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Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band

Chapter 77: Carové, Friedr. Wilh.
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About This Book

A selection of correspondence received by a noted German writer presents letters from a wide range of contemporaries and associates, gathered and edited with a prefatory essay that explains the editorial choices. The volume preserves an alphabetical arrangement where possible, notes gaps and damage from binding and illegible manuscripts, and omits family papers and passages judged private or injurious. Together the surviving letters illuminate the author’s literary activities, critical opinions, social networks and personal relationships across successive generations while the editor draws attention to editorial limitations and the difficulties of establishing a strict chronological sequence.

Carové, Friedr. Wilh.

Geb. den 20. Juni 1789 in Koblenz, 1811 Conseiller auditeur beim Apellationsgerichtshof zu Trier, 1814 Einnehmer beim Rheinzollamt in Gernsheim, 1818 Doktor der Philosophie, Hegels Schüler, 1819 Privatdocent in Breslau, später in Frankfurt, Heidelberg, München &c. Philosophischer Schriftsteller, Gegner des Katholicismus, als welcher er sich in „Die allein selig machende Kirche“ (1826) u. a. Werken ausspricht. Er hat vielerlei historisch-politische, auch literargeschichtliche Schriften publicirt.

Heidelberg, d. 27. 9. 1820.

Verehrtester Freund!

Es freut mich, nun endlich Ihrem Wunsche entsprechen zu können, indem ich Ihnen den Band alter englischer Schriften, von welchem ich Ihnen einigemale Meldung gethan, hiermit übersende. Sollten Sie dessen gelegentliche Benutzung in 3 Monaten beenden können, so würde es mir angenehm seyn, ihn demnächst durch Buchhändlergelegenheit zurückzuerhalten, da ich die erste darin enthaltene Abhandlung, entweder ganz oder im Auszuge, als höchst wichtigen Beitrag zur Hexengeschichte wie zum Somnabulismus, dem Publikum mitzutheilen gesonnen bin. —

Von meiner Reise sage ich nur wenig, da Ihnen die Städte und Gegenden, die ich durchwandert, schon durch Selbstsicht bekannt sind.

In München freute es mich so liberale Anstalten zum Genuß und zum Studium der Kunstwerke vorzufinden, die man in Dresden einigermaßen vermißt. Auch scheint der geistvolle Cornelius dort eine freiere Strebung unter den werdenden Künstlern zu erregen. —

In Tyrol und besonders zu Innsbruck gedachte ich oftmals dankbar Ihres freundlichen Rathes, auf meiner Wanderung doch nicht die stattlichen Gebirglagerungen dieses Landes ungesehen zu lassen. Denn, wenn auch die Schweizer Jungfrau alle anderen jemals gesehenen Naturgrößen überglänzt und in Dämmerung hinabgesetzt hat, so ragen doch aus dieser auch die Tyroler Berge noch abendgeröthet hinaus. Wer freilich die Herrlichkeit der natürlichen Welt in einem einzigen Bilde vereint zu sehen wünscht, der kann nur auf dem königlichen Rhigi seines Wunsches Ziel erreichen. —

In Strasburg sah ich den auswandernden Görres. Die alte Welt hilft ihm die neueste ertragen und tragen. Mögen die Blitze am sonnenhellen Firmamente seine Feinde zur besseren Gesinnung hinüberschüttern, da das Wetterleuchten unbeachtet vorübergegangen. — Auch der bekannte Seher Müller[7] aus hiesiger Umgegend sah schon im vorigen November gewaltigen Krieg gegen Italien. Dieser soll jedoch, wie ich heute aus seinem eigenen Munde vernommen, der letzte seyn vor tausendjährigem Frieden. — Des Mannes schlichtes unbefangenes Wesen flößt Glauben ein an seine Worte. (!)

Von meinem Thun und Treiben weiß ich nichts Erhebliches mitzutheilen. Noch lebe ich nur dem Studium und der Selbstverarbeitung, und ob ich um Ostern lehrend wieder auftrete, lasse ich für jetzt noch unbestimmt. Was Noth thut, ist Mehr, als sich in kurzer Frist erarbeiten läßt. — Nur Schelver, den tieffühligen trefflichen Mann sehe ich oft; ausserdem einsam. —

Möge Ihnen und Ihren Lieben, die ich freundlichst grüße, Gesundheit fröhliche Tage bereiten, und mir Ihr freundliches Angedenken unverloren bleiben.

Mit inniger Verehrung

Ihr ergebenster

F. W. Carové.

P. S. Ihre Güte wird mir verzeihen, wenn ich einen Brief an Friedrich mit der Bitte beilege, denselben gefälligst an seine Bestimmung befördern zu wollen.