The Project Gutenberg eBook of Aufzählung und Beschreibung der Acacien-Arten des Nilgebiets
Title: Aufzählung und Beschreibung der Acacien-Arten des Nilgebiets
Author: Georg August Schweinfurth
Release date: November 10, 2025 [eBook #77208]
Language: German
Original publication: Berlin: August Garcke, 1867
Credits: Galo Flordelis (This file was produced from images generously made available by the Biodiversity Heritage Library/Smithsonian Libraries)
Anmerkungen zur Transkription:
Diese Monographie wurde aus Linnaea, Bd. 35, 1867, entnommen und aufbereitet.
Im Original gesperrt gedruckter Text wurde in Kapitälchen geändert.
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Aufzählung und Beschreibung der Acacien-Arten des Nilgebiets.
Hierzu Tafel IV-XXIII.
Von
Dr. G. Schweinfurth.
Als ich vor einigen Jahren nach Aegypten aufbrach, um eine grössere botanische Reise anzutreten, befand ich mich trotz aller durch Herbarien und Litteratur mir dargebotenen Vorbereitung in grosser Unklarheit über diejenigen Charakter-gewächse, welche, sei es durch ihre Individuenzahl, sei es durch ihre weite geographische Verbreitung, für die zu bereisenden Gebiete von besonderer Wichtigkeit erscheinen mussten. Belehrt durch diesen grossen Mangel in unseren wissenschaftlichen Hülfsmitteln, wurde ich zunächst auf eine genauere Beachtung alles Dessen hingewiesen, was mir in Florens Reich auf meinen Wanderstrassen eine bedeutende Rolle zu beanspruchen schien; ich studirte daher mit Vorliebe die grösseren holzbildenden Gewächse, welche man, namentlich in den dürreren Regionen, so selten in einem zur Erlangung von Herbarien-Exemplaren tauglichen Zustande antrifft, an denen sich aber trotzdem mancherlei unseren Blicken darbietet, worüber wir daheim unmöglich Auskunft zu erlangen vermögen.
Da waren es denn auch vorzugsweise die Acacien, welche als treue Begleiter auf allen seinen Wegen dem Reisenden bald sympathisch wurden, so wenig auch anfänglich ihr Aeusseres Einladendes zu besitzen schien. Indess es erging ihm hier wie mit den rohen Bewohnern jener Gegenden, welche, entsprechend dem allgemeinen Charakter ihrer heimathlichen Natur, bald abstossend durch Misstrauen und Fanatismus sich des Fremdlings erwehrten, wie die Dornen der Acacien, oder wie letztere da, wo sie gebogen und gekrümmt erscheinen, sich mit bettelhafter Zudringlichkeit an seine Fersen hefteten. Auch hier gab es noch Mittel, um sich, über die rauhe Aussenseite hinwegsetzend, mit den Vorzügen ihres besseren Ichs vertraut zu machen. Ein fortgesetzter Umgang mit ihren Dornen und Stacheln gab dem Reisenden solche an die Hand, Kratzwunden an Armen und Beinen lehrten denselben seine Gewandtheit verdoppeln, um sich ihren unsanften Umarmungen zu entwinden, zerrissenen Kleidern verdankten solche von starrem Leder ihre Entstehung, und zu den allen Attaquen hohnsprechenden Dornenkronen bahnte ihm schliesslich ein Taschenmesser den Weg, behutsam Dorn für Dorn mit demselben entfernend; kurz und gut, wie die Klaue der Katze nichts Gefährliches mehr an sich hat, wenn man sie nur richtig zu nehmen weiss, so wurden mit der Zeit auch die Acacien des Reisenden trauteste Freunde, spendeten ihm mit Hülfe eines über ihr blattloses Gestell gespannten Tuchs selbst Schatten inmitten der ödesten Wüste, oder vertheidigten an anderen Orten die Eingänge seines Lagers gegen die Zudringlichkeiten nächtlicher Räuber.
Die Acacien (in den Reisebeschreibungen schlechtweg Mimosen genannt) repräsentiren nicht nur in den regenlosen oder regenärmeren Gebieten Afrika’s den eigenthümlichen Charakter jener kümmerlichen Schöpfung, welcher ihrem dürren und starren Aussehen gleichsam aufgestempelt erscheint, sie spielen auch innerhalb der Gesammtregion der Tropenregen eine durch weite Verbreitung und oft bestandbildendes Auftreten hervorragende Rolle, und kennzeichnen daselbst durch das frische Grün ihrer Belaubung die schöpferische Fülle der sie umgebenden Florenwelt.
So bilden denn auch im Nilgebiete die Acacien, soweit wir den Ufern des grossen Flusses nach Süden zu folgen wollen, oder so fern von demselben wir uns auch seitwärts in die anstossenden Gebiete hineinwagen, mit den wichtigsten Bestandteil der Baumflora. Die Wüstenthäler entlang erreichen wir in ihrer steten Gesellschaft das Meer, oder ziehen durch die mit ihnen wie übersäeten Steppenwüsten, durchdringen ihre buschreichen Dickichte meilenweit innerhalb hochgrasiger Prairien und stossen schliesslich auf sie, eine ebenbürtige Zierde des Tropenwaldes, als Genossen von Tamarinden- und Feigenbäumen.
Die beifolgende Aufzählung weist für das gesammte Nilgebiet, die Küste des Rothen Meeres mit inbegriffen, 24 wildwachsende Acacien-Arten auf, also 5 mehr als jene in meinem Beitrage zur Flora Aethiopiens als Anhang gegebenen enthält.
Der vollständigsten Arbeit, welche wir über Acacien besitzen, der von Bentham im 1. Bande von Hooker’s Lond. Journ. of bot. 1842 veröffentlichten, fehlen allein 13 Arten, welche unter den folgenden ausführlich beschrieben sind. Bei dieser Arbeit wurden ausser meiner eigenen auf der letzten Reise 1863-1866 gemachten Sammlung (20 Arten, die Nummern 1937-2505 derselben umfassend) noch die in A. Braun’s Herbar vollständig enthaltenen Schimper’schen Acacien aus Abyssinien, ferner die des Berliner Herbariums und schliesslich die mir durch Prof. Fenzl’s Güte zur Benutzung überlassenen des Wiener Museums berücksichtigt. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Acacien enthielt auch die von mir mit benutzte vom verstorbenen Dr. Steudner in Abyssinien zusammengebrachte Sammlung.
Als ein grosser Uebelstand bei vorliegender Arbeit erschien mir der Mangel an tauglichem Material vorderindischer Acacien, sowie grösserer Suiten solcher aus Senegambien, von denen viele mit mehreren meiner Aufzählung eine so grosse Verwandtschaft verriethen, dass ich nicht im Stande war, endgültig über ihre relative Selbständigkeit als Art zu entscheiden.
In Folgendem zähle ich diejenigen Arten auf, welche zunächst genauer mit einander zu confrontiren wären.
| A. spirocarpa | mit A. planifrons W. Arn. |
| — arabica var. | mit — arabica W. β. senegalensis. |
| — verugera | mit — Adansonii G. P. R. |
Wie sehr indess habituell weit von einander verschiedene Acacien in vielen ihrer Merkmale sich einander nähern können, das werden die bei A. spirocarpa und A. tortilis einerseits und die bei A. Seyal und A. Ehrenbergiana andererseits gegebenen Notizen darthun. Ich habe daher mit Recht besonderes Gewicht auf die dem Stamme und seiner Verzweigung, der Rinde und den relativen Verschiedenheiten der einzelnen Astregionen entnommenen Merkmale gelegt. Hierüber aber mangeln uns in den meisten Beschreibungen alle Angaben, und eine Unmöglichkeit bleibt es daher, nach wenigen Herbarium-Exemplaren, welche sich selten als gleichwerthig herausstellen, zu einem Resultat zu gelangen.
Was aber die Gleichwerthigkeit der zu vergleichenden Handstücke anlangt, so wird man bei dem unter A. spirocarpa und A. nubica auseinandergesetzten Dualismus der Formen hinreichend erkennen, wie sehr es darauf ankommt bei einer genauen Beschreibung auf die meteorologisch-climatischen Bedingungen der Heimath auf der einen, sowie die betreffende Region des Baumes einer bestimmten Art auf der anderen Seite (in ihrem Gefolge die Jahreszeit der Einsammlung) besondere Rücksicht zu nehmen. Man sieht, wie in beiden genannten Fällen ein Baum oder Strauch, welcher an der dürren Küste des Rothen Meeres einen grossen Theil des Jahres hindurch entlaubt dastehend und vor dem Laube blühend nur in beschränkter Weise die Theilung seines Blattes differenzirt, im nahe daranstossenden, innerhalb der Region der Tropenregen belegenen Gebiete dagegen fast das ganze Jahr hindurch belaubt und an beblätterten Zweigen blühend, eine weit grössere Anzahl von Blattfiedern erzeugt, während Blätter, Blüthen, Dornen und zuletzt der ganze Wuchs grössere Dimensionen annehmen können, ohne dass auch nur ein einziges Merkmal von constantem Werth sich ausfindig machen liesse, um diese durch äussere Existenzbedingungen hervorgerufene Umwandlung mit der Entstehung einer neuen Art verwechseln zu müssen, es bleibt eben immer nur eine Andeutung oder der erste Schritt zu einer solchen auf Erblichkeit basirten Fortbildung.
Bis zu welchem Grade die wesentlichsten Merkmale der Exemplare je nach der Region des Astes, welchem sie entnommen wurden, abgeändert werden können, das zeigt uns beispielsweise das Auftreten zahlreicher Stacheln am Mittelnervstiel[1] der Blätter des Stockausschlages von A. Catechu, ein Fall, welcher sich an üppig entwickeltem Laube der A. mellifera wiederholt. Ein ähnliches Beispiel liefern die oft fast nur mit gekrümmten, verkümmerten Dornen bedeckten blühenden Zweige der A. tortilis oder spirocarpa, auch diejenigen der A. glaucophylla und anderer, welche an solchen Zweigen oft alle Stacheln verlieren. Der unter dem Blattstiel sitzende dritte Stachel der Diacanthae fehlt oder erscheint, je nach der Art der Zweige, welche vorliegen, u.s.f.
Unter allen Acacien der Aufzählung befindet sich kaum eine einzige, von welcher sich mit Bestimmtheit sagen liesse, dass Dornen oder Stacheln an diesen oder jenen Trieben nicht mitunter gänzlich fehlen könnten. Da aber, wo sie auftreten, behalten sie meist die wesentlichen Merkmale ihrer Gestalt. So wird ein an der Basis kantiger Dorn nie völlig stielrund werden, wohl aber wird (wie bei A. Catechu) ein an jungen Trieben seitlich sehr zusammengedrückter Stachel an älteren Zweigen eine mehr stielrunde Gestalt annehmen können.
Ohne auf den Conflict näher eingehen zu wollen, in welcher die grösste Gleichheit einerseits der verschiedenen Dornen und Stachelgebilde bei den Acacien in functioneller Beziehung mit ihrer morphologischen Bedeutung gerathen[2], soll hier nur im Allgemeinen auf die grossen, bei den betreffenden Beschreibungen näher auseinandergesetzten Veränderlichkeiten dieser Gebilde hingewiesen werden.
Variabler noch als die Dornen und Stacheln der Acacien sind die Blätter in Bezug auf ihre Theilung sowohl, als auch auf die zu ihnen gehörenden Nebenorgane. Die Behaarung hat hier nur geringen Werth, und die Drüsen, welche sich an der Basis des Blattstiels oder unter dem untersten Fiederjoche und zwischen den oberen manchmal zwischen allen zugleich am Mittelnerv zeigen, können bei vielen Arten zugleich fehlen oder in bestimmter Anzahl vorhanden sein. Nachstehende Tabelle giebt sowohl einen Ueberblick über diese Merkmale, als auch über die Schwankungen, denen ihre Zahlenverhältnisse unterworfen sind.
| Anzahl der Fiederjoche | Anzahl der Drüsen des Blattstiels | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| primäre | secundäre | an der Basis | an den oberen Jochen | ||
| A. abyssinica | 6-15 | 17-30 | 1 | 3-4 | Baum |
| — spirocarpa | 5-10 | 10-15 | 1 | — | — |
| — tortilis | 2-6 | 5-12 | — | 2-6 | — |
| — xiphocarpa | 7-30 | 20-40 | 1 | — | — |
| — etbaica | 3-6 | 15-30 | 1 | 1-3 | — |
| — nilotica | 4-8 | 15-27 | 1 | 1-2 | — |
| — arabica var.? | 4-18 | 10-33 | 1 | 1-2 | — |
| — nubica | 3-11 | 5-15 | 1 | 1 | Strauch |
| — verugera | 7-11 | 22-32 | 1 | 1-3 | Baum |
| — fistula | 3-4 | 12-18 | 1 | 1 | — |
| — Seyal | 1-6 | 8-12 | 1 | 1-2 | — |
| — Ehrenbergiana | 1-2 | 8-10 | 1 | 1 | Strauch |
| — stenocarpa | 3-11 | 15-20 | 1 | 1 | Baum |
| — albida | 4-8 | 8-15 | — | 4-8 | — |
| — Lahai | 6-13 | 12-20 | 1 | — | — |
| — amythetophylla | 20-30 | 30-40 | 1 | — | — |
| — hecatophylla | 12-20 | 25-45 | 1 | 1-3 | — |
| — Catechu | 15-30 | 30-50 | 1 | 4-10 | — |
| — sanguinea | 2-6 | 5-10 | 1 | — | — |
| — mellifera | 2 | 1 | 1 | — | Strauch |
| — laeta | 2-3 | 3-5 | 1 | — | — |
| — venosa | 4-7 | 7-12 | 1 | — | — |
| — glaucophylla | 3-6 | 12-20 | 1 | — | Baum |
| — Verek | 3-5 | 10-15 | 1 | 1 | — |
An den Stielen der Blüthenköpfchen der Gummiferae tritt eine aus 2-4, nur selten von einander getrennten Hochblättern verwachsene Hülle auf, welche sich bei den meisten Arten in bestimmter Höhe zeigt, bei einigen indess hinsichtlich ihrer Insertion bedeutenden Schwankungen unterworfen ist. Constant hingegen bleibt das Merkmal, ob diese Hülle fest mit dem Stiele verwachsen erscheint, oder ob sich dieselbe von diesem loslöst und sich wie ein Kragen an ihm auf- und niederschieben lässt. Ich habe hierin ein gutes Merkmal zur Eintheilung dieser Gruppe gefunden.
Das Längenverhältniss der einzelnen Blüthentheile zu einander bleibt ziemlich constant, desgleichen auch so ziemlich die Anzahl der Blüthen, welche ein Köpfchen bilden, und die der Staubfäden. Sehr veränderlich dagegen ist die relative Länge des Griffels, eines Merkmals ohne alle Bedeutung. Von Werth erschienen auch Form und Länge der die Blüthen stützenden Deckblättchen, schmaler spathelförmiger Gebilde, welche eine löffelartig ausgehölte Spitze besitzen, und die von Hayne irrthümlicherweise für die unvollkommene Blüthe gehalten und als trichter- oder tütenförmig abgebildet wurden, was sie indess nie sind. Gute Merkmale liefern auch Form und Anzahl der Samen, während die Gestalt der Hülsen grossen Schwankungen unterworfen sein kann.
In Betreff der einheimischen Nomenclatur verdient noch Folgendes bemerkt zu werden: In den von mir bereisten Gegenden Nubiens machte ich stets die Erfahrung, dass die Eingeborenen, welche als gute Naturbeobachter ein instinktmässiges Verständniss des Artbegriffs besitzen, sehr genau die verschiedenen Acacien ihrer Heimath zu benennen und zu unterscheiden wussten. Ihren Winken und Fingerzeigen habe ich bei dieser Arbeit hinreichend Rechnung getragen. Was aber die dem arabischen Sprachgebrauch entsprechenden Bezeichnungen für die einzelnen Arten anbelangt, so brauche ich nur auf den grossen Unterschied aufmerksam zu machen, welcher sich zwischen den von mir und den von Forskål dieser oder jener Art zuertheilten arabischen Namen herausstellt. So wären beispielsweise:
| nach Forskål: | nach Schweinfurth: |
|---|---|
| Haras = A. tortilis. | Harras = A. albida. |
| Smurr = A. mellifera. | Ssāmmorr = A. spirocarpa. |
| Syllim = A. sp.? | Selem = A. Ehrenbergiana. |
| Sejal = A. Ehrenbergiana | Sejal = A. tortilis. |
Je nach den Provinzen ändern sich Namen von Pflanzen und Thieren in allen Ländern (ich erinnere an Tanne und Fichte), und so auch namentlich in Arabien und Aegypten.
Clavis Acaciarum Niloticarum.
I. Gummiferae. (Acaciae stipulis spinescentibus.)
* Floribus capitatis
pedunculi bracteis persistentibus
pedunculis ipsa basi bracteatis, floribus albidisA. abyssinica
pedunculis medio vel infra medium bracteatis, floribus albidis
leguminibus spiraliter tortis, spinis rectis, cum abortivis recurvis alternantibus
leguminibus tomentosisA. spirocarpa
leguminibus glabrisA. tortilis
leguminibus rectis, spinis aequalibus rectis
leguminibus coriaceo-membranaceisA. xiphocarpa
leguminibus coriaceisA. etbaica
pedunculis supra medium bracteatis
leguminibus rectis moniliformibus, floribus luteis
leguminibus glaberrimisA. nilotica
leguminibus tomentosisA. arabica
leguminibus rectis marginibus parallelis, floribus pallide flavis
spinis brevibusA. nubica
leg.?—spinis longissimisA. verugera
pedunculis infra medium caduco-bracteati, leguminibus falcatis
leguminibus inter semina constrictis
pinnis 3-5-jugis (arbores)
spinis saepissime monstrose inflatis, ramis cortice alboA. fistula
spinis sursum attenuatis, ramis cortice cinnamomeoA. Seyal
pinnis 1-2-jugis (frutex)A. Ehrenbergiana
leguminibus marginibus parallelisA. stenocarpa
** floribus spicatis albidis
petiolo communi inter singula pinnarum paria glanduloso, basi glandula nullaA. albida
petiolo comm. basi glandula instructo ceterum eglandulosoA. Lahai
II. Vulgares. (Acaciae stipulis non spinescentibus aculeatae.)
A. InermisA. amythetophylla
B. Diacanthae aculeis infrastipularibus adjecto interdum infrafoliaceo.
leguminibus coriaceis linearibus aculeis geminis.
legum. crasse coriaceis foliolis majoribusA. hecatophylla
legum. coriaceis foliolis minoribusA. Catechu
leguminibus coriaceo-membranaceis.
aculeis geminis.
floribus roseis, pinnis 2-6-jugisA. sanguinea
floribus albidis pinnis semper 2-jugisA. mellifera
aculeis geminis infrastipularibus adjecto interdum infrafoliaceo
leguminibus oblongo-linearibus
pinnis 2-3-jugisA. laeta
pinnis 4-7-jugisA. venosa
aculeis semper ternatis
leguminibus linearibus, pinnis 3-6-jugis
spicis folium multo superantibusA. Verek
spicis folium non superantibusA. glaucophylla
1. Acacia abyssinica Hochst., Benth.
Arbor mediocris cortice pallide-flavescente in ramis dense hirto-villosissimo; spinis brevibus rectis latere 2-angulatis apice fuscis basi tomentosis; foliis bipollicaribus pubescentibus vel puberulis pinnis 10-15-, rarius 6-jugis; foliolis 20-30-, rarius 17-jugis parvulis linearibus obtusis longitudine latitudinem 5 superantibus petiolo communi 4-5ies glanduloso, inflorescentia coaetanea capitulis globosis albidis, pedunculis in axillis 3-5 aggregatis vel paniculam longam efoliatam formantibus 1-ad semipollicaribus ipsa basi bracteatis tomentosis, leguminibus? . . .
Nomen vern.: Tsche’a.
Habitat: In Abyssiniae provincia Tigre, prope Adoam in monte Kubbi et prope Mendel.
Nach den Exemplaren zu urtheilen, welche mir vorlagen, gehören hierher sowohl die unter Nr. 1813 der dritten Section der Schimper’schen Sammlung als A. abyssinica, als auch die unter Nr. 382 der ersten Section derselben Sammlung als Mimosa Habbas vertheilten, trotz der gegentheiligen Ansicht Bentham’s, welcher unter letztgenannter Nummer in W. Hooker’s Herbar eine ganz andere Pflanze gesehen haben will. Die Exemplare von Nr. 382, die ich sah, unterschieden sich von denen der Nr. 1813 nur durch 5-jochige Primär- und durch 17-jochige Secundär-Fiedern, trugen aber im Wesentlichen dieselbe Behaarung, die gleichen Dornen und Blüthen.
Diese Art erscheint auf den ersten Blick der A. spirocarpa, namentlich der var. β. major ausserordentlich ähnlich, unterscheidet sich indess von derselben durch die gelbliche Farbe der Rinde an den Zweigen, sowie die mit mehr oder minder langen, unter der Pubescenz hervortretenden Borsten, durch die Dornen, welche meist verkümmert und nicht länger als ½ Zoll angetroffen wurden, aber stets gerade, nie mit hakig gekrümmten abwechselnd und an den Seiten mit zwei scharfen Kanten sich zeigten, am meisten aber durch den Mittelnervstiel, welcher nicht nur unmittelbar unter dem untersten Fiederjoche, sondern auch zwischen den 4 obersten Fiederpaaren ziemlich grosse, napfförmige Drüsen trägt. Bei A. spirocarpa dagegen hat der Mittelnervstiel nur an seiner Basis und vom untersten Fiederjoche entfernt eine Drüse aufzuweisen.
Die Blüthen sind sehr ähnlich wie bei A. spirocarpa gestaltet, die Stiele der Köpfchen indess erscheinen stets unmittelbar an ihrer Basis mit einem festen, 2-4-zähnigen Bracteenring besetzt, während bei A. spirocarpa ein solcher im unteren Viertel oder Drittel ausnahmsweise auch in der Mitte desselben zu sitzen pflegt.
Kelch, Blumenkrone und Staubfäden sind wie bei A. spirocarpa, auch erscheint der der Blüthen beraubte Blüthenboden mit vielen spathelförmigen, an der Spitze breiten und stark gewimperten Deckblättchen besetzt.
A. Richard versetzte die beiden citirten Nummern der A. abyssinica mit Unrecht unter die A. arabica W., von welcher sie durch die meisten Merkmale abweicht.
Bentham vermuthete, dass zur A. abyssinica die in der 2. Section unter Nr. 940 als Inga Nefasia vertheilten Fruchtexemplare gehörten, wogegen jedoch sowohl das Aussehen der Blätter, als auch die Form der kleinen Stipular-Dornen zu sprechen scheint.
Acacia tomentosa W., im Habitus dieser Art ähnlich, unterscheidet sich von ihr durch grössere Blätter und durch den in der Mitte oder an der Spitze mit einem Bracteenringe versehenen Stiel der Blüthenköpfe.
2. Acacia spirocarpa Hochst., A. Rich.
Arbor 1-50-pedalis trunco a basi ramoso ligno albido coma umbelliformi cortice griseo-albido in trunco vetusto rimoso, saepissime laevi, in ultimis ramis fusco-sub-purpurascente tomentoso; spinis valde variis horizontaliter patentibus albis subteretibus vel leviter canaliculatis, modo 1-2-pollicaribus rectissimis modo unguiformibus brevissimis hamato-recurvis alternantibus, omnibus brevissime dense-tomentosis; foliis hirsuto-tomentosis; pinnis 5-10-jugis foliolis 10-15-jugis, parvulis longitudine latitudinem 3-4 superantibus interdum glabratis acutiusculis, petiolo communi breviter canaliculato basi 1-glanduloso; inflorescentia praecoce vel coaetanea pedunculis in axillis 1-5 fasciculatis semipollicaribus hirsuto-tomentosis irregulariter plerumque infra medium bracteatis, capitulis globosis albidis; leguminibus inter semina constrictis inflatis striato-venosis dense tomentosis pallidis subcoriaceis varie contorto-flexuosis, explicatis 2-6-uncialibus, seminibus 4-12 fusco-olivaceis, crassis.
A. Var. α. minor.
Saepe frutescens 1-20-pedalis, spinis -1-pollicaribus, foliorum pinnis 5-jugis foliolis 10, inflorescentia praecoce, capitulis minutis, leguminibus 2-pollicaribus, 4-spermis coriaceo-membranaceis.
Nomen vern.: arabice Ssāmmor, lingua Bega Ssanganēb, Ssāgga.
Habitat: Deserta Nubiae et Aegypti superioris, ad oras Maris Erythraei (in Arabia usque ad urbem Moïlah 27° 40′ lat. sept., in Aegypto usque ad Ras Mrehk 25° 44′ lat. sept.).
Aprili florens, Junio fructifera.
B. Var. β. major.
Arbor 20-50-pedalis, spinis -2½-pollicaribus, foliorum pinnis 5-10-jugis, inflorescentia coaetanea, capitulis majusculis leguminibus 4-6-pollicaribus coriaceis 8-spermis.
Nom. vern.: Ssāmmor, interdum Sejal ab incolis vocatur.
Habitat: Convalles Abyssiniae, Nubiae australioris, provinciarum Taka, Sennaar et Kordofan.
Martio, Aprili florens. Aprili fructifera.
Diese Art ist fast stammlos, d.h. der Stamm ist unmittelbar an der Basis pseudo-dichotom getheilt, so dass die schirmförmige Krone auf 2-4 Aesten zu ruhen scheint. Die Rinde ist nur an den ältesten Aesten längsrissig aufgespalten. An den übrigen Aesten ist sie fest, von sehr heller, weisslicher Färbung, aber rauh und mit zahlreichen erhabenen, quergestellten Lenticellen dicht bedeckt, was den Aesten ein coniferenartiges Aussehen ertheilt. Die jüngeren Zweige sind röthlich braun und stets flaumhaarig, seltener kahl werdend.
Der Blattstiel trägt nur unter dem untersten Fiederjoche eine Drüse, welche oft fehlen kann.
Die Blüthen stehen bei der Var. α. minor zu 25 in einem Köpfchen, das 5-6 Millim. im Durchmesser nicht übersteigt; bei der Var. β. major zu 45 in einem Köpfchen, dessen Durchmesser 9-10 Millim. beträgt. Der Kelch ist breit trichterförmig, hat 5 rundliche, stark gewimperte, gelbliche Zähne und 10 gelbliche Nerven. Die noch einmal so lange Blumenkrone hat eiförmig-spitze, gelbliche Zipfel, die nicht ohne kurze Franzen sind. Die Staubfäden, doppelt so lang als die Blumenkrone, sind 35-40 an der Zahl und farblos weiss. Der Griffel ist etwas länger als die Staubfäden. Der Blüthenboden erscheint nach Abfall der Blüthen dicht mit spathelförmigen, an der Spitze löffelartig geformten, behaarten und langgewimperten Deckblättchen, welche so lang sind als der Kelch, besetzt. Der fest am Stiel angewachsene, bräunliche Bracteenring hat 2-4 Zähne und sitzt meist am unteren Viertel desselben.
Die Hülsen sind bei Var. β. major an den Einschnürungen 4-5, über den Samen 7-8 Millim. breit; bei var. α. minor an den Einschnürungen 2-3 und über den Samen 4 Millim. breit. Die elliptischen, dunkel-olivengrünen Samen sind bei Var. β. major 7 Millim. lang, 4 Millim. breit und 2 Mill. dick; bei Var. α. minor 5½ Mill. lang, 3 Mill. breit und ½ Mill. dick.
Obgleich sich beide Varietäten durch auffallende und anscheinend constante Merkmale unterscheiden, so erscheint doch kein Zweifel über ihre Zusammengehörigkeit zu einer Art zulässig, vielmehr geben sich bei Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse alle Unterschiede nur als die Folge derselben zu erkennen.
Innerhalb der Region der Tropenregen im südlichen Nubien, in Abyssinien u.s.w. entwickelt sich die Var. β. major in den stets mit reichlicher Grundfeuchtigkeit versehenen Thälern und Niederungen der periodischen Wasserläufe (arabisch Chor genannt) zu einem ansehnlichen Baum, welcher fast das ganze Jahr hindurch mit reichlichem Laubschmucke geziert erscheint, eine schirmförmige, aber mehr abgerundete, etwas unregelmässigere Krone entfaltet, und durch längere Dornen, grössere, mehrjochige Blätter, grössere Blüthenköpfe und dickere, mehrsamige und längere Hülsen von der kleineren Spielart verschieden erscheint.
Letztere, die Var. α. minor, bewohnt die dürren Wüstenthäler Nubiens und Ober-Aegyptens bis zum 25° n.Br. ungefähr, und ist daselbst das allverbreitete Charakter-Gewächs dieser Flora. Sie wird selten höher als 20 Fuss, bildet oft nur kleine Sträucher, entwickelt aber stets eine durch täuschend regelmässige Dichotomie ihrer Verzweigung hervorgerufene, schirmförmige Krone, die oben wie geschoren eine Fläche darstellt, den grössten Theil des Jahres entlaubt dasteht und nur selten an Stellen reichlicher Grundfeuchtigkeit auch in den dürresten Monaten mit Blättern auftritt.
Ich würde keinen Anstand nehmen, die Var. minor mit der indischen A. planifrons W. Arn. zu identificiren, wenn mir von letzterer eine vollständige Suite von Exemplaren zu Gebote stände. Da ich die Frucht dieser Art nicht gesehen habe und die constant kahle Beschaffenheit aller Theile der A. planifrons (bei der A. spirocarpa H. fehlt ausnahmsweise nur an den Zweigen, aber selten vollständig die Behaarung) Unterschiede andeutet, so wage ich es vor der Hand nicht, hierüber ein Urtheil zu fällen. Erwähnung verdient noch, dass der schirmförmige Wuchs auch für die A. planifrons genau so angegeben wird, als derselbe bei der A. spirocarpa vorkommt. Die am entblätterten Zweige befindlichen Blüthen, die Dornen u.s.w. der Var. minor weichen, abgesehen von der Behaarung, durch nichts von den mir zu Gebote stehenden Exemplaren aus Mysore ab.
Die Ssāmmor-Acacie ist nahe verwandt mit der A. tortilis Hayne, von dieser aber leicht durch den stammlosen, schirmförmigen Wuchs, etwas hellere Rinde, kleinere Blättchen und die dichtflaumhaarige Bekleidung der Zweige, Dornen, Blätter und Hülsen zu unterscheiden. Aus dem sehr festen und zähen weisslichen Baste verfertigen sich die Eingeborenen die nöthigen Stricke und Bänder für ihren Hausrath. A. gummifera Del. (Centurie de pl. rec. par. Cailliaud pag. 21, 22), ein Name, welcher übrigens bereits früher durch Willdenow vergehen wurde, scheint nach der allerdings sehr ungenügenden Beschreibung mit dieser Art identisch zu sein.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. IV. Var. α. minor. 1. Fruchttragender Zweig. 2. Blüthentragendes Zweigstück. 3. Hülsen (alle nat. Gr.). 4. Blüthe nebst Fruchtknoten. 5. Blüthenköpfchen nebst Stiel. 6. Vierzähniger Bracteenring. 7. Deckblättchen (vergr.)
Taf. V. Var. β. major. 1. Blühender Zweig. 2. u. 3. Hülsen. 4. Samen (alle nat. Gr.).
Taf. VI. Ein 15′ hohes Bäumchen, nebst kleineren im Hintergrunde, von Var. α. minor, von der nubischen Küste.
3. Acacia tortilis Hayne. (= A. Raddiana C. Savi. = A. fasciculata G. P. R.)
Arbor coma irregulari trunco erecto cortice longitudinaliter rimoso fusco in ramis rubente vel pallidiore glaberrimo striato; spinis validis pollicaribus horizontaliter patentibus rectissimis teretibus eburneis abortivis hinc inde alternantibus parvulis recurvis pallide fuscis praesertim in ramis floriferis omnibus unguiformibus semper glaberrimis; foliis viridibus glabratis pollicaribus pinnis 2-6-jugis, foliolis oblongo-linearibus 5-12-jugis obtusis vel acutiusculis longitudine latitudinem 3-4-superantibus petiolo communi infra singula juga glandula minima instructo; inflorescentia subcoaetanea capitulis globosis parvulis albidis, pedunculis in axillis 1-2, rarius 5-aggregatis, ½-pollicaribus medio bracteatis puberulis, leguminibus 1-5-fasciculatis linearibus torulosis compressis coriaceis marginibus parallelis nervosis longitudinaliter venosis plus minus spiraliter vel contorto flexuosis junioribus interdum puberulis maturis fuscis glaberrimis 10-12-spermis 3-pollicaribus, seminibus ovalibus crassis griseo-olivaceis linea ovali pallidiore basi aperta notatis.
Nomen vern.: arabice Sejal.
Habitat: Aegypti totius deserta parte tam libyca quam arabica; ad oras Nubiae in montibus Soturba; ad vallem niloticam a 14° usque ad 25° lat. sept. (in provincia Kordofan parte sept., in Nubiae agro Matammensi, Berberensi, Dongolensi et Sukkotensi, usque ad urbem Syenam); ad montem Sinai et in Arabia petraea usque ad 31° lat. sept.; in Arabia felici; in Senegalia.
Diese weit verbreitete Art bildet in den Wüstenthälern Arabiens, Aegyptens und Nubiens Bäume, welche 30-40 Fuss an Höhe nicht übersteigen. Der Stamm ist stets entwickelt, aufrecht, verhältnissmässig hoch und 2-3 Fuss dick. Die Baumkrone ist unregelmässig verzweigt und von mehr oder minder abgerundeter Gestalt. Mit der A. spirocarpa hat sie die Eigenthümlichkeit gemein, dass zwischen den normal entwickelten geraden Dornen auch kleinere verkümmerte und hakig zurückgebogene auftreten, welche an den blühenden Zweigen fast ausschliesslich Platz greifen. Die Farbe der Rinde unterscheidet sie nebst der Wachsthumsverschiedenheit und fehlenden Behaarung zur Genüge von letzterer.
A. fasciculata stimmt sowohl nach der in der Flora des Senegals (S. 252) bereits 1830 gegebenen Beschreibung, als auch nach den mir vorliegenden Exemplaren völlig mit der A. tortilis überein, und scheint, wie diese, einen kalkreichen Boden zu bevorzugen.
Herr Prof. P. Savi in Pisa hatte die besondere Güte, mir einige Originalproben der von seinem Vater 1830 ausführlich beschriebenen und auch abgebildeten A. Raddiana („sopra alcune Acacie egiziane“) zu übersenden, welche eine völlige Identität mit der A. tortilis nachwiesen.
Ob die von Hayne im 9. Bande seiner Arzneigewächse (Taf. 31.) zuerst beschriebene und abgebildete A. tortilis mit der Mimosa tortilis Forskål’s (flor. aeg.-arab. 176) identisch sei, lässt sich ohne Original-Exemplare nicht entscheiden, da, nach der Beschreibung zu urtheilen, unter diesem Namen ebenso gut die Var. α. der Acacia spirocarpa gemeint sein könnte.
4. Acacia xiphocarpa Hochst., Benth.
Arbor speciosa ramulis angulatis glabris; spinis parvis conicis saepe obsoletis; foliis pinnis 20-30-, rarius 7-10-jugis, foliolis 20-40-jugis, minimis linearibus glabratis obtusis longitudine latitudinem 5-superantibus, petiolo communi saepius eglanduloso basi interdum glandula minima praedito dilatato rubente; inflorescentia etc. ignota; leguminibus 3-4-pollicaribus oblongo-linearibus compressis crassis coriaceis pulposis parum curvatis longitudinaliter dense venosis glanduloso-scabriusculis basi attenuatis apice acutiusculis 8-9-spermis, seminibus ovalibus olivaceis.
Habitat: In Abyssiniae provincia Schire, districtu Menaber.
Mit reifen Hülsen im November.
Die Blättchen erreichen meist nur eine Länge von 2 mm. Die Hülsen werden 7-10 Ctm. lang, 1½ Ctm. breit und 4 mm. dick, sind etwas gebogen, leicht aufspringend und mit ziemlich viel Pulpa erfüllt.
Diese (nur in Nr. 522. der Schimper’schen Sammlung aus Abyssinien enthaltene Art) kann ich mit meiner A. etbaica nicht identificiren, da die Hülsen der A. xiphocarpa durch Grösse, Breite, ziemlich derbe und pulpöse Beschaffenheit sowohl, als durch dichter und regelmässiger von beiden Seiten und anfangs der Mitte derselben zu, später ihrer Länge nach verlaufende Adern, auch durch die Drüsen auf ihrer Oberfläche von ihr verschieden sind, da ferner die Anzahl der primären Fiederjoche sich überwiegend weit grösser zeigt, als bei der A. etbaica. Die kleinen Blättchen kommen auch bei A. etbaica an blühenden Zweigen vor, dagegen wurde bei letzterer an der Basis des Blattstiels nie eine Drüse beobachtet.
Richard rechnete blühende Exemplare der A. etbaica, von Schimper und Q. Dillon gesammelt, zu dieser Art, während Bentham die A. amythetophylla, weil er von ihr keine fruchttragenden Exemplare gesehen hatte, irrthümlicherweise mit der A. xiphocarpa vereinigte.
Da mir blühende Exemplare, welche die Merkmale der A. xiphocarpa besitzen, nicht vorliegen, auch von dieser Art keine grössere Suite zu Gebote steht, so kann ich nicht mit voller Sicherheit entscheiden, ob die A. etbaica eine von obiger verschiedene Art oder nur eine durch wenigjochige Blätter und schmälere, dünnere und trockenere Hülsen ausgezeichnete Varietät derselben sei. Beide Varietäten könnten sich in letzterem Falle zu einander verhalten wie Var. α. und Var. β. der A. spirocarpa H. u. Rich., obgleich ein so grosses Schwanken in der Zahl der primären Joche bei letzterer nicht annähernd vorkommt.
5. Acacia etbaica Schwf., n. sp.
Arbor gracilis trunco erecto cortice atro, longitudinaliter rimosissimo, in ramis atro-griseo, fusco-griseo in novellis; spinis mediocribus foliis semper multo brevioribus, interdum nullis, arrectis fuscis nitidis teretibus; foliis glabris pinnis 3-6-jugis, foliolis 15-30-jugis, griseo-viridibus apice rotundato-obtusis latitudinem longitudine 2½-3 superantibus petiolo communi dilatato rubenti 2-4-glanduloso; inflorescentia coaetanea pedunculis in foliorum axillis 3-5 fasciculatis, ⅔ uncialibus medio bracteatis pubescentibus, capitulis globosis parvulis albidis leguminibus fuscis nitidis coriaceis indehiscentibus epulposis linearibus venosis rectis 2-3-pollicaribus obtusiusculis non constrictis 6-spermis.
Nomen vern.: lingua Bega: Arrat, lingua tigrensi: Serrau.
Hab. Ad oras Nubiae in montibus Elba et Soturba dictis, sub 22° lat. sept.; in Abyssiniae ditionibus Bogos et Tigre.
Schlanke Bäumchen von 20-30 Fuss Höhe, mit hohem Stamm und schwarzer, tief-längsrissiger Rinde. An den Zweigen ist die Rinde dunkelgrau, an den diesjährigen Trieben röthlich-bräunlich. Die Blätter haben eine schmutzig-grüne Färbung und sind fast gänzlich kahl. Der Mittelnervstiel des Blattes und der Fiedern nimmt häufig eine röthlich-bräunliche Färbung an, er ist schwach gerinnt, 2-3½ Centm. lang, und trägt zwischen den beiden obersten und zwischen den beiden untersten Fiederpaaren (wo sie vorhanden sind) kleine, ovale, flach napfförmige Drüsen, welche fehlen können, scheint aber an seiner Basis keine solchen zu besitzen. Die Fiedern, 2-4-jochig (auch 1, 5, 6 und 7), erreichen eine Länge von 1½-3 Ctm., und tragen an entwickelteren Blättern meist 25 Paar Blättchen. Letztere sind an der Basis wenig schief, an der Spitze abgerundet, mit deutlichem Mittelnerv versehen, von ziemlich derber Beschaffenheit, und variiren sehr in der Grösse. An blühenden Zweigen sind sie 2 Mm. lang und ¾ Mm. breit; an fruchttragenden zuweilen 6 Mm. lang und fast 2 Mm. breit.
Die Stipular-Dornen sind ungleich stark an den verschiedenen Zweigen entwickelt, bald 2 Ctm. lang, 1 Millim. dick, gerade, aufwärts gerichtet, vor der Spitze plötzlich zugespitzt, von der bräunlichen Farbe des Zweiges, bald bis zu 2 Mm. Länge reducirt und oft gänzlich fehlend und an älteren Zweigen abgeworfen.
Die 8 Millim. im Durchmesser habenden, frisch weisslichen (in Herbarien, wie alle weissen Acacien-Blüthen, bräunlich oder röthlich werdenden) Blüthenköpfchen bestehen aus 20-25 Zwitterblüthen und sitzen auf 1½-2 Ctm. langen Stielen, welche sich zu 3-5 in den Blattachseln gebüschelt befinden, ungefähr in der Mitte oder etwas unterhalb derselben einen festen, lederartigen, vierzähnigen Bracteenring tragen und mit zerstreuten Haaren besetzt sind. Der am Grunde braune Kelch ist mit 5 stumpfen, rundlichen, etwas gewimperten Zähnen versehen; die zu einer freien Glocke verwachsene Blumenkrone überragt denselben um’s Zweifache, ist farblos und hat 5 spitz-eiförmige Zipfel. Die Staubfäden, doppelt so lang als die Blumenkrone, sind 50-60 an der Zahl, borstenartig aufwärts gerichtet, weisslich farblos, mit hellgelben Antheren; der Griffel ist mit ihnen von gleicher Länge. Die Deckblättchen, halb so lang als der Kelch, sind gleich lang und breit, halbkugelig gewölbt, gebräunt, behaart und gewimpert; der Blüthenboden ist etwas länglich und mit Spreuhaaren versehen. Die Hülsen sitzen zu 1-6 geknäuelt, sind von ungleicher Länge, meist 6-7 Ctm. (aber zuweilen auch kürzer und länger, bis 11 Ctm.), meist 8 Mm. breit, flach und ½-1 Mm. dick, nirgends eingeschnürt, an der Basis spitz, am Ende häufig sehr stumpf zugespitzt, von lederartiger, derber Textur, nicht aufspringend, nicht pulpös, glänzend lederbraun, derb längsaderig, beiderseits mit zwei derben Nervensträngen berandet, meist 6-samig. Samen olivenfarbig, 6 Millim. lang, 5 Millim breit.
Blühte im August an dem Stockausschlag umgehauener Stämme, an beblätterten Zweigen Anfang Juli; Früchte fanden sich im April und März.
Diese Art ist, durch Hülsen und Blüthen ausgezeichnet und habituell durch die Röthung der Blattrippen characterisirt, der A. xiphocarpa Hochst. nahe verwandt.
Wurde von Schimper und Q. Dillon bei Adoa, und von Steudner bei Keren im Bogoslande gesammelt. Sie findet sich häufig in den Gebirgsthälern des Etbai, an den Felsgehängen bis zu 2000′ Höhe in dem Soturba-Gebirge, am Castle-Hill, Gebel Schellāl und am South Peak.
Die Bischarin nennen den Baum Ārrat, was kein eigentliches Bega-Wort zu sein scheint, sondern vielleicht nur eine andere Aussprache des arabischen Wortes Gārrat sein möchte, wie die zum Gerben verwandten Hülsen der Acacia nilotica genannt werden.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. VII. 1. Ein blühender Zweig, nat. Gr. 2. Ein Blüthenköpfchen. 3. Blüthe und Pistill. 4. Fruchtknoten. 5. Staubgefäss. 6. Deckblättchen. (vergr.)
Taf. VIII. 1. Ein fruchttragender Zweig. 2. Eine grössere Hülse. 3. Zweig mit grossen Dornen. 4. Geöffnete Hülse. (Alle in nat. Grösse.)
6. Acacia nilotica Del.
Arbor maxima trunco erecto cortice atro-fusco rimoso in ramis atro-fusco vel fusco-rubente laevissimo semper pruinoso in novellis interdum puberulo; spinis 2-3-pollicaribus gracilibus rectissimis teretibus horizontaliter patentibus sensim attenuatis eburneis apice fuscis in floriferis saepius abortivis vel subnullis; foliis viridibus 3-pollicaribus pubescentibus pinnis 4-8-jugis, foliolis 15-27-jugis linearibus rectis obtusis vix obliquis longitudine latitudinem 5-6 superantibus petiolo communi glandulis 1-3 vel eglanduloso; inflorescentia coaetanea capitulis globosis citrino-luteis pedunculis pollicaribus supra medium bracteatis puberulis in axillis 5-10 aggregatis vel paniculam efoliatam formantibus, leguminibus 6-8-pollicaribus fuscis glaberrimis nitidis obsolete venosis moniliformibus inter semina angustissime constrictis articulis oblique rotundis vel rhomboideo-orbicularibus 7-10-spermis seminibus ellipticis.
Nomen vern.: arabice Ssant, nomen fructus Gārrat.
Habitat: Culta in ambulacris nemoraque formans in valle nilotica per totam Aegyptum et Nubiam, spontanea in silvis primaevis ad ripas Leuconili, praesertim parte inferiore supra urbem Chartum ditione Schilluk, ad Nilum Caeruleum; spontaneam quoque reperi in silvis ad montem Kassalam in Nubia australiori provinciae Taka.
Der Ssant ist der häufigste Baum in ganz Aegypten, wo er sich indess nirgends mehr in nachweisbar wildem Zustande vorfindet. Alle Wege des Landes sind vorzugsweise mit ihm bepflanzt, bei jedem Dorfe fast bildet er Haine. Sein Holz ist hart, sehr zähe und schwerer als das Wasser, braunroth von Farbe und daher dem der Eibe nicht unähnlich. Von besonderer Härte soll das wilde Ssantholz sein, welches auf den Inseln der Schilluks gefällt und zum Schiffbau auf dem weissen Nil verwandt wird.
Der Ssant liefert das meiste Holz zum Schiffbau, zur Anfertigung der Wasserräder und zu mancherlei Geräth. Das von dieser Art ausgesonderte Gummi ist von so geringer Qualität, dass es nirgends einen Handelsartikel bildet, sondern nur zum häuslichen Bedarfe dient. Die Hülsen dagegen werden ihres vorzüglichen Tannin-Gehalts wegen sehr geschätzt, auf allen Märkten feilgeboten und überall zum Gerben der Häute verwandt, indem man dieselben zerstossen mit Wasser anrührt und auf die rohen Felle einreibt. Dies ist die einfache Procedur des Rothgerbens in ganz Aegypten. Auch die Rinde enthält Gerbstoff in hinreichender Quantität, und ein Dekokt derselben dient als gutes Mittel für Fieber-Reconvalescenten.
Als Delile 1826 diese Art beschrieb (Centurie de plantes rec. p. Cailliaud), machte er bereits auf die Unterschiede aufmerksam, welche dieselbe von Willdenow’s A. arabica unterscheiden. Sie bestehen hauptsächlich in den bereiften, selbst an den Spitzen mehr oder minder kahlen Zweigen, den nie mehr als 7- oder höchstens 8-jochigen Primärfiedern und den stets gänzlich (bereits in unentwickeltem Zustande) kahlen Hülsen.
7. Acacia arabica Willd. var.?
Arbor trunco erecto cortice fusco rimoso, ramis fuscis apice glaberrimis vel tomentosis glandulisque atris inspersis; spinis ¼-¾-pollicaribus tenuibus teretibus pallidis horizontaler patentibus sensim attenuatis; foliis saturate viridibus, 3-pollicaribus puberulis pinnis 4-13-18-jugis, foliolis 10-33-jugis longitudine latitudinem 5-superantibus oblongo-linearibus obtusis vel acutiusculis petiolo communi canaliculato 2-3 glanduloso interdum glandulis nullis; inflorescentia coaetanea capitulis globosis mediocribus aurantiaco-luteis, pedunculis in axillis 2-5-aggregatis vel paniculam efoliatam formantibus infra vel supra medium bracteatis ½-pollicaribus tomentosis vel parte inferiore atro-glandulosis, leguminibus? . . .
Habitat: In Abyssiniae provinciis Schire et Tigre; in ditione Gallabat.
Hierher rechne ich die unter No. 530. als A. Adansonii in der 2. Section und die in derselben Section ohne Nummer vertheilten Exemplare aus Schire, in der Schimper’schen Sammlung aus Abyssinien, sowie die von Q. Dillon gesammelten, welche ich mit den von mir in der Umgegend von Matamma in Gallabat gefundenen (No. 1998 u. 1997 meiner Sammlung) zu vergleichen Gelegenheit hatte, um mich von ihrer völligen Identität zu überzeugen.
Dieselben bilden vielleicht eine eigene Art, welche einerseits von der A. nilotica D., andererseits von der A. arabica W. verschieden wäre, hauptsächlich durch die weit grössere Zahl der primären Fiederjoche. Da die Früchte allen aufgeführten Exemplaren fehlen, so ist indess das Urtheil über ihre specifische Stellung noch auszusetzen.
Unter den abyssinischen Exemplaren sind die von Schimper unter No. 530. vertheilten durch ihre Behaarung der senegambischen Varietät der A. arabica am ähnlichsten; indess auch bei meinen Exemplaren von Matamma sind die Zweige bald gänzlich kahl an der Spitze, bald mit dichtem Flaum besetzt, zwischen welchem sich zahlreiche dunkelbraune Drüsen zeigen.
Die Blätter sind meistens durch 8-12 Joche (es kommen sogar 16-18 vor) ausgezeichnet. Die 5 mm. langen und 1 mm. breiten Blättchen haben die gleiche Gestalt wie bei A. arabica W. Der Mittelnervstiel ist entweder ganz ohne Drüsen, oder trägt deren an den beiden obersten Jochen und unten an seiner Basis.
Die Blüthenköpfchen haben eine orangegelbe Farbe, nur 9-10 Mm. im Durchmesser und bestehen aus 100 Blüthen, welche halb so gross als an indischen oder senegambischen Exemplaren, im Uebrigen aber von gleichem Baue erscheinen.
Die Anzahl der Staubfäden übersteigt an meinen Exemplaren nicht 40. Die den Kelch überragenden Deckblättchen sind schmal spathelförmig, mit breiter löffelförmiger Spitze und stark gewimpert und behaart. Der Bracteenring hat 3-4 Zähne, und sitzt an meinen Exemplaren im oberen, an den übrigen hingegen am unteren Drittel des Stiels der Blüthenköpfchen.
Ich fand die Art blühend Ende September und Anfang October; in Abyssinien blüht sie Ende Juni und im November. Sie bildete Bäume von 30-40 Fuss Höhe, mit aufrechtem, verhältnissmässig starkem Stamme, dunkelbrauner, rissiger Rinde und cylindrischer oder abgerundeter Krone.
A. arabica W. (= Mimosa arabica Lam.), von welcher eine Varietät mit kahlen Zweigen in Ostindien und eine andere mit dicht filzigbehaarten in Senegambien vorkommt, muss von der Acacia nilotica Del. als Art getrennt werden. Ob nun die senegambische Varietät (welche ein grosser Baum sein soll) von der indischen, welche in Wight’s und Arnott’s Flora von Indien als „subarboreous“ beschrieben wird, specifisch zu trennen sei, kann ich des ungenügenden Materials wegen nicht entscheiden. Ausser der dichten Behaarung der Zweige scheint sich die senegambische Acacie übrigens auch durch eine grössere Anzahl primärer Joche (-10) auszuzeichnen.
Aus Arabien habe ich keine Exemplare von A. arabica gesehen.
8. Acacia nubica Benth. (= A. pterygocarpa Hochst., Benth.)
Frutex umbelliformis ligno albido foetido cortice pallide-fusco laevi, in ramulis striato pallido vel flavescente interdum griseo vel albicante, glabrata vel pubescente in novellis viridi semper villoso; spinis brevibus erecto-patentibus basi incrassatis villosis apice fuscescentibus glabratis, rectissimis vel paullo recurvis; foliis 2-pollicaribus glaucis plus minus pubentibus pinnis 3-11-jugis, foliolis 5-15-jugis oblongis acutis vel acutiusculis vix obliquis latitudinem longitudine 3 rarius ultra superantibus petiolo communi leviter canaliculato basi obsolete 1-2-glanduloso interdum glandula nulla; inflorescentia praecoce vel coaetanea pedunculis in axillis 1-3 aggregatis, folio multo brevioribus semipollicaribus, villosis, paullo infra medium bracteatis, capitulis globosis flavis suaveolentibus, leguminibus linearibus rectis vel subcurvis basi attenuatis apice acutiusculis margine ala angusta tenui marginatis, parum inflatis longitudinaliter venosis maturis flavescentibus semper pubentibus, 5-11-spermis, seminibus dissepimentis membranaceis separatis subglobosis griseis reticulatis latere linea ovali pallidiore notatis.
Nomen vern.: Lingua Bega: Laaū, Laūd, Ud; lingua Agowensi Ittschellegāna.
Var. α. erythraea Schwf. (= A. pterygocarpa Hochst., Benth.)
Foliorum pinnis laxiuscule 3-5-jugis, foliolis 6-10-jugis remotis, spinis interdum deorsum curvatis, inflorescentia praecoce.
Habitat: Oras Arabiae felicis, Abyssiniae et Nubiae usque ad 22° 30′ lat. sept. et insulas Maris Rubri incolit. Floret Junio.
Var. β. aethiopica Schwf. (= A. nubica Benth.)
Foliorum pinnis approximatis 6-11-jugis, foliolis dense 10-15-jugis spinis semper rectissimis, inflorescentia coaetanea.
Habitat: In pascuis Nubiae australioris interdum per plagas vastissimas fruticeta formans, provinciae Fesoghlu, Sennaar, Kordofan, Berber, Taka et Gedaref. Floret Majo, Aprili.
Der Laūd bildet von der Basis aus verzweigte, schirmförmige, 4-5′ hohe Sträucher. Die Rinde gleicht der von A. spirocarpa, und ist, wie jene, mit zahlreichen, quergestellten Lenticellen bedeckt, hat aber eine dunklere und mehr grünliche Färbung. Der zähe, feinzertheilbare Bast findet bei den Eingebornen Verwendung, und entwickelt im frischen Zustande einen unangenehmen, an die Kastanienblüthe erinnernden, oft aasartigen Geruch. Beide Varietäten haben am Mittelnervstiel, gewöhnlich nur an dessen Basis, seltener auch am obersten Joche, eine undeutliche Drüse, oft gar keine; sie haben ferner gleiche Blüthen und Früchte. Das Blüthenköpfchen ist stets filzig-behaart und hat etwas unterhalb der Mitte einen festen Bracteenring mit 4 oder oft mit nur 2 häutigen und behaarten Zähnen. Der länglich gestaltete, keulenförmige Blüthenboden trägt meist 70 Blüthen von fahlgelber Farbe, welche duften. Der Kelch ist länglich, mit stumpfen Zähnen und wie die um ⅓ denselben überragende Blumenkrone behaart. Letztere ist zur Hälfte verwachsen und hat 5 spitz-eiförmige Zipfel. Die Staubfäden, nur 25 an Zahl, überragen dieselben um’s Doppelte. Die Deckblättchen sind sehr schmal, spathelförmig und an der Spitze löffelartig hohl, stark gewimpert und behaart, und meist länger als die Blumenkrone. Die Hülsen werden bei beiden Varietäten 5-8 Ctm. lang, 1-1½ Ctm. breit und haben einen 1-1½ mm. breiten Flügelsaum. Die Anzahl der Samen variirt sehr zugleich mit der Länge der Hülsen, dieselben sind fast kugelrund, selten etwas länger als breit, grau, fein netzadrig und flach alveolirt, im reifen Zustande grau, mit hellerem Ringe auf den Seiten, und haben 5 mm. im Durchmesser. Durch dünne häutige Scheidewände geschieden, liegen sie in geräumigen viereckigen Zellen.
Die beiden Varietäten verhalten sich in Hinsicht auf Blüthezeit und Belaubung genau so zu einander, wie die Var. minor und major der A. spirocarpa. Da mir eine grosse Suite von Exemplaren von den verschiedensten Standorten vorliegt, so kann ich, indem zahlreiche Uebergänge in Bezug auf Zahlenverhältnisse der Joche und Behaarung nach allen Richtungen hin vorkommen und sich nur als die durch äussere Lebensverhältnisse der Pflanze bedingte Verschiedenheiten herausstellen, mich nicht der von Bentham vertretenen Ansicht (welcher indess die zu No. 407. der Kotschy’schen Sammlung gehörigen Früchte der A. nubica nicht sah) anschliessen, beide Varietäten specifisch von einander zu trennen.
In den allgemeinen Wachsthumsverhältnissen lassen sich keine Unterschiede nachweisen, es verdient jedoch hervorgehoben zu werden, dass die Exemplare aus den Steppen und Wüstenthälern des südlichen Nubiens, wo sie oft meilenweite Strecken mit lichtgestelltem Buschwerk bekleiden, selten mehr als 6 primäre, aber nicht mehr als 10 secundäre Fiederjoche zur Schau tragen; die aus Kordofan und dem Sennaar, insofern sie von entwickelten Sträuchern stammten, desgleichen; in letztgenannten Provinzen aber, und zwar im Bereiche der fetten Nilerde, bildet diese Art häufig üppig wucherndes, am Boden ausgebreitetes Gestrüpp, und in solchem Zustande entwickelt sie stets Blätter mit mehr als 6 primären Fiederjochen.
Die Varietät der Küstenländer des Rothen Meeres steht, wie die Ssammor-Acacie, den grössten Theil des Jahres entlaubt da, bildet mitunter Sträucher, welche über 5 Fuss Höhe erreichen, und an ihren Blättern gewahrt man allerdings nie mehr als 5 primäre und selten mehr als 10 secundäre Fiederjoche. Auch sind an letzterer die Dornen sehr häufig etwas abwärts gekrümmt, die Behaarung indess, obgleich im Allgemeinen geringer, ist dennoch sehr an Dichtigkeit und Ausdehnung wechselnd.