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Aus dem Leben der Antike

Chapter 16: Die Römerin.
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About This Book

Eine Sammlung kurz gehaltener Aufsätze, die Alltags- und Kulturleben der Antike in konzentrierten Bildern erschließen. Themen reichen von Lebensformen römischer Frauen, Gastmählern und Esskultur über Verkehr, Heerstraßen und Reisewesen bis zu Hygienefragen, Läusen, Buch- und Lesekultur, Grab- und Totenbildlichkeit; außerdem werden soziale Organisationen, Markt- und Kommunikationswesen sowie musikalische und bildungsbezogene Praktiken behandelt. Der Ton ist beschreibend und vergleichend, einzelne Texte spiegeln zeitgenössische Erfahrungen wider; erläuternde Nachweise und Exkurse sind in einem Anhang zusammengefasst.

Anmerkungen.

Die Römerin.

[1] Vielleicht ist das Wort roma, ruma ursprünglich etruskisch und hernach latinisiert worden; man hat es neuerdings als „Brust“ gedeutet; alsdann war Roma aber vielleicht ursprünglich die Benennung für einen Mann gewesen, also wirklich als Maskulinum gedacht und nur der Form nach weiblich, sowie auch die Feminina Ahala, Sura, Pansa, Bucca Körperteile bezeichnen und zugleich römische Männernamen sind, und Romulus war, dies vorausgesetzt, von dem männlichen Roma nur die Verkleinerung. Vgl. G. Herbig in der Berliner philol. Wochenschrift 1916, S. 1477.

[2] D. h. der genius urbis war eben der genius populi, und populus ist maskulin. Die Aufschrift, die sich auf dem Kapitol befand: genio urbis Romae sive mas sive femina (Servius zu Aen. 2, 351) kann nicht alt gewesen sein, da die ursprünglichere Bezeichnung genius populi Romani gewesen sein muß. Denn genius bedeutete eigentlich den männlichen Zeugungstrieb (vgl. meinen Artikel „Genius“ in Roschers Mythologischem Lexikon). Jene Inschrift verrät das Befremden, das Spätere dem genius eines weiblichen Wesens gegenüber empfanden.

[3] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 728, 8.

[4] Über die „Hut der Mutter“, matris tutela, matris custodia, vgl. Rheinisches Museum 70, S. 269. So sehen wir den jungen Properz unter der custodia matris stehen, aber auch den jungen Dichter Persius. Horaz hat dagegen seine Mutter früh verloren; denn er erwähnt nur den Einfluß des Vaters auf seine Kindheit. Vielleicht mag sich aus diesem Umstand des Horaz eigentümliche Stellung zu den Frauen erklären; denn er huldigt, anders als Properz, keiner Frau der vornehmen Gesellschaft, er hat ihren Umgang augenscheinlich nicht gesucht. Nur an Männer sind seine Briefe gerichtet. Die edle Frauenverehrung aber pflegt mit der Verehrung der Mutter anzuheben.

[5] Die virtus gehört den viri, die pudicitia den matronae: Livius 10, 23.

[6] Properz 2, 6, 25 und Plinius nat. hist. 17, 244.

[7] Domitius warf dem Crassus vor: „Hast du nicht geweint, als dir die Muräne starb, die du im Fischbehälter aufzogst?“ Crassus antwortete: „Hast du nicht etwa nicht geweint, als du dich von deiner Frau trenntest?“

[8] Das griechische Ideal der Ehe gibt uns Plutarch, Praecepta coniug. 9: Der Mond strahlt nur dann, wenn er der Sonne nicht zu nahe steht. Umgekehrt die Frau: sie strahlt am schönsten, wenn sie zusammen mit ihrem Manne erscheint; ist er nicht da, so gleicht sie dem Neumond! Diese Lehre gipfelt in dem Satz: die Frau soll der Spiegel ihres Mannes sein.

[9] Erst im 2. Jahrhundert n. Chr. tauchen Römerinnen, die in eine Hündin verliebt sind, auf, bei Juvenal VI, 654 und Lucian de merc. conductis 34 (letztere Stelle wurde mir von Dr. Hasenclever, Würzburg, nachgewiesen), früher findet sich nichts dergleichen. Es war dies also eine Mode der Spätzeit. Wohl treffen wir dagegen Männer, auch junge Männer an als zärtliche Liebhaber ihrer Hunde; ich erinnere an das Hündchen Issa bei Martial (s. S. 223). Das reizende Grabgedicht auf die Hündin Myia (Carmina epigraphica 1512) stammt freilich von einer Frau, aber aus Gallien, nicht aus Rom. Aus Rom stammt die marmorne Grabschrift auf die Jagdhündin Margerita (ebenda 1175), von der dort ausgesagt wird, daß sie oft im Schoß ihres Herrn oder ihrer Herrin von der Jagd ausruhte. Hier ist die Herrin also einmal mit erwähnt. Die Katze fehlte in den Häusern; sie wurde vom mäusefangenden Wiesel (mustela) vertreten; aber auch zum Wiesel sehen wir die Römerinnen nie in einem näheren Verhältnis.

[10] Seneca de benef. 1, 9. Die Frau, die außer ihrem Ehemann nur einen Liebhaber hat, steht noch gut da; man sagt von ihr, daß sie in Doppelehe lebt, und dies eine adulterium wird als ein zweites matrimonium gerechnet; s. Martial VI, 10 und „Römische Charakterköpfe“ 3. Aufl., S. 235.

[11] Gellius 1, 23.

[12] mulierum conventus, senatus matronalis, Script. hist. Augustae Heliogab. 4, 3.

[13] Cicero nennt die Clodia geradezu meretrix.

[14] Helvius Cinna hatte schon unter des großen Julius Caesar Begünstigung geradezu die Einführung der Polygamie vorgeschlagen (Sueton, Caes. 52); die Kaiserin Messalina führte dies durch; weiter nichts.

[15] Ovid ars 3, 189.

[16] Horaz sat. 1, 10, 91.

[17] s. Rheinisches Museum 70, S. 270.

[18] Vgl. W. Schrötter, Ovid und die Troubadours.

[19] Seneca epist. 95, 21.

[20] Zur Frauensatire Juvenals vgl. Rhein. Museum 70, S. 527 ff.

[21] Domum servavit, lanam fecit (Carmina epigraph. 52) ist typisch. Charakteristische Monumente sind die Grabschrift auf Turia (Dessau n. 8393) und das neuerdings gefundene der Potestas (Kroll im Philologus 73, S. 274 f.); sie geben eine ausführliche Schilderung. Ich nehme hier die Gelegenheit wahr, eine schwierige Stelle in dem Lobgedicht auf Potestas (das um das Jahr 300 n. Chr. entstanden ist) zu erklären. Die Körperschönheit, Brust und Beinwerk der Frau, werden da sehr drastisch gelobt; dann heißt es im v. 22, daß die Frau eine glatte Haut hatte, ja, daß sie sich alle Haare zu entfernen pflegte:

anxia non mansit, sed corpore pulchra benigno
levia membra tulit; pilus illi quaesitus ubique.

Hier hat das anxia die sonderbarsten und künstlichsten Erklärungen hervorgerufen; der Zusammenhang der Sätze zeigt aber unzweifelhaft, daß dies Wort „behaart“ bedeuten muß. Es kann nichts anderes sein als ein Vulgarismus des Spätlateins und ein barbarisch entstelltes griechisches Lehnwort; nämlich ἄξοος, das von ξέω gebildet worden ist (nach der Analogie von ἄπνοος, εὔρροος) im Sinne von ἄξεστος, „der ungeschorene“ (vgl. Callimachus Frgm. 105), und hier ebenso auf die Rauheit der Haare Bezug hat, wie das ξεστός bei Oppian von den Haaren des Elephanten steht. Sie ist non anxia, heißt also soviel wie: sie ist toto corpore expolita, wie wir in der Vita des Heliogabal 5,5 lesen. Der Vulgarismus aber zeigt sich in dem Wort anxia statt axoa dreifältig, im Eintreten des i, im Eindringen des Nasals, in der Bildung einer Femininform vom komponierten griechischen Adjektiv. Das ἄξοος wurde offenbar mit dem geläufigen Adjektiv ἄξιος zusammengeworfen. Dann ist das Wort weiter an das echt lateinische Wort anxius völlig angeglichen, und eben der Anklang an dies geläufige lateinische Wort hat die Nasalierung begünstigt. Das Eindringen des unechten Nasals aber ist dasselbe wie in thensaurus, coniunx, und die Gegenbildungen dazu sind Schreibungen wie Quictilis, provicia u. a., die man auf Inschriften findet. Insbesondere ist bronchus als Nebenform von brocchus, brochus zu vergleichen; auch καχάζω, καγχάζω, Pimplêus und Piplêus (Catull 105, 1). Nicht glücklich ist die Stelle von Mesk in der Berliner Phil. Wochenschrift 1915, S. 62 behandelt worden.

[22] Auch an der Priscilla weiß Statius (Silven V 1, 57) im Grunde nur dies zu rühmen und daß sie Tag und Nacht für das Wohl des Gatten zu den Göttern gebetet hat (v. 72).

[23] Arrias Wort an den Gatten: „o Pätus, der Tod schmerzt nicht.“

Antike Gastmähler.

[24] Schiller sagte doch bekanntlich nur: „Satt zu essen muß der Mensch haben, wenn sich die bessere Natur in ihm regen soll.“ Vgl. Säkularausgabe Bd. XIII, S. XXXII.

[25] Über Tafelfreuden, Kochbücher u. a. des 16.-18. Jahrhunderts findet man einen hübschen Aufsatz in Reclams Universum, Jahrgang 34, Heft 12 (1917).

[26] S. Das antike Buchwesen, S. 434.

[27] Etwa: „Singe mir, Muse, Diners mit vielerlei Gängen und viele!“ Aber der Anklang an den homerischen Vers ist damit nur teilweise wiedergegeben.

[28] Ich sehe von solchen Tabernen ab, die üblen Zwecken dienten.

[29] Außer in gewissen leichtlebigen Geselligkeiten, von denen hier nicht die Rede ist.

[30] Vom Kaiser Elagabal hören wir, daß er für jeden Gang ein neues Tischtuch (mantele) auflegen ließ, und zwar waren auf dem Tuch die Speisen abgebildet (picta), die es gab (Script. historiae Augustae c. 27).

[31] In dem Gedicht Anthol. Pal. 10, 43 heißt es: „Sechs Stunden am Tag sind für die Arbeit, die siebente bis zur zehnten sind für das Sichausleben“; in feiner Witzform wird das vorgetragen. Die griechischen Buchstaben für die Zahlen 7, 8, 9, 10 sind nämlich ΖΗΘΙ, und ζῆθι bedeutet: „genieße das Leben.“

[32] Wir erfahren, daß diese Vorhänge wirklich Gegenstände der Betrachtung waren; s. Valerius Maximus 9, 1, 5.

[33] Martial 12, 87 und sonst.

[34] Die Gäste küssen den Tisch, um Gespenster oder ein böses Omen abzuwehren; Petron, c. 64.

[35] Deshalb war ein Fisch teurer als ein Rind; Plutarch, Sympos. 663 B.

[36] Unser Wort „Suppe“, italienisch zuppa, heißt eigentlich das Eintauchen von Brot in eine Flüssigkeit; vgl. R. Kleinpaul in der Kölnischen Zeitung 1911, Nr. 453, drittes Blatt: „Das Alter der Suppe.“

[37] Friedländer erklärt die Stelle des Petron, c. 65: gallinae altiles circumlatae sunt et ova anserina pilleata quae ut comessemus, ambitiosissime (a) nobis Trimalchio petiit dicens exossatas esse gallinas nicht richtig; quae weist nicht nur auf ova, sondern zugleich auf gallinae zurück: „Trimalchio drängte uns, daß wir von beiden essen sollten, indem er anmerkte, die Masthühner seien übrigens ohne Knochen.“

[38] Vgl. Martial 13, 92.

[39] Plinius, Nat. hist. 28, 260; Martial 5, 29; Lampridius Alex. c. 38.

[40] Es lag allerdings für die Volksetymologie nahe, lepus und lepos in ähnliche Beziehung zu setzen wie decus und decor, (h)onus und honos.

[41] Vgl. Martial 3, 82, 8.

[42] Seneca ad Helviam 10.

[43] Vgl. Martial 5, 79.

[44] Vgl. Martial 9, 35.

[45] Vgl. Martial 5, 78, 26.

[46] Vgl. Martial 3, 50.

[47] Diese Umrechnungen sind nicht genau zu nehmen, da der Wert des Geldes starken Schwankungen unterworfen war. Bei Derus werden 6 Millionen, bei Nero 4 Millionen Sesterz angegeben.

[48] Varro, De re rust. 3, 7.

[49] Man vergleiche dazu Sergius Orata; orata ist der Goldfisch.

[50] Hierfür wie für manches andere sei auf Victor Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere (6. Auflage, S. 433 ff.) verwiesen.

[51] Dies führt Martial 7, 27 aus.

[52] Plutarch, De esu carnium, p. 997 A.

[53] Friedländer, Petron S. 282. Auf einem Relief von St. Germain sieht man eine Tischrunde, ein Sigma dargestellt; in der Mitte steht ein ganzer Eberkopf serviert: s. Robert, Sarkophagreliefs Bd. III, Tfl. 88, N. 272.

[54] Wohl aber war das Trinkgeschirr oft aus Glas und die Glasfabrikation hoch entwickelt.

[55] Ein Feldherr, der im Jahr 58 n. Chr. in Germanien Krieg führte, hatte 12000 Pfund Silbergeschirr in seinem Hauptquartier (Plinius nat. hist. 33, 143).

[56] Digitis ustis, Martial 5, 78, 6.

[57] In der Casa del Centauro zu Pompeji wurden dreizehn silberne Löffel ausgegraben, sechs kleinere und sieben größere. Eine Abbildung der kleineren findet man bei Overbeck-Mau, Pompeji, 4. Auflage, S. 444.

[58] Petron c. 66.

[59] Martial 7, 22, 17.

[60] Vgl. W. Helbig, Führer durch die Sammlungen der klassischen Altertümer in Rom, Nr. 715.

[61] Die Gelage enden der Regel nach nie spät; nur der Berufssäufer trinkt bis zum Morgen; es schien schon ungeheuerlich, daß Nero epulas bis noctem protrahebat (Suet. Nero 27).

[62] Hierüber meine Kulturgeschichte, 3. Aufl., S. 49 f.

Auf der römischen Heerstraße.

[63] Für die nachfolgende Studie kam mir das Buch von Wolfgang Riepl zur Hilfe: „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“ (Leipzig 1913); es ist von mir besprochen in der Historischen Zeitschrift, Bd. 113, S. 571 ff.

[64] Vgl. Herodot V, 105.

[65] Philostrat II, S. 378, 12 ed. Kayser.

[66] Über Iris vgl. Neue Jahrbücher XIX (1907), S. 707 f.

[67] Plinius handelt in seiner Naturgeschichte VII, 84 über namhafte Schnelläufer und ihre Leistungen; aber er weiß da als Beispiele nur Griechen zu nennen, und indem er schließlich auch nach einem römischen Namen sucht, findet er keinen einzigen außer Tiberius, der Tag und Nacht zu seinem erkrankten Bruder Drusus nach Germanien eilte, aber im Wagen! Das ist bezeichnend.

[68] Livius 26, 35.

[69] Livius 34, 1, 5 und 2, 12.

[70] Juvenal 11, 2.

[71] Varro de lingua lat. 6, 27.

[72] Sueton, Vespasian c. 8.

[73] Von den viae vicinales sind die Kommunalstraßen, viae communes, und von diesen wieder die viae publicae verschieden; an den Vicinalwegen steht angeschrieben, wer den Weg in Ordnung zu halten hat; s. Agrimensoren ed. Thulin I, S. 110.

[74] Livius 22, 7.

[75] Livius 21, 9.

[76] Livius 21, 20.

[77] Cicero pro Balbo 34; Lucrez 3, 1032.

[78] d. h. 20 Millien; Vegetius de re mil. 1, 9.

[79] Riepl, S. 129. Ich entnehme dem Buch Riepls einige weitere Angaben. Caesar soll einmal am Tag 75 km zurückgelegt haben (S. 132); der mazedonische König Philipp III. gar 90 km (S. 134). Mit welcher Vorsicht solche Angaben aufzunehmen sind, habe ich im Rhein. Museum Bd. 70, S. 253 f. gezeigt: Hannibal sollte nach der Schlacht bei Cannä in fünf Tagen mit seiner Reiterei in Rom sein und Rom einnehmen können; Riepl bemüht sich ernstlich, dafür die tägliche Kilometerzahl auszurechnen. Ich habe aber nachgewiesen, daß die Fünfzahl im Altertum nur eine ungefähre Summe ist, die nichts weiter als „in kurzer Zeit“ bedeutet. Die Beispiele, die ich für diesen Sprachgebrauch dort beibrachte, könnte ich jetzt noch vermehren, und so wird es dann auch wohl mit der Angabe nicht besser stehen, daß Ämilius Paulus in 5 Tagen von Delphi zu seinem Heer nach Mazedonien eilte (Riepl, S. 151). Zur Vergleichung seien noch einige Marschleistungen der neueren Zeit hierhergesetzt, deren Kenntnis ich der Güte des Generalleutnants August Beß, Exzellenz, verdanke. Man rechnet heute als höchste Marschleistung in 24 Stunden für Kavallerie und reitende Artillerie 80 km, für Kavalleriepatrouillen 120 km, für Infanterie 50 km. Die Leistungen werden aber oft beeinträchtigt durch den Einfluß der Jahreszeit und Witterung, der Wege und der Größe des Truppenverbandes selbst. Friedrich der Große und Prinz Heinrich haben nicht selten 30 bis 40 km an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen von ihren Truppen verlangt, obwohl sie damals noch in steter Schlachtbereitschaft marschierten. Einzelleistungen: auf der Verfolgung nach Jena im Jahre 1806 hat die Avantgarde des Korps Lannes auf tiefsandigen Wegen 100 km in 50 Stunden zurückgelegt, also 48 km in 24 Stunden. Unter Diebitsch wurde 1831 von Wysoko nach Pyski an einem Tag 7 Meilen, 50 km marschiert. 1864 zog das dritte preußische Korps von Christiansfeld bis Warnitz-Apenrade in 12 Stunden 6½ Meilen (bis 45 km); 1870 am 16. und 17. Dezember das neunte Korps bei starkem Regen und sehr schlechtem Wetter von Blois nach Orleans, etwa 70 km in 33 bis 36 Stunden (einschließlich Nachtruhe).

[80] Riepl, S. 149.

[81] Philostrat II, p. 43, 27 ed. Kayser.

[82] Noch Claudian schrieb ein Gedicht De mulabus Gallicis.

[83] Gellius 15, 4.

[84] Anders als im letzten Weltkriege. Ich möchte die Worte hierher setzen, die Exzellenz Gröner Anfang März 1917 in Düsseldorf im Verein der Eisenhüttenleute gesprochen hat: „Heute müssen die Heere auf Räder von Eisen gestellt werden, und so rollen sie dem Feinde entgegen, von einem Kriegsschauplatz zum anderen, und die Eisenindustrie liefert dem Heere nicht nur die Beine, sondern vor allem auch die stahlgepanzerte Faust.“

[85] Die Sache scheint befremdlich (vgl. H. Delbrück, Preußische Jahrbücher Bd. 167, S. 211 Anmerkung); für Trajan aber haben wir das Zeugnis der Trajanssäule und Plinius Panegyr. 14; für Alexander Severus die Vita 48, 4; für Caesar Sueton Caes. 57; für Marius Plutarch Mar. 13. Weniger beweisend ist das περιϊών bei Plutarch im Leben des Antonius c. 47 und Lukull als πεζός Plut. Lukull 28. Dagegen sehen wir den Agricola zu Pferde (Tacitus Agr. 35), ebenso Sulla (Plut. Sulla 21), ebenso Maximin (Script. historiae Aug. Maximin 12); vgl. auch Livius 22, 3, 11 u. 49, 3. Genauer schreibt Claudian De IV. consul. Honorii 349 dem Imperator vor: nunc eques in medias equitum te consere turmas, nunc pedes assistas pediti; d. h. schließt der Oberfeldherr sich der Infanterie an, so soll er zu Fuß gehen, mit der Kavallerie reiten.

[86] Expedire heißt eigentlich den Fuß befreien, wie impedire den Fuß hemmen, compedire die Füße mit Fesseln zusammen schließen. Jenes bestand darin, daß man das schleppende Kleid hoch gürtete; der Kriegsmann geht cinctus, d. h. er gürtet das Kleid. Wichtig zum Verständnis ist, daß der alte Plautus Amph. 308 schreibt: cingitur: expedit se: „er gürtet sich, er will freien Fußes losfahren.“ Das wird hernach im übertragenen Sinn gebraucht, und Livius schreibt 38, 21: expedire se ad pugnam, d. i.: „alles Gepäck beiseite werfen, um kämpfen zu können.“ Deshalb heißt „Expedition“ in der alten Heeressprache dasjenige militärische Unternehmen, bei dem ein Wagentroß nicht mitgeführt wird; so wiederum bei Livius: cum promptissimis iuvenum praedatum atque in expeditiones ire. Wer promptus ist, ist expeditus. Vgl. auch Hirtius, Bellum Gallicum VIII, 34, wo es die expediti sind, die nächtliche „Expeditionen“ unternehmen.

[87] Seneca, Epistel 87 und 123, 7. Gute Abbildungen bespannter Wagen sind selten; um so wertvoller das neugefundene griechische Marmorrelief aus älterer Zeit: Archäol. Jahrbuch 1918, Anzeiger S. 15, Abb. 13.

[88] Statius Silven 3, 5, 75.

[89] Seneca Ep. 77.

[90] Juvenal 14, 265 ff.

[91] Tacitus Ann. 2, 53 und 61.

[92] Horaz, Ep. 1, 11, 11.

[93] iter solum per avia nemorosa, Mosella Vers 5.

[94] Auf „Gehen“ weisen alle Wörter, die da Ausonius braucht: transieram V. 1, ingrediens V. 5, per avia V. 5, praetereo V. 7. Ich verstehe nicht, wie Hosius S. 26 seiner Ausgabe ansetzen kann, Ausonius sei dort auf der Römerstraße mit der Reichspost gereist.

[95] ὁδοιπόρος ist der Reisende nur, sofern er zu Fuß geht (vgl. z. B. Plutarch Antonius c. 62). Nach der Überlieferung lautet der Titel des Gedichtbuches des Persius freilich nur „opericon librum unum“ (Sueton p. 75 R.). Äußerlich näher läge es, dies in „ὀπωρικῶν librum unum“ zu verbessern. Dies wären Lieder zur Obsternte. Indes ist ὀπωρικός ein Wort, das sich kaum belegen läßt, und ich halte deshalb an dem im Text Gegebenen fest. Vgl. übrigens hodoeporium genus (?) cantilenae; G. Esau, Glossae ad rem librariam pertinentes, Marburg 1914, S. 109.

[96] viam vorare, Catull 35, 7. Man hat hierfür an den modernen „Kilometerfresser“ erinnert.

[97] Rhein. Museum Bd. 69, S. 390.

[98] Apostelgeschichte 20, 13: πεζεύειν.

[99] Digesten II, 11, 1; Riepl, S. 145.

[100] Apostelgesch. 28, 11, vgl. übrigens E. Aßmann in Baumeisters Denkmälern, S. 1623.

[101] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 474; meine Katalekton-Ausgabe, S. 123.

[102] G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, 2. Aufl. S. 277.

[103] Vgl. Cicero pro Roscio Amerino 18.

[104] Horaz, Ep. I, 11, 11.

[105] Cicero pro Cluentio 163: Ambivius homo multorum hospes, copo de via Latina.

[106] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 472. Ein As sind etwa 4 Pfennige.

[107] Das Bett ist offenbar bei dem Posten „Mädchen“ mit eingerechnet.

[108] naves tabellariae, naves cursoriae.

[109] Ein anderer herrlicher Schiffstyp waren die myoparones der kleinasiatischen Piraten, deren sich z. B. Mithridates bediente, um an Sertorius in Spanien rasche Nachricht zu bringen: vgl. Cicero Verrinen 1, 86 f.

[110] Sueton, Octavian 49.

[111] Riepl, S. 221.

[112] Riepl, S. 263.

[113] S. 181.

[114] Tacitus Historien 2, 54.

[115] Plutarch Galba 7.

[116] Vgl. das ambulare per Britannos, Vita Kap. 16. Einmal hören wir, daß Hadrians Wagen zerbricht; er reist dann zu Fuß und überholt den gleichzeitig laufenden Militärboten: Vita 2, 6.

[117] Vita Kap. 23.

[118] Ein gewisser Oppius hatte das damals zeitweilig in Händen.

[119] Riepl, S. 142.

[120] Den regen Betrieb veranschaulicht uns auch Cicero ad Atticum 2, 12: Cicero reist eben über Land und hat auf der uns bekannten Station Tres Tabernae schon frühmorgens einen Brief an Atticus abgehen lassen. Als er nach Forum Appi kommt, ist es immer noch Vormittag; da schreibt er abermals an ihn und erzählt nun: „eben war ich in Tres Tabernae angelangt, da läuft Curio (ein guter Bekannter), der aus Rom kommt, mir entgegen, und gleich kommt da auch dein Diener mit den Briefen von dir an. Erst höre ich den Curio erzählen; politische Neuigkeiten: „weißt du’s noch nicht? Publius will Tribun werden.“ „Und was macht Caesar?“ und so fort. Ich umarme ihn, entlasse ihn und reiße sofort deine Briefe auf; sie melden dasselbe.“ Diesen Brief kann Cicero nun aber nicht gleich an Atticus abgehen lassen; ein Bote fehlt, und er wird erst am folgenden Tag abgeschickt (Riepl, S. 259).