Lektion 11.
Esche und Ulme.
Nächst der Eiche sind die beiden nützlichsten, hartes Holz liefernden Bäume die Esche und Ulme. Sie blühen sehr früh im Jahre, ehe sie sich mit Blättern bedecken.
Man kann Eschen selbst im Winter überall an zwei Merkmalen erkennen. Erstens an den Spitzen der Zweige, die plattgedrückt sind, als wenn sie unter einer Presse gelegen hätten, und zweitens an den schwarzen Knospen, die wie kleine Pyramiden geformt sind (siehe Abbildung S. 54). Kein anderer Baum hat solche schwarzen Knospen. Die Farbe des Stammes ist aschgrau, und die Zweige wachsen sehr zierlich, erst fliehen sie seitwärts von dem Stamm, um dann zu einer zarten, lichten Krone emporzustreben.
Im April fangen die Eschenknospen der Seitenzweige in der Nähe des Gipfels an, sich zu schwarzroten Blütentrauben zu öffnen. Die einzelne Blüte ist sehr klein. Sie hat keine Blumenblätter; sie besteht nur aus einem Fruchtknoten und zwei dunkelvioletten Staubgefäßen. Aber diese zierlichen Blüten stehen so dicht gedrängt, daß der ganze Baum von ihnen bunt schimmert.
Gegen Ende Mai beginnen dann die Blätter sich zu öffnen. Sie stehen sich gegenüber an den Seiten der Zweige, und jedes Blatt ist in sieben oder neun Blättchen zerschnitten, von denen eins als überzählig an der Spitze steht. Auch von anderen Pflanzen sind die Blätter so wie hier zerteilt und du könntest denken, jedes Teilblättchen wäre ein ganzes Blatt. Doch wenn es Blätter wären, müßte eine Knospe an dem Grunde eines jedem, nahe dem Stamme, wachsen und außerdem müßte eine weiter wachsende Spitze am Ende stehen. Doch ist weder das eine noch das andere der Fall, und daraus magst du ersehen, daß alle die Einzelblättchen zusammen ein Blatt bilden, und beim Welken fallen alle Blättchen zusammen ab.
Der Baum ist den ganzen Sommer hindurch sehr schön, und seine blaugrünen Blätter unterscheiden sich deutlich von denen aller anderen Bäume. Aber früh im Herbste werden sie gelb und fallen ab. Dann kann man den Baum an seinen sonderbaren, langen, flachen, schmalen Früchten (siehe Abbildung, 3) erkennen, die in Büscheln von den Zweigen hängen wie ein Schlüsselbund. Sie hängen manchmal noch mitten im Winter am Baume, bis die rauhen Winde sie abreißen.
Man findet oft junge Eschen im Garten wachsend, denn ihre Samen sind sehr keimfähig. Aber Kaninchen lieben die jungen Schößlinge, und so kommen sie selten hoch. Junge Eschenstämme werden oft zu Spazierstöcken und Hopfenstangen verarbeitet, und das Holz der ausgewachsenen Bäume verkauft sich sehr gut zum Wagen- und Möbelbau.
Die Ulme oder Rüster ist ein so allgemein bekannter Baum, daß ihr vielleicht denkt, es sei nichts Interessantes an ihm. Aber habt ihr wohl bemerkt, daß die Zweige einer Ulme bis tief zu dem Boden hinab am Stamme wachsen, wenn sie nicht abgehauen werden. Und sicher wissen viele von euch nicht, daß sich an dem Zweige oft Verdickungen bilden, die ein der Korkrinde ähnliches Aussehen haben. Dies verleiht dem Baume ein kränkliches Aussehen.
Er ist in Wirklichkeit ganz gesund, aber diese Zweige zeigen, daß die Ulme eine der Korkrinde ähnliche Rinde hat. Schon am Stamme ist sie dick und rauh und an den kleinen Zweigen, wo sie keinen Platz hat, sich auszubreiten, bildet sie diese Verdickungen. Der innere Teil der Rinde, Bast genannt, ist sehr zähe und wird zur Anfertigung von Matten und Seilen gebraucht.
Die Feld-Ulme kommt bei uns sehr häufig vor und zwar besonders als Alleebaum und in Parkanlagen, auf Wiesen und Weideplätzen.
Die Berg-Ulme findet in bergigem Gelände ähnliche Verwendung, unterscheidet sich aber von der vorigen durch ihren schwächeren Wuchs und ihre größeren Blätter, die sehr lang zugespitzt und auch behaart sind.
Selbst im Winter könnt ihr eine Menge Knospen an der Ulme zählen, und wenn der April kommt, und ihr durch die Zweige blickt, so werdet ihr eine purpurne Färbung sich über den Gipfel des Baumes ziehen sehen. Dies verursachen die zierlichen purpurnen Blüten, die sich an den Zweigen öffnen. Nun beobachtet den Baum! Gegen Ende April lugen die frischen, grünen Blätter aus den Blattknospen hervor. Aber schon beginnen die breitgeflügelten Früchte zu fallen und werden vom Winde zu Haufen zusammengeweht.
Ihr kennt sicher diese kleinen, flachen, grünlichen Scheibchen, mit einem Klümpchen in der Mitte, das anzeigt, wo der Same sitzt. Sie werden vom Winde am Rande des Feldes und in den Straßen hingetrieben und füllen oft die Rinnsteine. Wenn sie von der kleinblättrigen Feldulme herrühren, so ist es zweifelhaft, ob sie aufwachsen werden. Aber wenn ihr eine großblättrige Bergulme im Garten habt, könnt ihr die Früchte leicht erkennen, weil sie ganz in der Mitte des Scheibchens sitzen, während sie bei der Feldulme näher an die Spitze heranliegen. Diese Samen sind reif, und es lohnt sich, sie zu säen.
Alle großen Waldulmen liefern sehr gutes Bauholz. Sie leben oft vier- bis fünfhundert Jahre, aber die beste Zeit, sie abzuholzen ist, wenn sie ungefähr 120 Jahre alt sind.
Auf der Ulme leben eine Menge Insekten. Das schädlichste von ihnen ist ein Käfer, der sich nach der inneren Rinde durchfrißt und den Saft aufsaugt. Dann bohrt der weibliche Käfer kleine Gänge an beiden Seiten der Röhre. In jeden Gang legt er ein Ei, und wenn die Larven auskriechen, fressen sie das Holz. Die Bäume ganzer Wälder sind schon manchmal durch diesen Ulmensplintkäfer zerstört worden.
Suche den Zweig einer Esche und betrachte Zweige und Knospen. Suche ein Büschel von Eschenfrüchten. Suche die korkartigen Zweige der Ulme und die grünen Samenscheibchen im Mai. Suche in vermoderten Ulmen nach den Gängen des Ulmensplintkäfers.