»Herr Graf!
»Verzeihung, daß ich schreibe. Sie haben zu uns kommen wollen und sind nicht angenommen worden. Jetzt komme ich zu Ihnen – werden auch Sie mich zurückweisen?
Nicht ich bin es, welche die großmüthig dargebotene Hand zurückgestoßen. Er that es, Er, für den ich keinen Namen weiß; denn jeder Name, den ich ihm geben würde, wäre eine Schande für mich. Doch ja, meinen Kerkermeister will ich ihn nennen.
Morgen geht er fort. Ich erwarte Sie. Werden Sie kommen? Es hängt von Ihnen ab, ob verzweifeln oder gerettet werden soll
Feodora Freiin von S.«
Ich hielt den Brief ganz erstarrt in meinen Händen und sah noch immer hinein, nachdem ich ihn schon lange gelesen hatte. Ich kannte die Frau, die mir schrieb – sie war aus Berlin – eine Jugendfreundin meiner Mutter. Von ihrem Schicksale nachher, jetzt nur so viel, daß ich ihrer Aufforderung hätte Folge leisten müssen, selbst wenn ich mich nicht freiwillig zum Bankier aller Heimathlosen gemacht gehabt. Sie hatte an mich ohne Adresse geschrieben, mein Name war in den Bergen nicht bekannt, nur meine Person und mein Geld. Was wird sie sagen, wenn ich mich ihr nenne? dachte ich. Doch sie schien »to take it coolly« wie Jacob Faithful sagt. Ihr Brief mißfiel mir ungemein. So ganz und gar theatralisch, und das von einer Frau, die wenigstens gegen funfzig Jahr sein mußte. Und wie sie nur dort hinauf und hineingerathen sein mochte? – Was ich von ihrer Geschichte wußte, war schon nicht sehr erbaulich, aber noch widerlicher mußte der Fortgang derselben sein. Indessen noch ein Mal, entziehen durfte ich mich ihrer Aufforderung nicht, und so stieg ich den andern Morgen in kalter grauer Frühe zu Esel und ritt hinauf.
»Die stille Hütte« lag etwa noch eine Stunde hinter der Pietro's. Gegen elf ungefähr kam ich an, – allein, denn Pietro sollte mich nicht begleiten, hatte die Dame gesagt. Aber wenn gleich der Herr nicht, der Hund lief mit mir – Tiger wäre nicht zurückzuhalten gewesen, sobald er mich sah. Mit Tiger langte ich demnach bei der Freiin von S. an, welche sich in einer so ungewöhnlichen Wohnung und in einer so unglaublichen Lage befand.
Ich war etwas entfernt vom Hause abgestiegen, doch mußte sie mich gehört haben, denn sie öffnete die Thür, noch ehe ich davor war. Pietro hatte Recht – die Frau mußte schön gewesen sein. Sie hatte eines jener Profile, die unzerstörbar sind, weil sie klassisch sind. Ihre Haltung war graziös – etwas Magdalene darin, aber auch noch viel Hochmuth. Die Frau gefiel mir eben so wenig als ihr Brief.
Unsere Begrüßung war die sonderbarste und lächerlichste für den Ort und die Umstände, gerade weil sie an jedem andern Ort und unter allen andern Umständen die alltägliche gewesen wäre.
Ich sagte: »Ich habe die Ehre –«
Sie antwortete, mir die Thür zeigend: »Darf ich bitten.«
Ich folgte ihr – den Esel hatte ich angebunden – Tiger folgte mir.
»Was haben Sie da für einen eigenen Hund, Herr Graf«, sagte sie im natürlichsten Tone.
»Verzeihung, meine Gnädige«, rief ich und stieß Tiger hinaus.
Als ich zurückkam, bot sie mir einen Schemel an. Ich setzte mich und überreichte ihr meine Karte. Sie las meinen Namen, »Gott!« rief sie, und gerieth in Aufregung, »dieser Name! Ich kannte Ihre Familie, wenn Sie aus Berlin sind?«
»Und Sie, gnädigste Frau, entflohen vor zwanzig Jahren mit – –« ich schämte mich fortzufahren.
Sie lächelte bitter: »Ja, es war vor zwanzig Jahren einmal Mode, daß vornehme Frauen mit Candidaten – entflohen, wenn Sie die Güte haben wollen, es so zu nennen. Ich nenn' es anders. Hoffentlich ist mein Geschlecht wenigstens von dieser Thorheit zurückgekommen?«
»Ja, gnädige Frau, die Candidaten sind jetzt ungefährlich. Sie verloben sich, ehe sie Hauslehrer werden.«
»Tant mieux, tant mieux,« sagte sie nachlässig. Plötzlich faßte sie mich scharf und energisch ins Auge und sprach mit Lebhaftigkeit: »Ich sehe, daß ich Ihnen keine Theilnahme einflöße. Auch begehr' ich keine, aber Hülfe fordere ich. Wollen Sie mir die versprechen?«
»Wozu?« fragte ich mißtrauisch.
»Wozu?« wiederholte sie spöttisch. »Fürchten Sie, ich wolle Sie zu einer Rolle in einem Trauerspiele dingen? Wozu anders, als mir zu helfen, daß ich von dem Menschen loskomme.«
»So sprechen Sie von Demjenigen, um dessenwillen Sie Alles verlassen haben, sogar Ihre zwei Kinder?« fragte ich mit Ironie.
»Wenn ich nicht um seinetwillen meine Kinder verlassen hätte, würde ich wahrscheinlich anders von ihm sprechen,« sagte sie rauh. »Glauben Sie mir, wir verzeihen es einem Manne nicht, ihm Alles geopfert zu haben.«
»Haben wir denn Zeit, ein solches Gespräch zu führen, gnädige Frau?«
»Ja. Er ist nach Gruyères hinüber, kommt erst heute Abend wieder.«
»So läßt er Sie denn doch allein?«
»Weil er mir vertraut.«
»Wie es scheint, etwas zu sehr,« bemerkte ich.
»Er glaubt, daß ich ihn noch liebe,« sprach sie verächtlich. »Ihn noch lieben nach zwanzig Jahren der Entbehrung, der Erniedrigung, besonders nach den letzten Jahren, die ich hier zugebracht! Es gehört eine Eitelkeit wie die seine dazu, um das glauben zu können.«
»Verzeihung,« sprach ich ernst, »ich glaubte bisher immer, Nichts verkettete so unauflöslich wie gebrachte Opfer, gemeinschaftliche Entbehrungen.«
»Phrasen«, erwiederte sie mit ungeduldiger Bewegung. »Bringen Sie z. B. ein Mal einer Frau Ihre ganze Carriere zum Opfer –«
»Ich habe keine Carriere.«
»Oder Ihre Ehre.«
»Das thäte ich nicht.«
»Dergestalt, daß Sie nie Etwas aufopfern würden? Dann können Sie mich freilich nicht begreifen.«
»Ich würde um einer Geliebten willen Alles aufgeben, was ein Mann aufgeben darf – alles Persönliche außer der Ehre, Alles sonst, außer dem Vaterlande. Und wenn ich es gethan, würde ich wo möglich noch mehr lieben, was auch logisch wäre; denn wie theuer muß uns nicht ein Wesen sein, welches wir mit der Totalsumme unserer Existenz erkauft haben?«
»Haben Sie nie werthlose Dinge sehr theuer bezahlt?« fragte sie kalt.
»So ist Herr – Herr –«
Sie souflirte mir seinen Namen, den ich nicht wußte. Wenn meine Mutter die Geschichte erzählte, sagte sie immer blos: »und so ein Candidat!«
»Sie sagen mir also, daß Herr W. Ihrer unwerth sei?«
Sie zögerte einen Augenblick. Dann sprach sie, als mache sie ein erhabenes Zugeständniß: »Vielleicht ist er's nicht mehr geworden, als er von Anfang an war, aber ob er's immer war«, setzte sie stolz hinzu, »wenn Sie ihn gesehen haben, werden Sie mich's nicht mehr fragen.«
»Ich will gern glauben, daß er ein unverdientes Glück gehabt,« sagte ich; »aber, gnädigste Frau, wenn Sie das so gut wußten, warum da –«
Sie sah mich an – ihre ganze Gestalt zitterte vor Zorn. »Und Sie muß ich um Hülfe bitten,« sprach sie langsam; »Es geschieht mir Recht.«
Ich saß stumm, verlegen. Kein gutes Wort wollte über meine Lippen. Nie hatte ich mich so vollkommen abgestoßen gefühlt. Ich, der ich eine fast lächerliche Scheu davor habe, Jemand wer es auch sei, zu beleidigen, ich hätte dieser Frau am liebsten die herbsten Dinge gesagt. Und was hatte sie gethan? Ueber ihren Fehltritt mit ihr zu rechten, fiel mir nicht ein. Sie empfing mich in ihrer Hütte, die übrigens auch inwendig um einige Grade bequemer war, als die andern – sie empfing mich wie in einem Salon – das machte, sie hatte sich das Bewußtsein ihrer Kaste erhalten, und in einer solchen Umgebung bewies das wahrlich einen ungewöhnlichen Charakter. Daß sie verächtlich von dem Manne sprach, dem sie sich hingegeben – vielleicht konnte er kein dauerndes Gefühl einflößen, vielleicht war er ein ordinairer Mensch, was in einer tragischen Situation doppelt unerträglich ist. Was war's denn also, was mich an ihr störte, mich hart gegen sie stimmte? Plötzlich fiel es mir ein – sie hatte noch nicht nach ihren Kindern gefragt. Das war es gewesen, worauf ich gewartet, was ich vermißt.
»Gnädige Frau,« sagte ich, »wenn Sie von mir länger keine Hülfe begehren wollen – ich kenne Ihre Tochter, Frau von M., sehr genau. Sie ist ein edles, liebes Wesen, und ich weiß, daß sie oft um ihre Mutter geweint hat. Schreiben Sie ihr – ich werde den Brief besorgen – Sie werden mir dann für Nichts zu danken haben, als eben für einen besorgten Brief. Was meinen Sie?«
Ich hoffte jetzt auf einige wenige Rührung, oder doch mindestens auf etwas Affekt. Täuschung. Ihre Miene veränderte sich nicht. Mit derselben finstern Bitterheit, die seit dem Beginne des Gespräches um ihren Mund gelegen, erwiederte sie: »Glauben Sie, daß ich mich an meine Tochter wenden will? Daß ich geneigt bin, vor einem edlen Wesen, wie Sie sie nennen, als reuige Sünderin, als arme Bettlerin zu erscheinen? Nein, wahrlich nicht, so lange ich noch meine Sinne habe. Ich bitte Sie, diese Erniedrigung! das wäre ärger, als gebrandmarkt am Pranger zu stehen.«
»Gnädige Frau, Sie sind immer die Mutter.«
»Die Mutter soll ein Vorbild und keine Schande sein.«
Sie mochte in meinen Augen gelesen haben; denn sie fragte: »Sie meinen, das sei ich schon? Gut, doch bin ich dann wenigstens nur eine vergangene, halbvergessene. Eine gegenwärtige, aufgefrischte mag ich nicht werden.«
»Wollen Sie denn Ihre Tochter nie wiedersehen?«
»Hab' ich das Recht dazu? Ich richte mich, Graf, ich weiß, was ich verdiene und was nicht. Doch Sie sprechen immer nur von meiner Tochter – mein Sohn –«
»Ihr Sohn ist todt, gnädige Frau.«
Sie bebte innerlich zusammen; dann sagte sie leise: »Für mich war er ja schon lange todt. Wie war er?« setzte sie fast bittend hinzu.
»Liebenswürdig und gut.«
»Aber nicht bedeutend? Ja, das erkannte ich schon damals; nur sein Vater wollte durchaus ein Genie in ihm sehen.« Sie war wehmüthig geworden.
»Der Baron, gnädige Frau –« sagte ich zögernd.
»Ich weiß«, unterbrach sie mich. »Er starb bereits vor sechs Jahren. Damals las ich noch Zeitungen – so erfuhr ich's. Es war ein braver, rechtlicher Mann.«
»Da Sie nun frei sind,« fing ich nach einigem Schweigen wieder an, »wollten Sie nicht –«
»Mich etwa noch trauen lassen, die Frau dieses Menschen werden, der mich – nachdem ich –« Sie machte eine Geberde des Abscheues, wenn nicht des Ekels.
»Aber Sie müssen ihn doch geliebt haben – sollte denn nicht ein Gefühl mehr –«
»Weiß ich, ob ich ihn je geliebt habe? Ob ich nicht blos aus Langeweile auf dem Lande –« ich sah, sie verachtete sich. Vielleicht aber verläumdete sie sich auch. Ich sagt' es ihr; sie sagte ungeduldig und gereizt: »Möglich, möglich, kann sein – es ist so lange her. Aber jetzt ist's ja auch einerlei, warum ich es that, jetzt handelt es sich nur darum, daß ich frei werde. Verschaffen Sie mir eine Stelle als Ausgeberin, als Verwalterin irgend eines Hauswesens, als Unterlehrerin irgend einer Schule. Ich habe zwar furchtbar viel vergessen, in diesen entsetzlichen Jahren, aber so viel werd' ich doch noch wissen.«
»Und was soll aus Herrn W. werden?«
»Befördern Sie ihn auch nach Amerika. Sie haben ja schon zwei bis drei Subjecte hingeschickt – eines mehr wird ihre Großmuth nicht erschöpfen, nicht wahr? Für mich nur Arbeit und Freiheit vor ihm.«
»Wird er wollen?«
»Behüte,« sagte sie, die Schultern zuckend, »er liebt mich noch. Begreifen Sie das – nach zwanzig Jahren!«
»Aber dann ist's ja entsetzlich, daß Sie ihn verlassen wollen,« rief ich heftig.
»Es klingt so und ist's doch nicht. Glauben Sie, daß ich ihm etwas Anderes bin, als ein stündlicher Vorwurf? daß ich in meinem Herzen etwas Anderes für ihn finde, als Abscheu, besonders seit – Sie haben mich noch nicht gefragt, warum ich hier bin. Wollen Sie es hören?«
»Wozu?« fragte ich wieder.
»Genügt es Ihnen, daß wir unglücklich und strafbar sind?«
»Vollkommen. Es bedarf bei mir keines andern Empfehlungsbriefes; denn ich kann auch unglücklich und strafbar werden.«
»Auf die Manier wie Herr W. nicht. Dazu kenne ich Sie jetzt schon genug, um das zu wissen. Wollen Sie mir die Hand geben?«
Ich that's und sagte: »Verlassen Sie ihn nicht.«
»Ach!« rief sie, mir die Hand entziehend und sich von mir wendend.
»Sie machen eine Schuld durch eine andere nicht gut. Und wenn er Sie liebt. Vielleicht hat er um Ihretwillen auch Alles verlassen –«
»Das Alles des Herrn W!« sagte sie lachend.
»Verzeihung,« sprach ich ernster als bisher; »das bleibt sich gleich. Wer Alles giebt, der giebt Alles, und mag sein Alles sich in einer hohlen Hand verschließen lassen.«
Sie war in Zerstreuung gefallen. Plötzlich fuhr sie auf und sagte lebhaft zu mir: »Sonderbar, daß ich mitten in dieser Misère nie daran gedacht habe, mir das Leben zu nehmen. Das beweist – Feigheit oder Kraft.«
»Ich traue Ihnen Kraft zu,« sagte ich. »Wenden Sie sie nur zum Guten an.«
»Das heißt werden Sie nachträglich die ehr- und tugendsame Ehefrau des Herrn W.«
Dieser Hohn empörte mich. »Wenn Sie es vorziehen, nur seine Maitresse gewesen zu sein – ich habe Nichts dagegen.«
Sie maß mich. »Spricht man jetzt so in guter Gesellschaft?«
»Nein,« erwiederte ich, »aber in schlechter.«
Ich war wüthend auf diese Frau, die gefallen, schlecht, und meiner bedürftig wie nur je ein Wesen des andern sein kann, mir doch trotzte und wie! – Moralisch. Denn ich hatte Recht. Was konnte sie mehr hoffen, als noch ein Mal eine Gattin zu werden, noch ein Mal in eine Gesellschaft zurückkehren zu dürfen? Wenn W., wie ich mir vorstellen konnte, wegen einer infamirenden Schuld sich hier verborgen hatte – ich wollte ihm ja Mittel bieten, sich wieder rehabilitiren zu können. Meine Kasse würde etwas darunter leiden, das sah ich mit ziemlicher Bekümmerniß, indessen, ich wollte mich gern einschränken, um meine Don Quixoterieen wieder einzubringen, nur diese Trennung zwischen zwei Menschen, die so lange Sünde und Noth mit einander getheilt, kam mir unsittlich, ja, förmlich barbarisch vor.
Sie war meinen Ueberlegungen auf meinem Gesichte gefolgt und sagte jetzt unendlich moquant: »Sie rechnen, ob es Ihnen nicht zu theuer kommen könnte, mir zu helfen.«
Erzürnt sprang ich auf. »Gnädige Frau, wenn Sie wollen, daß ich gern thun soll, was ich thun will und thun werde, so beschimpfen Sie mich nicht.«
»Beschimpften Sie mich nicht?« erwiederte sie kaltblütig. »Ich habe nie eine Beleidigung angenommen, ohne eine wiederzugeben.«
»Nein, Sie passen nicht zu Ihrer Tochter,« sagte ich gedankenvoll, fast traurig. Ich hatte jene junge Frau wahrhaft lieb – sie war ganz Strenge in ihren Grundsätzen, Milde in ihren Gesinnungen. Wie konnte sie die Tochter einer solchen Mutter sein?
»Waren Sie immer so, wie Sie jetzt sind?« fragte ich die Baronin.
»Den Anlagen nach, gewiß,« erwiederte sie gleichgültig. »Das Leben entwickelt nur was in uns ist.«
»Ich glaube das nicht. Ich glaube – kennen Sie die Geheimnisse von Paris?«
»Vielleicht vor fünf oder sechs Jahren.«
»Also nach der Zeit, wo ich noch las. Nein, ich kenne sie nicht, aber was wollen Sie mit diesen Geheimnissen?«
Statt der Antwort fragte ich: »Sechs Jahre sind Sie schon hier?«
»D'rüber,« antwortete sie ruhig.
»Aber, guter Gott, wie haben Sie denn gelebt?«
»Wie?« fragte sie und in ihrem Auge hätte man Bände lesen können, »wie?« Sie schien sich sammeln zu wollen, um ihr Dasein, wie es hier gewesen, ein Mal mit aller Kraft aussprechen zu wollen – dann gab sie den Gedanken plötzlich auf und sagte nur: »nun, wie man als Heimathlose lebt.«
Ich betrachtete sie durchdringend und dieses Mal nicht ohne eine Art Antheil. Wenn sie durch diese Prüfung auch nicht geläutert worden, sie hatte sie doch überdauert, das war immer schon viel von einer Frau, verwöhnt, wie sie gewiß gewesen war, heftig, herrisch von Natur, wie sie sich zeigte. »Wie haben Sie's nur gemacht, um sich so zu beugen?« fragte ich zögernd.
»Ich wollt's,« sprach sie, »und nun will ich's nicht mehr. Damit ist Alles gesagt. Doch was wollten Sie mit dem Buche, dessen Sie gedachten – die Geheimnisse, oder wie hieß es?«
»Darin wird der Glaube durchgeführt,« erwiederte ich, »die Seele könne sich mitten in der größten Verderbniß rein erhalten, eine weiße Nymphäa aus einem Pfuhl blühen. Diese Idee ist aus diesem Buche in die ganze Literatur übergegangen, oder nein, sie war wohl schon früher vorhanden und ist nur in diesem Buche am ausgeprägtesten dargestellt. Lies't man es, lies't man die Romane, welche dasselbe darstellen, so möchte man beinah glauben, eine Frau müsse, um tugendhaft zu werden, erst Ehebrecherin sein, ein Mädchen erst fallen, um die Unschuld zu kennen. Das ist nun aber gar nicht meine Ansicht. Ich habe nie etwas von dieser Apotheose der Untreue, dieser Verklärung der Courtisane hören wollen. Meine Ueberzeugung ist, wer äußerlich fällt, fällt auch innerlich. Sie, gnädige Frau, sind jetzt gewiß eben so wenig noch das, was Sie in Ihrem Hause, als die Mutter Ihrer Kinder und der Gegenstand der allgemeinen Achtung waren, wie ein verführtes Mädchen noch schuldlos ist. Sie sind so gewohnt, Ihrer jetzigen Weise nach zu empfinden, daß Sie sich nicht mehr besinnen, je anders gefühlt zu haben; aber ich wollte meine Hand darauf geben – Sie haben anders gefühlt.«
»Und wie?« fragte sie nicht ohne Erschütterung.
»Nicht so versöhnungslos, nicht so eiskalt, nicht so –«
Sie unterbrach mich wieder. »Was Sie sein Advokat sind!«
»Nicht seiner allein, auch der Ihrige. Was wollen Sie anfangen allein in der Welt?«
»Besser tausend Mal allein sein, als länger mit ihm zusammen.«
»So denken Sie jetzt, aber Sie haben es noch nicht versucht. Wenn Sie erst wissen werden, daß in dem Gewirre der Welt kein Herz mehr nach Ihnen frägt, wenn Sie Niemand mehr haben, um sich lieben zu lassen, kein anhänglich Geschöpf mehr, um es zu mißhandeln –«
»Dazu brauch' ich ihn wahrlich nicht. Mißhandeln ist mir kein Bedürfniß.«
»Doch, gnädige Frau, Charaktere wie der Ihrige brauchen das gar sehr.«
»Ich kaufe mir einen Hund,« sagte sie bitter-humoristisch.
»Der beißt Sie,« antwortete ich.
Sie sah mich eine Weile an. »Wenn ich nicht das Lachen verlernt hätte, würd' ich lachen. Was sind Sie eigentlich? Können Sie etwas ernstlich wollen – haben Sie mich zum Besten? Antworten Sie mir – es ängstigt mich jetzt, Sie zu sehen; was wir gesprochen, kommt mir so verrückt vor. Bedenken Sie, ich bin trotz meiner Unwürdigkeit eine arme Frau, die schon deswegen Ansprüche an Sie hat, weil sie sich unbedingt Ihnen anvertraute. Gott, wenn ich mich getäuscht hätte – wenn Sie Hohn mit mir trieben!«
»Gnädige Frau,« rief ich, »vertrauen Sie sich mir an, aber auch wirklich unbedingt, ohne Rück- und Vorbehalt. Legen Sie Ihr Schicksal in meine Hand – ich will es ordnen, Sie sollen noch glücklich werden.«
Sie brach in Thränen aus. Die künstliche Kraft, mit welcher sie sich mir gegenüber gestellt, verließ sie. Jetzt konnte ich Theilnahme empfinden, jetzt mit tiefer Bewegung auf ihre Bekenntnisse lauschen, Bekenntnisse, die Alles enthielten, was ein verirrtes, aber nicht schlechtes Weib in zwanzig Jahren voll Unterdrückung ihres ganzen Wesens, voll Hoffnungslosigkeit, ohne Aussicht, erleiden kann.
Sie war stolz, nicht nur durch Geburt und Erziehung, auch ihrem ursprünglichen Wesen nach – wenn sie keine Scheidung nachgesucht, so war's nur gewesen, um sich nicht zur Heldin eines juristischen Skandals herzugeben – »ich wußte,« sagte sie mir, »das Geschwätz über meine Flucht würde aufhören, sobald ich vergessen wäre, und bis dahin hat es gewiß nicht lange gewährt – höchstens einige Freundinnen außer Ihrer Mutter haben noch bisweilen ihre Kinder von mir unterhalten –«
»Gnädige Frau,« fiel ich ungeschickt ein, »wahrlich, meine Mutter hat stets nur mit großem Bedauern von Ihnen gesprochen.«
»Eben dieses Bedauerns wegen bin ich nicht Pfarrfrau, nicht Das geworden, wozu Sie mich jetzt machen wollen, die Gattin meines interessanten Verführers. Ich hätte es bis an mein Grab ertragen müssen, dieses liebevolle Bedauern! Man hätte gesagt: Die arme Feodora! wie anders hat sie's jetzt, als früher – ja freilich, wenn eine Frau es sich einfallen läßt, einen Candidaten nicht nur zu lieben, sondern auch zu heirathen – glauben Sie mir, eine kleine Liebschaft mit Herrn W. hätte man mir gern verziehen – es gab noch andere Damen, denen er recht gut gefiel – eine Heirath mit ihm wäre ohne Barmherzigkeit als lächerlich verurtheilt worden.«
Ich antwortete absichtlich nicht ohne Spott: »Gnädige Frau, und meinen Sie, man habe Sie weniger lächerlich gefunden, weil Sie sich nur entführen ließen? Glauben Sie mir, Ihr Schicksal hat nie für tragisch gegolten, obgleich es so tragisch ist, wie es nur eines geben kann. Warum Sie keine Scheidung und keine neue Ehe wollten – soll ich es Ihnen sagen? Ihr Stolz als vornehme Frau und als feine und energische Natur sträubte sich gegen die Heirath mit Herrn W. Er war Ihnen nicht ebenbürtig, nicht nur den äußeren Verhältnissen, auch dem innern Standpunkt nach – eine augenblickliche Schwäche allein führte Sie aus Ihrer höhern Sphäre zu ihm. Habe ich Sie und ihn richtig gewürdigt?«
»Ja!« antwortete sie mir schmerzlich und doch mit einer gewissen Freude, erkannt worden zu sein; »daß ich ihn wählte, war mein eigentlicher Fehltritt. An einer bloßen Schuld wäre ich nicht zu Grunde gegangen – an meiner Dummheit verzweifle ich noch heute, wo sie schon zwanzig Jahr alt ist. Doch je älter eine Dummheit ist, je fürchterlicher wird sie. Sie wächst immerfort.«
»Verwandeln Sie die Dummheit.«
»In was?«
»In ein, wenn Sie wollen, freudenarmes, aber lohnreiches Loos?«
Sie verstand mich, ließ die Hände matt sinken, und sah mich mit einem Blicke an, der mich um Erbarmen flehte.
»Sie wollen mir doch gewiß nicht Ihren Beistand nur verkaufen? Quälen Sie mich wenigstens erst, wenn Sie ihn gesehen haben.«
Diese Bitte entwaffnete mich nicht nur, sie war vernünftig. Was für den ersten Augenblick anzufangen, war nun die Frage. Sie bat mich, ich möchte ihr in einem der nächsten Dorfwirthshäuser eine kleine Stube ausmitteln, wo sie sich vor W. verbergen könne, bis ich ihn gesehen und geprüft. Dann sollte ich über die Form ihres ferneren Schicksals entscheiden. »Sie haben vielleicht Recht,« sprach sie traurig, »wenn Sie mich für moralisch incompetent halten. Meine Seele möchte in die Einsamkeit und da ihrer Sünde vergessen. Aber es kann sein, daß dieses Begehren Aufruhr ist, daß es fortan meine Pflicht ist, dieses Mannes zu bleiben, daß meine Buße darin besteht. Finden Sie es so, will ich thun, wie Sie fordern. Sie sind jung und unverdorben – Sie werden besser das Rechte erkennen, als ich.«
Hier ließ der Vorleser das Manuscript sinken, und sah mich an.
Ich sah ihn ebenfalls an, wartend der Dinge, die nachkommen sollten. Als er aber nicht wieder anfing, fragte ich ungeduldig: »Nun, geht's denn nicht weiter?«
»Nein, es geht noch nicht weiter,« versetzte er – »ich habe erst bis hierher geschrieben. Ehe ich fortfahre, sagen Sie mir – würden Sie die Leute verheirathet haben?«
»Ich gewiß nicht,« erwiederte ich ohne mich zu besinnen. »Es heißt: Was Gott zusammenfügt, das soll der Mensch nicht scheiden, und nicht: Der Mensch soll zusammenfügen, was Gott geschieden hat.«
»Also glauben Sie, die Beiden seien von Gott geschieden gewesen?«
»Versteht sich.« Ich antwortete in meinem Eifer mit einem Schweizer Ausdruck. »Durch Gott sowohl, wie früher durch das Gesetz.«
»Nun, ich habe sie trauen lassen,« sagte er trocken.
»Da werden Sie was Schönes angerichtet haben!«
»Calclire, nicht, war moralisch,« sprach er, wieder yankeesirend.
»Moralisch, aber dumm,« versicherte ich ihm.
Er legte sein Manuscript auf den Tisch, stützte Arm und Kopf auf und vertiefte sich in Nachdenken, bis der Thee kam. Dann sagte er plötzlich bestimmt, seine Tasse entgegen- und vom Teller eine Brezel wegnehmend: »Sie täuschen sich; ich bin ganz gewiß, daß die Ehe gut ausfallen wird.«
»Wenn Sie dessen gewiß sind, ist's ja gut,« sprach ich lachend. »Beweisen Sie es nur dem Leser.«
»Ich schreibe das Ding nicht fertig,« sagte er entschieden.
»Und warum denn nicht?«
»Sie sprechen heute klassisch schweizerisch. Weil Sie die Heirath dumm finden.«
»Ich finde sie dumm, Andere finden sie vielleicht klug.«
»Möglich, ich hoffe es sogar, aber ich mache die Novelle doch nicht fertig.«
»Des Menschen Wille –« sagte ich. »Nehmen Sie Quittensaft?«
»Danke. Nehmen Sie meine Novelle?«
»So wie sie da ist?«
»Und warum denn nicht?« machte er mir nach. »Sie wollten sie ja als Schluß Ihres Buches?«
»Aber ordentlich geschlossen, nicht so in der Mitte abbrechend, wie eine nicht fertig gewordene Brücke.«
»O,« sprach er mit unnachahmlicher Kühle, »für Ihr Buch ist sie schon noch gut genug.«
»Dann schreibe ich auch unser jetziges Gespräch dazu.«
»Und Sie müssen mir noch sagen, wohin Sie Ihr glückliches Paar befördert haben. Vermuthlich auch nach Amerika?«
»Nein,« versetzte er gelassen, »nach Australien.«
»Das ist jedenfalls eine Abwechselung,« sprach Otto, der uns bisher mit ziemlich spottender Miene zugehört hatte.
»So mein' ich auch,« entgegnete Wladislav.
»Aber Pietro?« fragte ich weiter.
»Pietro hat zwei Ziegen und wir correspondiren mit einander.«
»Die Ziegen und Sie?«
»Nein, ich und Pietro.«
»So einen Brief müssen Sie uns ein Mal zeigen,« sprach Otto.
Wladislav schüttelte den Kopf. »Briefgeheimniß – unverletzlich.« Dann bat er mich um die zweite Tasse Thee. Ich goß sie ihm ein, und that eine dritte Frage, nach Tiger.
Wladislav wurde roth. »Haben Sie nie in meinem Zimmer einen Hund kläffen gehört?«
»Allerdings, und ein eigenes, jämmerliches Gekläffe war's.«
»Nun, das ist Tiger,« sagte er lächelnd und zögernd.
»Warum haben Sie ihn denn nie bei sich?«
»Ich schäme mich, weil er so häßlich ist,« bekannte er leise.
Wir lachten ohne Umstände. »Sie sind,« sagte ich –
»Ich bin der Wladislav,« unterbrach er mich treuherzig, bittend.
»Kriegen wir nicht wenigstens das Nondescript zu sehen?«
Wladislav schwankte ein wenig. Dann aber sprach er sanft: »Nein, das arme Vieh ist gar zu schauderhaft – Sie würden ihn gewiß im Traume sehen.«
Hier kam man, ihm den Wagen anzusagen. Er erhob sich etwas widerstrebend. »Aus dem warmen Salon in die feuchte Nacht,« sagte er sich in der Erwartung schüttelnd.
»Es ist erst sieben, also noch Abend,« tröstete ich ihn.
»Und gestern schien der Mond, deßwegen ist's heute nicht finster,« setzte er mürrisch hinzu. »Sie sind –«
»Ich bin Ihre Freundin, die Ihnen eine glückliche Reise wünscht, eine frohe Heimkehr –«
»Und ein langes Leben und eine selige Urständ,« fiel er mir in die Rede. »Ich weiß das Alles schon – bleiben Sie mir gesund, oder vielmehr werden Sie Sich selbst gesund – es ist ein klägliches Ding, immer so krank zu sein.«
Damit reichte er mir ingrimmig die Hand, schüttelte die meine so derb, daß ich schrie, und ging, von Otto begleitet, nach der Thür. Dort kehrte er plötzlich wieder um, kam zurück an den Tisch, sah mich scharf an und fragte: »Wie finden Sie denn nun eigentlich meine Novelle, d. h. meine wahre Geschichte?« – »Barock und formlos,« antwortete ich, »auch mit Nachlässigkeiten des Styles und Wiederholungen von Worten reichlich gesegnet, aber dabei besonders genug und deßwegen –« – »Schon gut!« Damit hemmte er meine Kritik, flüsterte mir dann vertraulich zu: »Ich will es Ihnen nur sagen: gerade so finde ich sie auch;« und ohne mir noch ein Mal Adieu zu bieten, schritt er nun wirklich aus der Thür.
Hofbuchdruckerei der Gebr. Jänecke in Hannover.
Hinweise zur Transkription
Der Schmutztitel wurde entfernt.
Das Originalbuch ist in Fraktur gesetzt.
Darstellung abweichender Schriftarten: gesperrt, Antiqua.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,
Seite 18:
im Original "für den armen Menschen ist's tödtlich."
geändert in "für den armen Menschen ist's tödtlich.«"
Seite 72:
im Original "haben Sie nicht wieder neue Pensionaire bekommen?"
geändert in "haben Sie nicht wieder neue Pensionaire bekommen?«"
Seite 72:
im Original "»Herr Leon auch.« Er war aber schon mehrere"
geändert in "»Herr Leon auch. Er war aber schon mehrere"
Seite 82:
im Original "Die Engländerin konnte kein Wort Französich"
geändert in "Die Engländerin konnte kein Wort Französisch"
Seite 89:
im Original "wir sind ganz allein,« sagte Pauline plötzlich.«"
geändert in "wir sind ganz allein,« sagte Pauline plötzlich."
Seite 104:
im Original "»Das machte Pauline ungeduldig, regte sie auf."
geändert in "Das machte Pauline ungeduldig, regte sie auf."
Seite 104:
im Original "Und warum erkundigte sich sich denn nicht"
geändert in "Und warum erkundigte sie sich denn nicht"
Seite 108:
im Original "meine junge Frau vorstellen zu dürfen«"
geändert in "meine junge Frau vorstellen zu dürfen.«"
Seite 108:
im Original "Sie scheinen sich wunderbare Gedanken"
geändert in "»Sie scheinen sich wunderbare Gedanken"
Seite 110:
im Original "»Aber ich weiß Alles, sagte lachend Pauline."
geändert in "»Aber ich weiß Alles,« sagte lachend Pauline."
Seite 110:
im Original "Ich möchte gern von seiner Braut hören."
geändert in "Ich möchte gern von seiner Braut hören.«"
Seite 128:
im Original "Eben sprach ich sehr kennntnißreich und weise"
geändert in "Eben sprach ich sehr kenntnißreich und weise"
Seite 147:
im Original "ihm, dem Überlegenen, Widerstand zu leisten"
geändert in "ihm, dem Ueberlegenen, Widerstand zu leisten"
Seite 147:
im Original "sollte sie gleich bei ihrer Rückhehr"
geändert in "sollte sie gleich bei ihrer Rückkehr"
Seite 192:
im Original "er mochte ungefähr fünf- bis sechsund zwanzig sein"
geändert in "er mochte ungefähr fünf- bis sechsundzwanzig sein"
Seite 206:
im Original "Die Waadtländer sind so gelassen üller Alles"
geändert in "Die Waadtländer sind so gelassen über Alles"
Seite 209:
im Original "sich ver-verbergen wie die Schlangen"
geändert in "sich verbergen wie die Schlangen"
Seite 210:
im Original "den Berliner – Schönen auf die wunderbare Manier"
geändert in "den Berliner-Schönen auf die wunderbare Manier"
Seite 224:
im Original "nahm seinen klugen Blick an und anwortete"
geändert in "nahm seinen klugen Blick an und antwortete"
Seite 232:
im Original "»to take it coolly« wie Jacob Faitful sagt"
geändert in "»to take it coolly« wie Jacob Faithful sagt"
Seite 242:
im Original "»Ich that's und sagte: »Verlassen Sie ihn nicht.«"
geändert in "Ich that's und sagte: »Verlassen Sie ihn nicht.«"
Seite 242:
im Original "ernster als bisher; das bleibt sich gleich"
geändert in "ernster als bisher; »das bleibt sich gleich"
Seite 245:
im Original "sich so zu beugen? fragte ich zögernd"
geändert in "sich so zu beugen?« fragte ich zögernd"
Seite 248:
im Original "wenn Sie Hohn mit mir trieben!"
geändert in "wenn Sie Hohn mit mir trieben!«"
Seite 254:
im Original "Sie uns ein Mal zeigen, sprach Otto"
geändert in "Sie uns ein Mal zeigen,« sprach Otto"
Seite 256:
im Original "»Barock und formlos,« anwortete ich"
geändert in "»Barock und formlos,« antwortete ich"