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C. F. Gellerts Sämmtliche Schriften / Zweyter Theil cover

C. F. Gellerts Sämmtliche Schriften / Zweyter Theil

Chapter 46: Abendlied.
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About This Book

A collection of didactic and devotional verse offering moral reflections and practical exhortations. It gathers moral poems on wealth, honor, pride, friendship, fame, and benevolence; occasional pieces and dedications; and religious odes and hymns—prayers, meditations on providence, repentance, death, and virtue. Many poems model charitable action, moderation, and piety, arguing for measured living, care for the poor, cultivation of reason and virtue, and trust in divine guidance. The sequence alternates ethical instruction with liturgical and contemplative songs, blending concise moral aphorism with lyrical addresses on consolation, gratitude, and the duties of believers.

Gott ist mein Lied!
Er ist der Gott der Stärke;
Hehr ist sein Nam, und groß sind seine Werke,
Und alle Himmel sein Gebiet.
Er will und sprichts;
So sind und leben Welten.
Und er gebeut; so fallen durch sein Schelten
Die Himmel wieder in ihr Nichts.
Licht ist sein Kleid,
Und seine Wahl das Beste;
Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste
Ist Wahrheit und Gerechtigkeit.
Unendlich reich,
Ein Meer von Seligkeiten,
Ohn Anfang Gott, und Gott in ewgen Zeiten!
Herr aller Welt, wer ist dir gleich?
Was ist und war,
In Himmel, Erd und Meere,
Das kennet Gott, und seiner Werke Heere
Sind ewig vor ihm offenbar.
Er ist um mich,
Schafft, daß ich sicher ruhe;
Er schafft, was ich vor oder nachmals thue,
Und er erforschet mich und dich.
Er ist dir nah,
Du sitzest oder gehest;
Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest:
So ist er allenthalben da.
Er kennt mein Flehn
Und allen Rath der Seele.
Er weis, wie oft ich Gutes thu und fehle,
Und eilt, mir gnädig beyzustehn.
Er wog mir dar,
Was er mir geben wollte,
Schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte,
Da ich noch unbereitet war.
Nichts, nichts ist mein,
Das Gott nicht angehöre.
Herr, immerdar soll deines Namens Ehre,
Dein Lob in meinem Munde seyn!
Wer kann die Pracht
Von deinen Wundern fassen?
Ein jeder Staub, den du hast werden lassen,
Verkündigt seines Schöpfers Macht.
Der kleinste Halm
Ist deiner Weisheit Spiegel,
Du, Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel,
Ihr seyd sein Loblied und sein Psalm!
Du tränkst das Land,
Führst uns auf grüne Weiden;
Und Nacht und Tag, und Korn und Wein und Freuden
Empfangen wir aus deiner Hand.
Kein Sperling fällt,
Herr, ohne deinen Willen;
Sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen,
Daß deine Hand mein Leben hält?
Ist Gott mein Schutz,
Will Gott mein Retter werden:
So frag ich nichts nach Himmel und nach Erden,
Und biete selbst der Hölle Trutz.

Die Liebe des Nächsten.

So jemand spricht: Ich liebe Gott!
Und haßt doch seine Brüder,
Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott,
Und reißt sie ganz darnieder.
Gott ist die Lieb, und will, daß ich
Den Nächsten liebe, gleich als mich.
Wer dieser Erden Güter hat,
Und sieht die Brüder leiden,
Und macht den Hungrigen nicht satt,
Läßt Nackende nicht kleiden;
Der ist ein Feind der ersten Pflicht,
Und hat die Liebe Gottes nicht.
Wer seines Nächsten Ehre schmäht,
Und gern sie schmähen höret,
Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht,
Und nichts zum Besten kehret;
Nicht dem Verläumder widerspricht;
Der liebt auch seinen Bruder nicht.
Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schutz
Den Nächsten unterstützet,
Doch nur aus Stolz, aus Eigennutz,
Aus Weichlichkeit ihm nützet;
Nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht;
Der liebt auch seinen Nächsten nicht.
Wer harret, bis, ihn anzuflehn,
Ein Dürftger erst erscheinet,
Nicht eilt, dem Frommen beyzustehn,
Der im Verborgnen weinet;
Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht;
Der liebt auch seinen Nächsten nicht.
Wer Andre, wenn er sie beschirmt,
Mit Härt und Vorwurf quälet,
Und ohne Nachsicht straft und stürmt,
So bald sein Nächster fehlet;
Wie bleibt bey seinem Ungestüm
Die Liebe Gottes wohl in ihm?
Wer für der Armen Heil und Zucht
Mit Rath und That nicht wachet,
Dem Uebel nicht zu wehren sucht,
Das oft sie dürftig machet;
Nur sorglos ihnen Gaben giebt;
Der hat sie wenig noch geliebt.
Wahr ist es, du vermagst es nicht,
Stets durch die That zu lieben.
Doch bist du nur geneigt, die Pflicht
Getreulich auszuüben,
Und wünschest dir die Kraft dazu,
Und sorgst dafür: so liebest du.
Ermattet dieser Trieb in dir:
So such ihn zu beleben.
Sprich oft: Gott ist die Lieb, und mir
Hat er sein Bild gegeben.
Denk oft: Gott, was ich bin, ist dein;
Sollt ich, gleich dir, nicht gütig seyn?
Wir haben Einen Gott und Herrn,
Sind Eines Leibes Glieder;
Drum diene deinem Nächsten gern;
Denn wir sind alle Brüder.
Gott schuf die Welt nicht bloß für mich;
Mein Nächster ist sein Kind, wie ich.
Ein Heil ist unser aller Gut.
Ich sollte Brüder hassen,
Die Gott durch seines Sohnes Blut
So hoch erkaufen lassen?
Daß Gott mich schuf, und mich versühnt,
Hab ich dieß mehr, als sie, verdient?
Du schenkst mir täglich so viel Schuld,
Du Herr von meinen Tagen!
Ich aber sollte nicht Geduld
Mit meinen Brüdern tragen?
Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst,
Und den nicht lieben, den du liebst?
Was ich den Frommen hier gethan,
Dem Kleinsten auch von diesen,
Das sieht Er, mein Erlöser, an,
Als hätt ichs ihm erwiesen.
Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn,
Und Gott in Brüdern nicht erfreun?
Ein unbarmherziges Gericht
Wird über den ergehen,
Der nicht barmherzig ist, der nicht
Die rettet, die ihn flehen.
Drum gieb mir, Gott! durch deinen Geist
Ein Herz, das dich durch Liebe preist.

Abendlied.

Für alle Güte sey gepreist,
Gott Vater, Sohn und heilger Geist!
Ihr bin ich zu geringe.
Vernimm den Dank,
Den Lobgesang,
Den ich dir kindlich singe.
Du nahmst dich meiner herzlich an,
Hast Grosses heut an mir gethan,
Mir mein Gebet gewähret;
Hast väterlich
Mein Haus und mich
Beschützet und genähret.
Herr, was ich bin, ist dein Geschenk;
Der Geist, mit dem ich dein gedenk,
Ein ruhiges Gemüthe;
Was ich vermag
Bis diesen Tag,
Ist alles deine Güte.
Sey auch, nach deiner Lieb und Macht,
Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht;
Vergieb mir meine Sünden.
Und kömmt mein Tod,
Herr Zebaoth,
So laß mich Gnade finden.

Auf die Himmelfahrt des Erlösers.

Jauchzt, ihr Erlösten, dem Herrn; Er hat sein Werk vollendet;
Deß müsse sich der Erdkreis freun!
Er fährt verkläret hinauf zu dem, der ihn gesendet,
Und nimmt die Himmel wieder ein.
Der Herr, nachdem er das Heil und unvergänglich Leben
Auf Erden an das Licht gebracht,
Den Weg zu Gott uns gelehrt, sich selbst für uns gegeben,
Fährt auf zur Rechten seiner Macht.
Sein, sein ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden,
Und uns hat er das Heil verdient.
Wer sein Wort gläubet und hält, soll nicht verloren werden;
Er hat die Welt mit Gott versühnt.
Hoch über alle Vernunft besiegt er ihr Verderben,
Und seine Lieb ermüdet nie.
Ein unvergängliches Glück den Menschen zu erwerben,
So heiligt er sich selbst für sie.
Jauchzt, ihr Gerechten, dem Herrn, und preiset seinen Namen!
Ihm danken, das ist unsre Pflicht.
Wir sind glückselig in ihm. Sein Wort ist Ja und Amen;
Und Gott ist unsre Zuversicht.
Preist, ihr Erlösten, den Herrn, und rühmet all, ihr Frommen!
Er fährt gen Himmel, als ein Held,
In Wolken fährt er hinauf; so wird er wiederkommen,
Ein Herr und Richter aller Welt.
Dieß ist des Gläubigen Trost, verklärt ihn einst zu schauen,
Und seiner Liebe sich zu freun.
Dieß ist des Gläubigen Pflicht, ihm ewig zu vertrauen,
Und sich durch Tugend ihm zu weihn.
Wer des Erlösers sich schämt, deß wird auch er sich schämen;
Den wieder ehren, der ihn ehrt.
Laß uns das Leben von dir und Gnad um Gnade nehmen,
Herr, dessen Herrschaft ewig währt!
Ich bin ein irrendes Schaf, du weisest mich zu rechte,
Und leitest mich nach deinem Rath;
Machst mich vom Knechte der Welt zu einem deiner Knechte,
Und tilgest meine Missethat.
Was ist die Hoheit der Welt? Sie rührt den Christen wenig.
Du kleidest ihn mit Ruhm und Pracht.
Was ist die Hoheit der Welt? Zum Priester und zum König
Bin ich durch dich vor Gott gemacht.
Dank sey dem Heiland der Welt! Er hat sein Werk vollführet.
Frohlock ihm, Volk der Christenheit!
Er sitzt zur Rechten des Herrn. Er lebet und regieret
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Am Communiontage.

Ich komme, Herr, und suche dich,
Mühselig und beladen.
Gott, mein Erbarmer, würdge mich
Des Wunders deiner Gnaden.
Ich liege hier vor deinem Thron,
Sohn Gottes und des Menschen Sohn,
Mich deiner zu getrösten.
Ich fühle meiner Sünden Müh;
Ich suche Ruh, und finde sie
Im Glauben der Erlösten.
Dich bet ich zuversichtlich an,
Du bist das Heil der Sünder.
Du hast die Handschrift abgethan,
Und wir sind Gottes Kinder.
Ich denk an deines Leidens Macht,
Und an dein Wort: Es ist vollbracht!
Du hast mein Heil verdienet.
Du hast für mich dich dargestellt.
Gott war in dir, und hat die Welt
In dir mit sich versühnet.
So freue dich, mein Herz, in mir!
Er tilget deine Sünden,
Und läßt an seiner Tafel hier
Dich Gnad um Gnade finden.
Du rufst, und er erhört dich schon,
Spricht liebreich: Sey getrost, mein Sohn!
Die Schuld ist dir vergeben.
Du bist in meinen Tod getauft,
Und du wirst dem, der dich erkauft,
Von ganzem Herzen leben.
Dein ist das Glück der Seligkeit;
Bewahr es hier im Glauben,
Und laß durch keine Sicherheit
Dir deine Krone rauben.
Sieh, ich vereine mich mit dir;
Ich bin der Weinstock, bleib an mir:
So wirst du Früchte bringen.
Ich helfe dir, ich stärke dich;
Und durch die Liebe gegen mich
Wird dir der Sieg gelingen.
Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot;
Ich will es treu erfüllen,
Und bitte dich, durch deinen Tod,
Um Kraft zu meinem Willen.
Laß mich von nun an würdig seyn,
Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn,
Und deinen Tod zu preisen.
Laß mich den Ernst der Heiligung
Durch eine wahre Besserung
Mir und der Welt beweisen!

Zufriedenheit mit seinem Zustande.

Du klagst, und fühlest die Beschwerden
Des Stands, in dem du dürftig lebst;
Du strebest glücklicher zu werden,
Und siehst, daß du vergebens strebst.
Ja, klage! Gott erlaubt die Zähren;
Doch denk im Klagen auch zurück.
Ist denn das Glück, das wir begehren,
Für uns auch stets ein wahres Glück?
Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter
Dem Menschen die Zufriedenheit.
Die wahre Ruhe der Gemüther
Ist Tugend und Genügsamkeit.
Geniesse, was dir Gott beschieden,
Entbehre gern, was du nicht hast.
Ein jeder Stand hat seinen Frieden,
Ein jeder Stand auch seine Last.
Gott ist der Herr, und seinen Segen
Vertheilt er stets mit weiser Hand;
Nicht so, wie wirs zu wünschen pflegen,
Doch so, wie ers uns heilsam fand.
Willst du zu denken dich erkühnen,
Daß seine Liebe dich vergißt?
Er giebt uns mehr, als wir verdienen,
Und niemals, was uns schädlich ist.
Verzehre nicht des Lebens Kräfte
In träger Unzufriedenheit;
Besorge deines Stands Geschäffte,
Und nütze deine Lebenszeit.
Bey Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben,
Ein ewig Glück in Hoffnung sehn,
Dieß ist der Weg zu Ruh und Leben.
Herr, lehre diesen Weg mich gehn!

Vom Tode.

Meine Lebenszeit verstreicht,
Stündlich eil ich zu dem Grabe,
Und was ists, das ich vielleicht,
Das ich noch zu leben habe?
Denk, o Mensch! an deinen Tod.
Säume nicht; denn Eins ist noth.
Lebe, wie du, wenn du stirbst,
Wünschen wirst, gelebt zu haben.
Güter, die du hier erwirbst,
Würden, die dir Menschen gaben;
Nichts wird dich im Tod erfreun;
Diese Güter sind nicht dein.
Nur ein Herz, das Gutes liebt,
Nur ein ruhiges Gewissen,
Das vor Gott dir Zeugniß giebt,
Wird dir deinen Tod versüssen;
Dieses Herz, von Gott erneut,
Ist des Todes Freudigkeit.
Wenn in deiner letzten Noth
Freunde hülflos um dich beben:
Dann wird über Welt und Tod
Dich dieß reine Herz erheben;
Dann erschreckt dich kein Gericht;
Gott ist deine Zuversicht.
Daß du dieses Herz erwirbst,
Fürchte Gott, und bet und wache.
Sorge nicht, wie früh du stirbst;
Deine Zeit ist Gottes Sache.
Lern nicht nur den Tod nicht scheun,
Lern auch seiner dich erfreun.
Ueberwind ihn durch Vertraun,
Sprich: Ich weis, an wen ich gläube,
Und ich weis, ich werd ihn schaun
Einst in diesem meinem Leibe.
Er, der rief: Es ist vollbracht!
Nahm dem Tode seine Macht.
Tritt im Geist zum Grab oft hin,
Siehe dein Gebein versenken;
Sprich: Herr, daß ich Erde bin,
Lehre du mich selbst bedenken;
Lehre du michs jeden Tag,
Daß ich weiser werden mag!

Wider den Aufschub der Bekehrung.

Willst du die Busse noch, die Gott gebeut, verschieben:
So schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben,
Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück?
Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick?
Allein wie schwer ists nicht, sein eigen Herz bekämpfen,
Begierden widerstehn, und seine Lüste dämpfen?
Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh
Ist dieß der einzge Weg. Und dem entsagest du?
Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen?
Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen.
Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann,
Der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann?
Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene,
Und, seiner werth zu seyn, im Glauben mich erkühne?
Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut,
Wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit?
Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen?
Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen.
Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu seyn?
Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein.
Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen.
Soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen?
Er gab dir die Vernunft; und du verleugnest sie?
Er sendet dir sein Wort; und du gehorchst ihm nie?
Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheissen,
Mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureissen;
Itzt ist dieß Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit,
Die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit?
Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen,
Je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen.
Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu seyn:
Um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun!
Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken?
Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken?
Ist ein Geschrey zu Gott, ein Wunsch nach Besserung,
Und Angst der Missethat, die wahre Heiligung?
Ists gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten,
Wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten;
Ist das Bekenntniß gnug, daß uns die Sünde reut:
So ist kein leichter Werk? als deine Seligkeit.
Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen;
Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen;
Ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst:
So zittre vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst.
Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäffte?
Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte?
Erschreckt dich nicht sein Wort? Giebt in verkehrten Sinn
Den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin?
Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben,
Und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben?
Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht:
So ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht.
Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest,
Noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest.
Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein
Dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun.
Entschliesse dich beherzt, dich selber zu besiegen;
Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen.
Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort;
Sey wacker! Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort.
Ruf ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden.
Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden:
So widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit
Wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut.
So süß ein Laster ist, so giebts doch keinen Frieden.
Der Tugend nur allein hat Gott dieß Glück beschieden.
Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Theil;
Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil.
Die Busse führt dich nicht in eine Welt voll Leiden;
Gott kennt und liebt dein Glück; sie führt zu deinen Freuden;
Macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht,
Giebt Weisheit und Verstand, und Muth zu deiner Pflicht.
Sprich selbst: Ist dieß kein Glück, mit ruhigem Gewissen
Die Güter dieser Welt, des Lebens Glück geniessen,
Und mäßig und gerecht in dem Genusse seyn,
Und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun?

Bußlied.

An dir allein, an dir hab ich gesündigt,
Und übel oft vor dir gethan.
Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt;
Sieh, Gott, auch meinen Jammer an.
Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen,
Und meine Thränen sind vor dir.
Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen?
Wie lang entfernst du dich von mir?
Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden,
Vergilt mir nicht nach meiner Schuld.
Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden,
Du Gott der Langmuth und Geduld.
Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen,
Gott, Vater der Barmherzigkeit.
Erfreue mich um deines Namens willen;
Du bist ein Gott, der gern erfreut.
Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen,
Und lehre mich dein heilig Recht,
Mich täglich thun nach deinem Wohlgefallen;
Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht.
Herr, eile du, mein Schutz, mir beyzustehen,
Und leite mich auf ebner Bahn.
Er hört mein Schreyn, der Herr erhört mein Flehen,
Und nimmt sich meiner Seelen an.

Die Liebe der Feinde.

Nie will ich dem zu schaden suchen,
Der mir zu schaden sucht.
Nie will ich meinem Feinde fluchen,
Wenn er aus Haß mir flucht.
Mit Güte will ich ihm begegnen,
Nicht drohen, wenn er droht.
Wenn er mich schilt, will ich ihn segnen;
Dieß ist des Herrn Gebot.
Er, der von keiner Sünde wußte,
Vergalt die Schmach mit Huld,
Und litt, so viel er leiden mußte,
Mit Sanftmuth und Geduld.
Will ich, sein Jünger, wiederschelten,
Da er nicht wiederschalt?
Mit Liebe nicht den Haß vergelten,
Wie er den Haß vergalt?
Wahr ists, Verläumdung dulden müssen,
Ist eine schwere Pflicht.
Doch selig, wenn ein gut Gewissen
Zu unsrer Ehre spricht!
Dieß will ich desto mehr bewahren;
So bessert mich mein Feind,
Und lehrt mich, weiser nur verfahren,
Indem ers böse meynt.
Ich will mich vor den Fehlern hüten,
Die er von mir ersann;
Und auch die Fehler mir verbieten,
Die er nicht wissen kann.
So will ich mich durch Sanftmuth rächen,
An ihm das Gute sehn,
Und dieses Gute von ihm sprechen;
Wie könnt er länger schmähn!
In seinem Haß ihn zu ermüden,
Will ich ihm gern verzeihn,
Und als ein Christ bereit zum Frieden,
Bereit zu Diensten seyn.
Und wird er, mich zu untertreten,
Durch Güte mehr erhitzt:
Will ich im Stillen für ihn beten,
Und Gott vertraun; Gott schützt.

Demuth.

Herr! lehre mich, wenn ich der Tugend diene,
Daß nicht mein Herz des Stolzes sich erkühne,
Und nicht auf sie vermessen sey.
Herr! lehre mich, wie oft ich fehle, merken.
Was ist der Mensch bey seinen besten Werken?
Wenn sind sie von Gebrechen frey?
Wie oft fehlt mir zum Guten selbst der Wille!
Wie oft, wenn ich auch dein Gebot erfülle,
Erfüll ichs minder, als ich soll!
Sind Lieb und Furcht stets die Bewegungsgründe
Der guten That, der unterlaßnen Sünde?
Und ist mein Herz des Eifers voll?
Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend,
Gedenke nicht der unvollkommnen Tugend
Der reifern Jahre meiner Zeit.
Wenn ich noch oft aus Stolz nach Tugend strebe,
Aus Menschenfurcht mich Lastern nicht ergebe;
Was ist denn meine Frömmigkeit?
Wenn ich den Geiz aus Furcht der Schande fliehe,
Aus Weichlichkeit mich wohlzuthun bemühe,
Und mäßig bin, gesund zu seyn;
Wenn ich die Rach aus Eigennutze hasse,
Der Ehrsucht Pfad aus Trägheit nur verlasse;
Was ist an dieser Tugend mein?
Und Gott, wie oft sind unsre besten Triebe
Nicht Frömmigkeit, nicht Früchte deiner Liebe,
Nur Früchte der Natur und Zeit!
Wenn fühlen wir der Tugend ganze Würde?
Wenn ist dein Joch uns eine leichte Bürde,
Und dein Gebot Zufriedenheit?
Doch, Herr, mein Gott! wenn auch zu deiner Ehre
Mein Herze rein, rein meine Tugend wäre;
Weß ist denn dieses Eigenthum?
Wer ließ mich früh zur Tugend unterrichten,
Mein Glück mich sehn in meines Lebens Pflichten,
Und im Gehorsam meinen Ruhm?
Wer gab mir Muth, Herr, dein Gebot zu lieben?
Wer gab mir Kraft, es freudig auszuüben,
Und in Versuchung Schild und Sieg?
Weß ist der Quell, der mich mit Weisheit tränkte?
Und weß der Freund, der mich zum Guten lenkte?
Und mir den Fehler nicht verschwieg?
Du triebst mich an, daß ich das Gute wählte,
Und riefst mich oft, wenn ich des Wegs verfehlte,
Durch Stimmen deines Geists zurück;
Zogst mich durch Kreuz, durch Wohlthat auch, von Sünden,
Ließt, wenn ich rief, mich wieder Gnade finden,
Und gabst zu meiner Beßrung Glück.
Was ist der Mensch, daß du, Gott, sein gedenkest,
Gerechtigkeit in deinem Sohn ihm schenkest,
Und zur Belohnung selbst ein Recht?
Und wenn ich nun, durch deines Geistes Gabe,
Des Glaubens Kraft, und alle Werke habe,
Wer bin ich? Ein unnützer Knecht.

Weihnachtslied.

Auf, schicke dich,
Recht feyerlich
Des Heilands Fest mit Danken zu begehen!
Lieb ist der Dank,
Der Lobgesang,
Durch den wir ihn, den Gott der Lieb, erhöhen.
Sprich dankbar froh:
Also, also
Hat Gott die Welt in seinem Sohn geliebet!
O, wer bin ich,
Herr, daß du mich
So herrlich hoch in deinem Sohn geliebet?
Er, unser Freund,
Mit uns vereint,
Zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren;
Er wird uns gleich,
Um Gottes Reich
Und seine Lieb im Fleisch zu offenbaren.
An ihm nimm Theil,
Er ist das Heil;
Thu täglich Buß und gläub an seinen Namen.
Der ehrt ihn nicht,
Wer Herr, Herr, spricht,
Und doch nicht sucht sein Beyspiel nachzuahmen.
Aus Dank will ich
In Brüdern dich,
Dich, Gottessohn, bekleiden, speisen, tränken;
Der Frommen Herz
In ihrem Schmerz
Mit Trost erfreun, und dein dabey gedenken.
Rath, Kraft und Held,
Durch den die Welt
Und alles ist, im Himmel und auf Erden!
Die Christenheit
Preist dich erfreut,
Und aller Knie soll dir gebeuget werden.
Erhebt den Herrn!
Er hilft uns gern,
Und wer ihn sucht, den wird sein Name trösten.
Alleluja!
Alleluja!
Freut euch des Herrn, und jauchzt ihm, ihr Erlösten!

Das Glück eines guten Gewissens.

Besitz ich nur
Ein ruhiges Gewissen:
So ist für mich, wenn Andre zagen müssen,
Nichts schreckliches in der Natur.
Dieß sey mein Theil!
Dieß soll mir Niemand rauben.
Ein reines Herz von ungefärbtem Glauben,
Der Friede Gottes nur ist Heil.
Welch ein Gewinn,
Wenn meine Sünde schweiget;
Wenn Gottes Geist in meinem Geiste zeuget,
Daß ich sein Kind und Erbe bin!
Und diese Ruh,
Den Trost in unserm Leben,
Sollt ich für Lust, für Lust der Sinne geben?
Dieß lasse Gottes Geist nicht zu!
In jene Pein,
Mich selber zu verklagen,
Der Sünde Fluch mit mir umher zu tragen;
In diese stürz ich mich hinein?
Laß auch die Pflicht,
Dich selber zu besiegen,
Die schwerste seyn! Sie ists; doch welch Vergnügen
Wird sie nach der Vollbringung nicht!
Welch Glück! zu sich
Mit Wahrheit sagen können:
Ich fühlt in mir des Bösen Lust entbrennen;
Doch, Dank sey Gott! ich schützte mich.
Und welch Gericht!
Selbst zu sich sagen müssen:
Ich konnte mir den Weg zum Fall verschliessen;
Und doch verschloß ich mir ihn nicht.
Was kann im Glück
Den Werth des Glücks erhöhen?
Ein ruhig Herz versüßt im Wohlergehen,
Dir jeden frohen Augenblick.
Was kann im Schmerz
Den Schmerz der Leiden stillen;
Im schwersten Kreuz mit Freuden dich erfüllen?
Ein in dem Herrn zufriednes Herz.
Was giebt dir Muth
Die Güter zu verachten,
Wornach mit Angst die niedern Seelen trachten?
Ein ruhig Herz, dieß größre Gut.
Was ist der Spott,
Den ein Gerechter leidet?
Sein wahrer Ruhm! Denn wer das Böse meidet,
Daß Gute thut, hat Ruhm bey Gott.
Im Herzen rein,
Hinauf gen Himmel schauen,
Und sagen: Gott! du Gott, bist mein Vertrauen!
Welch Glück, o Mensch, kann grösser seyn?
Sieh, alles weicht,
Bald wirst du sterben müssen.
Was wird alsdenn dir deinen Tod versüssen?
Ein gut Gewissen macht ihn leicht.
Heil dir, o Christ!
Der diese Ruh empfindet,
Und der sein Glück auf das Bewußtseyn gründet,
Daß nichts verdammlichs an ihm ist!
Laß Erd und Welt,
So kann der Fromme sprechen,
Laß unter mir den Bau der Erde brechen!
Gott ist es, dessen Hand mich hält.

Versicherung der Gnade Gottes.