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Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) / Erster Band

Chapter 9: II.
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About This Book

A selection of correspondence received by a noted German writer presents letters from a wide range of contemporaries and associates, gathered and edited with a prefatory essay that explains the editorial choices. The volume preserves an alphabetical arrangement where possible, notes gaps and damage from binding and illegible manuscripts, and omits family papers and passages judged private or injurious. Together the surviving letters illuminate the author’s literary activities, critical opinions, social networks and personal relationships across successive generations while the editor draws attention to editorial limitations and the difficulties of establishing a strict chronological sequence.

Andersen, Hanns Christian.

Geboren den 2. April 1805 zu Odense auf Fünen. Ein anerkannter, nicht blos in seinem Vaterlande vielgelesener Autor. Seine Selbstanklage, daß er „nicht Deutsch schreiben könne“ widerlegen die im späteren Fortschritte schriftstellerischer Wirksamkeit von ihm gelieferten deutschen Ausgaben, worin er, was Klarheit des Ausdrucks betrifft, hinter Oehlenschläger nicht zurücksteht. Er ist sehr fruchtbar gewesen vom Jahre 1830 bis auf die neueste Zeit. Die Gesammtausgabe seiner Werke (Leipzig 1847–48) enthält in fünfunddreißig Bänden viele in unsere National-Literatur gleichsam übergegangene Schriften, als z. B. Phantasieen und Skizzen — Der Improvisator — Nur ein Geiger — Bilderbuch ohne Bilder — Eines Dichters Bazar — Märchen u. a. m.

I.

Copenhagen, 8. April 1835.

Lieber Herr Hoffrath!

Ob Sie noch meiner gedenken? Ob Sie noch eines jungen dänischen Dichters gedenken, der vor einigen Sommern mit einem Brief von Ingemann bei Ihnen war, und ein kleines Heftchen seiner eigenen Gedichte: „Phantasien und Skizzen,“ überbrachte. Ich hörte Sie zwei Stücke vom Shakespeare vorlesen, Sie erzeigten mir eine Freundlichkeit und Güte, die mein Herz an Sie band. Dies war meine erste Ausflucht in die Welt; nachher habe ich eine größere Reise gemacht. Unser König gab mir anfangs 1833 ein Stipendium um Deutschland, Frankreich, Schweiz und Italien zu bereisen; diese Reise ist jetzt vollbracht, und ich bin wieder in Dänemark. Als ich vorigen Sommer über Dresden zurückreiste, war mein erster Besuch bei Ihnen, allein Sie waren im Bade. Ich sprach Ihre jüngste Tochter, und bat Ihnen meinen Gruß zu überbringen. Ich sollte das Ausland besuchen, um mein poetisches Talent weiter zu entwicklen; ob das Ziel erreicht ist, wird die Zeit lehren; für mich war die Reise jedenfalls besonders anziehend. In Paris wohnte ich dem Julifeste bei und sah die Napoleons-Statue entschleiern. In der Schweiz war ich bei der Weinlese, ich bereiste die schöne Küste von Genua nach Livorno, erreichte Rom eben als Raphael zum zweiten Mal begraben wurde, sah das Carneval und Girandola und endlich einen glänzenden Ausbruch des Vesuvs; ich kann wohl sagen, das bunte Leben in Italien, die großartigen Schönheiten der Natur ergriffen meine Seele, und den Eindruck davon habe ich in einem Roman; „Improvisatoren“ veranschaulicht; der bekannte Novellendichter Cruse, hat ihn schon deutsch übersetzt, und ich schick Ihnen ein Exemplar seiner Uebersetzung. Möchte es mir einen vortheilhaftigen Begriff von meiner poetischen Natur in Ihnen erwecken. Ein liebvoller Händedruck Ihrerseits wird meine größte Aufmunterung sein.

Ich wohne in Copenhagen
Nyharn. Nr. 280.

Dem Dichter
Ludwig Tieck
in Dresden.

Ihr herzlich ergebner

H. C. Andersen.

II.

Copenhagen, 8. April 1842.

Der Buchhändler Longmann aus London, geht zum ersten Mahl nach Deutschland, und da es sein sehnlichster Wunsch ist, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, so erlaube ich mir Ihnen diesen sehr wackeren Mann vorzustellen; indem ich dabei auch die Gelegenheit ergreife mich selbst vor Ihr Gedächtniß wieder einzuführen.

Als ich im vorigen Sommer aus dem Orient zurückkam, suchte ich Sie vergebens in Dresden. Als eine Frucht meiner Reise erscheint jetzt im Dänischen — und bald nachher im Deutschen — eine neue Arbeit von mir: „Der Bazar eines Dichters,“ in sechs Bogengängen: „Deutschland, Italien, Griechenland, der Orient, die Donau und nach Norden!“ Den Bazar „Deutschland“ habe Ihnen und dem Mendelsohn-Bartholdy gewidmet, den Orient, Oehlenschläger und dem österreich. Internuntius Stürmer in Constantinopel.

Die deutsche Ausgabe wird Ihnen in diesem Sommer geschicht werden. Ich kann — wie Sie sehen, — gar nicht Deutsch schreiben!

N. S.

Grüsen Sie Frau von Serre
und Dahl (?).

An
den Dichter Deutschlands
Ludwig Tieck!

Ihr sehr ergebener

H. C. Andersen.