Zur Einführung
Das vorliegende Buch stellt in seiner Art eine Neuerscheinung auf dem bereits so reichhaltigen Gebiete der über ostafrikanisches Wild und seine Jagd vorhandenen Literatur dar. In ihm wird nicht die Jagd mit der Büchse behandelt, sondern wir lernen die Leiden und Freuden eines Tierfängers, sein Leben in der Steppe und auf dem Tiertransport, sowie die Art und Weise kennen, wie er es fertig bringt, mitten in der Wildnis die Tiere zu fangen, die wir als Zierde unserer zoologischen Gärten bewundern. Die Methoden des Tierfanges sind dem großen Publikum durchweg unbekannt, was wohl in erster Linie darauf zurückzuführen ist, daß wir über diesen speziellen Gegenstand nur eine äußerst dürftige Literatur besitzen. Kein Wunder! Wer monatelang sein Leben im dichten Urwald oder in weiten Steppen verbringt, hat durchweg eine begreifliche Abscheu vor der engen Schreibstube. So haben nur wenige Tierfänger dürftige Notizen über ihre Erlebnisse veröffentlicht. Sehr bedauerlich, denn gerade diese mit Natur und Wild in stetem und innigem Kontakte stehenden Männer hätten uns vieles Interessante mitteilen können, das über den Rahmen gewöhnlicher Jagdgeschichten hinausgeht und dem Wissenschaftler oft wertvolles Material in biologischer oder zoogeographischer Hinsicht hätte liefern können.
Um so mehr ist das Erscheinen des vorliegenden Buches zu begrüßen. Der Verfasser, Herr Christoph Schulz, war lange Jahre mit großem Erfolg als Vertreter der Firma Hagenbeck-Stellingen in West- und später in Ostafrika tätig. Dort habe ich ihn vor Jahren in Aruscha kennengelernt, und das Schicksal führte uns später in Malta, in englischer Kriegsgefangenschaft, wieder zusammen. Hier übergab er mir eines Tages das Manuskript seiner „Ostafrikanischen Erinnerungen“ mit der Bitte, dasselbe einer Durchsicht zu unterziehen. Ich kam diesem Wunsche um so lieber nach, als mir die Gebiete, in denen Herr Schulz tätig war, zum großen Teil aus eigner Anschauung, teils von früheren Jagdzügen, teils aus der Kriegszeit her bekannt sind. Mit hohem Interesse habe ich die mir übergebenen Blätter gelesen und den Verfasser auf seinen Fangzügen auf Nashorn und Flußpferd, Giraffe und Zebra begleitet. Vor dem geistigen Auge des ehemaligen „Afrikaners“ tauchen sie wieder auf, die weiten, von Tausenden von Gnus belebten Steppen am Manyara-See, die majestätischen Bergriesen des Kilimandjaro und Meru und die gelben, träge sich dahinwälzenden Fluten des Rufidji mit seinen Sandbänken, seinen Flußpferden und Krokodilen. Von tiefer Sehnsucht nach jenen herrlichen Jagdgründen wird das Herz erfüllt. Aber auch wer Ostafrika nicht kennt, kommt bei der Lektüre des vorliegenden Buches auf seine Kosten, da aus jeder Zeile die dem Weidmann so sympathische Liebe zum Wild und zur Natur spricht, in schlichtem Stile, aber dennoch warm und gemütvoll.
Hinweisen will ich noch darauf, daß uns der Verfasser mancherlei Beobachtungen mitteilt, die neu oder doch noch wenig bekannt und auch ihrerseits geeignet sind, das Material zur Kenntnis der afrikanischen Tierwelt, ihrer Verbreitung und ihren Lebensbedingungen zu vermehren.
Malta, November 1919
Eduard Elven, Zoologe