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Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band

Chapter 199: Hensel, Wilhelm.
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About This Book

A selection of correspondence received by a noted German writer presents letters from a wide range of contemporaries and associates, gathered and edited with a prefatory essay that explains the editorial choices. The volume preserves an alphabetical arrangement where possible, notes gaps and damage from binding and illegible manuscripts, and omits family papers and passages judged private or injurious. Together the surviving letters illuminate the author’s literary activities, critical opinions, social networks and personal relationships across successive generations while the editor draws attention to editorial limitations and the difficulties of establishing a strict chronological sequence.

Hensel, Wilhelm.

Geb. den 6. Juli 1794 zu Trebbin, Professor an der k. Akademie der Künste in Berlin, und Historienmaler. Die geist- und tonreiche Schwester Felix Mendelssohns war seine Gattin. Als junger Mann trieb er auch Poesie, und mit glücklichem Erfolg. Sein Lustspiel: „Ritter Hans“ ward beifällig aufgenommen. Mit dem theuren Freunde Wilhelm Müller und Andern im Vereine gab er (1816) Gedichte heraus unter dem Titel: Bundesblüthen.

Für die hervorragendsten der von ihm gemalten Kunstwerke werden „Herzog von Braunschweig vor der Schlacht von Quatrebas“ und sein „Christus vor Pilatus“ (in der berliner Garnisonkirche) gehalten.

Berlin, den 11ten July 1829.

Dieser Brief ist kein Empfehlungsbrief, höchstens einer mich selbst wieder zu empfehlen nach so langer Zeit, und ich habe die freundliche Ueberbringerin gebeten, dies besser zu thun. Durch sie hoff’ ich auch recht viel zu hören von Ihnen, denn sie weiß was man gern hat, und kann es sagen auch. Jeden der aus Dresden kam hab’ ich ausgefragt, hier und in Rom, nie aber war mir genug was ich erfuhr. Neulich hatt’ ich die angenehme Ueberraschung Frau von L. zu sehen, und gleich waren wir bei Ihnen und Ihrem Kreis. Zu meiner Beruhigung hör’ ich, daß es mit Ihrer Gesundheit jetzt besser geht, was denn immer ein Vortheil für uns Alle ist; wodurch die Theilnahme an Ihrem Wohle allerdings egoistisch erscheint. Indessen wissen Sie doch auch wohl wer Sie nicht blos Ihrer Werke wegen liebt, und lassen sich auch von mir ferner die alte Doppelliebe gefallen. Die treuste Anhänglichkeit hab’ ich Ihnen und den verehrten Ihrigen gewiß stets bewahrt; möcht’ ich dagegen hoffen dürfen, daß auch in Ihrem Kreise noch mein Andenken lebt!

Ich gebe den Gedanken nicht auf einmal selbst nachzufragen, wollt’ es auch schon auf der Rückreise von Italien thun, mußte dann aber rasch meinen Bildern nach. Was sich seitdem in Leben und Kunst mit mir zugetragen, wissen Sie in den Hauptpunkten durch gemeinschaftliche Freunde bereits. Wollten Sie Näheres hören kann Fräulein Saling (Marianne?) meine liebe künftige Cousine, die beste Auskunft geben.

Diese Worte sind in Eil geschrieben, es ist ein Tag voller Sitzungen heut und morgen früh ist der Brief schon Dresden näher als ich. Dresden —! wieviel Erinnerungen knüpfen sich an den Namen in mir! Wehmüthige auch. Aber doch steht er leuchtend in mir, und ich möchte Sie wiedersehn!

Leben Sie wohl und bleiben Sie mir freundlich gesinnt. Ihrem lieben Kreise den herzlichsten Gruß! Treu und verehrend

ganz Ihr

Wilhelm Hensel.

Ihren Herrn Bruder sah ich vor wenigen Tagen recht wohl.