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Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band

Chapter 87: II.
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About This Book

A selection of correspondence received by a noted German writer presents letters from a wide range of contemporaries and associates, gathered and edited with a prefatory essay that explains the editorial choices. The volume preserves an alphabetical arrangement where possible, notes gaps and damage from binding and illegible manuscripts, and omits family papers and passages judged private or injurious. Together the surviving letters illuminate the author’s literary activities, critical opinions, social networks and personal relationships across successive generations while the editor draws attention to editorial limitations and the difficulties of establishing a strict chronological sequence.

Chezy, Wilhelmine Christine v., geb. v. Klencke.

Als Enkelin der Karschin am 26. Januar 1783 zu Berlin geboren, 1805 mit dem Orientalisten Chezy zu Paris vermählt, nach fünfjähriger Ehe von ihm geschieden, wechselte sie wandernd, dichtend, oft ihren Aufenthalt, und gewann ihrem regen Geiste, ihrem guten Herzen eben so viele Freunde, als sie sich durch vielfache Rücksichtslosigkeiten Tadler zuzog. Daß sie ein ächter, berufener Poet, die von der Großmutter ihr angeerbten Gaben zu lieblicher Entfaltung brachte, müssen unparteiische Beurtheiler zugestehen. In ihren Gedichten, 2 B. (1812) — Herzenstöne auf Pilgerwegen (1833) — Stundenblumen, 4 B. (1824–27) — duften viele reine, anmuthige Blüthen. Minder bedeutend möchten „Erzählungen und Novellen“ 2 B. (1822) — so wie der Roman Emma’s Prüfungen (1827) — befunden werden. Ihr durchaus weibliches Talent war lyrisch nicht episch. Am allerwenigsten war es dramatisch, und daran hatte Weber zu leiden. Man könnte die scherzhafte Grabschrift Lessings, Voltaire betreffend, parodisch auf den Operntext zur Euryanthe und auf Frau Wilhelmine anwenden, wo Jener sagt:

„Der liebe Gott verzeih’ in Gnade
Ihm seine Henriade &c.
Denn was er sonst an’s Licht gebracht,
Das hat er ziemlich gut gemacht!“

wenn Henriade in Euryanthe umgewandelt würde.

Nichts vermag übrigens der Verstorbenen (†185?) einen schöneren Nachruhm zu sichern, wie ihr eigner Brief d. d. Cölln 26. October 1815. — Der überstrahlt mit verklärendem Lichte alle dunklen Schattenseiten ihres unbeglückten Daseins.

I.

Cölln 26. Okt. 1815.

Ihr liebevolles Schreiben, Verehrter Freund und Meister, kam erst heut 26. Oktober in meine Hand, ein neidischer Genius, der über die Versendung gewaltet, hatte nun erst seine Macht verloren. Mit einer bey dieser Angelegenheit offt mir zu Theil gewordenen Rührung legt ich die neue Gabe der Liebe und des Vertrauens zu den Uebrigen, Ihr Sammeln und Sorgen, als von Ihnen, entzündete mich, und Segen ruhe auf der Verwendung! Schon bin ich hier und in Belgien sehr fleißig gewesen, laßen Sie mich Ihnen sagen, der Sie es verstehen, daß ich im Herzen freudig bin, weil Gott mich gewürdigt hat schon recht heiß für die gute Sache zu leiden, ich hatte und habe viel zu bekämpfen, und in Namur war meine Gegenwart rettend gegen Mißbrauch und Trug, und schützend gegen die um sich greifende Ruhr, mit der das Lazareth bedroht war, und da ich durch außerordentliche Stärkungen und Labungen, nach Anleitung guter Aerzte vorzubeugen im Stand war. Jetzt wirke ich hier auf verschiedene Weise, in Namur ist jetzt Alles im besten Stand, eben so in Lüttich, in Lacambre waltet Jungfer Lippmann, in Brüssel Frau v. Donop, in Loewen Frau v. Tuchsen. Meine Haupt-Angelegenheit in diesem Augenblick ist gerichtliche Bethätigung der von mir gegen gewißenlose Menschen gemachten Anzeigen, welche durch eine inkompetente Komißion untersucht, und als falsch befunden worden, diese laß ich jetzt noch einmahl untersuchen, denn es betrifft nicht Kleinigkeiten. Nebenbey besuch ich noch die hiesigen Spitäler, und sorge für einzelne Bedürfniße, ich hoffe die Sache geht schnell zu Ende, dann werd ich wieder nach Belgien oder nach den Ardennen gehn. Gott hat Großes für uns gethan, der Mensch weiß aber immer Gottes Werk zu zerstückeln, mir ahnt wenig Gutes davon daß Frankreich unbewacht bleibt, und dennoch ist es vielleicht das geringste Uebel von Beiden, daß unser Herzblut noch einmahl fließt, oder daß die Truppen in Frankreich sittenlos und ruchlos werden. Ich bin innerlich überzeugt daß der Feldzug mit nächstem Frühjahr wieder eröffnet wird. Wie sehr unsre Opfer von Fleurus Wavre und Waterloo Hülfe und Unterstützung bedürfen, das darf ich Ihnen wohl sagen, da Sie so treu und liebreich gesammelt haben, rein ausgeplündert liegen sie da mit zerschmetterten Gliedern, in schwerer Eiterung, bey erträglicher Kost und Reinlichkeit, jedoch auf Strohsäcken, und in diesem oder jenem Lazareth, mehr oder minder gut gepflegt und gestärkt. Laßen Sie mich es Ihnen mit glühendem Schmerz sagen daß Viele hätten können gerettet werden wenn die Behandlung weiser, die Pflege freygebiger war! — Nur, wie ich mich überzeugt habe Deutz, Düsseldorff, Aachen, und wie man mir gesagt Loewen, sind die Orte, wo ein mütterlicher Geist der Pflege herrschte, und wo die Menschen gerettet worden. Hier ist es leidlich, aber durchaus kein Sinn für individuelle Noth, sondern nur ein eiffriges Aufspeichern, welches bey den jetzigen Aussichten auf den nächsten Feldzug sein Gutes haben kann. Ich selbst habe bey den vielen Bosheiten mit denen ich kämpfe unendlich viel Süßes im Lindern und Helfen gefunden, und bin getrost in Gott, der mir in dem schweren Stand gegen fühllose Ruchlosigkeit helfen wird. Meine ganze Seele ist so tief getränkt vom Kelch des Jammers, der über diese leidende, hinschmachtende hinfaulende Jugend ausgegoßen ist, daß ich jetzt für nichts Anders Sinn habe, sonst könnt ich Ihnen viel von unschätzbaren Ueberbleibseln aus der ältesten teutschen Zeit sagen, welche ich hir bei Freyherrn von Mehring, bei Fochem und Lievemberg angetroffen, insbesondre bey dem Ersten. Unser Isidorus hat mir lange nicht geschrieben, ich ihm lange nicht, denn ich gehöre nichts Erfreuendem mehr, bis mein Werk vollbracht ist. Sagen Sie, edler Tieck den edeln Geberinnen meinen gerührtesten Dank, sie müßen sich aber mit dem Werke noch gedulden, denn unmöglich kann ich jetzt schon mich damit beschäftigen, da auch noch täglich Subskription eingeht. Der Ertrag ist bis jetzt etwas über 1600 Thaler, von denen zwey Drittheile verwandt sind. Seyn Sie fest überzeugt, daß ich unmittelbar nach vollbrachter That das verheißene Werk seines edeln Berufs würdig auszustatten hoffe, und dann nicht damit säumen werde. Es ist von der Huld und Theilnahme unsrer edelsten und höchsten Frauen begabt. Nun Gott mit Ihnen, der Sie sein Dichter sind! Er erfreue Sie, wie Sie mich erfreuten! Ihr Entzücken sey dem gleich, das von Ihrem Genius ausgeht!

Wilhelmine Chezy.

II.

17. Dez. 1816 Berlin.

Es gehört einige Dreistigkeit zu, nach so langem Schweigen zum erstenmahl wieder mit einer Bitte zu erscheinen, und doch sündige ich auf das Bewußtseyn Ihrer Güte hin, und komme bittend, liebend und glaubend, weil der Größe des Genius die des Gemüths nicht leicht nachsteht, ich komme Ihnen, verehrter Tieck die Angelegenheit meines Freundes Gubitz an das Herz zu legen, und Ihnen zugleich Nachricht von der nahen Erscheinung meines Werkes zu geben, und Sie vorläufig mit dem Innhalt bekannt zu machen. Da ich von meinen bisherigen Arbeiten abgeschnitten lebe, habe ich dies Werk ganz aus meiner Stimmung in dieser Zeit hervorrufen müßen, um die wachsende Ungeduld der Unterschreibenden zu befriedigen. Es enthält viele Gedichte, ein kleines Lustspiel in Versen, und eine romantische Geschichte, welche ich die Mahnung unsrer Zeit nenne. Unter den Gedichten ist viel Lyrisches, und manche Romanze, Legende und Volkssage, die der drey Schwäne nach Gottschalk ist eine der gelungensten. Einige Blätter, überschrieben aus meinem innern Leben habe ich aus Briefen von 1814 an einen Freund genommen und habe überhaupt das Ganze der Arbeiten in Prosa aus der frischesten Zeit gegriffen. Ich hoffe das freundliche Zutrauen der Theilnahme nicht getäuscht zu sehn. Das Manuskript wird jetzt abgeschrieben, und geht dann sogleich an Engelmann in Heidelberg ab, der den Druck schön und schnell, und die Versendung pünktlich besorgen wird, das Lustspiel: Rembrand’s Todt dichtete ich 1813, hab es bis jetzt ruhig liegen laßen, und kann es zum Glück in Heidelberg aus einem Fach meines Büreaus nehmen und drucken laßen, denn ich kann mich nicht entschließen, die Fülle meiner Papiere der Post zu vertrauen, und dem Zufall des Fortschickens Preis zu geben, und überdem sehn ich mich nach meinen grünen Bergen zurück. Hier ist kein poetisches Leben, die südteutsche Gegend hat, wenn nicht immer in den Menschen, doch in Quell Blume Epheu Trümmer und Bergen die Poesie, hier fehlts an Menschen und an der Natur zugleich. Freylich ist mir das Leben schaal geworden seit ich von Friedrich und Dorotheen getrennt bin, wenn gleich auch dies noch nicht ganz das Rechte war, weil ich selbst damahls erst hätte anders seyn müßen.

Meine Rechtsangelegenheit, von welcher Sie, Verehrter Freund! in öffentlichen Blättern manches gelesen haben werden, scheint ihrem seligen Ende zu nahen. Es scheint stark dahin gearbeitet zu werden, daß sie zerrinne: as water is in water. Was läßt sich dazu thun? Ich habe in der ganzen Angelegenheit unaussprechlich gelitten, und die Erfahrungen auf dieser Laufbahn hatten mich so abgelöst vom Leben daß es einer solchen Anregung bedurfte als die der Ehre und Rechtlichkeit, um noch dichten und so mein Wort lösen zu können. Es liegt etwas Süßes in meinem heißen Sehnen nach Ruh. Bis zum Weinen schweben mir meine grünen Berge vor Augen, und als ich nach Heidelberg schrieb, um meine Abreise nach Berlin, und die mir zugefügten Abscheulichkeiten zu melden, war meine ganze Klage das Eine Wort: ich werde dies Jahr die Mandeln nicht blühen sehen! Wer weis, „wann ich sie wieder blühen sehe!“ In Bouchers Treibhause haben sie nichts für mich! Ich weiß nicht ob Sie schon von unserm Bauern Johann Adam Müller erfahren, der hier unerwartet angekommen, und neuen Krieg geweissagt? Ich kenne den redlichen Mann, und mir ist noch unvergeßen, wie er am 14. Dez. 1814 nach Heidelberg kam uns Napoleons nahe Landung und den Krieg im Frühjahr zu verkünden, welche der Geist ihm offenbart. Ich habe Müller diesmahl einen Mittag und Abend bey mir gesehn, und eine kleine Auswahl meiner liebsten Freunde und Freundinnen um ihn her vereinigt. Die Rührung und Anerkennung des Kreises sind mir unvergeßlich, denn dieser schlichte treuherzige Mann, so ganz Natur und Reinheit, so ruhig, so still beseeligt im Bewußtseyn der göttlichen Einwirkung erinnert immer an Schillers Ausspruch:

Das findet in Einfalt ein kindlich Gemüth.

Dies Zeichen, daß sich Gott der Welt wiederum unmittelbar naht, das seit neun Jahren sich schon in den Erscheinungen dieses Mannes bewährt, der Zeitlebens nur rechtlich, fromm und einfach war, rührt und beseeligt mich, und giebt allen meinen Gedanken ein neues Leben. Ich habe immer nur die Kunst für göttliche Offenbarung und Eingebung gehalten, und alles künstlerische Streben nur für den Drang die Nebel zu zerstreuen, die das innere Auge umziehn. Welch ein Trost wenn die göttliche Offenbarung in das Leben tritt, und es uns vergönnt ist, in die Zukunft zu schauen, um unser Herz vorzubereiten, auf künftiges, nahes, unerläßliches Weh. Die Mächtigen haben nicht für die Beruhigung der Völker gearbeitet, keine Treu ist belohnt, kein Opfer anerkannt worden, unser reinstes Herzblut ist vergebens gefloßen. Wie könnt’ es denn so bleiben? Doch vielleicht sind Ihnen Müllers neue Weißagungen noch nicht bekannt, ich gebe sie Ihnen treu aus seinem Munde:

Eh die Baumblüthe aufbricht beginnt der Krieg, er endigt noch im May. Wiederum werden es die Preußen ausfechten. N. kommt fort, im Süden von Frankreich bricht die Empörung aus, in Frankreich ist der Krieg, dort findet Napoleon sein Grab in der dritten unermeßlich blutigen Schlacht. Frankreich wird in drey Stück getheilt. Einen der wichtigsten Punkte der Offenbarung will Müller nur dem König sagen, den er noch nicht gesehn. Mein ganzes Gemüth wird tief von seiner Ruhe erschüttert, mit welcher er ausspricht: Das hab ich gesehen. Meine Freundinnen wendeten sich weg, und weinten, es sind fromme sehr in Einklang ausgebildete Frauen und Mädchen. Der begeisterte Blick, und die milde Gemüthlichkeit dieses Mannes werden selbst von herzlosen Spöttern geachtet. Wenn ich mich selbst noch gegen einen festen Glauben an die Wahrheit seiner Gesichte waffne, so mag ich doch nicht zweifeln. Daß es ihm selbst heiliger Ernst ist, darüber ist kein Zweifel mehr, doch halten ihn noch Viele für getäuscht. Die Zeit wird aufklären, ob Gott uns wiederum, wie in der Vorzeit unmittelbarer Annäherung würdigt, und dadurch die Seelen wecken und sich zuwenden will! Dieser heiße Wunsch macht mich geneigter zum Glauben an die wahrhafft göttliche Sendung dieses Mannes, als die Thatsachen selbst, die bereits dafür zeugen. Ich habe mein Selbst der Zeit geweyhet, alles Eigne streb ich zu vernichten, daß jeder Pulsschlag dem Ganzen angehöre, mich schmerzt nur das Elend der Völker, mich kann nur das erfreuen, was ich noch Gutes vermag, und mit heißen Thränen bitt ich oft den Herrn daß er die Menschen an sich ziehe, damit ein Jeder sein Ich vernichte, und in himmlischer Liebe wiedergeboren werde. Von dem Allen habe ich Ihren Schrifften, vornähmlich der Genoveva sehr viel zu danken, und dem Sternbald. Die ersten Stimmen klangen daraus in mein Herz, und der Grundton, den sie geweckt klingt nun durchs Leben fort. Gute Nacht! geben Sie mir ein freundliches Zeichen, ich sehne mich längst schon danach.

Thiergarten No. 50.

Helmine.

III.

Berlin d. 6. Merz 1817.

Verehrter Freund!

Es ist wohl nur Scherz, daß Sie in meinem Brief den Wunsch ausgedrückt gefunden, Sie möchten Antheil an dem Gesellschafter nehmen? Oder es ist ein Mißverständniß, denn ich habe Gubitz zu einem wohlthätigen Zweck eine Novelle gegeben, die ich selbst liebte, und zum Theil nach Calderon gearbeitet habe, nach el Conde Lucanor; zu diesem Zweck glaubte ich Sie von Gubitz eingeladen, und legte ein Vorwort ein. Was Zeitschrifts Artikel, welche es sey, betrifft, so würde mir das nicht ein gleiches Interesse eingeflößt haben, wenn gleich Gubitz in der Seinigen von Arnim, u. m. A. freundlich unterstützt wird, und herzlich zu wünschen scheint ihr einen bleibenden Werth zu geben. Nun zum Wichtigsten! Ich werde vor Anfang May Berlin schwerlich verlaßen, weiß aber dann noch nicht bestimmt wo ich seyn werde. Ich liebe hier die Natur nicht, die rauhe Luft ist mir ungesund, das Leben wird Einem hier nicht leicht, wie im Süden, allein ich möchte gern Pommern und Rügen und Schlesien einmahl bereisen, und vor Allem der Heymath nicht mehr so fern wieder seyn, denn es ist doch ein liebes Band an das Leben. Ich glaube also nicht daß ich, wenn ich nach Heidelberg gehe, länger als bis künftigen Winter dort bleibe, und in Dresden suchen werde meine Kinder auszubilden. Wilhelm neigt entschieden zur Malerey, Max entschieden zur Musik, beyde sind geborne Dichter, das sind mir liebliche Sterne der Zukunft, vor Allen lieb ist mir die innere ungetrübte Unschuld, die Glaubenskraft und Wahrheit der Natur dieser Kinder. So darf ich denn hoffen Sie hier im April und im August in Heidelberg zu sehen, wo ich vermuthlich seyn werde! —

Ich darf hoffen, daß mein Werk Ihnen eine wahrhaffte Freude machen wird. Ich könnte es nun längst abgesendet haben, doch fürchte ich mich es der Post zu vertrauen, da es noch nicht abgeschrieben, und ich selten oder nie Koncepte mache. Auf jeden Fall kommt es dann rasch in die Hände der Theilnehmenden. Müllers Leben ist so einfach und gottgefällig, daß man ihn lieben muß, wenn man ihn kennt, sicher bedarf ich seiner nicht zum Glauben, nur würde es mir lieb seyn, wenn sich Gott wieder unmittelbarer als bisher durch wunderbare Zeichen der Welt nähern wollte, wie wohl sonst geschah. Ihr Freund Schelver hat den Müller auch lieb. Sollte das Schicksal Müller ein démenti geben, so behielten wir ja den Frieden, nach dem die Welt seufzt, die Welt sieht mir aber gar nicht friedlich aus! — Loebens Hesperiden gedenk ich selbst fortzusetzen, sie enthalten bis jetzt viel Schönes, ich finde aber daß er seine Sache nicht geschickt angefangen. Die Fantasie über die Zahlen ist nicht anziehend, das Theegespräch u. A. gefällt mir nicht, er mußte aus einem schönen Vorrath vom Schönsten sogleich geben, ich weiß auch gar nicht warum und wie er von seinen früheren Gedanken abgekommen, das Buch mit mir herauszugeben, und ihm so unsre Freunde alle zu gewinnen? Ich bin noch nicht so glücklich gewesen Ihre neusten Werke zu lesen, freue mich ganz unaussprechlich darauf. In den Old Plays habe ich den Fortunat mit wahrem Vergnügen gelesen, ist er Ihnen bekannt? In Heidelberg hoffe ich viel von den zurückgekommenen Manuskripten. Wie mit Bleigewichten bin ich seit 2 verhängnißvollen Jahren dergestalt in das Praktische hineingezogen, daß ich sogar aus mir selbst Novellen, Erzählungen und Romane schreiben kann, ich konnt es ehedem nicht, jetzt aber bedarf ich wieder Natur und Einsamkeit, und sehne mich herzlich danach, um eine Ueberfülle von Bildern zur Ruh und Klarheit zu bringen, und sie der Welt zu geben. Sie nur zu sehen, würde mich fast betrüben, denn was ich in Ihren Schöpfungen liebe ist nicht der irdische Reiz der sie schmückt, sondern der himmlische Quell, aus welchem dieser hervorgeht.