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Briefe an Ludwig Tieck (2/4) / Zweiter Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) / Zweiter Band

Chapter 140: Löwe, Ludwig.
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About This Book

A curated volume gathers personal and professional letters received by a prominent literary figure, presenting correspondence from poets, critics, and cultural acquaintances. The letters range from appreciative tributes and recollections to practical exchanges about publications, theatrical productions, health, and travel; they include editorial requests, invitations, and discussions of artistic taste. Organized by correspondent with brief contextual notes, the collection sketches the social and artistic networks around the addressee and provides varied firsthand glimpses into contemporary literary and cultural life.

Löwe, Ludwig.

Weshalb mag Tieck dies unbedeutende Blättchen sorgsam aufbewahrt haben? Enthält es denn etwas weiter, als gewisse höfliche Versicherungen eines auf Gastrollen gehenden Schauspielers, der sich anmeldet, und um freundlichen Empfang bittet.

O doch! Es redet ja von Liebich, von dem Schauspieler und Schauspieldirektor, für welchen Tieck enthusiasmirt war; als dessen würdigsten Zögling er Ludwig Löwe betrachtete. Auch diesem hatte er aus der Zeit seines Prager Aufenthaltes ein liebevolles Gedächtniß bewahrt, und Löwe hatte, da er (1821) die erste Kunstreise unternahm, solch’ nachsichtiges Wohlwollen zu aufrichtiger Anerkennung gesteigert. Wer die Schauspielkunst liebt, ihre Wichtigkeit für höhere poetische Zwecke erkennt und unbefangen würdiget; wer alt genug ist, um Ludwig Löwe jung gesehen und gehört zu haben, — der wird gern zugestehen, daß es wohl selten einen jugendlichen Verkörperer dichterischen Lebens auf der Bühne Deutschlands gegeben, welchem das oft verschwendete Epitheton: „hinreißend“ mehr gebührte, als ihm. Tieck bestätigte das; erblickte in Jenem einen Freund aus alter, besserer Theaterzeit, dessen Zeilen ihm wie ein Gruß der Vergangenheit klangen. Deshalb hat er sie in seine Briefsammlung aufgenommen. Deshalb auch drucken wir sie ab, damit der Name des Künstlers in Ehren erwähnt sei, der oft und voll Begeisterung deutschen Landsleuten Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Oehlenschläger, Calderon und Shakspeare zur klarsten Anschauung gebracht.

Wien, d. 11ten Mai 1836.

Hochgeehrter Herr Hofrath!

Ihre gütigen Zeilen, welche ich durch Fräulein Bauer erhielt, haben mich unendlich glücklich gemacht, und ich bringe Ihnen meinen innigsten herzlichsten Dank dafür. Es war mir eine große Freude durch jenes liebe Blatt die Überzeugung zu erhalten, daß Sie sich meiner noch aus jener Zeit erinnern, in der ich als Anfänger den Unterricht meines unvergeßlichen Liebich’s genoß. — Ist als Schauspieler etwas aus mir geworden, so danke ich es nur diesem vortrefflichen Manne, der auch noch bey Ihnen in ehrenvollem Andenken ist. Mich führt in diesem Sommer nach Leipzig eine Einladung auf Gastrollen, vielleicht werde ich bey meiner Rückreise über Dresden auch auf Ihrem Theater mein Glück versuchen; die Freundlichkeit des Herrn Emil Devrient forderte mich dazu auf, und ich ergriff gerne die Gelegenheit, um einige Zeit in Ihrer Nähe verweilen zu können, und Ihnen, Hochverehrter Herr Hofrath! meine Verehrung und Bewunderung persönlich darzubringen, die mich stets für Sie durchglüht hat. — In der Hoffnung, daß ich bey der Aufwartung, die ich Ihnen bald zu machen gedenke, als eine Erscheinung aus längstvergangner Zeit, — nicht unangenehm sein werde, schließe ich diese Zeilen, und verharre mit der größten Hochachtung und Verehrung als Ihr

ergebenster

Ludwig Löwe,

K. K. Hofschauspieler.