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Buch von der Deutschen Poeterey

Chapter 8: [E 1a] Das VI. Capitel. Von der zuebereitung vnd ziehr der worte.
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About This Book

The text offers a systematic manual for composing poetry in the vernacular, laying out prescriptive rules for language, meter, rhyme, and prosody alongside illustrative examples and corrections. The author defends the capacity of the native tongue for elevated verse, adapts principles from classical and contemporary models to local usage, and discusses stanzaic forms, rhetorical ornament, and orthographic practice. Practical guidance and exemplification are paired with an address to readers, presenting the work as both instruction for aspiring poets and a defense of cultivated standards in poetic composition.

Vos quoque qui fortes animas belloque peremptas
Laudibus in longum vates demittitis æuum,
Plurima securi fudistis carmina Bardi.

Das ich der meinung bin, die Deutschen haben eben dieses im gebrauche gehabt, bestetiget mich, vber das was Tacitus meldet, auch der alten Cimbrer oder Dänen ebenmäßiger gebrauch, die von jhren Helden schöne und geistreiche Lieder ertichtet haben, deren nicht wenig von alten jahren her in Dennemarck noch verhanden sind, vnd von vielen gesungen werden. So ist auch Hiarnes bey jhnen einig vnnd alleine deßentwegen zum Königreiche kommen, weil er dem vorigen Könige zue ehren ein solch grabgetichte gemacht, das vor allen andern den preiß behalten.

[C 3a] Vnd vber diß, sind doch eines vngenannten Freyherrens von Wengen, Juncker Winsbeckens, Reinmars von Zweter, der ein Pfältzischer vom Adel vnd bey Keyser Friedrichen dem ersten vnd Heinrichen dem sechsten auffgewartet hatt, Marners auch eines Edelmannes, Meister Sigeherrens, vnd anderer sachen noch verhanden, die manchen stattlichen Lateinischen Poeten an erfindung vnd ziehr der reden beschämen. Ich wil nur auß dem Walter von der Vogelweide, Keyser Philipses geheimen rahte, den Goldast anzeucht, einen einigen ort setzen; darauß leichtlich wird zue sehen sein, wie hoch sich selbige vorneme Männer, vngeachtet jhrer adelichen ankunfft vnd standes, der Poeterey angemaßet:

Nun sende vns Vater vnd Suhn den rechten Geist heraben,
Das wir mit deiner süssen füchte ein dürres hertze erlaben.
Vnkristenlichen dingen ist al al dui kristenheit so vol,
Swa kristentum ze siechhus lit da tut man jhm nicht wol.
Ihn dürstet sehre
Nach der lehre
Als er vom Rome was gewon,
Der jhn da schancte
Vnd jhn da trancte
Als é da wurde er varende von.
Swas im da leides je gewar
Das kam von Symonis gar.
Vnd ist er da so fründebar
Das er engetar
[C 3b] Nicht sin schaden genügen.
Kristentum vnd Kristenheit
Der disü zwei zusamme sueit
Gelih lanc, gelih breit,
Lieb vnd leit
Der wolte auch das wir trügen
In kriste Kristenliches leben
Sit er vns vf eine gegeben
So suln wir vns nicht scheiden, &c.

Das nun von langer zeit her dergleichen zue vben in vergessen gestellt ist worden, ist leichtlicher zue beklagen, als die vrsache hiervon zue geben. Wiewol auch bey den Italienern erst Petrarcha die Poeterey in seiner Muttersprache getrieben hat, vnnd nicht sehr vnlengst Ronsardus; von deme gesaget wird, das er, damit er sein Frantzösisches desto besser außwürgen köndte, mit der Griechen schrifften gantzer zwölff jahr sich vberworffen habe; als von welchen die Poeterey jhre meiste Kunst, art vnd liebligkeit bekommen. Vnd muß ich nur bey hiesiger gelegenheit ohne schew dieses errinnern, das ich es für eine verlorene arbeit halte, im fall sich jemand an vnsere deutsche Poeterey machen wolte, der, nebenst dem das er ein Poete von natur sein muß, in den griechischen vnd Lateinischen büchern nicht wol durchtrieben ist, vnd von jhnen den rechten grieff erlernet hat; das auch alle die lehren, welche sonsten zue der Poesie erfodert werden, vnd ich jetzund kürtzlich berühren wil, bey jhm nichts verfangen können.

Das V. Capitel.
[C 4a] Von der zuegehör der Deutschen Poesie, vnd erstlich von der invention oder erfindung, vnd Disposition oder abtheilung der dinge von denen wir schreiben wollen.

WEil die Poesie, wie auch die Rednerkunst, in dinge vnd worte abgetheilet wird; als wollen wir erstlich von erfindung vnd eintheilung der dinge, nachmals von der zuebereitung vnd ziehr der worte, vnnd endtlich vom maße der sylben, Verse, reimen, vnnd vnterschiedener art der carminum vnd getichte reden.

Die erfindung der dinge ist nichts anders als eine sinnreiche faßung aller sachen die wir vns einbilden können, der Himlischen vnd jrrdischen, die Leben haben vnd nicht haben, welche ein Poete jhm zue beschreiben vnd herfür zue bringen vornimpt: darvon in seiner Idea Scaliger außfürlich berichtet. An dieser erfindung henget stracks die abtheilung, welche bestehet in einer füglichen vnd artigen ordnung der erfundenen sachen. Hier mußen wir vns besinnen, in was für einem genere carminis vnd art der getichte (weil ein jegliches seine besondere zuegehör hat) wir zue schreiben willens sein.

Ein Heroisch getichte (das gemeiniglich weitleufftig ist, vnd von hohem wesen redet) soll man stracks von seinem innhalte vnd der Proposition anheben; wie Virgilius in den büchern vom Ackerbawe thut:

Quid faciat lætas segetes, quo sidere terram
Vertere, Mæcenas, vlmisque adiungere vites
Conueniat; quæ cura boum, qui cultus habendo
Sit pecori, atque apibus quanta experientia parcis,
Hinc canere incipiam.

Vnd ich (wiewol ich mich schäme, das ich in mangel ande-[C 4b]rer deutschen exempel mich meiner eigenen gebrauchen soll, weil mir meine wenigkeit vnd vnvermögen wol bewust ist) in dem ersten buche der noch vnaußgemachten Trostgetichte in Wiederwertigkeit des Krieges:

Des schweren Krieges last den Deutschland jetzt empfindet,
Vnd das Gott nicht vmbsonst so hefftig angezündet
Den eifer seiner macht, auch wo in solcher pein
Trost her zue holen ist, soll mein getichte sein.

Nachmals haben die heiden jhre Götter angeruffen, das sie jhnen zue vollbringung des werckes beystehen wollen: denen wir Christen nicht allein folgen, sondern auch an frömigkeit billich sollen vberlegen sein. Virgilius spricht weiter an gedachtem orte:

Vos, o clarissima mundi
Lumina, labentem cœlo quæ ducitis annum,
Liber, & alma Ceres, &c.

Vnd ich:

Diß hab ich mir anjetzt zue schreiben fürgenommen.
Ich bitte wollest mir geneigt zue hülffe kommen
Du höchster trost der welt, du zueversicht in not,
Du Geist von GOtt gesandt, ia selber wahrer GOtt.
Gieb meiner Zungen doch mit deiner glut zue brennen,
Regiere meine faust, vnd laß mich glücklich rennen
Durch diese wüste bahn, durch dieses newe feldt,
Darauff noch keiner hat für mir den fuß gestelt.

Wiewol etliche auch stracks zue erste die anruffung setzen. Als Lucretius:

[D 1a] Aeneadum genetrix, hominum diuumque voluptas,
Alma Venus, &c.

Vnd Wilhelm von Sallust in seiner andern woche:

Grand Dieu, qui de ce Tout m'as fait voir la naissance,
Descouure son berceau, monstre-moy son enfance.
Pourmeine mon esprit par les fleuris destours
Des vergers doux-flairans, où serpentoit le cours
De quatre viues eaux: conte-moy quelle offence
Bannit des deux Edens Adam, & sa semence.
Gott, der du mich der welt geburt hast sehen lassen,
Laß mich nun jhre wieg' vnd kindheit jetzt auch fassen,
Vnd meinen Geist vnd sinn sich in dem kreiß' ergehn
Der gärte vol geruchs, hier wo vier flüsse schön'
Hinrauschen mitten durch: erzehl vmb was für sachen
Sich Adam vnd sein sam' auß Eden muste machen.

Doch ist, wie hier zue sehen, in der anruffung allzeit die proposition zuegleich begrieffen. Auff dieses folget gemeiniglich die dedication; wie Virgilius seine Georgica dem Keiser Augustus zuegeschrieben. Item die vrsache, warumb man eben dieses werck vor sich genommen: wie im dritten buche vom Ackerbawe zue sehen:

Cetera, quæ vacuas tenuissent carmina mentes,
Omnia, jam vulgata; vnd wie folget. Dem ich in den Trostgetichten auch habe nachkommen wollen:

Das ander ist bekandt. wer hat doch nicht geschrieben
[D 1b] Von Venus eitelkeit, vnd von dem schnöden lieben,
Der blinden jugendt lust? wer hat noch nie gehört
Wie der Poeten volck die grossen Herren ehrt,
Erhebt sie an die lufft, vnd weiß herauß zue streichen
Was besser schweigens werth, lest seine feder reichen
Wo Menschen tapfferkeit noch niemals hin gelangt,
Macht also das die welt mit bloßen lügen prangt?
Wer hat zue vor auch nicht von riesen hören sagen,
Die Waldt vnd Berg zuegleich auff einen orth getragen,
Zue stürtzen Jupitern mit aller seiner macht,
Vnnd was des wesens mehr? nun ich bin auch bedacht
Zue sehen ob ich mich kan auß dem staube schwingen,
Vnd von der dicken schar des armen volckes dringen
So an der erden klebt. ich bin begierde voll
Zue schreiben wie man sich im creutz' auch frewen soll,
Sein Meister seiner selbst. ich wil die neun Göttinnen,
Die nie auff vnser deutsch noch haben reden können,
Sampt jhrem Helicon mit dieser meiner handt
Versetzen allhieher in vnser Vaterlandt.
Vieleichte werden noch die bahn so ich gebrochen,
Geschicktere dann ich nach mir zue bessern suchen,
[D 2a] Wann dieser harte krieg wird werden hingelegt,
Vnd die gewündschte rhue zue Land vnd Meer gehegt.

Das getichte vnd die erzehlung selber belangend, nimpt sie es nicht so genawe wie die Historien, die sich an die zeit vnd alle vmbstende nothwendig binden mußen, vnnd wiederholet auch nicht, wie Horatius erwehnet, den Troianischen krieg von der Helenen vnd jhrer brüder geburt an: lest viel außen was sich nicht hin schicken wil, vnd setzet viel das zwar hingehöret, aber newe vnd vnverhoffet ist, vntermenget allerley fabeln, historien, Kriegeskünste, schlachten, rathschläge, sturm, wetter, vnd was sonsten zue erweckung der verwunderung in den gemütern von nöthen ist; alles mit solcher ordnung, als wann sich eines auff das andere selber allso gebe, vnnd vngesucht in das buch keme. Gleichwol aber soll man sich in dieser freyheit zue tichten vorsehen, das man nicht der zeiten vergeße, vnd in jhrer warheit irre. Wiewol es Virgilius, da er vorgegeben, Eneas vnd Dido hetten zue einer zeit gelebet, da doch Dido hundert jahr zuevor gewesen, dem Keyser vnd Römischen volcke, durch welches die stadt Carthago bezwungen worden, zue liebe gethan, damit er gleichsam von den bösen flüchen der Dido einen anfang der feindschafft zwischen diesen zweyen mächtigen völckern machte. Ob aber bey vns Deutschen so bald jemand kommen möchte, der sich eines vollkommenen Heroischen werckes vnterstehen werde, stehe ich sehr im zweifel, vnnd bin nur der gedancken, es sey leichtlicher zue wündschen als zue hoffen.

Die Tragedie ist an der maiestet dem Heroischen getichte gemeße, ohne das sie selten leidet, das man geringen standes personen vnd schlechte sachen einführe: weil sie nur von Königlichem willen, Todtschlägen, verzweiffelungen, Kinder- vnd Vätermörden, brande, blutschanden, kriege vnd auffruhr, kla-[D 2b]gen, heulen, seuffzen vnd dergleichen handelt. Von derer zugehör schreibet vornemlich Aristoteles, vnd etwas weitleufftiger Daniel Heinsius; die man lesen kan.

Die Comedie bestehet in schlechtem wesen vnnd personen; redet von hochzeiten, gastgeboten, spielen, betrug vnd schalckheit der knechte, ruhmrätigen Landtsknechten, buhlersachen, leichtfertigkeit der jugend, geitze des alters, kupplerey vnd solchen sachen, die täglich vnter gemeinen Leuten vorlauffen. Haben derowegen die, welche heutiges tages Comedien geschrieben, weit geirret, die Keyser vnd Potentaten eingeführet; weil solches den regeln der Comedien schnurstracks zuewieder laufft.

Zue einer Satyra gehören zwey dinge: die lehre von gueten sitten vnd ehrbaren wandel, vnd höffliche reden vnd schertzworte. Jhr vornemstes aber vnd gleichsam als die seele ist, die harte verweisung der laster vnd anmahnung zue der tugend: welches zue vollbringen sie mit allerley stachligen vnd spitzfindigen reden, wie mit scharffen pfeilen, vmb sich scheußt. Vnd haben alle Satyrische scribenten zum gebrauche, das sie vngeschewet sich vor feinde aller laster angeben, vnd jhrer besten freunde ja jhrer selbst auch nicht verschonen, damit sie nur andere bestechen mögen: wie es denn alle drey Horatius, Juuenalis vnnd Persius meisterlich an den tag gegeben.

Das Epigramma setze ich darumb zue der Satyra, weil die Satyra ein lang Epigramma, vnd das Epigramma eine kurtze Satyra ist: denn die kürtze ist seine eigenschafft, vnd die spitzfindigkeit gleichsam seine seele vnd gestallt; die sonderlich an dem ende erscheinet, das allezeit anders als wir verhoffet hetten gefallen soll: in welchem auch die spitzfindigkeit vornemlich bestehet. Wiewol aber das Epigramma aller sachen vnnd wörter fähig ist, soll es doch lieber in Venerischem wesen, vberschrifften der begräbniße vnd gebäwe, Lobe vornemer Männer vnd Frawen, kurtzweiligen schertzreden vnnd anderem, es sey was [D 3a] es wolle, bestehen, als in spöttlicher hönerey vnd auffruck anderer leute laster vnd gebrechen. Denn es ist eine anzeigung eines vnverschämten sicheren gemütes, einen jetwedern, wie vnvernünfftige thiere thun, ohne vnterscheidt anlauffen.

Die Eclogen oder Hirtenlieder reden von schaffen, geißen, seewerck, erndten, erdgewächsen, fischereyen vnnd anderem feldwesen; vnd pflegen alles worvon sie reden, als von Liebe, heyrathen, absterben, buhlschafften, festtagen vnnd sonsten auff jhre bäwrische vnd einfältige art vor zue bringen.

In den Elegien hat man erstlich nur trawrige sachen, nachmals auch buhlergeschäffte, klagen der verliebten, wündschung des todes, brieffe, verlangen nach den abwesenden, erzehlung seines eigenen Lebens vnnd dergleichen geschrieben; wie dann die meister derselben, Ouidius, Propertius, Tibullus, Sannazar, Secundus, Lotichius vnd andere außweisen.

Das ich der Echo oder des Wiederruffes zue ende der wörter gedencke, thue ich erstlich dem Dousa zue ehren, welcher mit etlichen solchen getichten gemacht hat, das wir etwas darvon halten; wiewol das so Secundus geschrieben (wie alle andere seine sachen) auch sehr artlich ist: darnach aber, weil ich sehe, das sie bey den Frantzosen gleichfalls im gebrauche sein; bey denen man sich ersehen kan. So sind jhrer auch zwey in meinen deutschen Poematis, die vnlengst zue Straßburg auß gegangen, zue finden. Welchen buches halben, das zum theil vor etlichen jahren von mir selber, zum theil in meinem abwesen von andern vngeordnet vnd vnvbersehen zuesammen gelesen ist worden, ich alle die bitte denen es zue gesichte kommen ist, sie wollen die vielfältigen mängel vnd irrungen so darinnen sich befinden, beydes meiner jugend, (angesehen das viel darunter ist, welches ich, da ich noch fast ein knabe gewesen, geschrieben habe) vnnd dann denen zuerechnen, die auß keiner bösen meinung meinen gueten namen dadurch zue erweitern bedacht ge-[D 3b]wesen sein. Ich verheiße hiermitt, ehestes alle das jenige, was ich von dergleichen sachen bey handen habe, in gewiße bücher ab zue theilen, vnd zue rettung meines gerüchtes, welches wegen voriger vbereileten edition sich mercklich verletzt befindet, durch offentlichen druck jedermann gemeine zue machen.

Hymni oder Lobgesänge waren vorzeiten, die sie jhren Göttern vor dem altare zue singen pflagen, vnd wir vnserem GOtt singen sollen. Dergleichen ist der lobgesang den Heinsius vnserem erlöser, vnd der den ich auff die Christnacht geschrieben habe. Wiewol sie auch zuezeiten was anders loben; wie bey dem Ronsard ist der Hymnus der Gerechtigkeit, Der Geister, des Himmels, der Sternen, der Philosophie, der vier Jahreszeiten, des Goldes, &c.

Sylven oder wälder sind nicht allein nur solche carmina, die auß geschwinder anregung vnnd hitze ohne arbeit von der hand weg gemacht werden, von denen Quintilianus im dritten Capitel des zehenden buches saget: Diuersum est huic eorum vitium, qui primùm discurrere per materiam stylo quàm velocissimo volunt, & sequentes calorem atque impetum ex tempore scribunt: Hoc syluam vocant; vnd wie an den schönen syluis die Statius geschrieben zue sehen ist, welche er in der Epistel für dem ersten buche nennet libellos qui subito calore & quadam festinandi voluptate ipsi fluxerant: sondern, wie jhr name selber anzeiget, der vom gleichniß eines Waldes, in dem vieler art vnd sorten Bäwme zue finden sindt, genommen ist, sie begreiffen auch allerley geistliche vnnd weltliche getichte, als da sind Hochzeit- vnd Geburtlieder, Glückwündtschungen nach außgestandener kranckheit, item auff reisen, oder auff die zuerückkunft von denselben, vnd dergleichen.

Die Lyrica oder getichte die man zur Music sonderlich gebrauchen kan, erfodern zueföderst ein freyes lustiges gemüte, vnd wollen mit schönen sprüchen vnnd lehren häuffig geziehret [D 4a] sein: wieder der andern Carminum gebrauch, da man sonderliche masse wegen der sententze halten muß; damit nicht der gantze Cörper vnserer rede nur lauter augen zue haben scheine, weil er auch der andern glieder nicht entberen kan. Jhren inhalt betreffendt, saget Horatius:

Musa dedit fidibus diuos, puerosque deorum
Et pugilem victorem, & equum certamine primum,
Et iuuenum curas, & libera vina referre.

Er wil so viel zue verstehen geben, das sie alles was in ein kurtz getichte kan gebracht werden beschreiben können; buhlerey, täntze, banckete, schöne Menscher, Gärte, Weinberge, lob der mässigkeit, nichtigkeit des todes, &c. Sonderlich aber vermahnung zue der fröligkeit: welchen inhalts ich meiner Oden eine, zue beschliessung dieses Capitels, setzen wil:

Ode.
Ich empfinde fast ein grawen
Das ich, Plato, für vnd für
Bin gesessen vber dir;
Es ist zeit hienauß zue schawen,
Vnd sich bei den frischen quellen
In dem grünen zue ergehn,
Wo die schönen Blumen stehn,
Vnd die Fischer netze stellen.
Worzue dienet das studieren,
Als zue lauter vngemach?
Vnter dessen laufft die Bach
Vnsers lebens das wir führen,
Ehe wir es innen werden,
[D 4b] Auff jhr letztes ende hin;
Dann kömpt (ohne geist vnd sinn),
Dieses alles in die erden.
Hola, Junger, geh' vnd frage
Wo der beste trunck mag sein;
Nim den Krug, vnd fülle Wein.
Alles trawren leidt vnd klage,
Wie wir Menschen täglich haben
Eh' vns Clotho fortgerafft
Wil ich in den süssen safft
Den die traube giebt vergraben.
Kauffe gleichfals auch melonen,
Vnd vergiß des Zuckers nicht;
Schawe nur das nichts gebricht.
Jener mag der heller schonen,
Der bey seinem Gold vnd Schätzen
Tolle sich zue krencken pflegt
Vnd nicht satt zue bette legt;
Ich wil weil ich kan mich letzen.
Bitte meine guete Brüder
Auff die music vnd ein glaß
Nichts schickt, dünckt mich, nicht sich baß
Als guet tranck vnd guete Lieder.
Laß ich gleich nicht viel zue erben,
Ey so hab' ich edlen Wein;
Wil mit andern lustig sein,
Muß ich gleich alleine sterben.

[E 1a] Das VI. Capitel.
Von der zuebereitung vnd ziehr der worte.

NAch dem wir von den dingen gehandelt haben, folgen jetzund die worte; wie es der natur auch gemeße ist. Denn es muß ein Mensch jhm erstlich etwas in seinem gemüte fassen, hernach das was er gefast hat außreden. Die worte bestehen in dreyerley; inn der elegantz oder ziehrligkeit, in der composition oder zuesammensetzung, vnd in der dignitet vnd ansehen.

Die ziehrligkeit erfodert das die worte reine vnd deutlich sein. Damit wir aber reine reden mögen, sollen wir vns befleissen deme welches wir Hochdeutsch nennen besten vermögens nach zue kommen, vnd nicht derer örter sprache, wo falsch geredet wird, in vnsere schrifften vermischen: als da sind, es geschach, für, es geschahe, er sach, für, er sahe; sie han, für sie haben vnd anderes mehr: welches dem reime auch bißweilen außhelffen sol; als:

Der darff nicht sorgen für den spot,
Der einen schaden krieget hot.

So stehet es auch zum hefftigsten vnsauber, wenn allerley Lateinische, Frantzösische, Spanische vnnd Welsche wörter in den text vnserer rede geflickt werden; als wenn ich wolte sagen:

Nennt an die courtoisie, vnd die deuotion,
Die euch ein cheualier, madonna, thut erzeigen:
Ein' handvol von fauor petirt er nur zue lohn,
Vnd bleibet ewer Knecht vnd seruiteur gantz eigen.

Wie selttzam dieses nun klinget, so ist nichts desto weniger die thorheit innerhalb kurtzen Jharen so eingeriessen, das ein jeder, [E 1b] der nur drey oder vier außländische wörter, die er zum offtern nicht verstehet, erwuscht hat, bey aller gelegenheit sich bemühet dieselben herauß zue werffen, Da doch die Lateiner eine solche abschew vor dergleichen getragen, das in jhren versen auch fast kein griechisch wort gefunden wird, das zwar gantz griechisch ist. Dann Juuenalis setzet inn einem orte ζωὴ καὶ ψυχή, eben dieselben auß zue lachen, die sich in jhren buhlereyen mit griechischen wörtern behelffen: in dem andern orte aber thut er es darumb, das er die schändliche sünde, daran Christen auch nicht gedencken sollen, lateinisch auß zuesprechen abschew treget: wiewol er sonsten kein blat für das maul nimpt. Was aber die nomina propria oder eigentlichen namen der Götter, Männer vnd Weiber vnd dergleichen betrifft, dürffen wir nach art der Lateiner vnd Griechen jhre casus nicht in acht nemen, sondern sollen sie so viel möglich auff vnsere endung bringen. Als, ich mag künlich nach der Deutschen gebrauche sagen:

Der schnelle plitz, des Jupiters geschoß,

vnd nicht, des Jouis. Item, der Venus pfeile, nicht veneris. Wie es denn auch die Römer mit den griechischen wörtern machen. Die Frantzosen gleichfals. Bartaß in seinem Buche, dem er den titel die Herrligkeit gegeben:

Vn grand Gymnosophiste, vn Druyde, vn Brachman.

Item die Hollender. Als Heinsius:

van daer is zij gegaen
By Thetis haer vrindin, en sprack Neptunus aen.

Doch können wir anfanges, weil es in vieler ohren noch etwas harte lautet, etliche lateinische endungen noch gebrauchen, biß wir in die gewonheit kommen sind. Als wenn ich der Erinnen, die Stobeus anzeucht, verß geben wollte.

Χαῖρέ μοι Ῥώμα θυγάτηρ Ἄρηος,

mag ich wol setzen:

[E 2a] O Rom, des Martis kind, sey sehr gegrüßt von mir; denn im fall ich spreche, O Rom, du kind des Mars, möchte es vielen zue anfange seltzam vorkommen.

Die diphthongi oder doppeltlautenden Buchstaben, weil sie bey vns nicht vblich, dürffen nur mit dem selblautenden buchstaben geschrieben werden, dessen thon sie haben; als Enéas, Eschylus, Mecenas &c.

Newe wörter, welches gemeiniglich epitheta, derer wir bald gedencken werden, vnd von andern wörtern zuesammen gesetzt sindt, zue erdencken, ist Poeten nicht allein erlaubet, sondern macht auch den getichten, wenn es mässig geschiehet, eine sonderliche anmutigkeit. Als wenn ich die nacht oder die Music eine arbeittrösterinn, eine kummerwenderinn, die Bellona mit einem dreyfachen worte kriegs-blut-dürstig, vnd so fortan nenne. Item den Nortwind einen wolckentreiber, einen felssen stürmer vnd meerauffreitzer: wie jhn Ronsardt (denn die Frantzosen nechst den Griechen hierinnen meister sindt) im 202. Sonnet seines andern buches der Buhlersachen heisset:

Fier Aquilon horreur de la Scythie,
Le chasse-nue, & l'esbransle-rocher,
L'irrite-mer.

Welches auß dem Ouidio genommen ist.

Apta mihi vis est, hac tristia nubila pello,
Hac freta concutio, nodosaque robora verto.

Solches stehet auch an seinem orte bey den Lateinern nicht vbel; als da Catullus saget in seinem vberauß schönen getichte vom Atys:

Vbi cerua syluicultrix, vbi aper nemoriuagus Vnd Publius Syrus von dem storche:

Pietaticultrix, gracilipes, crotalistria,
Auis exulhiemis.

[E 2b] In welchen erfindungen Joseph Scaliger zue vnserer zeit meines bedünckens alle andere, auch die alten selber, vbertroffen.

Darbey aber vns Deutschen diß zue mercken ist, das das nomen verbale, als treiber, stürmer, auffreitzer, &c. allzeit, wie bey den Lateinern, muß hinten gesetzt werden; wieder der Frantzosen gebrauch, derer sprache es nicht anders mit sich bringt. So Heinsius in dem Lobgetichte des Weingottes, welches er auch zum theil von dem Ronsardt entlehnet:

Nacht-looper, Heupe-soon, Hooch-schreeuwer, Groote-springer,
Goet-geuer, Minne-vrient, Hooft-breker, Leeuwen-dwinger,
Hert-vanger, Herßen-dief, Tong-binder, Schudde-dol,
Geest-roerder, Waggel-voet, Staet-kruijßer, Altijet-vol.

Vnd nach meiner verdolmetschung:

Nacht-leuffer, Hüffte-sohn, Hoch-schreyer, Lüfften-springer,
Guet-geber, Liebesfreundt, Haupt-brecher, Löwen-zwinger,
Hertz-fänger, Hertzen-dieb, Mund-binder, Sinnen-toll,
Geist-rhürer, wackel-fuß, Stadt-kreischer, Allzeit-voll.

Wie denn auch sonsten die epitheta bey vns gar ein vbel außsehen haben, wenn sie hinter jhr substantiuum gesetzet werden, als: Das mündlein roht, der Weltkreiß rund, die hände fein; für: das rothe mündlein, der [E 3a] runde Weltkreiß, die feinen hände, &c. wiewol bey vnsern reimenmachern nichts gemeiner ist.

So bringen auch die Frantzosen newe Verba herfür, welche, wenn sie mit bescheidenheit gesetzet werden, nicht vnartig sind. Als Ronsardt brauchet in einer Elegie an die Caßandra, das wort Petrarquiser, das ist, wie Petrarcha buhlerische reden brauchen:

Apprendre l'art de bien Petrarquiser.

Vnd ich habe es jhm mit einem anderen worte nachgethan, da ich die Leyer anrede:

Jetzt solt du billich mehr als wol,
O meine lust, Pindarisiren.

Ich darff aber darumb nicht bald auß dem Frantzösischen sagen: approchiren, marchiren; oder auß dem Lateine: dubitiren, seruiren; gaudiren, wie zwar die zue thun pflegen, die eher jhre Muttersprache verterben, als das sie nicht wollen sehen laßen, das sie auch was frembdes gelernet haben.

Wie nun wegen reinligkeit der reden frembde wörter vnnd dergleichen mußen vermieden werden; so muß man auch der deutligkeit halben sich für alle dem hüten, was vnsere worte tunckel vnd vnverstendtlich macht. Als wann ich sagen wollte: Das weib das thier ergrieff. Hier were zue zweiffeln, ob das weib vom thiere, oder das thier vom weibe were ergrieffen worden: welches die Griechen eine ἀμφιβολίαν nennen.

Der πλεονασμὸς, da etwas vbriges gesaget wird, verstellet auch die rede zue weilen nicht wenig. Als wann ich spreche:

Ein schwartzes Kind das nicht war weiß;

weil es sich wol ohne diß verstehet. So wie Pansa sagete: Das Kind were von der Mutter zehen monat im leibe getragen worden: fragete Cicero: ob andere weiber die kinder im rocke trügen. Doch hilfft bißweilen das was vbrig hinzue gesetzet wird auch zu [E 3b] auffmutzung der rede. So saget Virgilius:

Vocemque his auribus hausi.
Mit meinen ohren hab' ich es vernommen;

zue mehrer bestetigung deßen das er erzehlet.

Die ἀναστροφὴ oder verkehrung der worte stehet bey vns sehr garstig, als: Den sieg die Venus kriegt; für: Die Venus kriegt den sieg. Item: Sich selig dieser schätzen mag; für: Dieser mag sich selig schätzen. Vnnd so offte dergeleichen gefunden wird, ist es eine gewiße anzeigung, das die worte in den verß gezwungen vnd gedrungen sein.

Auff die außlesung der worte, sagen wir nun billich auch von jhrer zuesammensetzung; wie wir nemlich die buchstaben, syllaben vnd wörter aneinander fügen sollen.

Weil ein buchstabe einen andern klang von sich giebet als der andere, soll man sehen, das man diese zum offteren gebrauche, die sich zue der sache welche wir für vns haben am besten schicken. Als wie Virgilius von dem berge Etna redet, brauchet er alles harte vnd gleichsam knallende buchstaben:

Vidimus vndantem ruptis fornacibus Aetnam
Flammarumque globos, liquefactaque voluere saxa
wie Etna, wenn er strewet
Die flammen in die lufft, vnd siedend' hartz außspeyet,
Vnd durch den holen schlund bald schwartze wolcken bläßt,
Bald gantze klüfften stein' vnd kugeln fliegen lest.

Heinsius saget:

Gelyck als Etna schiet vyt haere diepe kolcken
Een grondeloose zee van vlammen in de wolcken.

So, weil das L vnd R fließende buchstaben sein kan ich mir [E 4a] sie in beschreibung der bäche vnd wäßer wol nütze machen, als:

Der klare brunnen quilt mitt lieblichem gerausche &c.

Wie nun bißweilen eine solche zuesammenstoßung der buchstaben recht vnd guet ist; soll man sie doch sonsten mitt einander so wißen zue vermengen, das nicht die rede dadurch gar zue raw oder zue linde werde. Eben dieses ist es auch, wann eine syllabe oder wort zue offte wiederholet wird; als: Die die dir diese dinge sagen.

Item, Es siehet nicht wol auß, wenn ein Verß in lauter eynsylbigen wörtern bestehet. Deßen exempel Ronsard giebet:

Ie vy le ciel si beau, si pur et net.

Wiewol wir deutschen, wegen der menge der einsylbigen wörter die wir haben, es zuezeiten kaum vermeiden können.

Hergegen sollen die verß, sonderlich die Masculini (wie wir sie im folgenden Capitel nennen werden) sich nicht mit viel sylbigen wörtern enden.

Ich wil euch williglich mit vnterthänigkeit.
Zue dienste sein, Hertzlieb, bey der gelegenheit.

Dann die verß gar zue grob vnd harte dadurch gemacht werden.

Das ansehen vnd die dignitet der Poetischen rede anlangt, bestehet dieselbe in den tropis vnnd schematibus, wenn wir nemblich ein wort von seiner eigentlichen bedeutung auff eine andere ziehen. Dieser figuren abtheilung, eigenschafft vnd zuegehör allhier zue beschreiben, achte ich darumb vnvonnöthen, weil wir im deutschen hiervon mehr nicht als was die Lateiner zue mercken haben, vnd also genungsamen vnterricht hiervon neben den exempeln aus Scaligers vnnd anderer gelehrten leute büchern nemen können. Dessen wil ich nur erinnern, das für allen dingen nötig sey, höchste möglichkeit zue versuchen, wie man die epitheta; an denen bißher bey vns grosser mangel ge-[E 4a]wesen, sonderlich von den Griechen vnd Lateinischen abstehlen, vnd vns zue nutze machen möge: Dann sie den Poetischen sachen einen solchen glantz geben, das Stesichorus für den anmutigsten Poeten ist gehalten worden, weil er desselbigen zum füglichsten sich gebraucht hat.

Sie mussen aber so gemacht werden, das sie entweder die dinge von denen wir reden von andern vnterscheiden; als da der Poet spricht: nigra hirundo, die schwartze Schwalbe, oder sie vermehren als: frigida bello Dextera, eine handt die im kriege nicht viel außrichtet.

Sie mussen auch warhafftig sein, vnd etwas nicht anders beschreiben als es ist. Zum exempel: florida Hybla; weil viel Blumen darauff wachsen sollen: Parnassia laurus, æstuosa Calabria, vnd dergleichen. Strabo rhümet den Homerus, das er die eigenschafft eines, etwedern dinges sehr genaw in acht genommen, vnd jhm vnfehlber sein gehöriges epitheton allzeit gegeben habe. Die Poeten, denen mehr freyheit als den Oratoren eingeräumet ist, können auch wol den schnee weiß, vnnd den wein feuchte nennen: wie Aristoteles im dritten buche der Rhetoric, vnnd Quintilianus im sechsten Capitel des achten buches saget. Wiewol Virgilius nicht ohne vrsache setzet:

cæduntque securibus humida vina;

Denn in dem er spricht, das man in den Mitternächtischen Ländern den gefrorenen Wein, der doch von natur sonst naß ist, mit äxten zuehawen muß, macht er das man desto mehr der vngewöhnlichen kälte nachdenckt.

Letzlich haben wir in vnserer sprache dieses auch zue mercken, das wir nicht vier oder fünff epitheta zu einem worte setzen, wie die Italiener thun, die wol sagen dürffen:

Alma, bella, angelica, et fortunata donna;
Du schönes, weisses, englisches, glückhafftes, edles bildt;

[F 1a] Denn solches bloß zue außfüllung des verses dienet.

Dieses sey nun von der allgemeinen zuegehör der Poetischen rede: weil aber die dinge von denen wir schreiben vnterschieden sind, als gehöret sich auch zue einem jeglichen ein eigener vnnd von den andern vnterschiedener Character oder merckzeichen der worte. Denn wie ein anderer habit einem könige, ein anderer einer priuatperson gebühret, vnd ein Kriegesman so, ein Bawer anders, ein Kauffmann wieder anders hergehen soll: so muß man auch nicht von allen dingen auff einerley weise reden; sondern zue niedrigen sachen schlechte, zue hohen ansehliche, zue mittelmässigen auch mässige vnd weder zue grosse noch zue gemeine worte brauchen.

In den niedrigen Poetischen sachen werden schlechte vnnd gemeine leute eingeführet; wie in Comedien vnd Hirtengesprechen. Darumb tichtet man jhnen auch einfaltige vnnd schlechte reden an, die jhnen gemässe sein: So Tityrus bey dem Poeten, wenn er seines Gottes erwehnet, redet er nicht von seinem plitze vnd donner, sondern

Ille meas, sagt er, errare boues, vt cernis, & ipsum
Ludere quæ vellem calamo permisit agresti.
Du siehst, er leßt mein Vieh herumb gehn ohne ziehl,
Vnd mich auff meiner flöt' auch spielen was ich wil.

Wie Theocritus sonsten inn dem paß wol jederman vberlegen, so weiß ich doch nicht wie sein Aites mir sonderlich behaget: inmassen ich denn auch halte, das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses Idyllion Lateinisch vnnd Hollendisch gegeben. Weil ich jhm aber im deutschen nachgefolget, vnd den niedrigen Character, von dem wir jetzo reden, nicht besser vorzuestellen weiß, wil ich meine übersetzung hierneben fügen.

[F 1b] Theocriti Aites.
Bist du gekommen dann, nach dem ich nun gewacht
Nach dir, mein liebstes Kind, den dritten tag vnnd Nacht?
Du bist gekommen, ja. doch wer nicht kan noch mag
Sein lieb sehn wann er wil, wird alt auff einen tag.
So viel der Früling wird dem Winter vorgesetzt,
Vor wilden pflaumen vns ein Apffel auch ergetzt,
Das Schaff mit dicker woll' ein Lamb beschämen kan,
Die Jungfraw süsser ist als die den dritten Man
Bereit hat fort geschickt; so viel als besser springt
Ein rehbock als ein Kalb, vnd wann sie lieblich singt
Die leichte Nachtigall den Vogeln abgewint,
So ist dein beysein mir das liebste das man findt.
Ich habe mich gesetzt bey diesen Buchbawm hin,
Gleich wie ein Wandersman thut im fürüber ziehn,
In dem die Sonne sticht. ach, das die liebe doch
Vns wolte beyderseits auch fügen an jhr ioch,
An jhr gewündtschtes Ioch, vnd das die nach vns sein
Von vns mit stettem rhum erzehlten vberein:
Es ist ein liebes par gewesen vor der zeit,
Das eine freyte selbst, das ander ward gefreyt:
Sie liebten beyde gleich. ward nicht das volck ergetzt
Wie liebe wiederumb mit liebe ward ersetzt!
Ach Jupiter, vnd jhr, jhr Götter gebt mir zue,
[F 2a] Wann ich nach langer zeit schon lieg' in meiner rhue,
Das ich erfahren mag, das dem der mich jtzt liebt
Vnd meiner trewen gunst ein jeder zeugniß giebt;
Doch mehr das junge volck. nun diß muß nur ergehn,
Jhr Götter, wie jhr wolt. es pflegt bey euch zue stehn
Doch lob' ich dich zwar hoch, so hoff' ich dennoch nicht
Das jrrgend jemand ist der etwas anders spricht.
Dann ob dein grimm mir schon offt' etwas vbels thut
So machst du es hernach doch doppelt wieder gut.
O volck von Megara, jhr schiffer weit bekandt,
Ich wündsche das jhr wol bewohnt das reiche landt
Vnd vfer bey Athen, weil jhr so höchlich liebt
Dioclem der sich auch im lieben sehr geübt:
Weil allzeit vmb sein grab sehr viel liebhaber stehn,
Die lernen einig nur mit küssen vmb recht gehn,
Vnd streiten gleich darumb, vnd wer dann Mundt an mundt
Am aller besten legt, dem wird der krantz vergunt,
Den er nach hause dann zue seiner Mutter bringt.
Ach, ach, wie glücklich ist dem es so wol gelingt
Das er mag richter sein. wie offte rufft er wol
Das Ganymedes jhm den Mund so machen sol
Als einen Stein durch den der goldschmiedt vrtheil spricht
Ob auch gewiß das Goldt recht gut sey oder nicht.

[F 2b] Hergegen in wichtigen sachen, da von Göttern, Helden, Königen, Fürsten, Städten vnd der gleichen gehandelt wird, muß man ansehliche, volle vnd hefftige reden vorbringen, vnd ein ding nicht nur bloß nennen, sondern mit prächtigen hohen worten vmbschreiben. Virgilius sagt nicht: die oder luce sequenti; sondern