WeRead Powered by ReaderPub
Aus meinem Jugendland cover

Aus meinem Jugendland

Chapter 3: Vorwort.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A sequence of personal recollections that follow early childhood into youth and early adulthood, blending immediate sensory memories with later reflective passages. The narrator recalls family life, relocations, schooling, and playful domestic incidents alongside encounters with friends, travelers, and cultural figures. Episodes alternate anecdote and meditation, tracing the development of aesthetic sensibility, moments of crisis and consolation, and travels that broaden perspective. Structured as episodic vignettes arranged roughly in chronological order, the work links intimate detail to wider cultural and intellectual impressions that shaped the narrator’s formation.

Vorwort.

Das vorliegende Buch bildet gewissermaßen eine Fortsetzung und Ergänzung der Lebensgeschichte meines Vaters und die Überleitung zu den „Florentinischen Erinnerungen“, in denen ich die Charakterbilder meiner verstorbenen Brüder einzeln gezeichnet habe. Da ich bei der Niederschrift der genannten Bücher nicht daran dachte, auch einmal die eigene Entwicklung zu erzählen, sind in beiden gelegentlich Dinge vorweggenommen, die hier mit größerer Ausführlichkeit behandelt sein wollten. Doch bin ich hierin nur dem Gesetz des Gedächtnisses gefolgt, das gleichfalls die Ereignisse nicht am langen Faden aufreiht, sondern das Zusammengehörige, auch wenn es zeitlich getrennt ist, aneinanderknüpft.

Natürlich kann das Bild, das ich von meiner damaligen Umwelt gebe, kein vollständiges sein. Es haben wertvolle Menschen meinen Jugendweg gekreuzt, deren hier keine oder nur flüchtige Erwähnung geschieht. Die Wahl der eingeführten Personen bestimmt sich einzig nach ihrem Einfluß auf meinen Werdegang. Und ein solcher Einfluß hängt ja weit weniger von der wirklichen Bedeutung einer Persönlichkeit ab als von dem Zeitpunkt, wo unsere Lebenswege sich schneiden.

Auch wundere man sich nicht, wenn man in meinen Erinnerungen Größtes und Kleinstes, Völkergeschicke und Jugendeseleien, große Männer und kleine Mädchen bunt beisammen findet. In meinem Jugendgarten wuchsen alle Gewächse Gottes, große und kleine, einheimische und fremde, wild durcheinander. Da gab es himmelstrebende Zedern, wundersame Orchideen, seltene Rosenarten, daneben lustige Bauernblumen und allerhand blühendes Unkraut. Ich pflücke mit vollen Händen, was ich noch erraffen kann. Freilich mußte ich manche lockende Blume nachträglich wieder aus dem Strauß werfen, weil mir persönliche Rücksichten Zurückhaltung auferlegen. Und was die großen Männer betrifft, so nehmen sie die Nähe der kleinen Mädchen nicht übel; ja sie hätten, als sie lebten, die Welt ohne diese Nähe um vieles weniger anziehend gefunden.

Isolde Kurz.