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Amerikanische Wald- und Strombilder. Zweiter Band. cover

Amerikanische Wald- und Strombilder. Zweiter Band.

Chapter 4: Cincinnati.
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About This Book

A collection of travel sketches and short narratives recounts journeys through North American forests and riverlands, blending landscape description with episodic adventures. The accounts follow newcomers and settlers as they attempt to establish homesteads, face wildlife such as panthers and bears, and handle encounters with local inhabitants and colorful personalities. Practical observations about frontier towns, commerce, and everyday survival alternate with vivid hunting scenes and humorous vignettes. The prose pairs realistic detail and anecdote with occasional reflection to convey the hardships, dangers, and unexpected comforts of life in the wilderness and along inland waterways.

Nicht alle Menschen lernen übrigens diese Vorzüge einsehen, und viele von diesen schleppen dann entweder ein unglückliches Leben in dem fremden, freundlosen Lande hin, oder sie kehren in die alte, aus Unmuth oder Veränderungssucht verlassene Heimath zurück; keiner aber, der Sinn für Freiheit und Unabhängigkeit in sich trägt, wird, wenn ihn nicht Familienbande unaufhaltsam dorthin ziehen, weniger erbärmlicher, leicht zu entbehrender Bequemlichkeiten und Luxusartikel wegen den freien Wald wieder mit den Ketten des alten Vaterlandes vertauschen. Thät' er es aber doch, schmiegte er sich bloß deshalb wieder unter das, einmal gemiedene Joch, flög' er wieder in den goldenen Käfig zurück, weil er sich nicht gern im Walde, in Sturm und Regen sein Futter selbst sucht, nun dann ist das kein Verlust für Amerika, solche Leute gehören auch nicht in den Wald, sie sind Futter für Bälle und Theater.«

»Ich weiß nicht,« meinte Sechingen kopfschüttelnd, »man braucht gerade kein Anhänger von Üppigkeit und Wohlleben zu sein, und mag doch die Überzeugung haben, seine Zeit nützlicher und angenehmer verbringen zu können, als im Walde bei einem Gewitterschauer. Mir zum Beispiel ist die Kehle wie zugeschnürt, und ich werde die Erkältung in vierzehn Tagen nicht wieder los.«

»Glaub's wohl,« lachte Klingelhöffer, »Sie sind aber auch gleich mit dem Kopf zuerst in das Schlimmste hineingefahren; was uns hier im Walde passiren kann: Kälte, Hunger und Nässe auszustehen, ist ein freilich etwas großer Abstand gegen die reich besetzte Tafel und das warme Bett eines Dampfbootes. Doch jetzt sollen Sie, wie ich hoffe, auch einige von den Annehmlichkeiten unseres Wald- und Farmerlebens kennen lernen, und wenn diese Sie dann nicht ganz mit unserer rauhen Heimath aussöhnen, so werden sie wenigstens viel dazu beitragen, Ihnen das Leben hier nicht allein von seiner Schatten-, sondern auch von seiner Lichtseite zu zeigen. Es giebt auch im Urwald glückliche Menschen.«

»Der Urwald verliert aber doch sehr in der Nähe,« erwiederte Sechingen, als er durch eine Spalte der Wohnung hinaus auf die, von grauen, nassen Regenwolken überhangenen Baummassen blickte, während der Wind, unheimlich pfeifend, durch ihre Wipfel brauste und ihnen die großen, klaren Tropfen aus den schwankenden Häuptern schüttelte, »ich hatte mir in mancher Hinsicht ein anderes Bild davon entworfen.«

»Sie hatten nicht daran gedacht,« fiel ihm sein freundlicher Wirth lachend in's Wort, »daß die gewaltigen, stattlichen Bäume auch im Sumpfe stehen, oder gar quer über den Weg hin liegen könnten, und dann die Passage eher versperren, als verschönern, daß nicht allein das romantische Geheul der wilden Thiere, sondern auch das sehr prosaische Gesumme der Mosquitos den Wald erfüllt, und daß sich eine Landschaft, wo der Sturm auf den Flügeln der Windsbraut die Fläche durchsaust, wo tolle Regengüsse aus den Wolken niederfluthen und trockene Wege zu Bächen und Bäche zu Strömen werden, sehr hübsch und interessant auf der Leinwand, keineswegs angenehm aber im wirklichen Leben, in der nüchternen hausbackenen Wirklichkeit ausnehmen. Ja, das geht Manchem so, das giebt sich aber, und zuletzt lernen wir selbst die Unannehmlichkeiten eines wilden Lebens lieb gewinnen. Sehen Sie aber, wie sich der Indianer das Fortepiano betrachtet, eine solche Maschine hat er im Leben noch nicht gesehen, ich werde ihm etwas vorspielen.«

Damit trat der Farmer zu dem Clavier, öffnete es, und präludirte ein wenig; gar wunderbarer Weise hatte sich auch das Instrument, einige Töne abgerechnet, noch ziemlich gut in Stimmung erhalten, trotz der feuchten Luft, der es fortwährend ausgesetzt war. Der Deutsche ging also nach einigen schnell gegriffenen Akkorden zu einem leichten Walzer über, und das Erstaunen Bob's, der vom Öffnen des Instrumentes an bis jetzt, starr von Überraschung und Verwunderung gestanden hatte, erreichte nun seinen höchsten Grad. Bei den immer schneller und munterer folgenden Tönen heiterten sich aber auch seine dunklen, bis jetzt fast ausdruckslos gewesenen Gesichtszüge auf, und ein Paar Reihen Zähne wurden sichtbar, die an Weiße dem frischgefallenen Schnee nichts nachgaben. Endlich schloß Klingelhöffer, und vom Stuhle aufstehend, klopfte er dem Indianer auf die Schulter und frug: »wie das klänge?«

»Bless my soul,« sagte dieser, noch immer das früher nie gesehene, wunderbare Gestell betrachtend – »eine große Violine mit Zähnen und Beinen wie ein Bär, die das Maul aufmachen kann – Bob hat noch nie so ein Ding gesehen!«

»Und wie gefällt es Dir?«

»Gut – unmenschlich gut!« sagte Bob, indem er den Mund von einem Ohr bis zum andern zog.

»Sehen Sie, hier haben Sie gleich eine Naturbeschreibung des Fortepianos,« lachte der Farmer, »der Bursche wird Wunderdinge davon erzählen, wenn er wieder nach Little Rock kommt; aber apropos, da wir von Little Rock reden, wo haben Sie denn Ihre Sachen gelassen, etwa dort?«

»Ja, bei Charles Fischer.«

»Nun da stehn sie ziemlich sicher, sonst ist dem Neste gerade nicht viel zu trauen; ich habe allen Respekt vor dieser Hauptstadt von Arkansas.«

»Haben Sie von dem Staat eine eben solche Meinung, als von der Stadt?«

»Dann blieb ich hier nicht wohnen, nein, ich halte Arkansas für den besten Staat der Union, das heißt, er ist mir der liebste, ich möchte in keinem anderen wohnen, und hoffentlich werden Sie dasselbe sagen, wenn Sie erst einmal im Lande umhergestreift sind und die verschiedenen Gegenden selbst besucht haben. Wohin gedenken Sie sich von hier aus zu wenden?«

»Aufrichtig gesagt,« erwiederte ihm Sechingen, »so hatte ich nach dem, was ich von Herrn Fischer in Little Rock gehört, große Lust, mir irgend ein Stück Land in dieser Gegend auszusuchen, und mich darauf niederzulassen. Es ist dieß die Ursache, weßhalb ich nach Amerika ausgewandert bin, ich – ich hatte ein so gewaltiges Sehnen nach dem – nach dem Urwald; seit letzter Nacht hat sich das freilich bedeutend gegeben, und ich möchte doch nun erst die hiesigen Verhältnisse ein wenig genauer kennen lernen, ehe ich mich bleibend festsetze. Ist es Ihnen also recht, mein bester Herr Klingelhöffer, und fall' ich Ihnen nicht zur Last, so bleib ich ein paar Tage bei Ihnen, wir durchziehen dann die Nachbarschaft ein wenig, und ich kann mich im Laufe dieser Woche fester und genauer bestimmen.«

»Von Herzen gern,« sagte der wackere Farmer, ihm die Hand reichend, »Sie sind mir so willkommen, wie die Blumen im Mai, und sehen Sie sich das Land erst einmal an, dann gefällt es Ihnen auch. Wie wär's, wenn wir Ihre Sachen indessen von Little Rock heraufkommen ließen? Das nächste Dampfboot kann sie bis Bakers Landung am Arkansas bringen, und dort holen wir sie in nächster Woche mit meinem Canoe ab.«

»Wo aber soll ich bei Ihnen schlafen?« frug Sechingen mit komischem Ernst, indem er sich überall im Hause umsah – »wenn Ihre Frau und Töchter –«

»Thorheiten,« lachte Klingelhöffer – »das fällt hier alle Tage vor, wir machen Ihnen ein Lager auf der Erde – ein wenig hart wird's sein, doch daran müssen Sie sich gewöhnen; ein Jäger darf überhaupt nicht so sehr viele Bedürfnisse haben.«

»Jagen Sie viel?«

»Nein, sehr selten, ich bin kein großer Freund mehr davon.«

»Es ist wohl viel Wild in der Gegend?«

»Ja, ziemlich viel Hirsche und Truthühner!«

»Auch Bären, nich wahr?«

»Dann und wann kommt uns einmal so ein alter Bursche zwischen die Schweine, doch sind wir in solchem Falle schnell mit den Hunden dahinter her, und fangen ihn entweder, oder treiben ihn doch wenigstens aus der Nachbarschaft.«

»Dann und wann?« frug Sechingen sehr erstaunt, »aber Charles Fischer hat mir ja gesagt, daß sie hier fast nur von Bärenfleisch lebten.«

»Dann müßten wir bald genug verhungern,« lachte der Farmer. – »Speck und Maisbrod, das ist die Kost, selten einmal Hirsch- oder Truthahnfleisch, denn Bären fangen an zu den Seltenheiten zu gehören – ich habe in den sechs Jahren, die ich hier bin, erst drei geschossen.«

»So hat Fischer also wohl auch mit dem Anpreisen des Landes nicht die Wahrheit gesagt?« meinte schon etwas kleinlaut der junge Deutsche.

»Das steht auf einem anderen Blatt!« rief der Farmer – »davon sollen Sie sich auch selbst überzeugen, denn wenn er nicht fürchterlich aufgeschnitten hat, so werden Sie Ihre Erwartungen eher noch übertroffen finden. Außerdem ist dieß eine Erfahrung, die Sie ebenfalls in Amerika machen müssen: jeder Farmer preist die Gegend, in der er selbst lebt, am meisten, und ich sehe nicht ein, warum ich mich allein davon ausschließen sollte, da ich noch dazu das gute Recht und vollkommene Ursache auf meiner Seite habe. Aber wie ist's? wollen wir an Charles nach Little Rock schreiben, daß er die Sachen heraufschicken soll? Der Indianer könnte den Brief mitnehmen?«

Sechingen blickte unentschlossen vor sich nieder; er hatte sich das Leben im Walde doch ganz anders gedacht – sollte er hier – in einer solchen Wildniß von jedem Verkehr mit civilisirten Menschen abgeschnitten (ein oder zwei Nachbarn höchstens ausgenommen) förmlich versauern? – sein Geld an todtes, mit ungeheueren Bäumen bewachsenes Land wenden, das er vielleicht nachher nicht einmal bebauen konnte? –

»Hm« – sagte er nach ziemlich langer Pause – »ich weiß doch nicht – wenn ich nun wieder zurückginge nach Little Rock, so« –

»Ja, wenn Sie darüber noch nicht mit sich im Reinen sind,« unterbrach ihn schnell der Farmer, »dann lassen Sie's lieber beim Alten – ich sehe schon wie's steht – die Sachen mögen also unten bleiben und gefällt Ihnen unsere Gegend gut genug, ei nun, dann wird auch Rath werden, die paar Habseligkeiten mit Allem, was ein Farmer hier sonst noch im Walde brauchen könnte, heraufzuschaffen. Morgen sollen Sie ein Stück von unserer Gegend kennen lernen, und daß ich Ihnen nicht das schlechteste zeigen werde, darauf mögen Sie sich ebenfalls verlassen.«

Der Indianer, der indessen mit Speise und Trank und einem tüchtigen Glase Whiskey hinlänglich gestärkt war, von Sechingen auch die Bezahlung für seine Mühe empfangen hatte, rollte nun die an dem Feuer getrocknete wollene Decke wieder zusammen, in deren Falten er vorher noch ein paar, nicht unansehnliche Stücke Maisbrod und Speck barg, warf einen letzten, sehnsüchtigen Blick nach der, wieder auf das Wandbret gestellten grünen Flasche hinauf, murmelte einen kurzen Abschiedsgruß und schlug bald darauf den schmalen, an der Fenz hin führenden Fußpfad ein, der der Countystraße zulief. Über die Berge hin war er so im Stande, Little Rock trockenen Fußes zu erreichen.

Sechingen sah sich bald häuslich eingerichtet, und wider alles Erwarten wurde sein, wenn auch etwas hartes Nachtlager, so vortheilhaft, und selbst dem verwöhnten Körper des Europäers genügend hergestellt, daß er – vielleicht auch noch durch die ungewohnten Anstrengungen mehr als je ermüdet – sanft und ruhig bis zum nächsten Morgen schlief, und sich bei seinem Erwachen zum ersten Male gestehen mußte, es sei doch eigentlich recht wenig, mit dem ein Mensch glücklich und zufrieden leben könne, wenn er nur mit sich selbst im Reinen und ein freier Mann, seinem freien Willen auch frisch und fröhlich folgen dürfe.

Ein nach amerikanischer Art zubereitetes Frühstück wurde jetzt verzehrt, und Sechingen glaubte, daß sie gleich nach Beendigung desselben aufbrechen wollten; Klingelhöffer hatte aber die Absicht, seinem Gast, ehe er ihn auf das Land selbst führe, auch die Schwierigkeiten zu zeigen, die eine Urbarmachung desselben mit sich bringe. Unter dem Vorwande also, noch Feuerholz schlagen zu müssen, nahm er den jungen Mann etwa hundert Schritte mit in den Wald, zeigte ihm eine, hier unter jenen Stämmen keineswegs stark aussehende Eiche von circa drei Fuß im Durchmesser, und bat ihn, »den kleinen Stamm,« da er das doch Alles lernen müsse, einmal zu fällen, er wolle dann in einem Viertelstündchen wiederkommen, um ihn abzuholen.

Von Sechingen, der sich lange danach gesehnt, einmal seine Kraft an den Riesen des Waldes zu versuchen, griff freudig nach der schweren Axt, und seine Schläge – als ihm der Farmer erst gezeigt hatte, wie er das Werkzeug am vortheilhaftesten halten müsse – suchten sich bald ihr Echo in den nahen Hügeln.

Klingelhöffer, der wohl gemerkt, daß dem jungen Mann die Romantik des Waldlebens noch zu sehr im Kopfe lag, und der ihn daher gern zu der derben, hausbackenen Wirklichkeit zurück führen wollte, schritt, still vor sich hinlächelnd, dem eigenen Hause wieder zu. Was er aber vorausgesehen, traf auch und zwar in sehr kurzer Zeit ein; Sechingen hackte allerdings eine ziemliche Weile an dem gewaltigen Baum herum, das zähe Holz wollte jedoch seinen ungleich geführten Hieben nicht weichen, nur hie und da sprang ein, durch einen Kreuzhieb gelöstes Spänchen ab und er mußte sich endlich – todesmüde und die Hände voller Blasen – gestehen, das Wort urbarmachen klänge wohl ausgezeichnet und nehme sich auch sehr schön auf dem Papiere aus, passe jedoch in der Wirklichkeit ganz und gar nicht für ihn. So viel sah er ein, und wenn er den ganzen Tag hier stehen geblieben wäre – den Baum hätte er doch nicht umgebracht.

Klingelhöffer fand ihn ziemlich verstimmt am Fuß der Eiche sitzen, und so versunken schien er im Anblick seiner Blut unterlaufenen Hände, das er den Kommenden gar nicht hörte, bis er dicht neben ihm stand. Dieser aber suchte ihn nun auch über das noch nicht Glücken und Vorwärtsschreiten der Arbeit zu trösten und meinte, »es fiele kein Meister vom Himmel und gut Ding wolle Weile haben – solche Arbeit fände ein Jeder schwer, der erst in den Wald zöge, und selbst Leute, die ihr Lebelang Nichts gethan hätten als schwere Werkzeuge geführt, müßten sich an die Führung der Axt gewöhnen, ehe sie im Stande wären, etwas Tüchtiges zu leisten – er solle deshalb auch ja nicht muthlos werden, denn Lust zur Sache sei halb gewonnen Spiel, und wenn ein Mann einmal recht ernstlich wolle, so könne er es auch durchführen, trotz allen Schwierigkeiten und Hindernissen.«

Das waren eine Menge Thatsachen und unbestreitbare Wahrheiten, die Sechingen nicht gut wegläugnen konnte, das harte Eichenholz stand aber auch wieder auf seiner Seite als ein unfällbarer Beweis, und nur froh, für jetzt durch eine gute Ausrede der fatalen Arbeit enthoben zu sein, folgte er seinem freundlichen Wirth zum Haus, bestieg eines von den Pferden und ritt nun mit ihm in den Wald hinein.

Jetzt aber hatte auch das heitere Sonnenlicht all die dunklen, trüben Regenschatten verscheucht und seine behebenden Strahlen fielen frisch und fröhlich durch die glänzenden, glizernden Blätter der leise rauschenden Wipfel zur Erde nieder – der ganze Wald duftete so lieblich, der klare Himmel hing so rein und lächelnd über der wunderschönen Welt, daß Sechingen schon fast die überstandenen Mühseligkeiten vergaß und endlich auch seinem Begleiter nicht länger verschweigen konnte, welchen so ganz verschiedenen Eindruck der Urwald gestern und heute auf ihn gemacht habe.

»Das alte Lied,« lachte dieser, »bei trübem Wetter sehn wir auch die ganze Welt mit trüben Gläsern an, und scheint dann die liebe Sonne und zwitschern die muntern Vögel ihr Lied dazu, dann hängt der Himmel gleich wieder voller Geigen. Wir wollen die Mittelstraße wählen – ja – es ist schön hier im freien Wald, so schön, daß ich glaube, das Herz würde mir brechen, müßt ich ihm einmal wieder ade sagen, aber – er hat auch seine großen Schattenseiten, von denen Sie bis dahin allerdings erst sehr wenige kennen gelernt haben. Vollkommen ist jedoch Nichts auf der Welt, und so lange die guten Eigenschaften nicht von den bösen überdeckt werden, ei nun, so lange dürfen wir uns dann auch nicht sonderlich beklagen. Jetzt sehen Sie sich das Land erst einmal ordentlich von allen Seiten an, und dann können Sie sich nach bestem Urtheil frisch und frei entschließen, was Sie zu thun beabsichtigen.« –

Mehrere Stunden lang ritten die Beiden im Wald umher und Klingelhöffer gab sich besondere Mühe, dem neuen Ankömmling die verschiedenen Landarten und die Vegetation, durch welche sie sich unterscheiden, zu zeigen; dieser aber, der sich in seinem ganzen Leben noch nicht um Land oder Ackerbau bekümmert hatte, widmete dem Gegenstand keineswegs die Aufmerksamkeit, die er verdiente, und die jener zu finden erwartete, sondern sah sich jetzt vielmehr fortwährend nach Wild um und kam dadurch nicht selten in die unangenehmsten Berührungen mit vorstehenden Ästen und niederhängenden Schlingpflanzen. Dabei übersprang sein kleines muthiges Pferd alle Augenblicke vor ihnen liegende Stämme und Äste, oder Wassergräben und Sumpflöcher, und brachte den Reiter mehrere Male sogar aus allem Gleichgewicht, daß er sich kaum noch im Sattel erhalten konnte.

Die Mittagszeit rückte so heran, noch immer aber machte Klingelhöffer keine Anstalt heimzukehren, denn er behauptete, und auch ganz mit Recht, sie wären nun doch einmal draußen im Wald und es sei nicht allein für den Fremden gut, das Land und die Vegetation kennen zu lernen, sondern er selbst wolle auch die Gelegenheit gleich benutzen, nach seinem Vieh zu sehen, das hier in der Nähe seine Weideplätze hätte, denn apart deswegen hierherzureiten, nähme ihm zu viel Zeit weg.

Sechingen hatte nach und nach einen merkwürdigen Hunger bekommen, und die Glieder schmerzten ihn ebenfalls von der so ganz ungewöhnlichen Bewegung, Klingelhöffer schien aber von dem Allen Nichts zu spüren, ritt durch tiefe Gräben, die steilen Ufer hinab und herauf, wich keinem Dickicht aus, gallopirte an Stellen, wo Sechingen lieber abgestiegen wäre und das Pferd geführt hätte und zeigte sich hier in dem wilden pfadlosen Walde so zu Hause, als ob er in seiner eigenen Stube umherginge.

Da – er hatte eben davon gesprochen, den Heimweg anzutreten, und der müde Reiter athmete schon hoch auf – schlugen nicht weit von ihnen entfernt die Hunde an und der Farmer, sich hoch dabei im Sattel emporrichtend, horchte den, ihm so wohl bekannten Tönen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. – Mehre Secunden lang war jetzt Alles still – da plötzlich ertönte der Lärm auf's Neue und der Farmer, der jetzt wußte, daß seine Hunde irgend etwas im Walde gestellt oder wenigstens aufgejagt hatten, fühlte im Nu den alten Jagdeifer in sich erwachen.

»Hurrah!« rief er, und wandte sich im Sattel nach seinem Begleiter um – »die Hunde sind fleißig, wir wollen die Pferde einmal laufen lassen, das Bischen Bewegung wird ihnen Nichts schaden.« Und ohne weiter eine Antwort abzuwarten, drückte er dem eigenen Thiere die Sporen in die Seite und dieses, der Aufforderung nur zu gern Folge leistend, flog in muthigen Sätzen der Richtung zu, aus der das Bellen und Toben der Hunde jetzt immer deutlicher zu ihnen herüberschallte. Sechingen mußte, wollte er hier nicht allein im fremden Wald zurückbleiben, folgen und sein eigenes Pferd, das schon ungeduldig den Kameraden hatte davon gallopiren sehen, fühlte kaum den leichten, fast unwillkührlichen Schenkeldruck, als es fröhlich wiehernd hinten ausschlug und nun in tollen, unaufhaltsamen Sätzen den Spuren des Vorangegangenen folgte.

Nun war Sechingen zwar ein geübter Reiter, und saß besonders schön und kunstgerecht im Sattel, verstand auch die Behandlung eines zugerittenen Pferdes aus dem Grunde, durch solch wildverwachsenen Wald aber zu gallopiren und noch dazu mit allem möglichen Schieß- und Jagdgeräth behangen, das war mehr als er je versucht hatte, und bald blieb er mit dem locker befestigten Pulverhorn, bald mit dem Griff seines Hirschfängers, bald mit dem Gewehrriemen in den Zweigen und Schlinggewächsen hängen, und endlich wurde er gar bei einem schnellen Seitensprung des Pferdes, das einer vor ihm liegenden Schlange auszuweichen suchte, unter einen vorragenden Ast gerissen und – mit Blitzesschnelle aus dem Sattel gestreift. »Das Roß, des Reiters ledig,« schien weiter gar keine Notiz von ihm zu nehmen, und von Sechingen befand sich bald darauf, als auch das Bellen der noch fernen Hunde nachgelassen hatte, mitten im Wald, ohne Weg, ohne Steg – jeder Richtung, jeder Himmelsgegend unkundig – allein.

Eine volle Stunde wohl irrte er jetzt, mit immer steigender Angst und jenem entsetzlichen beengenden Gefühl, das sich stets des Verirrten bemächtigt, in der Wildniß umher – seine feine Tuchpikesche war in den scharfen Dornen zerrissen, die Pulverhornschnure abgesprengt und das Pulverhorn verloren, den Hirschfänger hatte ebenfalls wahrscheinlich irgend eine Ranke erfaßt und herausgerissen – die Scheide hing ihm leer an der Seite – die Mütze mochte Gott weiß wo sein, Gesicht und Hände bluteten ihm und die Rippen thaten ihm alle mit einander im Leibe weh. Erschöpft warf er sich endlich unter einer alten Eiche nieder – er konnte nicht mehr vorwärts, er mußte erst ausruhen.

»Und hier soll man den Urwald sehen?« rief er endlich in vollem Unmuth aus – »hier wo man den Kopf nicht heben darf, ohne mit dem Gesicht in irgend einem verwünschten Dornenbusch hängen zu bleiben – und die Bäume – großer Gott, es nähme ja ein Lebensalter, um nur ein halbes Dutzend von diesen Kolossen umzuwerfen; und dann ist die Erde hier so mit Wurzeln verwachsen, daß man kaum einen Stock hineinstoßen, geschweige denn einen Pflug hindurchziehen könnte. Nein – ich passe nicht zu solchem Geschäft – ich habe mir das viel romantischer gedacht. Blüthenbäume – blumige Ranken – duftenden Wald – zum Himmel strebende Riesenstämme – hol' sie alle mit einander der Teufel – ich will Gott danken, wenn ich erst wieder an einem gedeckten Tisch sitze, und eine heiße Tasse Kaffee trinken kann – und jetzt gar verirrt – in dieser fürchterlichen Wildniß. –«

Er sprang in aller Verzweiflung wieder auf, um nur wenigstens einen gangbaren Pfad zu finden, der ihn zu einer menschlichen Wohnung führe; da hörte er plötzlich, nicht weit von sich entfernt, das laute »Hallo« Klingelhöffers. Vor lauter Freude schoß er rasch die Büchse ab, das verhinderte ihn aber nicht auch seiner, leider schon sehr angegriffenen Kehle, noch eine letzte, außerordentliche Anstrengung zuzumuthen, um ja die Stelle anzudeuten, wo er sich befinde.

Klingelhöffer stand bald an seiner Seite, und wenn er auch im ersten Augenblick nicht umhin konnte, recht herzlich über das tragikomische Aussehen seines etwas arg mitgenommenen Gastfreundes zu lachen, so that ihm dieser doch auch wieder, da er ja fremd und ein Neuling im Walde war, leid, und er bot nun Alles, was in seinen Kräften stand, auf, um ihn zu trösten und ihm Muth einzureden.

Es war ein erster, wenn auch etwas böser Anfang, wie er sagte, und hatte wenigstens das Gute, ihn alles Nachkommende so viel leichter und bequemer ertragen zu lassen. Von Sechingen schien übrigens gar nicht geneigt, irgend etwas Nachkommendes abzuwarten, und zum Tode matt ließ er fast willenlos mit sich geschehen, daß ihn der Farmer auf sein eigenes Pferd setzte. Er hatte, seiner Versicherung nach, keinen ganzen Knochen mehr im Leibe, dafür aber Hunger wie ein Wehrwolf, Kopf- und Zahnschmerzen und noch außerdem verloren, was an seinem Körper nicht niet- und nagelfest gewesen.

In Klingelhöffers Wohnung endlich angelangt, stärkte er seinen ermatteten Körper durch Speise, Trank und Ruhe. Nichts in der Welt hätte ihn aber am nächsten Morgen vermögen können, eine zweite Tour zu unternehmen, um erstlich die verlorenen Sachen wieder zu suchen und dann auch, wie der Farmer lächelnd bemerkte, »das Land noch etwas besser kennen zu lernen.« Er verschwor sich hoch und theuer, vom Lande mehr zu wissen, als ihm lieb sei, und war, als der Morgen graute, fest entschlossen nach Little Rock zurückzukehren. Als Ausrede meinte er zwar, er wünsche erst die östlichen Städte und den Osten überhaupt zu bereisen, ehe er sich ganz fest im Walde niederlasse; was aber die Ursache dieser schnellen Sinnesänderung gewesen, ließ sich wohl leicht genug erkennen.

Weiteres Zureden blieb auch nutzlos, und Klingelhöffer erbot sich also, ihn wenigstens mit einem Handpferd eine Strecke auf der Countystraße hin zu begleiten, damit er nicht die ganze Strecke, etwa 44 englische Meilen, zu marschiren hätte. Nach Mittag, als sich sein Gast von den erduldeten Strapatzen ein wenig erholt, brachen sie auf, und der wackere Farmer ritt so weit mit ihm, daß er eine, am Wege liegende deutsche Ansiedelung noch bequem vor Dunkelwerden erreichen konnte, und nahm erst dann, den Dank des Fremden für die ihm gewordene so freundliche Aufnahme und Gastfreundschaft leicht übergehend, herzlichen Abschied von diesem.

»Leid thut mir's nur,« sagte er, als er ihm noch vom Pferde herunter derb und gutmüthig die Hand schüttelte, »daß Ihre Lust zur Ansiedelung gleich beim ersten Anlauf einen solchen Stoß erhalten hat, aber – ich gebe noch nicht Alles verloren, suchen Sie den schönen Westen doch später einmal wieder auf. Von Deutschland gleich ohne weiteres nach Arkansas hineinzufallen, ist allerdings ein etwas zu großer Abstand, haben Sie sich aber erst einmal eine Zeitlang in den östlichen Städten herumgetrieben, so wird Sie's schon wieder in die gesunde Waldluft zurückziehen. Vergessen Sie dann nicht, daß Sie in meiner Hütte immer herzlich willkommen sind. So leben Sie denn wohl – grüßen Sie mir die Deutschen in Little Rock, und halten Sie sich nicht länger dort auf als Sie müssen – es giebt bessere Plätze in den Vereinigten Staaten.«

Damit hatte er den Zügel des Handpferds um seinen Arm geschlungen, winkte noch einmal einen letzten Gruß herüber, stieß dem eigenen Thiere die Hacken in die Seite, und trabte pfeifend waldeinwärts.

Von Sechingen blieb aber noch lange sinnend auf dem Wege stehen und sein Auge ruhte schweigend auf den grünen Waldesschatten, hinter denen sein Gastfreund soeben verschwunden war. Kopfschüttelnd dachte er dabei an Alles, was er in so kurzer Zeit erlebt, zurück.

»Das also,« sagte er endlich tief aufseufzend, »das ist das stille freundliche Farmerleben – das ist die patriarchalische Zurückgezogenheit der Wälder. Kaum zweimal vier und zwanzig Stunden bin ich drin, und wie seh ich aus? Meine Kleider sind zerfetzt, den alten Hut, den mir Klingelhöffer zum Nothbehelf gegeben hat, würde bei uns zu Hause kein Lumpensammler aufheben, und ich muß noch froh sein, daß ich ihn nur habe und nicht im bloßen Kopfe zu rennen brauche; Hirschfänger – Taschentuch, Pulverhorn, Zündhütchenaufsetzer – Alles bin ich losgeworden, im Gesicht und an den Händen sehe ich so zerkratzt aus, als ob ich die Nacht in einer Dornenhecke geschlafen hätte. Dazu schmerzen mich alle Knochen – ich habe einen fürchterlichen Schnupfen, und von dem harten Lager Hühneraugen am ganzen Leibe. Nein, guter Sechingen, so viel merk' ich, für den Wald paßt Du nicht – ja, der Urwald sieht sich recht gut an – wenn man sich nicht gerade Bäume zum Umhacken aussucht – es liest sich auch recht gut darüber, schläft sich aber nur höchst mittelmäßig darin, und was das Reiten anbelangt, so soll mich Gott vor einem zweiten Versuch bewahren. Nein, Du mußt ja kein Farmer werden – Du kannst Coopers Romane lesen, für Indianer schwärmen – wenn Dir Dein Schuster nicht die Ideale verdirbt – und kannst auch meinetwegen – heißt das im Geist – den wilden Bär und Büffel verfolgen – so lange es aber keine Chausseeen und Hotels hier giebt, gehe ich nach New-York oder Philadelphia.«

»Und meine jetzige Reise?« fuhr er leise murmelnd in seinem Selbstgespräch fort, als er sich langsam dabei wandte und auf der Countystraße hinschritt – »ih nun – es war doch immer eine ganz gute Erfahrung und – wenn weiter Nichts – ein Versuch zur Ansiedelung

Cincinnati.

Cincinnati, »die Königin des Westens,« wie sie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika allgemein genannt wird, liegt in der südwestlichen Ecke Ohio's, dessen schönste und bedeutendste Stadt sie ist. Erst seit einigen sechzig Jahren entstanden (denn noch leben Männer, welche 1791 die erste Blockhütte dort bauen halfen), zählt sie jetzt schon über 100,000 Einwohner und hat im Westen dieselbe Bedeutung erlangt, deren sich New-Orleans im Süden und New-York im Osten rühmt. Da Ohio selbst schon seit etwa 30 Jahren besonders von deutschen Auswanderern angebaut wurde, so breitete sich auch Cincinnati immer mehr und mehr aus, vertheilte nicht allein von dort die den Mississippi und Ohio heraufkommenden Fremden in dem Staat, sondern ward auch zum Mittelpunkt des Binnenhandels, der die Producte des Nordens, als Mais, Mehl, Whiskey, eingepöckeltes Schweinefleisch, getrocknete Früchte, Kartoffeln etc., nach dem Süden versandte und dafür die Erzeugnisse der wärmeren Landstriche, als Zucker, Baumwolle, Tabak, Seesalz, Kaffee und die übrigen Früchte der Tropenländer in Empfang nahm. Zur Erleichterung dieses Zweckes stand es nicht allein durch den Ohio, einem großen, schönen Strom, mit dem Osten, sondern auch durch den westlichen Canal mit Buffalo und den nördlichen Seen, Erie, Michigan und Ontario in Verbindung, und gute, nach europäischer Art angelegte Chausseen zweigten sich durch das ganze Land. Durch die Erbauung eben dieser Wege und Canäle, wie durch die gesunde Lage des Ortes selbst, wurde eine sehr große Menge von Deutschen, meistens aus den ärmern Classen, veranlaßt, die blühende Stadt aufzusuchen und sich in ihr oder wenigstens in der Nähe derselben eine Existenz zu gründen.

Besonders strömten von Norddeutschland, Oldenburg und Hannover dem Eldorado des Westens Schiffsladungen voll Auswanderer zu. Die natürliche Folge aber war, daß, wo so viele zusammentrafen, die den Platz nur in der Hoffnung aufgesucht hatten, nicht allein »Geld zu verdienen,« sondern auch »reich zu werden,« der größte Theil derselben sich getäuscht sehen und entweder unter nicht gerade glänzenden Verhältnissen ausharren, oder weiter westlich einen geeigneteren Wirkungskreis suchen mußte.

Natürlich war ein solcher Zusammenfluß von Menschen, die meistentheils von allen Hülfsmitteln entblößt in Cincinnati eintrafen und nun, da sie ihre Hoffnungen nicht realisirt, sich selbst obdach- und hülflos fanden, sehr wenig dazu geeignet, den Amerikanern einen guten Begriff von Deutschen und durch diese von Deutschland selbst zu geben, daher denn auch wohl mancher, der mit dem schönen Glauben das fremde Land betritt, schon durch sein Vaterland allein, wenn nicht freundlich angenommen, doch geachtet zu werden, seinen Irrthum einsehen wird, wenn er findet, daß der Name »Dutchman« nicht bloß bei den niedern Classen ein Spott-, ja oft Schimpfname geworden. Das kann übrigens nur von den Städten gelten, wo sich die rohe Hefe des Volkes concentrirte, im Lande selbst ist der deutsche Landmann wegen seines eisernen, unermüdeten Fleißes geschätzt und geachtet, wie denn auch die deutschen Ansiedlungen in den nördlichen Staaten fast stets die bessern sind. Und doch muß eben der Deutsche, selbst wenn er im alten Vaterlande den Ackerbau getrieben hat, in Amerika wieder von vorn zu lernen anfangen, indem nicht allein Boden und Erzeugnisse, sondern auch Ackergeräthschaften, wie die in jenem Lande nöthigen Behandlungsarten der Felder ganz verschieden von den unsern sind. Da die Arbeit dort aber leichter, der Humus selbst, besonders in den westlichen Staaten so viel vorzüglicher als in den alten, seit langen Jahren angebauten Landstrichen ist, so unterzieht sich der Deutsche auch stets mit Lust und Liebe einer Lehrzeit, die einen so reichhaltigen Erfolg verspricht, und sieht seinen Fleiß und seine Ausdauer, welche letztere dem Amerikaner gänzlich fehlt, in kurzer Zeit durch blühende Felder und üppige Vegetation belohnt.

Der Amerikaner, d. h. der nördliche Amerikaner (denn der südliche Pflanzer in den Sklavenstaaten ist wieder ein ganz anderer Mensch), ist auch fleißig, und arbeitet mit einer Schnelle und Gewandtheit, in der ihm der Ausländer vergebens gleichzukommen sucht, aber nur kurze Zeit hält er aus, das Gleichförmige ermüdet ihn, eine schlechte Ernte macht ihn gegen sein Land mißtrauisch; er hört von fruchtbarerem, ergiebigerem Boden, von besserer Weide, üppigerer Vegetation und augenblicklich führt er den schnell entworfenen Plan aus. Gerade in dem Zeitpunkt, in welchem der ruhige Deutsche anfängt, die Früchte seines Fleißes zu ernten, verkauft der Amerikaner den Platz, der seine Heimath war, packt sein bewegliches Eigenthum auf Karren und Wägen, treibt sein Vieh zusammen und zieht gen Westen.

Etwas aber ist, was so vielen, ja man könnte sagen fast allen Deutschen den Anfang einer zu gründenden Existenz erschwert: die zu großen Erwartungen, mit denen sie gewöhnlich das neue Vaterland betreten. Durch Briefe oder Reisebeschreibungen von dem schnellen, fast fabelhaften Glückswechsel Einzelner in Kenntniß gesetzt, malt sich ihre Phantasie die dortigen Verhältnisse mit den buntesten, heitersten Farben aus; das Wenige, was von Noth und Sorgen, von getäuschten Erwartungen und vernichteten Hoffnungen zu ihnen herüberdringt, verliert durch die große Entfernung die scharfen, schroffen Conturen, wird gemildert oder tritt vielleicht ganz in den Schatten zurück; kein Wunder denn, daß Viele, nach kurzem Aufenthalt in Amerika, von dem sie oft nur eine der östlichen Städte gesehen haben, das erste heimwärts segelnde Schiff benutzen, in ihr altes Vaterland zurückkehren, und nun nicht sich selbst, sondern das Land anklagen, das so war, wie es einmal ist und nicht wie sie es sich dachten.

Von den Tausenden aber, die dort zurückbleiben, und hierzu nur zu oft durch den Mangel an Mitteln, die zweite Seefahrt zu bestreiten, gezwungen werden, sind doch auch, zur Ehre der Deutschen, recht Viele, die mit männlichem Muthe das ertragen, was ihnen ihr Schicksal oder sie vielmehr sich selbst aufgebürdet. Der englischen Sprache nicht mächtig oder wenigstens nicht vertraut genug damit, um ihre Geistesfähigkeiten geltend zu machen, sehen sie sich gezwungen zu Handarbeiten ihre Zuflucht zu nehmen, und daher kommt es, daß man oft an Canälen, Chausseen und Eisenbahnen, in Kohlengruben und auf Dampfbooten, Doctoren und Geistliche, Offiziere und Kaufleute mit Hacken, Spaten oder Schürstange, mit Schiebkarren und Handtrage beschäftigt findet, ihr »tägliches Brod« zu verdienen.

In Pennsylvanien hatten sich z. B. in frühern Jahren in einer der dortigen einträglichen Kohlengruben viele wissenschaftlich gebildete Männer zusammengefunden und duldeten, um die gewöhnliche Classe der Handarbeiter von ihrer Gesellschaft und Unterhaltung fern zu halten, keinen zwischen sich, der nicht lateinisch sprach oder wenigstens einige zu diesem Zweck an ihn gerichtete Fragen befriedigend beantworten konnte. Jene Grube hieß in damaliger Zeit »die lateinische Kohlengrube!«

Sehr natürlich findet sich am leichtesten jene Classe in die neuen Verhältnisse, die schon im alten Vaterlande durch harte Arbeit ihr Brod verdienen mußte, und nun in den Vereinigten Staaten einen etwas höhern Lohn so wie bessere Nahrung erhält und doch freier und selbstständiger dasteht. Diese Leute sammeln sich durch Fleiß und Sparsamkeit einige hundert Dollars, kaufen nachher entweder ein Stückchen Land oder gerathen in eine der größern Städte und beginnen hier ihre Carriere als »Schenkwirth und Gastgeber;« daher die ungeheuere Menge dieser Trink- und Wirths-, oder sogenannten Boarding-Häuser, von denen man, besonders in Cincinnati, fast in jeder Straße einige findet, und die, ohne dem Reisenden oder Fremden die geringste Bequemlichkeit zu bieten, ihm eigentlich nur des Nachts in einem harten Bett ein Obdach gewähren und ihn dreimal des Tages zu bestimmten Stunden abfüttern.

Da diese Leute nun hauptsächlich auf deutsche Einwanderer angewiesen sind, die, der englischen Sprache nicht mächtig, durch das deutsche Wirthshausschild angezogen bei ihnen einkehren, so verlieren sie auch gar bald das Mitgefühl, das sie vielleicht noch für ihre Landsleute gehegt hatten; sie fragen nicht darnach, was der Neuangekommene treibt, was er anzufangen gedenkt, sie wollen nur wissen, ob er noch genug Eigenthum besitzt, für die nächste Woche das »Boarding-Geld« pränumerando bezahlen zu können oder an dessen Statt wenigstens einen Koffer in Versatz zu geben vermag.

Überhaupt irrt man sich in Deutschland gewaltig, wenn man glaubt, der Deutsche freue sich, im Ausland einen Landsmann zu finden. Im Anfang, ja; noch nicht an die fremdtönenden Laute gewöhnt, klingt die Muttersprache dem Ohre wie Musik; das verliert sich aber, man lernt durch einen langen Aufenthalt unter den Fremden mit deren Augen sehen, mit deren Gefühlen empfinden und legt nur zu oft mit den vaterländischen Sitten auch das Gefühl für die ab, die diesen noch anhängen.

Nirgends zeigt sich aber diese Entfremdung unter Landsleuten stärker, als gerade in Cincinnati, wo der Parteigeist oft in die bittersten Feindseligkeiten ausartet; und doch sollten sich gerade hier die Deutschen durch Einigkeit und festes Zusammenhalten enger an einander anschließen, da ihnen in jener Stadt die arbeitende Classe der Amerikaner besonders gram ist, und in ihrer Art und Weise auch wohl nicht so ganz Unrecht hat, denn die das Land überströmenden Deutschen, von denen in jedem Jahre Tausende nach Cincinnati kamen, um dort Arbeit und Beschäftigung zu finden, waren zuletzt genöthigt jedes Anerbieten, das sich ihnen darbot, zu ergreifen, um nur Obdach und Nahrung zu erhalten, und arbeiteten um einen Lohn, der ihnen zwar, noch mit den deutschen Preisen im Gedächtniß, hoch schien, in der That aber die bisher gegebenen »wages« oft auf ein Drittel herabsetzte. Statt also nun in der fremden, sie umgebenden Welt unter Leuten, von denen sie nicht geliebt werden, brüderlich bei einander zu stehen, spalten sie sich nicht allein in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht in vier Hauptparteien, die selbst wieder unter sich ihre eigenen Zwiste und Streitigkeiten haben.

Vor allen Dingen trennen sie sich in Katholiken und Protestanten, und Nord- und Süd-, oder den dortigen Ausdrücken gemäß, »Hoch- und Plattdeutsche,« die dann wieder als Whigs und Demokraten einander feindlich gegenüberstehen, wobei die Protestanten noch ihre besondere Malice als Lutheraner und Reformierte und Methodisten auf einander haben, und sich aus diesen allen als letzter Kern ein Häufchen Rationalisten aussondert. Als Organe dieser verschiedenen Parteien dient den Katholiken der »Wahrheitsfreund,« ein ächt ultramontanes Blatt, den Methodisten dagegen der »Christliche Apologete,« der mit schwärmerischem Eifer seine Blitze gegen die Anhänger des Papstes, aber auch zu gleicher Zeit gegen die Protestanten schleudert, aus deren Mitte im Jahre 1840 »der Lichtfreund,« dem Rationalismus Bahn brechend entstand, und nun die Zornausbrüche des Wahrheitsfreundes sowohl als des christlichen Apologeten auf sich concentrirte. Selten oder nie religiöse Gegenstände berührend, vertheidigte indessen das »Volksblatt« die Sache der Demokraten und warb mit regem Eifer für den demokratischen Präsidenten, bis nahe vor der Wahl die deutschen Whigs, von den amerikanischen dabei unterstützt, den »deutschen Amerikaner« herausgaben und augenblicklich als die erbittertsten Feinde des Volksblattes auftraten. Zu jener Zeit hatte also Cincinnati fünf sich einander feindlich gegenüberstehende deutsche Zeitungen, doch ging der »deutsche Amerikaner« nach der Wahl, die bekanntlich zu Gunsten des Whigpräsidenten, General William Harrison ausfiel, wieder ein. Später wurde auch der »Lichtfreund« wegen Übersiedlung des Redacteurs, Herrn Eduard Mühls, nach Hermann in Missouri verlegt, dafür entstand aber, als Opposition des Volksblattes »der deutsche Republikaner.«

Feinden sich aber in Cincinnati die Deutschen gar oft an und schimpfen und schmähen sie einander, so existiren doch wenigstens nicht jene Blutsauger unter ihnen, denen der eben von Deutschland Kommende in den Seestädten nur zu oft in die Hände fällt. Ich selbst habe während eines sehr kurzen Aufenthalts in New-York mehrere Deutsche kennen gelernt, welche davon lebten, sich freundschaftlich an die in der fremden Stadt unbekannten Landsleute anzuschließen, bis sie entweder den letztmöglichen Cent aus ihnen herausgepreßt, oder von den wiederholt Getäuschten durchschaut und gemieden worden waren. In Cincinnati gehen sie offener und ehrlicher zu Werke, entweder mit der Feder oder – geht das nicht – mit dem Munde, denn der Deutsche hat gewöhnlich noch vom alten Vaterlande her eine Aversion gegen das »Zuschlagen.«

Der später angelegte Theil Cincinnati's, welchen der westliche Canal von der eigentlichen Stadt und dem Ohiofluß trennt, ist größtenteils von Deutschen bewohnt und wird auch von den Amerikanern »Little Germany« genannt. Fast über jeder Thür hängen Schilde deutscher Wirthshäuser, Schuster, Schneider und anderer Handwerker, die, wenn sie auch wirklich dann und wann englisch geschrieben sind, den deutschen Meister doch stets verrathen. Besonders können sich die vaterländischen Schuster mit ihrem gemalten Stiefel in der Mitte und einem rothen Schuh an der einen, einem schwarzen Schuh an der andern Seite nimmermehr verläugnen, eben so wenig die Leute selbst mit ihren langen, blauen, schmalkragigen Röcken und den weißleinenen Taschen, mit dem hochausgeschweiften Hut und dem rothgeblümten Halstuch.

Das Elend aber, welches leider so oft unter jenen armen Familien herrscht, die eben eingewandert, von allen Hülfsmitteln entblößt, in kleinen, nackten, Kämmerchen mit großen Familien zusammengepreßt, hungern und frieren, und vergebens nach Arbeit und dem verheißenen hohen Lohn jammern, ist fürchterlich. Glücklich noch die, denen ein Freund oder Verwandter im Anfang das Nothwendigste reichte, da nur zu oft schon gerade jene Stadt und Staat verlassen mußten, um irgendwo anders ein Unterkommen zu suchen, die solch lockende, einladende Briefe, häufig nur um zu prahlen, in die Heimath schrieben; der arme Einwanderer, welcher fest auf die versprochene Hülfe baute, sieht sich nachher in dem fremden Lande schutz- und freundlos, und ist nicht vermögend, sich selbst, viel weniger seine zahlreiche Familie vor Mangel und Elend zu bewahren.

Schwere und drückende Noth herrscht dann oft unter den armen Leuten, und dieß mag wohl auch die Ursache sein, daß die wohlhabenderen Landsleute endlich abgestumpft gegen ein mit jedem Jahre wiederkehrendes Elend werden, dem sie doch nun einmal nicht abhelfen können. Durch diese übergroße Anzahl von arbeitsfähigen Männern verringert sich natürlich auch mehr und mehr der Lohn, den die dortigen Ansiedler in früheren Zeiten gezwungen waren zu geben, weil sie nicht Leute genug bekommen konnten. Im Jahre 1840 bezahlten die Farmer fünf bis sechs Dollar den Monat für einen kräftigen Mann, was, wenn man die dortigen Verhältnisse bedenkt, entsetzlich wenig ist; und dennoch boten sich ihnen viele, sehr viele an, welche nur um die Kost zu erhalten bei ihnen arbeiten wollten. Mit dem Kaufmannsstande ist es dasselbe, und am allerschlimmsten befinden sich Gelehrte, die, vielleicht mit tüchtigen Kenntnissen ausgestattet, geglaubt haben, dort verstanden oder anerkannt zu werden. Die armen Leute finden sich, besonders in Cincinnati, arg getäuscht.

Für die heimatliche Literatur sterben die Deutschen in Amerika ab. Die gebildeteren Klassen lernen das Englische, und vernachlässigen schon aus dem Grunde die Muttersprache, da sie zu selten Gelegenheit bekommen, deutsche Schriften zu erhalten; die arbeitenden Classen aber lesen einzig und allein Zeitungen, und nichts ist leichter, als eine solche Zeitung zu redigiren. Der Redacteur muß nur dann und wann einen Aufsatz schreiben, in welchem er aus Leibeskräften gegen die politische Opposition zu Felde zieht; dabei dürfen natürlich die Wörter »deutscher Freiheitssinn,« »deutsche Treue und Biederkeit« u. s. w. nicht fehlen. Um das Blatt nachher zu füllen, erscheint im Anfang irgend ein Gedicht, sei es von Goethe oder Schiller oder eignes Fabrikat, – selbst eingesandte werden mit Dank angenommen, – dann eine kleine Novelle oder Erzählung aus einer alten, vorsündfluthlichen Didascalia, hierauf einige aus englischen, oder, ist es möglich, auch deutschen Blättern entnommene Notizen, dann die Marktpreise und Ankündigungen, und die Nummer ist versehen. Honorar ist nie zu fürchten.

Nun ist das Blatt freilich gedruckt, muß aber auch noch an die verschiedenen Subscribenten herumgetragen werden; zu diesem Zwecke schließt der Redacteur einen Contract mit irgend einem Mann ab, dem er wenigstens die einzucassirenden Wochengelder anvertrauen kann, und der von jeder Zeitung, die er austrägt, etwas Bestimmtes per Woche erhält, dessen Vortheil es also neben dem Austragen auch ist, noch so viel neue Abonnenten als möglich zu seinen alten zu bekommen, indem sich durch eine Vermehrung des Absatzes auch sein Gehalt oder Einkommen vermehrt, wobei er für die täglichen Blätter an jedem Sonnabend, für die wöchentlichen jeden Monat das Geld eincassirt, weil überhaupt in Amerika nichtansässige Leute selten lange an einem Platze bleiben, und ein Verfolgen der Schuldner, da keine Controle weder über Fremde noch Reisende geführt wird, unmöglich ist.

Cincinnati selbst liegt am nördlichen Ufer des Ohio, der von Pittsburg aus, wo dieser durch den Zusammenfluß des Alleghany und Monongahela seinen Namen erhält, sich östlich nach einem Lauf von circa 1000 englischen Meilen in den Mississippi ergießt. Es ist ein stattlicher Strom, dessen malerische Ufer ihm den Namen des »amerikanischen Rheines« gewonnen haben; bei Cincinnati mag er etwa eine englische Meile breit sein und trägt im Winter und Frühjahr die größten Dampfboote, wird jedoch im Sommer und Herbst, nicht mehr durch die Bergströme der Alleghany-Gebirge genährt, an mehreren Stellen sehr seicht und die Schifffahrt hört dann für die größern Boote auf. Durch diesen »schönen Strom« aber (der indianische Name der Senecas ist Oh-ey-o oder der schöne Strom) erhielt Cincinnati seine Bedeutung und wuchs schnell zu einer der größten Städte der Union an; zwar versuchten Speculanten am gegenüberliegenden Ufer in Kentucky am Ausfluß des Licking, Oppositionsstädte zu erbauen, und New-Port wie Covington entstanden: Cincinnati aber überflügelte sie schnell und wurde die »Königin des Westens.«

Die eigentliche Stadt, – denn sie zählt außer dem Städtchen Mohawk noch mehrere Anbaue, – liegt am Fuß einer Hügelreihe, die das Thal des kleinen Miami einschließt, und hat mehrere Eisengießereien; dabei versorgt sie fast die ganzen Vereinigten Staaten mit geschnittenen eisernen Nägeln, die überall statt der geschmiedeten gebräuchlich sind. In und um Cincinnati befinden sich auch die bedeutendsten Brauereien und Whiskeybrennereien Amerika's, besonders aber Schlachthäuser, wie sie auf keinem zweiten Platz in der Welt existiren; denn von hier aus werden nicht allein die Vereinigten, sondern auch die südlich gelegenen Staaten, Texas und Mexico, mit eingepökeltem Schweinefleisch versehen, das sogar bis nach Südamerika verschifft wird.

Nichts schildert den Charakter eines Menschen deutlicher als kleine Anekdoten und Angewohnheiten aus seinem Leben; eben so ist es mit einer Stadt, die man wohl am leichtesten durch kleinere Züge ihres innern Treibens und Verkehrs kennen lernt und von denen ich versuchen will, dem Leser einige, wie sie mir noch frisch im Gedächtniß sind, mitzutheilen.

Der Markt.

Durch ganz Nordamerika haben die Marktplätze ein ziemlich ähnliches Aussehen; ein sogenanntes »Markthaus« bildet den Mittelpunkt und besteht aus einem auf einer doppelten Säulenreihe ruhenden Dach, unter dessen Schutz die Fleischhauer oder Metzger den innern Raum einnehmen; um diesen reihen sich die ein höheres Standgeld bezahlenden Gärtner an der Außenseite, aber ebenfalls noch unter dem Schutz des Vorbaues an. In Cincinnati sind drei solcher Marktplätze: der obere oder Flymarket, der mittlere und der untere Markt; Montag und Donnerstag wird auf dem ersten, Dienstag und Freitag auf dem zweiten und Mittwoch und Sonnabend auf dem dritten Markt gehalten. Dort prädominiren die Deutschen besonders, denn sie bilden nicht allein die Mehrzahl der Fleischer, sondern haben auch mit wenigen Ausnahmen den alleinigen Verkauf der Gartenfrüchte, und zwar schon aus dem Grunde, weil der Amerikaner in dieser Hinsicht nun einmal ein Vorurtheil zu Gunsten der Deutschen hat, die, wie er glaubt, Alle geborene Gärtner sind. Will ein Amerikaner im Frühjahr seinen Garten herstellen lassen, so ruft er den ersten besten Deutschen dazu und überträgt ihm die Arbeit, er fragt aber nie: »weißt du mit einem Garten umzugehen?« sondern denkt, das verstehe sich von selbst. Dabei haben unsere Landsleute das Monopol des Sauerkrautes, mit dem es ihnen wie den Creolen mit ihrem Lieblingsgericht Gumbo geht: es ist zum Spottnamen und zur Bezeichnung der Nation geworden, und nicht selten hört man unter den niedern Classen der Amerikaner, wenn jemand eine gemischte Versammlung bezeichnen will, den Ausdruck: »Es waren Amerikaner, Gumbos und Sauerkrauts dort.«

Da übrigens die meisten der zu Markte Kommenden ihre Producte von meilenweit entfernten Farmen herbeischaffen, so lassen sie dieselben auf ihren kleinen einspännigen, mit Leinwand überzogenen Fuhrwerken, und fahren diese auf beiden Seiten des Marktplatzes so auf, daß die Einkäufer an der Außenseite umhergehend den im Hintertheil des Wagens ausgelegten Inhalt sehen und prüfen können. Oft stehen Hunderte derselben in langer, die Straßen weit hinausreichender Reihe beisammen und geben dem Ganzen ein eigenthümliches Ansehen; was aber dem Europäer besonders auffällt, sind die Einkäufer selbst. Wie ich zum erstenmal auf einen amerikanischen Markt kam, traute ich meinen Augen kaum, als ich nicht allein anständige, sondern sogar elegant gekleidete Männer, oft in schwarzem Frack, mit Ringen an den Fingern, goldenen Uhrketten und blendend feiner Wäsche großmächtige Körbe am Arm tragend zu Markte gehen oder gar reiten sah; es war etwas unsern deutschen Sitten und Gebräuchen so ganz entgegengesetztes, daß ich nur mit vieler Mühe das Lachen verbeißen konnte. Nichts macht sich dann komischer, als wenn es anfängt zu regnen und der »Gentleman« den schon zur Vorsorge mitgenommenen Regenschirm aufspannt, dem kleinen Poney die Hacken in die Seiten setzt und mit kurzen Steigbügeln, daß die Knie fast den Sattelknopf berühren, zu Hause galoppirt.

Die Fleischer schmücken besonders bei feierlichen Gelegenheiten, als am 4. July, dem Tage der Unabhängigkeitserklärung, an Washingtons Geburtstag, an verschiedenen Dank- oder Bußtagen etc., ihre Stände und das ausgeschlachtete Vieh auf das zierlichste, wobei sie etwas darin suchen, alle möglichen Fleischarten zum Verkauf auszustellen; daher findet man nicht selten bei einem Einzelnen neben den gewöhnlichen Thierarten ganze Bären, Hirsche, Waschbären, Opossums und Eichhörnchen, die durch Blumenguirlanden auf das freundschaftlichste mit einander verbunden sind.

Den Gemüseverkauf besorgen, wie schon gesagt, fast ausschließlich die Deutschen, denen auch die besten und einträglichsten Farmen in der Nähe von Cincinnati gehören und von welchen sogar schon Einige Weinberge angelegt und einen erträglich guten Wein gekeltert haben. Die Amerikaner schaffen hingegen mehr Käse, Eier, Butter und Geflügel zu Markt, während die farbige Bevölkerung von Cincinnati meistens gedörrtes Obst, Pfirsiche und Äpfel feil hält. Im Ganzen ist Cincinnati die billigste Stadt des Westens, und ein einzelner Mann kann mit 400 Dollars (1 Dollar 1 Thlr. 10 Ngr.) das Jahr anständig leben.

Boardinghäuser.

Das Wort »boarding-house« ist fast das erste, welches der Einwanderer in Amerika lernt – er muß ein Obdach und Nahrung haben, und dieß alles findet er für einen verhältnißmäßig billigen Preis in solchen Kost- oder Boardinghäusern. Ich rede hier nicht von den besser eingerichteten Wirthschaften und Hotels, die dem Reisenden alle möglichen Bequemlichkeiten bieten, und von denen, in Cincinnati besonders, eine große Anzahl existirt, sondern von den Häusern, in welchen der Fremde, dessen finanzielle Umstände ihm nicht erlauben sechs, acht, ja zwölf Dollar die Woche für Kostgeld zu bezahlen, einkehrt, und wo er, wie der deutsch-amerikanische Ausdruck ist, »boardet!«

Diese Anstalten werden fast ausschließlich von Deutschen gehalten, sind sich im Ganzen ziemlich ähnlich, und wir wollen dem Leser eines dieser »Kaffeehäuser,« wie sie sich fast alle nennen, näher vorführen. Es ist ein schmales, zweistöckiges, grün angestrichenes Brettergebäude, das, selbst etwas windschief, zwischen zwei große Backsteinhäuser hineingepreßt, scheinbar von diesen aufrecht gehalten wird. Ein breites Glasfenster zeigt drei über einander angebrachte Reihen von Flaschen mit Liqueur oder wenigstens einer liqueurfarbigen Flüssigkeit gefüllt, zwischen denen, um den sonst etwas zu leeren Raum auszufüllen, einzelne Citronen liegen, während in der unteren Reihe mehrere Glasgefäße mit Candiszucker und anderen Näschereien prangen. Über der mit einer rothen Gardine verhangenen Thür steht auf einem grünlackirten Schild mit grellrothen Buchstaben, daß die Augen kaum das Verschwimmen der Farben ertragen können, »Battle of Bunkershill Coffee house,« und darunter »Deutsches Kosthaus von N. N.«

Doch wir wollen hineingehen und das Innere des Heiligthums betrachten. Es ist ein kleines, wahrscheinlich früher zum Vorsaal bestimmt gewesenes Zimmer, das jetzt aber zur Schenkstube benutzt wird und zugleich das Entrée des Hauses bildet. Rechts sind bis zur Decke hinauf Regale angebracht, die mit Flaschen, Caraffen, Gläsern, Apfelsinen und Zuckerwerk ausgeschmückt, die eine Wand verdecken, während Thür und Fenster die zweite einnimmt, und riesenhafte Zettel, Ankündigungen von Seiltänzern und Kunstreitern, mit Abbildungen der merkwürdigen Sachen, welche diese auszuführen gedenken, die andern beiden überziehen. Besonders hervorstechend zeigt sich noch, gerade am mittelsten Regale befestigt, ein kleines Schild, auf dem mit größtmöglichen Buchstaben die Worte »No Credit!« »Kein Credit!« zu lesen sind, und mit dem eine zweite unter Glas und Rahmen gebrachte Tafel correspondirt, durch welche dem Eintretenden in zierlichen Versen kund gethan wird, daß der Eigenthümer seine Weine und Liqueure, seine Flaschen und Gläser, ferner Hausrente und Taxen bezahlen müsse, und deßwegen unendlich bedaure, seinen geehrten Gästen unter keiner Bedingung borgen zu können. Eine Art Ladentisch trennt den Ausschenker oder »Barkeeper« von den Gästen, zu deren Bequemlichkeit nur eine kurze, grünlackirte Gartenbank an der gegenüberstehenden Wand angebracht ist, die aber für den Augenblick leider nicht benutzt werden kann, da ein Irländer, der ein wenig zu schwer geladen, langgestreckt darauf liegt.

»Wer tractirt?« ruft jetzt der Barkeeper, welcher sich schon fast eine Viertelstunde lang die Anwesenden ungeduldig betrachtete. »Wer tractirt? Boy's – ihr steht ja so trocken da, wie die Pulverfässer – wollen wir drum würfeln?«

Er hat bei den letzten Worten einen kleinen Lederbecher unter dem Ladentisch vorgeholt und schüttelt denselben ein wenig; der Klang wirkt wie bezaubernd, alle treten hinzu, und die drei niedrigsten Würfe müssen den Trunk à Person mit einem Picayune (6¼ Cent. oder 2 gGr.) bezahlen. Obgleich der Barkeeper selbst mitspielt, so ist es doch eher zu erwarten, daß der niedrigste Wurf leicht einen der Gäste, von denen sechse gegenwärtig sind, als ihn treffen wird, und schon auf solche Art und Weise verdienen die Wirthe manchen Dollar. Jetzt öffnet sich aber die Thür, und ein anständig gekleideter Mann tritt herein und erkundigt sich bei dem Ausschenker, ob er hier eine oder mehrere Wochen »boarden« könne.

Dieser beschaut ihn zuerst sehr aufmerksam vom Kopf bis zum Fuß, und fragt ihn dann vor allen Dingen, »ob er Gepäck bei sich habe?«

»Nichts als dieses!« antwortete der Fremde und zeigt auf ein kleines, in ein rothseidenes Schnupftuch eingeschlagenes Päckchen.

»Hm,« sagt der Ausschenker, »dann müssen Sie pränumerando bezahlen, ich kann Ihnen nicht helfen!«

»Und wer hat Ihnen denn gesagt, daß ich das nicht werde,« entgegnete pikirt der Fremde.

»Oh well!« sagt der Ausschenker, keineswegs dadurch außer Fassung gebracht, »dann ist alles in Richtigkeit.«

»Und der Preis?« fragt der Fremde.

»Drei Dollar die Woche!«

Der Mann bezahlt und bittet den Barkeeper nun, ihm sein Zimmer zu zeigen; dieser steigt mit ihm eine kleine, schmale Treppe hinauf, öffnet die sich fast an der obersten Stufe befindende Thür, und weist den Ebengekommenen hinein.

Es ist ein ziemlich großer Raum, der die ganze Breite des Hauses einnimmt, mit drei Fenstern und einem gewaltigen Kamin an der Seite, das Ganze hat aber ein unfreundlich kaltes Aussehen, denn in dem Kamin liegen Stiefeln, Stöcke, Hutschachteln, Pfeifen etc. etc., und beweisen zur Genüge, wie wenig von dieser Seite auf ein gutes, erquickendes Feuer zu hoffen sei. Des Fremden, den Raum schnell durchfliegende Augen zählen fünfzehn zweischläfrige Betten, die eines neben dem andern an den Wänden hin und in der Mitte stehen, und eine ziemlich zahlreiche Schlafgenossenschaft versprechen. Nur ein Tisch und etwa acht oder neun Stühle dienen dem Worte »Mobilien« zur Entschuldigung, und die umherhängenden verschiedenartigen Kleidungsstücke sind nicht gerade geeignet, dem Ganzen ein freundlicheres Aussehen zu geben.

»Und hier soll ich schlafen?« fragt mit gerade nicht freudiger Überraschung der Fremde.

»Ja!« ist die Antwort – »in diesem Bette hier, mit einem Amerikaner – es ist ein ganz ordentlicher Mann!«

»Und kann ich kein Bett für mich allein bekommen?«

»Unmöglich, wir haben jetzt kaum Platz für unsere Gäste – alle Boardinghäuser sind überfüllt.«

Noch steht der Fremde unschlüssig am Eingang, er weiß aber, daß wenn er auch zu einem andern Hause gehen wollte, sich die Verhältnisse ziemlich gleich bleiben, wirft sein Päckchen auf das ihm angewiesene Bett und – ist eingezogen.

»Haben Sie denn wohl einen ruhigen Platz, wo ich einen Brief schreiben könnte?« fragt er jetzt nochmals den Barkeeper, der eben im Begriff ist die steile Treppe wieder hinunter zu klettern.

»Unten im Zimmer, wo die Übrigen sind!« sagt dieser, »das ist der einzige Platz im ganzen Haus.« In jenes Zimmer führt er jetzt seinen Gast und zeigt ihm in der einen Ecke einen Tisch, an welchem eben ein freundlicher Oldenburger emsig beschäftigt ist, zu dem morgenden Sonntag seine Stiefeln zu wichsen.

»Du mußt damit hinausgehen!« fährt er diesen an, »das gehört sich nicht in der Stube! wir sind nicht mehr auf dem Schiffe!« Schweigend räumt der also Abgefertigte seinen Platz ein und der Fremde sieht sich vergebens nach irgend einem Gegenstand um, mit welchem er den staubigen Tisch abwischen könne!

»Warten Sie, ich will Ihnen etwas bringen,« sagt der Barkeeper und geht in das Schenkzimmer zurück; unterdessen hat jener aber vollkommen Zeit den Raum zu betrachten, in welchem er sich jetzt befindet.

Es ist ein geräumiges Zimmer mit einem großen, gußeisernen Gestell in der Mitte, das ein Mittelding zwischen Ofen und Kamin zu sein scheint, denn es hat wohl die Gestalt des erstern, entspricht aber ganz dem Zweck des letztern, da es die Hitze nicht erst durch Röhren, sondern gleich durch die vorn im Rost sichtbaren Kohlen verbreitet. Um dieses haben sich in allen möglichen Stellungen und Lagen die verschiedenen Gäste des »Kaffeehauses zur Schlacht am Bunkers Hill« versammelt, und befinden sich alle in einer sehr heitern Stimmung, lachen und erzählen und machen einen Lärm, daß die Gläser auf dem zweiten Tische zittern. Einige, die im Anfang gekommen sein mochten, hatten noch Stühle gefunden, die später Eintreffenden schon mit zwei grünlackirten Holzbänken, denen ähnlich, die in der Schenkstube standen, vorlieb nehmen müssen, und die letzten konnten einzig und allein stehend an der Gesellschaft und zu gleicher Zeit am Ofen Theil nehmen. Unser Gast war gezwungen, sich auf irgend eine Art einen Stuhl zu verschaffen, und mit den Sitten solcher Häuser schon ziemlich vertraut, blieb er einige Minuten am Feuer, bis einer der Sitzenden aufstand, welchem er dann ohne weitere Umstände den kaum verlassenen Stuhl entführte und an seinen Tisch trug. Diesen mußte er übrigens, da der Barkeeper nicht wiederkehrte, mit seinem eigenen Taschentuche abstäuben.

Jetzt klingelt es plötzlich im nächsten Zimmer, und der lang ersehnte Ruf »supper, supper!« (Abendessen) übertönt und erstickt bald den frühern Lärm; alles strömt in das Speisezimmer und der Barkeeper trägt den Davondrängenden die zurückgelassenen Stühle nach, da an der Table d'hote noch einige fehlen. Eine lange Tafel steht dort gedeckt, an welcher etwa 30 Personen Raum und die mit mehrern Fleischarten, Kartoffeln, Eiern, Butter und Käse besetzt ist. Jeder Gast findet neben seinem Teller eine eingeschenkte Tasse Thee, die er, wenn geleert, bloß empor zu heben braucht, um sie augenblicklich wieder von einem jungen Mädchen, das die Aufwartung besorgt, gefüllt zu bekommen; doch sieht es der Wirth nicht gern, wenn das öfter als zweimal geschieht.

Das Essen ist gut und schmackhaft zubereitet, und nach der Mahlzeit, von der jeder, sobald er fertig ist, aufsteht, ohne sich weiter mit Wort oder Blick um seinen Nebenmann zu bekümmern, versammeln sich die Gäste wieder um den kaum verlassenen Ofen, an welchem jene jetzt die besten Plätze einnehmen, die am schnellsten essen konnten.

Die Gesellschaft ist übrigens keineswegs uninteressant, denn nicht allein verschiedene Nationen, sondern auch verschiedene Stände treffen sich hier, und die gebildetere Classe der Deutschen, als Advocaten, Ärzte, Theologen, Kaufleute etc., die größtentheils wenigstens für den Augenblick noch gezwungen waren, eine ihren frühern Beschäftigungen gerade nicht entsprechende Arbeit zu übernehmen, um ehrlich und ordentlich in der neuen Welt durchzukommen, findet sich bald zusammen und verplaudert die langen Abende.

Die Zeit des Schlafengehens naht aber jetzt, und hie und da schleichen einzelne mit abgebrannten Lichtendchen in der Hand die Treppe hinauf, denen die übrigen ebenfalls bald folgen und ermüdet das harte Lager suchen, welches nur aus einer Seegras-Matratze und zwei oder drei wollenenen Decken besteht. Die Lichter verlöschen nach und nach, und sobald sich die einzelnen Paare und Bettgenossenschaften verständigt haben, ob sie »doppelt-Adler« oder »löffel-artig« liegen wollen, herrscht für wenige Minuten tiefes Schweigen, das aber bald einem von allen Seiten hertönenden Schnarchen weicht, bei dem sich der daran nicht Gewöhnte oft stundenlang unruhig auf seinem Lager umherwälzt.

Es existiren übrigens auch mehrere amerikanische Boarding-Houses in Cincinnati, wo der Gast für 5 Dollars per Woche eine reinlichere und freundlichere Umgebung hat, das Unangenehme des Zusammenschlafens mit Mehrern findet sich in den meisten.

Money-Brokers.

Die Geldwechsler spielen in allen Städten Amerika's eine bedeutende Rolle, denn wo solch' unzählige Banken und Tausende von verschiedenen Banknoten und Münzsorten circuliren, ist es unbedingt nöthig, Leute zu haben, welche nicht allein die ächten von den nachgemachten unterscheiden können, sondern auch den Reisenden mit den für ihn brauchbarsten Münzsorten oder Tresorscheinen versehen.

Hunderte von Banken streuen jährlich ihre Noten unter die Bevölkerung der Vereinigten Staaten aus; viele bestehen fort und lösen später das ausgegebene Papiergeld wieder mit Silber ein, die meisten aber machen bankerott oder thun wenigstens was gleichbedeutend ist: sie nehmen nicht einmal mehr ihr eigenes Geld für den vollen Werth an, so daß es 20, 30, ja bei dem Mississippi-, Arkansas-, Atchafalaya- und Texas-Geld schon bis zu 70 und 80 Procent gefallen ist. Am schlimmsten stehen sich bei diesem fortwährenden Schwanken des Geldcurses die armen Leute, die Arbeiter und Tagelöhner, welche am Ende des Monats ihre paar Thaler in irgend einem Papiergeld ausbezahlt bekommen, das, wie ihnen der Broker sagt, »gut« ist – und wofür sie auch ihre Bedürfnisse an Kleidern und Schuhwerk kaufen können; morgen aber vielleicht schon heißt es – »die und die Bank hat ihre Zahlungen eingestellt.« Niemand nimmt die Noten mehr zu dem vollen Werth, und der Mann, welcher sich schwer und hart für die wenigen Dollars geplagt hat, verliert noch 15 bis 20 Procent daran, während die Bank von ihren eigenen Noten, so viel sie bekommen kann, schnell zu dem gefallenen Preis aufkauft und nach ein paar Monaten, nach deren Verlauf sie sich wieder für zahlungsfähig erklärt, Tausende verdient hat.

Ein fürchterlicher Mißbrauch wird mit diesem Papierwesen getrieben, und daneben existirt fast keine Bank, von der nicht Verfälschungen circuliren, zu deren Entdeckung wöchentlich Broschüren ausgegeben werden, welche die Namen der sogenannten »counterfeits« und den Werth der verfälschten Noten angeben. Auch hier ist es wieder der Arme, welcher durch diese den meisten Schaden leidet, da er die ächten selten von den unächten zu unterscheiden vermag.

Das wenige Silber und Gold hat übrigens durch die ganze Union denselben Werth und dasselbe Gepräge, wenn auch hie und da andere Namen, nur ist Cincinnati die westlichste Stadt, in welcher Kupfergeld circulirt (Cente, hundert auf einen Dollar); schon in Louisville, 150 Meilen westlich, kennt man als kleinste Münzsorte nur Picayunes oder half dimes (6¼ und 5 Centstücke), die von dort an einen andern Werth haben, und mit denen gegen die aus den östlichen Staaten ein bedeutender Handel getrieben wird, indem die half dimes dort, selbst noch theilweise in Cincinnati, nur 5 Cent gelten, und weiter den Ohio hinunter und am ganzen Mississippi für 6¼ angenommen werden.

Die Broker haben ihre kleinen, zierlich ausgeputzten Locale gewöhnlich an Straßenecken, um recht in die Augen zu fallen, und suchen etwas darin, durch in den Fenstern ausgelegte Packete Banknoten und kleine Haufen von Goldstücken die Augen der Vorübergehenden auf sich zu ziehen.