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Bäume und Sträucher cover

Bäume und Sträucher

Chapter 5: Lektion 2. Wie ein Baum entsteht.
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About This Book

Das Werk wendet sich an junge Leser und erklärt auf klare, einfache Weise die Bedeutung, Lebensweise und Nutzung von Bäumen und Sträuchern. Es behandelt Aussaat und Wachstum, Blüten und Früchte, Blattformen und Aufbau sowie typische Baumarten und ihre Beziehungen zu Vögeln, Insekten und anderen Tieren. Ebenfalls thematisiert werden Hecken- und Gartensträucher, Parkbäume und alltagsnahe Verwendungen von Holz. Zahlreiche natürgetreue Abbildungen und kurze, abgeschlossene Lektionen regen zu eigenen Beobachtungen und praktischer Beschäftigung mit der Natur an.

Lektion 2.
Wie ein Baum entsteht.

Wir sahen im dritten Buche, daß einige Pflanzen viel länger leben als andere. Manche leben nur ein Jahr, bilden Samen und sterben dann. Diese nennen wir einjährige Pflanzen. Andere leben zwei Jahre. Sie treiben im ersten Jahre ihre Wurzeln und Blätter, während sie im zweiten Blüten und Früchte bilden. Diese nennen wir zweijährige. Andere leben viele Jahre lang und heißen ausdauernde oder perennierende Pflanzen. Bäume sind ausdauernd, denn sie leben sehr viele Jahre. Es gibt Eichen, die mehr als tausend Jahre alt sind.

Und doch begannen alle diese alten Bäume ihr Leben als kleine Samen wie die Bohne, die ihr im Blumentopfe zum Keimen brachtet. Wie haben sie es nun fertig gebracht, so lange zu leben? Wir werden dies am besten erfahren, wenn wir uns einen jungen Sämling ansehen.

Man wird leicht imstande sein, irgend einen solchen im Walde zu finden, eine Eiche, eine Buche oder einen Haselnußstrauch, die aus einer in den Boden getretenen Nuß, Buchecker oder Eichel aufgewachsen sind. Ich werde eine Eiche wählen, weil ich eine dicht vor meiner Tür habe und euch ein Bild davon geben kann. Wenn ihr eine Eichel nehmt, sie in den Hals einer Flasche steckt mit der Spitze nach oben und vorher die Flasche mit Wasser füllt, so könnt ihr eine kleine Eiche aufziehen und sehen, ob sie der meinigen ähnlich ist.

Zuerst treibt die Eichel aus einem Spalt einige Wurzeln nach unten. Dann spaltet sich die Schale vollständig, und man kann sehen, wie sich die beiden dicken Keimblätter öffnen, zwischen denen die wachsende Spitze liegt. Diese Spitze wächst nun beständig nach oben und treibt bald einige Blätter. Es ist manchmal eins, manchmal sind es auch zwei, eins über dem anderen, an der Seite des Stammes. Aber wenn der Herbst kommt, werden sicher zwei oder drei dicht zusammen an der Spitze des kleinen Baumes stehen. Unten an jedem Blatte dicht am Stamme sitzt eine kleine Knospe und am oberen Ende des Stammes eine kräftige Knospe, dicker als die übrigen.

Der Unterschied zwischen der Eiche und der Bohne, die wir im dritten Buch beschrieben, ist der, daß ihr Stamm holzig ist. Wenn man ein anderes Eichenpflänzchen desselben Alters aus dem Walde holt und es durchschneidet, so wird man folgendes sehen (Fig. 1, Seite 13). In der Mitte ist ein runder weißer Fleck „p“. Dies ist das Mark oder der weiche Teil, den man aus einem Holunderzweige aushöhlt, wenn man sich eine Knallbüchse machen will. Dann kommt ein Ring von weichem weißlichen Holze „w“. Rund herum sitzt die Rinde „b“.

Junge Eichen.
1. Wachstum nach einem Jahr, 2. nach zwei, 3. nach drei Jahren. r Ring, der von den Knospenschuppen gebildet wird.

Nun wißt ihr, daß das Wasser mit erdigen Bestandteilen darin von den Wurzeln aufsteigen muß, um in die Blätter zu gelangen und hier zur Nahrung verarbeitet zu werden. Es steigt durch diesen Ring lebenden Holzes auf, und wenn es zurückkommt, bildet es neues Holz und neue Rinde, da wo Holz und Rinde zusammenstoßen. Ihr wißt, wie leicht es ist, die Rinde vom Holze abzuschälen. Das kommt daher, daß zwischen dem neuen Holze und der Rinde eine zarte, dünne Zellschicht sitzt, die leicht zerreißt.

Aber wenn der Herbst kommt, nehmen die Wurzeln kein Wasser mehr auf, und der rohe Saft, wie er genannt wird, steigt nicht mehr auf. Die Stengel der Blätter vertrocknen da, wo sie mit dem Stamme verbunden sind und fallen ab. Der Baum ruht während des Winters.

Querschnitt des Eichenstammes.
1. Zweig vom ersten Jahre. 2. Zweig vom zweiten Jahre. 3. Stumpf einer alten Eiche mit Jahresringen. p Mark. w Holz. b Rinde. w2 Holz vom zweiten Jahre. m Markstrahl.

Nun beobachtet eure kleine Pflanze im nächsten Frühling. Ihr werdet sehen, wie aus der dicken Knospe an der Spitze und oft noch aus zwei anderen, die dicht daneben stehen, sich Zweige entwickeln, die eigene Blätter haben. Aber bei einem sehr jungen Baume sterben die kleineren gewöhnlich ab, und der Stamm wächst gerade in die Höhe. Man kann jedoch immer feststellen, wo das neue Wachstum im Frühling begann, weil sich dort ein Ring (s.Abb. S. 12, r) befindet, der von den Schuppen der Knospen zurückgelassen wird. Das Holz des neuen Stückes wird gerade so sein wie das Holz des unteren Stückes im vorigen Jahre war. Aber dieses untere Stück setzt frisches Holz an und wird dicker (Fig. 2, S. 13). Der Saft steigt hinauf und hinunter, und ein neuer Ring von Holz bildet sich außerhalb des alten, ebenso wie ein sehr dünner neuer Ring von Rinde innerhalb der alten. So wird am Ende des zweiten Jahres das alte Stück unter den Schuppen zwei Holzringe haben (w und w2) mit einer Linie dazwischen, die zeigt, wo der Baum im Winter ruhte; das neue Stück dagegen hat nur einen Ring.

Alles dies ist bei solchen kleinen Bäumen schwer zu sehen, und man muß den Querschnitt ansehen. Aber wenn man in den Wald geht, wo Bäume gefällt werden, so wird man an den alten Bäumen die Ringe viel deutlicher sehen, und man wird Vergnügen daran finden, die Stämme zu betrachten und zu zählen, wie alt die Bäume sind. Man kann nicht ganz sicher sein, daß man die Jahre richtig zählt, weil das alte Holz durch das neu wachsende zusammengepreßt wird und sehr hartes Holz in der Mitte des Stammes bildet, das sogenannte Kernholz. Aber sicherlich ist der Baum nicht jünger, sondern wahrscheinlich viel älter, als die Ringe, die man zählen kann, angeben.

Nun kommen wir zu der Frage zurück, wie Bäume so alt werden können. Jahr für Jahr bilden sie einen neuen Ring, und diese Ringe werden immer schmäler und schmäler, je älter sie werden. Durch die jüngeren Ringe steigt der rohe Saft in die Blätter auf und kommt als Nahrung wieder herunter, um die verschiedenen Teile des Baumes zu nähren. In jedem Frühling werden Knospen an jedem Blatte gebildet, und diese Knospen sind wie neue Pflanzen. Sie wachsen mit frischer Kraft empor und bilden neue Nahrung für den Baum, der sie im Stamme und in den Zweigen emporträgt zu Licht und Luft.

Das Kernholz des Stammes ist wirklich tot und vermodert manchmal, während der äußere Teil des Baumes noch weiter grünt. Aber viele Ringe im Innern des Baumes brauchen noch Nahrung, und wenn man einen gefällten Baum ansieht, so kann man sehen, wie sie diese bekommen. Neben den Ringen wird man einige Linien (m) bemerken, die wie die Speichen eines Rades von dem Mittelpunkt des Stammes ausgehen und sich bis zur Rinde erstrecken. Diese Linien bestehen aus Mark wie die, welche wir in der Mitte des jungen Schößlings der Eiche sahen. Durch sie hindurch dringt der Saft durch den ganzen Baum, bis sie zusammengepreßt werden.

Es gibt auch Bäume, wie die Palmen, die ihr in Warmhäusern seht, die keine Ringe ansetzen. Aber sie sind keine bei uns wachsenden Bäume und gehen uns hier nichts an.

Nehmt verschiedene Stücke von Baumzweigen und versucht, die Rinde, die innere Rinde, die Holzringe und das Kernholz zu erkennen. Flieder, Linde und Holunder zeigen sie sehr gut. Eiche und Fichte zeigen am besten das Kernholz.