreichen, wo ich dann ein paar Tage krank oder wenigstens unwohl im Schnee liegen blieb; das ist aber immer noch nicht das Schlimmste aus jener Zeit, ich hatte wenigstens ein gutes Feuer, eine wollene Decke und Hirschwildpret – was will ein Jäger mehr?
Am 2. Februar endlich brach ich auf, warf meine Decke zusammengerollt, über den Rücken, und schritt südlich in den mächtigen Wald hinein, oder besser gesagt, darin fort, denn ich war schon recht eigentlich im strengsten Sinne des Worts darin. Bald kreuzte ich mehrere Hirschfährten; das war aber das Wild nicht, dem ich zu begegnen wünschte, und ich verfolgte meinen Weg.
Der Wald war in dieser Gegend wahrhaft großartig, die gewaltigen Riesenstämme, größtentheils sechzig bis achtzig Fuß vom Boden gerade emporsteigend, ehe sie auszweigten, boten mit den schneebedeckten Wipfeln einen wundervollen Anblick. Es hatte zu schneien aufgehört, und eine heilige Stille herrschte rings umher, die nur dann und wann durch das Herunterbrechen irgend eines zu schwer mit Schnee beladenen Astes, oder das heisere Krächzen eines Raben unterbrochen wurde. Es ließ sich auch sehr gut marschiren; lange schmale Streifen hohen Landes liefen zwischen den zahlreichen Bächen und dem überschwemmten Boden der Niederung hin, und auf diesem standen die meisten Schlingpflanzen und Dornen; da es aber jetzt stark gefroren und geschneit hatte, so hielt ich mich fortwährend auf dem Eis und wanderte so leicht und ungehindert wie auf einer geebneten Landstraße darauf fort, denn der Schnee hinderte mich wenig, da ich damals noch meine alten, deutschen Wasserstiefeln trug. Mehre Male kreuzte ich auch die Spur von Wölfen, sah mich jedoch nicht einmal darnach um, denn ich würde keinen Wolf geschossen haben, selbst wenn er mich darum gebeten hätte, weil ich Pulver und Blei mehr zusammen halten mußte. In einer Gegend, wo man seine Ammunition nicht wieder ersetzen kann, geht man gewiß haushälterisch damit um; ich verließ mich daher auch auf meine Stücken Hirschwildpret und zog an ein paar Völker Truthühner ruhig vorüber, wobei diese ebenfalls sehr wenig Notiz von mir zu nehmen schienen.
Nach einigen Stunden vorsichtigen Pürschens jedoch, wobei ich immer noch nicht die stille Hoffnung aufgab, einem alten Bären zu begegnen, der seine Winterwohnung einmal verlassen haben konnte, obgleich dazu eigentlich wenig Hoffnung war, erreichte ich plötzlich einen Platz, wo in der vorigen Nacht etwa zwanzig Büffel gelagert haben mußten. Die Betten waren vom Schnee entblößt, die Zweige der Büsche ringsumher abgenagt und die Fährten sahen noch so frisch aus, als ob sie eben erst der weißen Schneedecke eingepreßt worden wären.
Das war Alles, was ich wollte – Büffel – und welche Fährten fand ich? ein alter Bull besonders mußte ein unmenschlich starker Bursche sein. Natürlich hoffte ich die Heerde, die, meiner Ansicht nach, nicht weit konnte gewandert sein, in kurzer Zeit beim Äsen zu erwischen, und schnell, aber so geräuschlos als möglich, folgte ich den breit ausgetretenen Fährten eine Strecke am Fluß hinunter, und dann wieder, westlich von diesem ab, als ob sie nach ihrem gewöhnlichen Sammelplatz, den »Cash-« Sümpfen, hinüber gewollt hätten; auf einmal aber änderte sich ihre ganze Richtung und sie waren wieder nordwestlich hinaufgerannt und zwar diesmal, wie es schien, in wilder Eile.
Erst konnte ich mir dieses schnelle Wenden nicht erklären, fand aber bald die Auflösung in einer Masse Wolfsfährten, die wahrscheinlich die Heerde, in der Hoffnung, ein Junges zu fangen, angefallen und zerstreut hatten, obgleich sich der Büffel sonst nicht besonders vor dem Wolf fürchtet. Jetzt ging auch für mich ein viel beschwerlicherer Marsch an, denn da sich die schweren Thiere vereinzelt hatten, mußte ich mir selbst meinen Weg hinter ihnen her bahnen. Unglücklicher Weise war ein Schilfdickicht von ihnen durchbrochen worden und die Folge daher erschrecklich beschwerlich gemacht, denn nichts ist dem Bärenjäger hinderlicher, als eben diese Schilf- oder Rohrbrüche, in die sich besonders der Bär augenblicklich flüchtet und nur zu oft dadurch gerettet wird; denn wer einen solchen Bruch nie gesehen hat, kann sich unmöglich einen richtigen Begriff davon machen. Das Schilf selbst ist hart wie Holz, wird bis anderthalb und zwei Zoll im Durchmesser stark, und oft dreißig und vierzig Fuß hoch, steht auch in dem fruchtbaren und sumpfigen Thalland so dicht, daß man sich kaum dazwischen hindurchdrängen kann; ein Fortschreiten in diesen Dickichten wird aber nur zu häufig durch die Unmasse dorniger Schlingpflanzen, die mit einem festen Gewebe ganze Strecken eng verbinden, fast unmöglich gemacht, wenn der Jäger sich nicht, in der Rechten das schwere, breite Jagdmesser, Bahn haut; kommt er aber zu einem in diesem Gewirre umgestürzten Baum (und die umgestürzten Bäume liegen nicht etwa selten darin), so ist an ein Weiterdringen in gerader Richtung gar nicht zu denken; junge Bäume, Schlingpflanzen, Rohr und Dornen bilden dann eine Masse, durch die man sich nicht einmal Bahn hauen kann, und man muß den Platz umgehen.
Wie langsam aber in einem solchen Schilfbruch ein Vorrücken möglich ist, habe ich einst im Mississippi-Thal erfahren, wo ich drei Stunden zu einer Strecke von etwa 500 Schritt brauchte. Hier ging es jedoch etwas besser, die Büffel hatten mir, wenigstens ein wenig, Bahn gebrochen, und mit dem Messer nachhelfend folgte ich erträglich rasch. Der Tag war aber auch jetzt sehr weit vorgerückt und die hereinbrechende Dämmerung überraschte mich keineswegs angenehm. Das Schilf wollte gar kein Ende nehmen; wenn ich daher auch, beim hellen Schein des Schnees, der Spur in der Nacht hätte folgen wollen, so wäre dies schon wegen des dicken Rohres nicht möglich gewesen, das, nach allen Richtungen hinaus stehend, die ganze Aufmerksamkeit des Hindurchdringenden am hellen Tage in Anspruch nahm, indem man sich bei jedem Schritt die Augen aus dem Kopfe stoßen konnte; daher zündete ich ein Feuer an, was mit Hülfe des Tomahawks und etwas trockenen Schwammes sehr bald gelang, reinigte einen Platz vom Schnee und hatte mich bald behaglich genug eingerichtet.
Ich lag gerade auf einer kleinen Erhöhung, mitten im Schilf, so daß ich gegen den kalten Nordwind ziemlich geschützt war; der Platz hatte aber das Unangenehme, auch nicht die mindeste Aussicht zu gewähren, nicht zwei Schritte weit konnte ich sehen und fühlte mich durch die Nähe des Dickichts, von dem ich förmlich umschlossen lag, beengt; die Sache ließ sich jedoch nicht ändern, eine offene Stelle auszuhauen, dazu fühlte ich mich zu ermüdet, Wirthshäuser waren auch nicht in der Nähe, also machte ich gute Miene zum bösen Spiel und bekümmerte mich mehr um mein Feuer als um das Dickicht.
Weil ich doch noch nicht recht schläfrig war, holte ich, nachdem ich mein frugales Abendbrod verzehrt hatte, den Compaß vor, und denselben gerade in eine der Büffelfährten an meiner Seite stellend, vertrieb ich mir damit die Zeit, zu rathen, auf welchem ganz genauen Strich nun die Heimath läge, und dabei zu überlegen, wie mich hier, von diesem Punkt aus, das Abweichen eines 32stel Zolles zur Rechten oder Linken, entweder in die Wüste Sahara oder nach Sibirien hinaufbringen könnte. Diesem Gedanken gesellten sich andere zu – was sie jetzt wohl zu Hause machten, ob sie auch an mich hierher dächten und noch viele, viele Dinge – so daß ich endlich vom vielen Denken müde wurde und einnicken wollte. – Da krachte ein kleiner Zweig – dicht neben mir; – zwar war der Laut gedämpft – der Zweig mußte unter dem Schnee gelegen haben, ich hatte es aber deutlich gehört und hob schnell den Kopf, um wenigstens den kleinen Raum, in dem ich lag, übersehen zu können; auch war ich in der Richtung noch ungewiß, instinktartig hatte ich aber das Messer aus der Scheide gezogen.
Eine Weile blieb Alles ruhig und ich konnte das Schlagen meines Herzens hören – da krachte es wieder, ganz nahe; – was es auch immer sein mochte, es konnte sich keine zwölf Fuß von mir befinden; deutlich vernahm ich auch jetzt die leisen Schritte im Schnee, wie das Thier trap – trap – trap – trap – mich langsam umschlich. O wie ich mir damals einen Hund wünschte.
Eine Zeit lang schien es still zu stehen, dann hörte ich es wieder in der anderen Richtung, deutlicher noch als vorher. All' meine Sinne waren aber jetzt auf das Peinlichste gespannt, denn jeden Augenblick erwartete ich irgend eine Bestie, ob Panther oder Wolf konnte ich nicht wissen, aus dem Dunkel hervorblinzen und mich anschnüffeln zu sehen. In dieser angenehmen Hoffnung hatte ich nun freilich den Hahn der Büchse aufgezogen, aber auch diesmal starb das Geräusch hinweg und das frühere, lautlose Schweigen herrschte.
Aus allem Vorhergegangenen mußte ich nun nach wohl Stunden langem Harren vermuthen, daß mich mein Nachtbesuch verlassen habe, doch war ich zu aufgeregt, um gleich einschlafen zu können und blieb noch lange wachend liegen, indem ich einen vor mir stehenden alten Baum betrachtete, der ein gar eigenthümliches Aussehen hatte. Es war ein ungeheuerer Sassafrasstamm, der, von einem dichten Gewebe von Schlingpflanzen umgeben, seiner Äste und Zweige beraubt, wie eine riesenmäßige Säule gegen den dunkeln Nachthimmel emporstarrte. Eine hohe, breite Schneekappe krönte den Gipfel. Im Sommer, wenn die Schlingpflanzen ihre grünen Blätter bekommen, sehen diese Baumleichen herrlich aus, denn dann ist von der alten, vertrockneten Rinde auch nicht die Spur mehr zu erkennen, und nur die grüne, lebendige Säule steht wie ein Denkmal vergangener Zeiten da, wo noch der Indianer die Wildniß durchzog, die jetzt nur sein Grab umschließt. – Ich schlief bald darauf ein und der Morgenruf der Eulen weckte mich erst wieder.
Vor allen Dingen untersuchte ich aber jetzt, wer mein nächtlicher Besuch gewesen war, und fand auch dicht am Lager, einmal sogar bis auf drei Schritte, die Spuren eines ziemlich starken Wolfes, was mich um so mehr befremdete, da der Wolf sonst sehr menschenscheu ist und einem Lager selten gern naht; – später übrigens habe ich oft Beweise vom Gegentheil erhalten, denn einmal, zwei Jahre darauf, holte mir eine solche Bestie das Jagdmesser fort, das dicht neben mir lag und zerkaute den schweißigen Griff; ich hatte erst an demselben Nachmittag einen Hirsch damit aufgebrochen.
Mit neuen Kräften verfolgte ich nun die jetzt wieder vereinigten Fährten, die an manchen Stellen, wo kein besonderes Futter sie aus der Bahn lockte, eine förmliche Straße bildeten; aber wie ich auch spähte, immer noch konnte ich nicht das ersehnte Wild selbst entdecken, hundertmal wohl ließ mich ein niederbrechender Ast, oder ein aufgescheuchter Hirsch ihre Nähe hoffen, stets sah ich mich aber getäuscht. Meine einzige Hoffnung blieb jetzt, als die Sonne wieder blutigroth am Horizont verschwand, die Nacht; der Wald war offener als am vorigen Abend, ich gedachte daher meinen Weg fortzusetzen, da die Büffel auf keinen Fall nach einbrechender Dämmerung weiter wandern würden. Das wäre auch recht gut gegangen, denn hell genug leuchtete der Schnee, um die Fährten zu verfolgen, wieder aber stellte sich mir ein solch unglückseliges Schilfdickicht in den Weg, dazu umwölkte sich der Himmel und ich wurde auf's Neue gezwungen »beizulegen.«
Mein Nachtlager war ausgezeichnet, denn durch einen umgestürzten Stamm gegen den kalten Luftzug geschützt, bei einem herrlichen Feuer, an dem ein ansehnliches Stück Hirschwildpret schmorte, hätte ich mich sehr wohl fühlen können, aber – aber – die aufsteigenden Wolken machten mich besorgt, dazu wurde es merklich wärmer, und mir bangte vor Thauwetter. Ich war viele Meilen in den Sumpf eingedrungen und die ganze Zeit fast nur auf Eis marschirt, durfte daher wenig trockenen Boden hoffen, wenn diese Schneemasse jetzt flüssig werden sollte. Doch was konnte ich thun? ich mußte es abwarten, hüllte mich also in meine Decke und schlief bald ein. Die Sonne mochte aber schon lange aufgegangen sein, als ich endlich erwachte und zu meinem Entsetzen das, was für mich das Schrecklichste war, bestätigt fand – es regnete und die Luft war mild und warm wie im Mai – o wie ich mich jetzt nach einem tüchtigen Nord-Ostwind sehnte.
Mit welchen Gefühlen ich übrigens meine nasse Decke zusammenrollte und mich marschfertig machte, läßt sich denken; dabei kamen mir bedeutend starke Gedanken an Umkehren und Büffel Büffel sein lassen; die Fährten sahen aber gar zu lockend aus, noch blieb mir die Hoffnung, sie einholen zu können, ja sogar die Wahrscheinlichkeit war vorhanden, daß sie bei solchem Wetter nicht weiter ziehen, sondern ruhig äsen würden; fest entschlossen also, da es jetzt doch auf eine Meile mehr oder weniger nicht ankam, folgte ich auf's Neue den Fährten und trotzte dem Himmel, der mir eine Wolke voll Wassers nach der andern auf den Pelz goß. Die Büffel schienen auch ganz in der Nähe zu sein; in den Fährten stand das schlammige Wasser, das ihre Tritte aufgerührt hatten, Losung sogar, die ich fand, war noch warm – ich mußte sie finden; – da kam es mir plötzlich vor, als ob der liebe Gott alle Zapfen aus den Schleußen dort oben herausgezogen habe – es regnete nicht mehr, es wasserfallte und der Erdboden glich einer ungeheuern Eislimonade, nur fehlten Zucker und Citronen.
Es ist jedoch ein eigenes Ding um das Menschenherz; vor kleinen Beschwerden und Gefahren bebt es zurück, stürmt aber alles wild und toll darauf ein, kommt ein Schlag nach dem andern; dann wird es verstockt und störrisch, wie ein wilder Stier, macht die Augen zu und stürmt blindlings gegen Jedes an, was sich ihm in den Weg stellt.
Etwas besser macht ich's doch, die Bäume umging ich, aber so erbittert hatte mich dieser, für mich wahrhaft fürchterliche Witterungswechsel gemacht, daß ich das Äußerste zu wagen beschloß. Der ganze Wald stand unter Wasser, d. h. unter geschmolzenem Schnee, und ich mußte jetzt schon auf das höhere, mit Dornen und Schlingpflanzen bewachsene Land, da sich erstlich die Büffel hierher gewandt hatten und dann auch das Gehen auf dem Eis fast zur Unmöglichkeit wurde, indem es unter dem Schnee geschmolzen, wenigstens weich geworden war und beim zweiten oder dritten Schritte stets einbrach. Noch konnte ich die Fährten erkennen und folgte, oft bis an den Gürtel im Wasser, dem Wild – ich war gegen Alles gleichgültig geworden und hatte nur den einen Gedanken noch – Büffel – ich wollte Büffel sehen – ich wollte einen schießen und wäre dann mit dem größtmöglichen Vergnügen gestorben, um nur nicht wieder den ganzen Weg, den ich gekommen war, zurück machen zu müssen.
Da wurde der Wald plötzlich licht und nach wenigen hundert Schritten dehnte sich eine weite, öde Fläche vor mir aus – es war ein See – wenigstens jetzt, er konnte aber nicht gefroren gewesen sein, denn es lag nur eine dünne Decke geschmolzenen Schnees auf der Oberfläche, und hier – hier waren die Büffel hindurch. Deutlich konnte ich die langen, dunkeln Streifen, die sich quer durch zum anderen Ufer zogen, erkennen; vergebens aber spähte ich nach den Thieren selbst – eine räthselhafte Wanderlust trieb sie vorwärts und ich unglückseliges Menschenkind hatte gerade diesen Zeitpunkt wählen müssen, um Jagd auf sie zu machen; doch das Überlegen brachte mich nicht weiter; auf einem etwas trockenen Fleck band ich alle meine Habseligkeiten in die Decke zusammen, nahm diese auf die Schulter und – folgte den Fährten.
Noch jetzt, wenn ich an diese Jagd zurückdenke, kann ich nicht anders glauben, als daß ich damals einen gelinden Anfall von Wahnsinn haben mußte, denn wenn ich die Büffel wirklich überholte, so konnte ich höchstens ein paar Pfund Fleisch und vielleicht ein Horn, als Siegestrophäe, mitnehmen; ich fühlte aber jetzt nur den einen Trieb in mir, hatte nur das eine Ziel im Auge und fand mich sehr bald bis unter die Arme im Schneewasser, mitten im See. Als mir das Wasser über die Brust stieg, verging mir der Athem, doch war der Boden glücklicherweise fest, nicht schlammig, wie ich im Anfang gefürchtet hatte, und ich erreichte das andere Ufer, – oder, besser gesagt, das höhere Land, denn von Ufer war keine Rede, – ohne unterwegs erstarrt zu sein. Hier fand ich das Wasser doch wenigstens nur knietief und athmete etwas freier. Zu meiner großen Verwunderung schien es aber Abend zu werden, und kaum konnte es, wie ich wenigstens glaubte, Mittagszeit sein. Sollten wir eine Sonnenfinsterniß haben? dacht' ich einmal – das war möglich, aber immer dunkler wurde es, immer stiller im Wald – in der Ferne ließ sich ein einzelner Wolf hören – es war kein Zweifel mehr, die Nacht brach schon wieder herein, und noch ist es mir unbegreiflich, wie mir die Zeit an jenem Tage verschwunden sein konnte.
Der Regen, der am Nachmittag etwas nachgelassen hatte, fing wieder von frischem an zu gießen, und als ich mich, mit gerade keinen freundlichen Gefühlen, nach einem Platz zum Lager umsah, regnete es, wie man sagt, Bindfaden; trotzdem gab ich die Fährten nicht auf – an Feuermachen war jedoch gar nicht zu denken; auf dem trockensten Platz, den ich finden konnte, stand das Wasser anderthalb bis zwei Zoll, und Jedermann wird eingestehen müssen, daß das immer noch feucht war; ich kauerte mich daher unter einem halbumgestürzten, schräg liegenden Baumstamm, der wenigstens die fürchterlichsten Regengüsse von mir abhielt, nieder, obgleich ich auch schon bessere Dächer, als er war, gesehen habe, und versuchte zu schlafen. – Zu schlafen? ja, wenn ich das einen Versuch nennen will, daß ich einige Male die Augen zumachte; an wirkliches Schlafen war aber natürlich unter solchen Verhältnissen nicht zu denken; zwar trug ich noch ein Stück gebratenes Hirschwildpret bei mir, fühlte aber nicht den mindesten Appetit, es zu verzehren, und erwartete sehnend und vor Frost schüttelnd den anbrechenden Morgen.
Mitternacht mochte es sein, als ich, seit der Dämmerung, die ersten Wölfe wieder hörte – sie schienen ganz in der Nähe zu sein und heulten jämmerlich; die armen Bestien mochten wohl auch nasse Füße haben; so gleichgültig war ich aber gegen ihre Nachbarschaft, so abgestumpft gegen jede, nur erdenkliche Gefahr geworden, daß ich es nicht einmal der Mühe werth hielt, das Messer aus der Scheide zu ziehen, sondern ruhig sitzen blieb und abwartete, was sie thun würden, denn schon der Gedanke, mich zu bewegen, war mir gräßlich. Es mochten sechs oder sieben Wölfe sein – so viel verschiedene Solosänger konnte ich wenigstens unterscheiden und ich erinnere mich sogar noch recht deutlich, daß ich einmal gelacht habe, als ein junger Wolf, mit einer besonders dünnen Stimme, so gar klägliche Töne ausstieß. Immer näher kamen sie, aber, und da es nicht anders möglich sein konnte, als daß sie mich wittern mußten, denn der Wolf wittert, wie bekannt, ungemein scharf, so begreife ich eigentlich jetzt noch nicht, was sie, wenn es nicht ihre grenzenlose Feigheit war, abhielt, über mich herzufallen, da ich ihre dunklen Gestalten deutlich erkennen konnte, wie sie im Wasser hin und her wateten.
Weil mir ihre Nähe aber doch jetzt fast etwas zu freundschaftlich wurde, beschloß ich, der Sache auf einmal ein Ende zu machen, nahm die Büchse an den Backen, zielte auf den größten Körper und drückte ab. – Ja ich hatte gut drücken – es war Alles naß geworden; da blieb mir denn weiter nichts übrig, ich lehnte die Büchse neben mich, und schloß die Augen; die ganze Sache um mich her kam mir so ekelhaft und fatal vor, daß ich sie gar nicht mehr sehen mochte.
Endlich brach der so heiß ersehnte Morgen an – aber wie – grau und feucht; der Regen hatte freilich nachgelassen, doch schien das Wetter noch viel wärmer geworden zu sein – der Schnee war jetzt vollkommen geschmolzen und der ganze Wald eine flüssige Masse, in der jede Fußspur zusammenlief – Büffelfährten existirten nur noch in der Erinnerung. Da stand ich nun, mit meiner Büffeljagd – Gott weiß, wie viele Meilen von irgend einer menschlichen Wohnung entfernt, in einem Wald, in dem sich ein Frosch hätte erkälten müssen, mit einem Stückchen kalten, gebratenen Hirschfleisch und einer Büchse, die nicht losgehen wollte; ich verzehrte jedoch vor allen Dingen das erstere, wobei ich Pulver statt Salz gebrauchen mußte, und stand dann auf, um meine Marschroute für diesen Tag zu beschließen.
Wie ich damals das Alles ausgehalten habe, ist mir jetzt noch ein Räthsel; naß zum Ausringen, die ganze Nacht im Schneewasser, gekrümmt unter einem Baumstamm gesessen, von Wölfen umheult, fühlte ich mich jetzt so wohl und kräftig, als ob ich in einem warmen Bette geschlafen hätte, nur waren mir die Kniegelenke etwas steif.
Wenn ich aber auch, zu meiner Zeit, ein so eifriger Jäger gewesen bin, als sich selten findet, so hatte meine Jagdlust durch die letzten Begebenheiten dennoch einen bedeutenden Stoß erhalten, ich sehnte mich nach Menschen – nach Brod, nach Bergen – denn ohne Berge konnte ich mir gar keine Erlösung aus dieser Wasserwüste denken: schnell faßte ich daher meinen Entschluß. – Ich hatte mein Möglichstes gethan, hatte bis auf den letzten Augenblick ausgeharrt, und brauchte mir nichts vorzuwerfen; den Büffeln sagte ich also, mit einem halb traurigen, halb ärgerlichen Blick nach Südwesten Lebewohl, und schlug die gerade Richtung nach Nordost ein, um an den S. Francis-Fluß, an die breite Fahrstraße, zu kommen und von dort den Mississippi zu erreichen, auf dem ich in den Ohio und auf diesem nach Cincinnati zurückkehren wollte.
Meiner Lust nach dem Urwald war für eine Zeit lang genügt, und ich kann mit gutem Gewissen fragen, wer hätte den Wald, unter solchen Umständen, nicht satt bekommen? Das »Sattbekommen« allein half mir aber noch nicht heraus und der vor mir liegende Weg erfüllte mich mit Grausen und Schauder. – Tagelang mußte ich noch in dem kalten Wasser fortwaten und eine einzige Nacht Frost konnte meinen Untergang herbeiführen, denn wenn sich jetzt auf dem Wasser eine dünne, scharfe Eisrinde sammelte, so wär' ich verloren gewesen; glücklicher Weise blieb es aber warm und ich trat meinen Marsch, wenn auch nicht mit Singen und Jubeln, aber doch mit dem festen Entschluß an, Alles, auch das Schlimmste, ohne Murren, zu ertragen.
Unmöglich wäre es jedoch, den Weg zu beschreiben, den ich zu durchwandern hatte. Nur wenige Streifen trockenen Landes fand ich, und hielt auf dem ersten, um meine Büchse wieder in Stand zu setzen. Dann aber durch Sumpf und Moor, durch Fluß und seegleiche Wasserstrecken meine Bahn verfolgend, oft bis unter die Arme im Eiswasser (einige Male mußte ich sogar schwimmen) erreichte ich gegen Abend einen hohen indianischen Grabhügel und erquickte mich in dieser Nacht wieder bei einem lodernden Feuer und einem am Spieß steckenden Truthahn, den ich, wenige hundert Schritt von meinem Lager, von einem Baum herunter geschossen hatte.
Am nächsten Tage blieb mein Marsch nun zwar derselbe – dieselbe öde Wasserwüste, derselbe kalte, nasse Wald, mit seinen ungeheueren Bäumen; doch interessirte mich an diesen jetzt nur noch das Moos, nach dem ich meine Richtung beibehielt, denn in dem flachen Lande, an den geraden Stämmen, ist das Moos an der Nordseite (ein klein wenig mehr westlich als östlich) am stärksten, und man kann ziemlich sicher darnach gehen; ich wenigstens habe meinen Weg stets sehr gut mit der Beobachtung desselben gefunden. Wer beschreibt aber meine freudige Überraschung, als ich gegen Mittag Spuren eines menschlichen Wesens fand und bald darauf einen Schuß hörte; ich brauche wohl nicht erst zu sagen, wie ich eilte, um mich diesem anzuschließen; nach nicht gar langem Marsch holte ich den Jäger auch ein, wie er eben einen erlegten Hirsch aufgehangen hatte; er war aber ebenfalls nicht wenig erstaunt, mich und zwar an solchem Ort und in solchem Aufzuge zu sehen. Wäre er nur ein Bischen mit europäischer Civilisation bekannt gewesen, so würde er mich unbezweifelt für einen Weinreisenden gehalten haben, so konnte ich ihm nur versichern, daß ich ein »Pech-Reisender« sei und mich in den Sümpfen hier zu meinem Vergnügen aufhalte; mein Aussehen mußte das auch bestätigen.
Ich hatte jedoch nun den schlimmsten Weg überstanden und erreichte einige Tage darauf die Ansiedelungen; es bedurfte aber langer Monate, ehe ich diese Jagd vergessen, wenigstens verschmerzen konnte; doch durfte ich mich gar nicht beklagen; ich lernte dadurch nur eine der vielen Schattenseiten kennen, die eine jede Sache haben muß, um nicht durch Einförmigkeit allen Reiz zu verlieren; fand aber auch zu gleicher Zeit, daß der Urwald trotz all dem Zauber, der schon allein in dem Worte liegt, recht sehr prosaisch, ja sogar recht sehr langweilig sein konnte. Sind daher die deutschen Jagden auch weniger gefahrvoll, also auch weniger interessant, als die amerikanischen, so ist der Jäger hier doch auch nicht solchen erschrecklichen Lagen ausgesetzt, als es nur zu oft dort der Fall ist, und wo einmal eine Sache Zwang wird, wo der im Walde Lebende schießen muß, wenn er nicht verhungern will, hört sie auf Vergnügen zu sein.
Drum, – haben wir auch hier in Deutschland keine Bären- und Pantherjagden, so sind die Hasentreiben doch äußerst gemüthlich; und liefern fette Bärrippen und Honig ein sehr leckeres Mahl, so schmeckt ein gespickter Rehziemer auch nicht so übel.