WeRead Powered by ReaderPub
Aus der Jugendzeit; Historie von der schönen Lau cover

Aus der Jugendzeit; Historie von der schönen Lau

Chapter 12: Im Frühling.
Open in WeRead

About This Book

A compact collection pairs lyrical poems with a short narrative, tracing youthful memory, tender longing, and rural reverie. Brief lyrics render dawn, wind, winter mornings, and private encounters in musical, concise language, while occasional homely admonitions and dialogues offer sober advice and social observation. Pastoral imagery and folk motifs infuse courtship, nostalgia, and playful scenes with mythic resonance. The longer prose piece complements the poems by folding legend and romance into the same tonal world, producing a quietly reflective portrait of early feeling, imagination, and the consolations of nature.

Im Frühling.

Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel:
Die Wolke wird mein Flügel,
ein Vogel fliegt mir voraus.
ach, sag' mir, alleinzige Liebe,
wo du bleibst, daß ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
sehnend,
sich dehnend
in Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann' werdWann werd' ich gestillt?

Die Wolke seh' ich wandeln und den Fluß,
es dringt der Sonne goldner Kuß
mir tief bis ins Geblüt hinein;
die Augen, wunderbar berauschet,
tun, als schliefen sie ein,
nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,
ich sehne mich, und weiß nicht recht nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
mein Herz, o sage,
was webst du für Erinnerung
in golden grüner Zweige Dämmerung?
— Alte, unnennbare Tage!