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Aus Indien

Chapter 29: Fluß im Urwald
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About This Book

A series of travel sketches and diary fragments chronicles a voyage through the eastern seas and Ceylon, offering vivid sensory accounts of shipboard nights, canal stoppages, tropical landscapes, port arrivals, and street impressions. The narrator observes local customs and fleeting encounters with other travelers and residents, attending closely to light, sound, and mood. Interspersed poems and journal pages lend a reflective, sometimes melancholic tone, producing compact vignettes that meditate on displacement, cultural difference, and the small, telling incidents that shape the experience of travel.

Fluß im Urwald

Seit tausend Jahren fließt er durch den Wald

Und sieht der nackten braunen Menschen Hütten

Aus Holz und Rohrgeflecht erstehen und vergehn.

Sein braunes Wasser wälzt im lauen Schwall

Laub und Geäst und dunkeln Urwaldschlamm

Und gärt in brennend steilem Sonnenbrand.

Nachts kommt der Tiger und der Elefant

Und badet lärmend seine schwülen Kräfte

Und brüllt in dumpfer Wollust durch den Wald.

Am Ufer rauscht im trüben Schlamm und Rohr

Das schwere Krokodil, heut wie vor tausend

Und hunderttausend Jahren; scheu und schlank

Bricht durch den Schilf der wilde Jaguar.

Hier leb’ ich stille Tage hin im Wald

In röhrener Hütte und im leichten Einbaum

Und selten rührt ein Klang der Menschenwelt

Verschlafene Erinnerungen wach.

Am Abend aber, wenn die rasche Nacht

Sich feindlich naht, steh’ ich am Fluß und lausche

Und höre da und dort und nah und fern

Verirrten Laut,

Gesang von Menschenstimmen in der Nacht.

Das sind die Fischer und die Jäger, die

Im leichten Boot der Abend überrascht

Und denen kindlich tiefe Furcht das Herz erschlafft,

Furcht vor der Nacht und vor dem Krokodil

Und vor den Geistern der Verstorbenen,

Die nachts sich regen überm schwarzen Strom.

Fremd ist das Lied und mir kein Wort vertraut,

Und klingt mir doch nicht anders, als daheim

Am Rhein und Neckar mir ein Abendlied

Der Fischer oder Mägde klingt: ich atme Furcht

Und atme Sehnsucht, und der wilde Wald

Und fremde dunkle Strom ist mir wie Heimat,

Weil hier wie überall, wo Menschen sind,

Sich zage Seelen ihren Göttern nähern,

Den Schreck der Nacht beschwörend durch ein Lied.

Heimkehrend in der Hütte kargen Schutz

Leg’ ich mich nieder, ringsum Wald und Nacht

Und gläsern schrillender Zikadensang,

Bis mich der Schlaf entführt und bis der Mond

Die bange Welt mit kühlem Schimmer tröstet.