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Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band

Chapter 73: V.
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About This Book

A selection of correspondence received by a noted German writer presents letters from a wide range of contemporaries and associates, gathered and edited with a prefatory essay that explains the editorial choices. The volume preserves an alphabetical arrangement where possible, notes gaps and damage from binding and illegible manuscripts, and omits family papers and passages judged private or injurious. Together the surviving letters illuminate the author’s literary activities, critical opinions, social networks and personal relationships across successive generations while the editor draws attention to editorial limitations and the difficulties of establishing a strict chronological sequence.

Brühl, Karl Friedrich Moriz Paul, Graf.

Geb. zu Pfördten am 18. Mai 1772, gestorben zu Berlin 9. August 1837. Von 1815 bis 1828 Generalintendant der Königlichen Schauspiele, späterhin der Museen und Kunstanstalten Berlins. Sein redlicher Eifer für das Edle und Schöne, seine wahre Humanität, seine stets vermittelnde Bereitwilligkeit und Milde, seine männliche Ausdauer im kleinlichen quälenden Kriege gegen Spontini’s Intriguen und Uebergriffe, wobei er stets für deutsches Wesen und Kunst kämpfte, auch siegreich für Carl Maria Weber’s Interesse stritt — dies Alles sichert dem edlen Manne ein ehrenvolles Gedächtniß. Die fünf an Tieck gerichteten Briefchen bekunden, daß er diesem nicht minder anhänglich und ergeben gewesen, wie seinem großen Freunde Goethe, dem er bis zum Tode geistig und gemüthlich nahe stand.

I.

Dresden, 28. August 1829.

Erlauben Sie mir werther Herr Hofrath, Ihnen hier meinen aufrichtigen Glückwunsch über die gestrige so glückliche gelungene Darstellung des Faust, vorzüglich aber über den schönen Prolog auszusprechen, mit welchem Sie uns beschenkt haben. — Er ist mir in jedem Sinne vortrefflich erschienen, und ich fühle mich gedrungen Sie um Erlaubniß zu bitten, ihn abschreiben zu dürffen in sofern er nicht etwa im Druck erscheint. — Ich habe nicht allein den Wunsch ihn für mich zu besitzen sondern möchte ihn auch gern dem Herzog Carl von Meklenburg schicken, welchem ich Bericht erstatten will über alles was ich gestern gesehen und gehört. —

Die Einrichtung des ganzen schien mir höchst gelungen und das Spiel der Mitwirkenden, fast in allen Stücken, sehr lobenswerth. Auch die scenirte Einrichtung leistete alles was auf einem so kleinen Theater zu fordern ist. Verzeyhen Sie mir meine bescheidene Frage; — werden Sie nicht hie und da noch, den Stift ansetzen? War die letzte Scene nicht zu lang — so vortrefflich sie auch gespielt wurde?! Verzeyhen Sie werther Herr Hofrath diese bescheidenen Fragen, und genehmigen Sie die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung und freundlichen Ergebenheit

Brühl.

II.

Seifersdorf, 20. September 1829.

Meine Abreise ist durch einen höchst unangenehmen Vorfall verzögert worden nehmlich durch den plötzlichen Todt meines Pachters so daß ich nun erst in einigen Tagen meinem lieben, stillen, Seifersdorf Valet sagen werde. —

Diese Verzögerung verschafft mir indeß das Vergnügen Ihnen werther Herr Hofrath noch von hier aus den verbindlichsten Dank im Nahmen des Herzog Carl von Meklenburg, für gütige Uebersendung des Prologs zu Faust — auszudrücken. — Vor einigen Tagen erst habe ich ein sehr langes Schreiben von ihm gehabt, in welchem er viel über Faust, und deßen Ausführbarkeit und Aufführbarkeit spricht, — sich aber vorzüglich günstig und außerordentlich beyfällig über Ihren Prolog ausdrückt. — Vieleicht schreibt er Ihnen noch selbst über diesen Gegenstand! —

Bey dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, wie der Schüler im Faust, Ihnen werthester Herr Hofrath beyfolgend mein Stammbuch zu übersenden mit der dringenden Bitte Ihren Nahmen hineinzuschreiben.

Lachen Sie nicht über mich — ich habe aber gleichfalls wie jener Primaner, eine große Vorliebe für Stammbücher. — Da ich nur noch bis Sonnabend hier bleibe, so muß ich so unbescheiden seyn, — nicht allein um Erfüllung meiner Bitte, sondern auch um baldige Erfüllung derselben dringend zu ersuchen! — Am nächsten Freytage kömmt ein Bote in die Stadt und wird — wenn Sie es erlauben — das Buch wieder abhohlen.

Indem ich mich, werther Herr Hofrath, Ihrem und der Ihrigen gütigem Andenken dringend empfehle bitte ich Sie, die Versicherungen meiner aufrichtigsten Hochachtung und freundlichsten Ergebenheit empfangen zu wollen.

Brühl.

Würde vieleicht Gräfin Finkenstein als eine so vieljährige Bekannte, gleichfalls so gütig seyn sich in das Stammbuch einzuschreiben?

III.

Berlin, den 11ten April 1833.

Die Ueberbringer dieses, — mein Vetter, der junge Graf Pourtales-Gorgier und sein Führer, Herr Godet, beide aus Neuchatel — wollen die Universitäts-Ferien benutzen, um Dresden’s Kunst-Schätze und Umgebungen kennen zu lernen. — Nehmen Sie, werther Herr Hofrath! dieselben um meinetwillen gütig auf. — Hr. Godet ist ein sehr gebildeter Mann und der Deutschen Sprache mächtig.

Bevorstehenden Sommer hoffe ich nach Seifersdorff, folglich auch nach Dresden zu kommen, un freue mich schon im Voraus recht herzlich darauf, Sie und alle Ihre lieben Hausgenossen wieder zu sehen.

Seitdem wir uns nicht gesehen haben, war ich unbeschreiblich leidend, und habe mehreremale an meinem Leben verzweifelt. Seit 5 Wochen habe ich aber der Fahne der Homöopathie geschworen, und fühle daher schon meinen Krankheitsstoff bedeutend erleichtert; der Himmel gebe seinen Seegen weiter. — Wer so hoffnungslos — als ich im Laufe verflossenen Winters — war, fühlt sich durch jede kleine Hoffnung schon beglückt.

Empfehlen Sie mich, werther Herr Hofrath! Ihrer lieben Familie und der Gräfin Finkenstein auf das Angelegentlichste, und halten Sie sich meiner unwandelbaren Hochachtung und freundschaftlichsten Ergebenheit fest überzeugt.

Brühl.

IV.

Berlin, 9. July 1835.

Ew. Hochwohlgebohren

wünscht der Ueberbringer, Hr. Peters Großherzoglich Meklenburgscher Hof Schauspieler, — durch mich empfohlen zu seyn, und so sehr ich im allgemeinen Empfehlungen scheue, so will ich Sie doch bitten, werther Herr Hofrath den Mann quaestionis gütig aufzunehmen. Er hat ein bedeutendes Talent, und es thut mir nur leid, daß die ihm in Dresden zugestandenen Rollen sich nur im Kreise der niederen Komik bewegen, wo er zuweilen ein wenig durchgeht. — Ich halte ihn für ein höheres Fach außerordentlich brauchbar. — So habe ich zum Beyspiel den Wachtmeister in Wallensteins Lager nie besser spielen sehen als durch ihn. Wenn Sie ihm zu einer Rolle dieser Art verhelfen wollen, so werden Sie gewiß mit ihm zufrieden seyn. Er ist auch Sänger, das heißt er hat eine sehr angenehme Stimme, aber keine bedeutende Kunstbildung. Nun Sie werden ja sehen, was Sie mit ihm anfangen können.

Indem ich Sie bitte, werther Herr Hofrath, mich Ihrer lieben Familie und Gräfin Finkenstein gehorsamst zu empfehlen, schließe ich mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung und freundlichsten Ergebenheit

Brühl.

V.

Berlin, 28. März 1837.

Ew. Wohlgebohren

erlaube ich mir den Ueberbringer Hr. v. Mètral von Saint Saphorin angelegentlichst zu empfehlen. Er ist ein Schweitzer aus dem Canton Waadt und stammt aus einer der geachtetesten Familie dieses Cantons. Die Beendigung seiner theologischen Studien haben ihn nach Berlin gebracht, und er ist mir von mehreren Seiten, nahmentlich von meinen Verwandten in der Schweitz — sehr dringend empfohlen. Ich habe ihn hier oft bey mir gesehen, und ihn als einen wohl unterrichteten wackeren jungen Mann kennen lernen.

Gegenwärtig benutzt er die Ferien um Dresden und Prag zu besuchen, und daselbst die bedeutenden Kunst-Anstalten so wie berühmte Litteratoren und Künstler kennen zu lernen. Nehmen Sie denselben gütig auf, und wenn es die Gelegenheit giebt, so erlauben Sie ihm einer Vorlesung beyzuwohnen.

Ich freue mich im nächsten Sommer das Vergnügen zu haben, Sie werther Herr Hofrath, hoffentlich — wieder zu sehen, und Ihnen mündlich die Versicherungen meiner unwandelbaren Hochachtung und freundlichsten Ergebenheit wiederhohlen zu können.

Brühl.