WeRead Powered by ReaderPub
Briefe an Ludwig Tieck (4/4) / Vierter Band cover

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) / Vierter Band

Chapter 56: Strachwitz, Moriz, Graf.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Die Sammlung versammelt Briefe an eine zentrale literarische Persönlichkeit, geordnet nach Einsendern und ergänzt durch redaktionelle Nachbemerkungen und ein Namenverzeichnis. Die Korrespondenzen bieten persönliche Erinnerungen, Bitten, Berichte über Reisen und gesundheitliche Zustände sowie Beobachtungen zu Theater- und Literaturfragen; gelegentlich erscheinen biographische Skizzen und Empfehlungen. Zusammen geben die Zuschriften Einblick in die sozialen Verflechtungen, ästhetischen Debatten und praktischen Anliegen zeitgenössischer Schreib- und Kulturschaffender, ohne einen durchgehenden fiktionalen Handlungsverlauf zu verfolgen.

Strachwitz, Moriz, Graf.

Geb. zu Peterwitz bei Frankenstein in Schlesien 1822, gestorben im Jahre 1847.

Lieder eines Erwachenden (1836.) — Neue Gedichte (1848.).

In der Blüthe der Jahre sterben, und mit poetischen Blüthen geschmückt, die übers Grab hinaus fortleben, frisch duften, erfreuen.... kann es ein schöneres Loos geben?

Breslau, 28. Aug. 183 ?

Verehrter Herr,
Hochverehrter Herr Hofrath!

Vor mehr als vier Jahren hatten einige kindische Romanzen eines fünfzehnjährigen Knaben das Glück, durch Friedrich von Sallet in Ihre Hände zu kommen. Sie waren überschrieben: Wellenmährchen und nie in seinen übermüthigsten Momenten hatte der Verfasser geträumt, daß das schlottrige Heft voll schlottriger Reime durch den Namenszug Ludwig Tiek’s geadelt werden sollte. Sie waren so freundlich einige ermunternde Worte unter das Schlußgedicht zu schreiben. Ihre Unterschrift schon genügte, den Knaben ganz glückselig zu machen, er prahlte allenthalben damit und dünkte sich nicht weniger als ein Dichter, wenn er sagen konnte, das hat Ludwig Tieck gelesen. Der Knabe hat einen ernsteren Flug gewagt und tritt kühn vor den aus der Ferne verehrten Meister mit der Bitte, ein schwaches Bändchen voll kecker Reime ebenso freundlich hinzunehmen, als damals den noch kindischeren Versuch. Noch heute ist es sein höchster Stolz, einst von Ludwig Tieck gelobt worden zu sein, wenn er es auch nicht verdiente. Es sind hier Verse so gut und so schlecht, als manches Andere; lesen Sie dieselben wenigstens und dies wird hinreichen, vollkommen zu beglücken

Ew. Wohlgeboren

warmen Verehrer

Moritz Graf Strachwitz.