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Carlos und Nicolás

Chapter 22: Fußnoten
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About This Book

Two young brothers grow up on the Argentine pampas and share boyhood exploits—hunting with boleadoras, riding ponies, and imagining distant lands and riches. A series of episodic adventures follows as they meet local characters, confront dangerous wildlife during a hunt, travel across rivers and mountains to Mendoza and Paraguay, witness a regional uprising, and sail via Rio de Janeiro toward Europe. The narrative mixes vivid landscape description, playful coming-of-age scenes, and travel episodes, alternating intimate domestic moments with broader cultural encounters that probe the boys' courage, curiosity, and developing sense of the wider world.

Carlos und Nicolás sahen, wie er energisch auf den Herrn mit der fahlen Glatze zuschritt und in der Richtung der ersten Klasse zeigte.

Der Herr mit der fahlen Glatze duckte sich und verschwand.

Nochmals heulte die Sirene über ihnen; ganz nahe erfolgte die Antwort.

„Karl und Nikolaus, gehen wir nach dem Promenadendeck“, sagte Herr Dr. Bürstenfeger.

Sie kehrten zurück.

An der Reling lehnte ernst der fröhliche Priester, sein Brevier in der Hand.

Beinahe alle Passagiere waren auf Deck.

Fräulein von Pfnühl saß in ihrem Reisestuhl in ihren Schal gehüllt und weinte leise: „Wir werden untergehen; mein guter, lieber Bruder, du siehst mich nie wieder!“

Bewegungslos stand die Lombardia, die Sirene heulte. Aus nächster Nähe erfolgte jetzt die Antwort des fremden Dampfers.

Herrn Dr. Bürstenfegers Herz krampfte sich zusammen.

Einige Sekunden vergingen; Lichter glitten im Nebel vorüber.

„Gott sei Dank ... er ist an uns vorbei!“ murmelte Herr Dr. Bürstenfeger.

Bald setzte die Lombardia wieder zu langsamer Fahrt an.

Herr Dr. Bürstenfeger ging mit Carlos und Nicolás ins Rauchzimmer; die vier Herren waren noch immer in ihr Kartenspiel vertieft.

In einer Ecke saß stumm und finster der Herr mit der fahlen Glatze und brütete vor sich hin ...

Nicolás zeigte heimlich auf ihn und sagte zu Carlos: „Er ist noch wütend über den Anschnauzer, den er vom Offizier bekommen hat ...“

Zwei Stunden war die Lombardia langsam weitergefahren. In kurzen, regelmäßigen Abständen gab sie ihre Warnungssignale.

Plötzlich ertönten nahe vor dem Schiffe Schreie, zugleich laut ein Nebelhorn. Einige Barken huschten wie Schatten dicht an der Lombardia vorbei.

Die Maschine des Dampfers arbeitete nach rückwärts. Das Schiff stand.

Sämtliche Passagiere waren aufs Deck gestürzt. Von rechts und links kam schrilles Pfeifen; wieder ertönten Nebelhörner, dazwischen Schimpfen und Fluchen.

„Wir sind in eine Fischerflottille geraten“, rief ein Steward.

„Um Gottes willen, man hat doch keine Barke überfahren?!“ rief Herr Dr. Bürstenfeger.

„Es ist nichts passiert“, lachte der Steward ...

Die Schreie und Rufe verklangen in der Ferne.

Eine Möwe flog nahe an Carlos und Nicolás vorbei, beinahe die Reling streifend.

Lange rührte sich die Lombardia nicht von der Stelle, unaufhörlich ertönten ihre Signale.

Dann fuhr sie wieder langsam weiter ...

Nach dem Nachtessen saß Herr Dr. Bürstenfeger mit Carlos und Nicolás im Rauchzimmer.

Auf dem Sofa saß die Dame aus Patagonien, neben ihr der Herr mit der Reisemütze.

„Heute nacht gehe ich nicht zu Bett!“ sagte sie.

„Das Klügste wäre, wir blieben alle auf“, bemerkte er.

Lange saß man schweigend.

Plötzlich rief Carlos aus: „Es tutet ja schon lange nicht mehr!“

In dem Augenblick kam der Herr aus Coruña hereingelaufen und rief laut und freudig: „Meine Herrschaften, der Nebel zerteilt sich!“

Alles eilte auf Deck. Man sah weit hinaus ins Meer. Hell erleuchtete Schiffe fuhren vorüber.

Gibraltar erstrahlte in tausend Lichtern.

„Herr Dr. Bürstenfeger, sehen Sie, Europa!“ riefen Carlos und Nicolás.

Bald leuchteten sämtliche Sterne am Himmel.

Ein großer Dampfer fuhr mit Musik nahe an der Lombardia vorbei.

Herr Dr. Bürstenfeger stand noch eine Weile mit Carlos und Nicolás auf Deck, dann ging er hinunter in den Salon, und von Begeisterung erfüllt, setzte er sich ans Klavier und spielte Beethovens Eroika ...

Zwei Tage später war man in Barcelona.

Schon frühmorgens war ein großer Teil der Emigranten ausgeschifft worden.

Etwas später stiegen die Passagiere der ersten Klasse aus.

Herr Dr. Bürstenfeger und Carlos und Nicolás standen auf Deck.

„Schade, daß wir nicht an Land können, weil das Schiff so kurze Zeit hält“, sagte Herr Dr. Bürstenfeger.

„Ist es denn in Deutschland nicht schöner als hier?!“ bemerkte tief enttäuscht Carlos.

„Barcelona ist eine schöne spanische Stadt, freilich ist dies hier von der Ferne aus schwer zu beurteilen“, antwortete Herr Dr. Bürstenfeger.

„Aber Deutschland ist doch viel schöner?!“

„Es wird euch dort schon gefallen“, antwortete Herr Dr. Bürstenfeger.

Jetzt stieg die schöne Dame mit den Purpurlippen in Begleitung eines jungen Exdeputierten aus Buenos Aires als Letzte in die unten wartende Barkasse.

Unzähliges Handgepäck folgte.

Die Barkasse stieß ab.

Die schöne Frau sah Carlos und Nicolás oben an der Reling stehen und warf ihnen zum Abschied Kußhände zu.

Carlos und Nicolás winkten mit den Taschentüchern und schrieen aus Leibeskräften: „Adieu, adieu, auf Wiedersehen!“

„Schon gut, schon gut, jetzt hört mal endlich auf!“ sagte Herr Dr. Bürstenfeger ärgerlich und legte ihnen die Hand auf die Schulter ...

*          *
*

Zwei Tage später in der Frühe fuhr die Lombardia in den Hafen von Genua ein.

Beinahe alle Passagiere waren auf Deck.

An der Reling standen Herr Dr. Bürstenfeger und Carlos und Nicolás, neben ihnen das Handgepäck und die Kiste mit den Affen.

Die Knaben dachten: Wie schön, bald sind wir in Mufflingen!

Herr Dr. Bürstenfeger murmelte: „Genua, Königin des Meeres, letzte große Station vor meiner Heimat!“

Auf Zwischendeck standen zwischen Koffern, Ballen und zusammengerollten Matratzen die Emigranten zum Aussteigen bereit.

Ganz vorn an der Spitze lehnte an der Reling ein alter Mann.

Vierzig Jahre war er von seiner Vaterstadt fortgewesen. Arm wie er fortgezogen, kehrte er jetzt wieder zurück.

Die Lippen aufeinandergepreßt, blickte er schon lange auf das sich nahende Genua.

Plötzlich breitete er die Arme aus, und laut weinend rief er, daß es über das ganze Schiff ertönte: „Genova mia Genova!

Auf den Hafendocks spazierte Fräulein von Pfnühls guter Bruder. In Angst und Sorge wartete er auf seine Schwester. Er wußte, daß sie sich dem Trunk ergeben hatte, und stand bereits mit einer Alkoholentziehungsanstalt Mitteldeutschlands in Verbindung.

— Ende —

Fußnoten

[1] Ein aus Lederriemen gedrehtes Seil, an dessen Enden Eisenkugeln hängen; zum Einfangen von Tieren.

[2] Verächtliche Bezeichnung für Fremder.

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Korrekturen (vorher/nachher):

  • ... trotzdem es ein unbekanntes Ereignis war. Die Pferde in ihren Umzäumungen ...
    ... trotzdem es ein unbekanntes Ereignis war. Die Pferde in ihren Umzäunungen ...
  • ... Nach dem Essen gingen die Knaben in den Garten, bauten ein Hütte, machten ...
    ... Nach dem Essen gingen die Knaben in den Garten, bauten eine Hütte, machten ...
  • ... auf dem ich sitze.“ ...
    ... auf dem ich sitze?“ ...
  • ... Zeit zu Zeit waren über ihren Köpfen in regelmäßigen Abständen schwere Schritt ...
    ... Zeit zu Zeit waren über ihren Köpfen in regelmäßigen Abständen schwere Schritte ...