Fünfzehntes Kapitel
Am selben Abend um halb neun Uhr wurde Dorian Gray in sorgfältigster Toilette, im Knopfloch einen großen Strauß Parmaveilchen tragend, von dienernden Lakaien in den Salon Lady Narboroughs geführt. Er hatte heftiges Kopfweh und furchtbar überreizte Nerven, aber seine Gebärde, als er sich über die Hand seiner Gastgeberin beugte, war ebenso leicht und anmutig wie sonst. Vielleicht sieht man nie gelassener aus, als wenn man eine Rolle zu spielen hat. Gewiß hätte niemand, der Dorian Gray an diesem Abend sah, geglaubt, daß er eine Tragödie hinter sich habe, die so schrecklich war wie irgendeine Tragödie unserer Zeit. Diese feingeformten Finger konnten doch nie ein Messer gezückt haben, um eine Sünde zu begehen, diese lächelnden Lippen nie Gott und Gottes Güte geschmäht haben. Er selbst mußte sich über die Ruhe seines Benehmens wundern und einen Augenblick lang spürte er in ganzer Stärke den grauenvollen Genuß eines Doppeldaseins.
Es war eine kleine Gesellschaft, die Lady Narborough kurzer Hand zusammengeladen hatte, und die Gastgeberin war eine sehr gescheite Frau mit ansehnlichen Überbleibseln einer unleugbar hervorragenden Häßlichkeit, wie es Lord Henry auszudrücken liebte. Sie hatte sich einem unserer langweiligsten Botschafter als eine ausgezeichnete Frau erwiesen, und nachdem sie ihren Gemahl, wie sich's geziemte, in einem marmornen Mausoleum beigesetzt hatte, das nach ihren eigenen Entwürfen erbaut worden war, und seitdem sie ihre Töchter an einige reiche, etwas angejahrte Herren verheiratet hatte, widmete sie sich den Genüssen französischer Romane, französischer Kochkunst und französischen Geistes, wenn sie ihn auftreiben konnte.
Dorian war einer ihrer erklärten Lieblinge, und sie sagte ihm immer, sie sei äußerst froh darüber, ihn nicht in früheren Jahren kennengelernt zu haben. „Ich weiß, mein Lieber, ich hätte mich sinnlos in Sie verliebt,“ pflegte sie zu sagen, „und wäre Ihretwillen der größten Tollheiten fähig gewesen. Es ist ein großes Glück, daß man damals noch gar nicht an Sie dachte. Zu meiner Zeit waren die Tollheiten eine so seltene Ware, daß ich nicht einmal eine harmlose Liebelei mit jemand gehabt habe. Indessen war das nur die Schuld Narboroughs. Er war schrecklich kurzsichtig, und es ist alles andere als ein Vergnügen, einen Ehemann zu betrügen, der nie etwas sieht.“
Ihre Gäste waren an diesem Abend ziemlich langweilig. Die Sache war so, wie sie Dorian hinter einem ziemlich schäbigen Fächer erklärte, daß eine ihrer verheirateten Töchter plötzlich zu Besuch gekommen war, und, was die Sache noch ärgerlicher machte, obendrein ihren Mann mitgebracht hatte.
„Ich finde das sehr unliebenswürdig von ihr, mein Lieber“, flüsterte sie ihm zu. „Natürlich bin ich jeden Sommer mit ihnen zusammen, wenn ich von Homburg komme, aber eine alte Frau wie ich muß eben manchmal frische Luft haben, und außerdem rüttle ich sie dann etwas auf. Sie ahnen ja gar nicht, was die für ein Leben da hinten führen. Es ist das reine, unverfälschte Landleben. Sie stehen früh auf, weil sie so viel zu tun haben, und gehen früh zu Bett, weil sie so wenig zu denken haben. In der ganzen Gegend da hat es seit der Zeit der Königin Elisabeth keinen Skandal gegeben, und infolgedessen schlafen sie alle nach dem Essen ein. Sie sollen aber nicht neben einem von ihnen sitzen. Sie sollen neben mir sitzen und mich amüsieren.“
Dorian murmelte ein anmutiges Kompliment und blickte sich im Zimmer um. Ja, es war wirklich eine öde Gesellschaft. Zwei von den Anwesenden hatte er vordem nie gesehen, und die anderen waren Ernest Harrowden, eine der Mittelmäßigkeiten in mittleren Jahren, denen man so häufig in Londoner Klubs begegnet, die keine Feinde haben, die aber keiner ihrer Freunde leiden kann: dann Lady Ruxton, eine aufgeputzte Dame mit einer Papageiennase, im Alter von siebenundvierzig Jahren, die sich unablässig bemühte, sich zu kompromittieren, die aber so lächerlich häßlich war, daß zu ihrer großen Enttäuschung niemals einer etwas Schlechtes von ihr glauben wollte: Frau Erlynne, eine zudringliche Nichtigkeit mit einem entzückenden Lispeln und venezianisch rotem Haar: Lady Alice Chapman, die Tochter der Wirtin, eine schlechtgekleidete, bedeutungslose Frau mit einem der charakteristischen englischen Gesichter, an die man sich nie wieder erinnert, wenn man sie einmal gesehen hat, und ihr Mann, ein rotbäckiges, weißbärtiges Geschöpf, das, wie so viele seiner Kaste, der Überzeugung lebte, daß ungewöhnliche Liebenswürdigkeit den vollständigen Mangel an Gedanken ersetzen könne.
Es tat ihm beinah leid, daß er gekommen war, bis Lady Narborough einen Blick auf die große goldene Pendeluhr warf, die sich mit ihren geschmacklosen Zieraten auf dem malvefarbig behängten Kamin spreizte, und ausrief: „Wie häßlich von Henry Wotton, zu spät zu kommen! Ich schickte heute früh auf gut Glück zu ihm hinüber und er hat fest zugesagt, mich nicht im Stich zu lassen.“
Es war ein Trost, daß Harry kommen sollte, und als sich die Tür öffnete und er seine sanfte musikalische Stimme hörte, die irgendeine läppische Ausrede bezaubernd hervorbrachte, schwand seine Verdrießlichkeit.
Aber er konnte bei Tisch dennoch nichts essen. Platte nach Platte wurde, von ihm unberührt, weggetragen. Lady Narborough schalt ihn unaufhörlich, weil sie darin „eine Beleidigung sah für den armen Adolphe, der das ganze Menü eigens für sie erfunden hätte“, und dann und wann blickte Lord Henry zu ihm herüber und verwunderte sich über sein Schweigen und sein zerstreutes Wesen. Von Zeit zu Zeit füllte der Diener sein Glas mit Champagner. Er trank hastig, und sein Durst schien zu wachsen.
„Dorian,“ sagte Lord Henry endlich, als das Chaudfroid herumgereicht wurde, „was ist heute abend mit dir los? Du bist ja so verstimmt.“
„Ich glaube, er ist verliebt,“ sagte Lady Narborough, „und er hat Angst, es mir zu erzählen, aus Furcht, daß ich eifersüchtig würde. Er hat auch ganz recht. Ich würde es gewiß.“
„Teure Lady Narborough,“ flüsterte Dorian lächelnd, „ich bin seit einer vollen Woche nicht verliebt gewesen — genau gesagt, nicht seitdem Madame de Ferrol aus London weg ist.“
„Daß ihr Männer euch in diese Frau verlieben könnt!“ rief die alte Dame. „Ich kann es wirklich nicht verstehen.“
„Das kommt einfach daher, weil sie Sie an die Zeit erinnert, wo Sie ein kleines Mädchen waren, Lady Narborough“, sagte Lord Henry. „Sie ist das einzige Bindeglied zwischen uns und Ihren kurzen Röckchen.“
„Sie erinnert mich wirklich nicht an meine kurzen Röckchen, Lord Henry. Aber ich entsinne mich ihrer sehr gut in Wien vor dreißig Jahren und wie sie sich damals dekolletierte.“
„Sie dekolletiert sich noch immer,“ antwortete er und nahm eine Olive in seine langen Finger, „und wenn sie sehr elegant gekleidet ist, sieht sie aus wie die Luxusausgabe eines schlechten, französischen Romans. Sie ist wirklich wunderbar und voller Überraschungen. Ihr Talent für Familienliebe ist außerordentlich. Als ihr dritter Mann starb, wurde ihr Haar vor Trauer ganz goldblond.“
„Wie kannst du so etwas sagen, Harry!“ rief Dorian.
„Das ist eine höchst romantische Erklärung“, lachte die Gastgeberin. „Aber ihr dritter Mann, Lord Henry! Sie wollen doch nicht sagen, daß Ferrol der vierte ist?“
„Doch, Lady Narborough.“
„Ich glaube kein Wort davon.“
„Gut, dann fragen Sie Herrn Gray, er ist einer ihrer intimsten Freunde.“
„Ist das wahr, Herr Gray?“
„Sie versichert es mir, Lady Narborough“, erwiderte Dorian. „Ich fragte sie, ob sie wie Margarete von Navarra ihre Herzen einbalsamiert habe und am Gürtel trage. Sie sagte mir, sie täte das nicht, weil keiner von ihnen überhaupt ein Herz gehabt hätte.“
„Vier Männer! Auf mein Wort, das ist trop de zêle.“
„Trop d'audace sagte ich ihr“, entgegnete Dorian.
„Oh! sie ist mutig genug, alles zu tun, mein Lieber. Und wie ist Ferrol? Ich kenne ihn nicht.“
„Die Männer sehr schöner Frauen gehören zur Verbrecherklasse“, sagte Lord Henry und schlürfte seinen Wein.
Lady Narborough schlug ihn mit dem Fächer. „Lord Henry, ich bin nicht im mindesten überrascht, daß die ganze Welt über Ihre Ruchlosigkeit klagt.“
„Aber welche ganze Welt tut das?“ fragte Lord Henry, seine Brauen hochziehend. „Es kann nur die Nachwelt sein. Denn diese Welt und ich, wir stehen brillant miteinander.“
„Alle meine Bekannten sagen, daß Sie sehr ruchlos sind!“ rief die alte Dame den Kopf schüttelnd.
Lord Henry sah einige Augenblicke ernsthaft aus. „Es ist ganz abscheulich,“ sagte er schließlich, „wie die Leute heutzutage herumgehen und einem hinterm Rücken Dinge nachsagen, die ganz und gar auf Wahrheit beruhen.“
„Ist er nicht unverbesserlich?“ rief Dorian und beugte sich in seinem Stuhl vor.
„Ich hoffe“ sagte die Wirtin lachend. „Aber wenn Sie wirklich alle Madame de Ferrol in dieser lächerlichen Weise anbeten, so muß ich auch wieder heiraten, um in Mode zu kommen.“
„Sie werden nie wieder heiraten, Lady Narborough“, unterbrach Lord Henry. „Sie waren viel zu glücklich. Wenn eine Frau wieder heiratet, so tut sie es, weil sie ihren ersten Mann verabscheute. Wenn ein Mann wieder heiratet, so tut er es, weil er seine erste Frau anbetete. Frauen versuchen ihr Glück, Männer setzen das ihre aufs Spiel.“
„Narborough war nicht vollkommen!“ rief die alte Dame.
„Wenn er es gewesen wäre, hätten Sie ihn nicht geliebt, meine teure Lady“, war die Antwort. „Frauen lieben uns um unserer Fehler willen. Wenn wir ihrer genug haben, vergeben sie uns alles, selbst unseren Geist. Ich fürchte, Sie werden mich nie wieder zu einem Diner bitten, nachdem ich das gesagt habe, Lady Narborough, aber es ist völlig wahr.“
„Natürlich ist es wahr, Lord Henry. Wenn wir Frauen euch nicht eurer Fehler halber liebten, wo wäret ihr alle? Nicht ein einziger von euch würde verheiratet sein. Und ihr wäret eine Sekte unglücklicher Junggesellen. Das würde aber nicht viel an euch ändern. Heutzutage leben alle Ehemänner wie Junggesellen und alle Junggesellen wie Ehemänner.“
„Fin de siècle“, flüsterte Lord Henry.
„Fin du globe“, entgegnete die Gastgeberin.
„Ich wollte, es wäre fin du globe“, sagte Dorian mit einem Seufzer. „Das Leben ist eine große Enttäuschung.“
„Ah, mein Lieber!“ rief Lady Narborough und zog ihre Handschuhe an, „sagen Sie mir nicht, daß Sie das Leben erschöpft haben. Wenn ein Mann das sagt, weiß man, daß das Leben ihn erschöpft hat. Lord Henry ist im höchsten Grade ruchlos, und ich wünsche manchmal, ich wäre es auch gewesen; aber Sie sind geschaffen, um gut zu sein — Sie sehen so gut aus. Ich muß Ihnen eine hübsche Frau verschaffen. Lord Henry, meinen Sie nicht, daß Herr Gray heiraten sollte?“
„Ich sage ihm das immer, Lady Narborough“, erwiderte Lord Henry mit einer Verbeugung.
„Schön, so wollen wir uns nach einer guten Partie für ihn umsehen. Ich werde heute nacht den Adelskalender aufmerksam durchgehen und eine Liste aller in Frage kommenden jungen Damen aufstellen.“
„Mit ihrer Altersangabe, Lady Narborough?“ fragte Dorian.
„Natürlich mit ihrem Alter, ein wenig retuschiert. Aber man darf nichts übereilen. Ich will, daß es genau das wird, was die Morning Post eine passende Verbindung nennt, und ihr sollt beide glücklich werden.“
„Was die Menschen doch für einen Unsinn über glückliche Ehen reden!“ rief Lord Henry. „Ein Mann kann mit jeder Frau glücklich werden, solange er sie nicht liebt.“
„Pfui! Was sind Sie für ein Zyniker!“ rief die alte Dame, schob ihren Stuhl zurück und nickte Lady Ruxton zu. „Sie müssen bald wiederkommen und bei mir essen. Sie sind wirklich ein wunderbarer Appetitanreger, viel besser als das, was mir mein Hausarzt verschreibt. Sie müssen mir sagen, was für Leute Sie gern treffen würden. Es soll ein entzückendes Beisammensein werden.“
„Ich liebe Männer, die eine Zukunft haben, und Frauen, die eine Vergangenheit haben“, antwortete er. „Oder beabsichtigen Sie, eine Weibergesellschaft zustande zu bringen?“
„Ich fürchte fast“, sagte sie lachend, indem sie sich erhob. „Ach, verzeihen Sie tausendmal, Lady Ruxton,“ fuhr sie fort, „ich habe nicht bemerkt, daß Sie mit Ihrer Zigarette noch nicht fertig waren.“
„Macht nichts, Lady Narborough. Ich rauche viel zuviel. Ich muß mich darin in Zukunft einschränken.“
„Bitte, tun Sie das nicht, Lady Ruxton“, sagte Lord Henry. „Mäßigung ist eine unglückliche Sache. Genug ist nicht besser als eine Mahlzeit. Mehr als genug ist so gut wie ein Festessen.“
Lady Ruxton sah ihn neugierig an. „Lord Henry, Sie müssen mich eines Nachmittags besuchen und mir das erklären. Es klingt wie eine verlockende Theorie“, sagte sie, während sie aus dem Zimmer rauschte.
„Jetzt bitte, sitzt mir nicht zu lange bei eurer Politik und euerm Klatsch!“ rief Lady Narborough von der Tür aus. „Wenn ihr das tut, zanken wir sicher mit euch, wenn ihr nach oben kommt.“
Die Männer lachten, und Herr Chapman stand feierlich vom Ende der Tafel auf und setzte sich oben hin. Dorian Gray wechselte seinen Platz und setzte sich neben Lord Henry. Herr Chapman begann mit lauter Stimme über die parlamentarische Lage zu sprechen. Er heulte laut auf über seine Widersacher. Das Wort Doktrinär — ein Wort voller Schrecken für den britischen Geist — tauchte von Zeit zu Zeit in seinen Wutausbrüchen auf. Eine doppelt ausgesprochene Vorsilbe diente seiner Rede als Alliteration zum Schmuck. Er hißte den Union Jack auf dem Mast des Gedankens auf. Die angestammte Dummheit der Rasse — gesunder englischer Menschenverstand nannte er sie wohlwollend — wurde als das Hauptbollwerk der Gesellschaft hingestellt.
Ein Lächeln kräuselte Lord Henrys Lippen, und er drehte sich um und blickte zu Dorian hin.
„Geht dir's jetzt besser, lieber Junge?“ fragte er. „Du schienst bei Tisch gar nicht recht wohl zu sein.“
„Mir ist ganz wohl. Ich bin müde. Sonst nichts.“
„Du warst entzückend gestern abend. Die kleine Herzogin hat dich ganz in ihr Herzchen geschlossen. Sie hat mir erzählt, sie käme nach Selby.“
„Sie hat mir versprochen, am zwanzigsten zu kommen.“
„Wird Monmouth auch da sein?“
„Oh, gewiß, Harry!“
„Er langweilt mich entsetzlich, fast ebenso sehr, wie er sie langweilt. Sie ist sehr verständig, zu verständig für eine Frau. Es fehlt ihr der unbeschreibliche Reiz der Schwäche. Die tönernen Füße sind's, die erst das Gold der Bildsäule wertvoll machen. Ihre Füße sind ganz allerliebst, aber es sind keine Tonfüße. Weiße Porzellanfüße, wenn du willst. Sie sind schon im Feuer gewesen, und was das Feuer nicht zerstört, macht es hart. Sie hat ihre Erfahrungen.“
„Wie lange ist sie verheiratet?“ fragte Dorian.
„Sie sagt, eine Ewigkeit. Nach dem Adelskalender, glaube ich, sind es wohl zehn Jahre, aber zehn Jahre mit Monmouth müssen wie eine Ewigkeit gewesen sein, wenn man die Zeit mitrechnet. Wer kommt sonst noch?“
„Oh, die Willoughbys, Lord Rugby und seine Frau, unsere Wirtin, Geoffrey Clouston, die gewöhnliche Aufmachung. Ich habe auch Lord Grotrian gebeten.“
„Den habe ich recht gern“, sagte Lord Henry. „Viele Leute können ihn nicht leiden, aber ich finde ihn reizend. Dafür, daß seine Kleidung manchmal übertrieben elegant ist, entschädigt er dadurch, daß er immer übertrieben gebildet ist. Es ist ein ganz moderner Typus.“
„Ich weiß nicht, ob er kommen kann, Harry. Es ist möglich, daß er mit seinem Vater nach Monte Carlo muß.“
„Ach, was für ein Kreuz die Familiensimpelei ist! Versuch doch, daß er kommt. Übrigens, Dorian, du bist gestern abend sehr früh weggelaufen. Du hast uns vor elf Uhr sitzen lassen. Was hast du denn noch vorgehabt? Bist du gleich nach Hause gegangen?“
Dorian blickte ihn rasch an und runzelte die Stirn. „Nein, Harry,“ sagte er endlich, „es war schon fast drei, als ich nach Hause kam.“
„Warst du noch im Klub?“
„Ja“, antwortete er. Dann biß er sich auf die Lippen. „Nein, das wollte ich nicht sagen. Ich war nicht im Klub. Ich ging nur so herum. Ich weiß nicht mehr, was ich getan habe... Wie du einen ins Verhör nimmst, Harry! Du willst immer wissen, was man getan hat. Ich will immer vergessen, was ich getan habe. Wenn du aber die genaue Zeit wissen willst, ich bin um halb drei nach Hause gekommen. Ich hatte meinen Hausschlüssel vergessen, und mein Diener mußte mich einlassen. Wenn du vielleicht noch eine Zeugenaussage über mein Alibi wünschst, kannst du ihn ja fragen.“
Lord Henry zuckte die Achseln. „Aber, lieber Junge, als ob mir daran etwas läge? Wir wollen in den Salon hinauf. Keinen Sherry, nein danke, Herr Chapman. Dir ist etwas zugestoßen, Dorian. Sage mir, was es ist. Du bist heute abend nicht du selber.“
„Sei nicht böse, Harry. Ich bin gereizt und übel gelaunt. Ich komme morgen oder übermorgen zu dir. Bitte, entschuldige mich bei Lady Narborough. Ich gehe nicht mehr hinauf. Ich gehe nach Hause. Ich muß nach Hause gehn.“
„Schön, Dorian. Ich hoffe, dich morgen zum Tee zu sehen. Die Herzogin kommt.“
„Ich will versuchen da zu sein, Harry“, sagte er und verließ das Zimmer. Als er nach Hause fuhr, merkte er, daß das Angstgefühl wiedergekehrt sei, das er erstickt zu haben glaubte. Lord Henrys zufällige Frage hatte ihm für einen Moment die Fassung genommen und nervös gemacht und er brauchte seine Nerven noch. Dinge, die Gefahr bringen konnten, mußten zerstört werden. Er schauerte zusammen. Der Gedanke, sie auch nur zu berühren, war ihm furchtbar.
Und doch mußte es geschehen. Er war sich darüber klar, und als er die Tür seines Bibliothekzimmers verschlossen hatte, öffnete er den geheimen Schrank, in den er Basil Hallwards Mantel und Tasche gesteckt hatte. Es loderte ein mächtiges Feuer. Er legte noch ein Stück Holz nach. Der Geruch der sengenden Kleider und des schwelenden Leders war entsetzlich. Er brauchte drei Viertelstunden, um alles zu verbrennen. Als es vorbei war, fühlte er sich schwach und krank, und nachdem er einige algerische Räucherkerzchen in einer durchbrochenen Kupferpfanne angezündet hatte, wusch er sich Hände und Stirn in kaltem, moschusduftendem Essig.
Plötzlich schrak er zusammen. Seine Augen bekamen einen merkwürdigen Glanz und er nagte nervös an der Unterlippe. Zwischen zwei Fenstern stand ein großer Florentiner Ebenholzschrank mit Elfenbein und Lapislazuli eingelegt. Er starrte ihn an, als wär er ein Etwas, das fesseln und ängstigen könne, als schließe er etwas ein, das er sehnsüchtig begehrte und doch beinahe verabscheute. Sein Atem ging schneller. Eine wilde Gier überkam ihn. Er zündete eine Zigarette an und warf sie gleich wieder weg. Seine Augenlider senkten sich, bis die langen Wimpern fast die Wangen berührten. Aber er sah noch immer nach dem Schranke hin. Endlich erhob er sich vom Sofa, auf dem er gelegen hatte, ging zu dem Schrank hinüber, schloß ihn auf und drückte an eine geheime Feder. Ein dreieckiges Schubfach kam langsam zum Vorschein. Seine Finger bewegten sich instinktiv danach, griffen hinein und faßten etwas. Es war ein kleines chinesisches Kästchen aus schwarzem, goldbetupftem Lack, das sehr sorgfältig gearbeitet war, und dessen Seiten gekrümmte Wellenlinien zierten, und an dessen seidenen Schnüren runde Kristalle mit Quasten aus geflochtenen Metallfäden hingen. Er öffnete das Kästchen. Eine grünlich-glänzende, wachsartige Masse von seltsam schwerem und durchdringendem Geruch lag darin.
Er zögerte ein paar Augenblicke mit einem seltsam unbeweglichen Lächeln auf seinem Antlitz. Dann schauerte er zusammen, obwohl es im Zimmer ganz außergewöhnlich heiß war, raffte sich auf und sah nach der Uhr. Es fehlten zwanzig Minuten an zwölf. Er legte das Kästchen zurück, schloß die Türen des Schrankes und ging in sein Schlafzimmer.
Als die Mitternacht ihre metallenen Schläge durch die dunkle Luft schickte, schlich Dorian Gray in ordinärer Kleidung und ein Tuch um den Hals geschlungen, leise aus dem Hause. In Bond Street traf er eine Droschke mit einem guten Pferd. Er ließ sie halten und sagte dem Kutscher mit leiser Stimme eine Adresse.
Der Mann schüttelte den Kopf. „Das ist mir zu weit“, brummte er.
„Da haben Sie ein Goldstück. Sie sollen noch eins kriegen, wenn Sie rasch fahren.“
„Schön, Herr!“ antwortete der Mann, „wir werden in einer Stunde da sein“, und nachdem sein Fahrgast eingestiegen war, lenkte er um und fuhr rasch der Themse zu.
Sechzehntes Kapitel
Ein kalter Regen begann zu fallen und die flackernden Laternen sahen in dem herabsickernden Nebel geisterhaft aus. Die Schenken wurden eben geschlossen, und Männer und Frauen drängten sich in schattenhaften Gruppen vor den Türen. Aus einigen Wirtschaften scholl ein gräßliches Lachen. In anderen lärmten und grölten Betrunkene.
In die Droschke zurückgelehnt, den Hut tief in die Stirn gezogen, blickte Dorian Gray mit gleichgültigen Augen auf das Elend und den Schmutz der Großstadt, und dann und wann wiederholte er sich die Worte, die ihm Lord Henry am ersten Tage, wo sie sich kennengelernt hatten, gesagt hatte: „die Seele durch die Sinne und die Sinne durch die Seele zu heilen“. Ja, das war das Geheimnis. Er hatte es oft versucht und wollte es jetzt wieder versuchen. Es gab Opiumkneipen, wo man Vergessenheit kaufen konnte, Kneipen des Grauens, wo die Erinnerung an alte Sünden durch den Wahnsinn neuer ausgelöscht werden kann.
Der Mond hing tief am Himmel wie eine gelbe Hirnschale. Von Zeit zu Zeit streckte eine dicke, unförmige Wolke einen langen Arm nach ihm aus und verbarg ihn. Die Gaslaternen wurden spärlicher und die Straßen enger und düsterer. Einmal verlor der Kutscher seinen Weg und mußte einige hundert Meter zurückfahren. Das Roß dampfte, während es in den Pfützen patschte. Die Seitenfenster des Wagens waren wie mit grauem Flanell ausgeschlagen.
„Die Seele durch die Sinne und die Sinne durch die Seele zu heilen —!“ Wie ihm die Worte in den Ohren klangen! Seine Seele war jedenfalls todkrank. War es denkbar, daß die Sinne sie heilen konnten? Unschuldiges Blut war vergossen worden. Welche Sühne konnte es dafür geben? Ach! dafür gab es keine Sühne; aber wenn auch Vergebung unmöglich war, Vergessen war doch möglich, und er war entschlossen, zu vergessen, die Sache zu Boden zu treten, sie zu vernichten wie eine Natter, die einen gebissen hat. Welches Recht hatte denn Basil gehabt, so zu ihm zu sprechen, wie er es getan hatte? Wer hatte ihn zum Richter über andere gesetzt? Er hatte Dinge gesagt, die schrecklich waren, entsetzlich, nicht zu ertragen.
Weiter und weiter rollte die Droschke, und es schien ihm, als führe sie mit jedem Schritt langsamer. Er riß das Schiebefenster auf und rief dem Kutscher hinter ihm zu, schneller zu fahren. Der gräßliche Hunger nach Opium fing an, in ihm zu nagen. Die Kehle brannte ihm, und seine zarten Finger spielten nervös miteinander. Er schlug mit dem Spazierstock wie toll auf den Gaul ein. Der Kutscher lachte und hieb mit der Peitsche zu. Er lachte auch dazu, und der Mann auf dem Bocke schwieg.
Der Weg schien endlos zu sein und die Straßen dehnten sich aus wie ein schwarzes, durcheinander gewirrtes Spinngewebe. Die Eintönigkeit wurde unerträglich, und als sich der Nebel dichter ballte, empfand er Furcht.
Dann fuhren sie an einsamen Ziegeleien vorüber. Der Nebel ward hier durchsichtiger, und er konnte die merkwürdigen, kürbisflaschenartigen Brennöfen mit ihren orangefarbenen fächerartigen Feuerzungen erkennen. Ein Köter schlug an, als sie vorbeirasselten, und weit entfernt in der Dunkelheit schrie eine schlaflose Möwe. Das Pferd stolperte in irgendeiner Rinne, scheute und verfiel in Galopp.
Nach einiger Zeit verließen sie den Lehmweg und ratterten wieder über ein holpriges Straßenpflaster. Die meisten Fenster waren dunkel, aber dann und wann sah man phantastische Schatten wie Silhouetten hinter einem erleuchteten Rouleau. Er spähte neugierig darauf hin. Sie bewegten sich wie riesenhafte Marionetten und gestikulierten wie lebende Wesen. Eine Art Haß auf sie überkam ihn. Ein dumpfer Zorn kochte in seinem Herzen. Als sie um eine Ecke bogen, rief ihnen ein Weib aus einer offenen Tür etwas zu, und zwei Männer rannten ein paar hundert Meter hinter der Droschke her. Der Kutscher schlug mit seiner Peitsche nach ihnen.
Man sagt, die Leidenschaft wirble einem die Gedanken im Kreise umher. Jedenfalls formten die zerbissenen Lippen Dorian Grays in endloser Wiederholung die feingesetzten Worte von der Seele und den Sinnen und formten sie immer wieder, bis er in ihnen sozusagen den vollsten Ausdruck seiner Stimmung gefunden und durch die Zustimmung des Verstandes Leidenschaften gerechtfertigt hatte, die auch ohne solche Rechtfertigung sein Temperament beherrscht hätten. Von Zelle zu Zelle seines Gehirns kroch der eine Gedanke und die wilde Lebensgier, das schrecklichste aller menschlichen Hungergelüste, ließ sich jeden zuckenden Nerv und Muskel gewaltsam emporbäumen. Das Häßliche, das er einst gehaßt hatte, weil es den Dingen Wirklichkeit verlieh, wurde ihm jetzt aus demselben Grunde lieb. Das Häßliche war das einzig Wirkliche. Das rohe Geschrei, die ekelhafte Kneipe, die ordinäre Gewalttätigkeit eines liederlichen Lebens, die widerliche Verworfenheit der Diebe und Verbrecher waren in der intensiven Wirklichkeit ihrer Eindrücke mehr vom Leben erfüllt, als all die anmutigen Formen der Kunst, die träumerischen Schatten der Dichtung. Das war es, was er zum Vergessen brauchte. In drei Tagen würde er frei sein.
Plötzlich hielt der Mann am Ende einer finstern Straße mit einem Ruck an. Über die niedrigen Dächer und gezackten Schornsteine der Häuser hinaus ragten die schwarzen Maste der Schiffe. Weiße Nebelfetzen hingen wie gespensterhafte Segel über den Werften.
„Irgendwo hier, nicht wahr, Herr?“ ertönte die rauhe Stimme des Kutschers durch das Schiebefenster.
Dorian fuhr auf und blickte sich um. „Schon gut“, antwortete er, stieg rasch aus, gab dem Kutscher Trinkgeld, das er ihm versprochen hatte, und ging eilig dem Kai zu. Hier und da flimmerte eine Laterne am Heck eines großen Kauffahrers. Das Licht zitterte und zersplitterte sich in den Pfützen. Ein rotes Geglitzer kam von einem weit draußen ankernden Dampfer, der Kohlen verlud. Das schlüpfrige Pflaster sah aus wie ein regenglänzender Gummimantel.
Er hastete nach links weiter und blickte sich dann und wann um, ob ihm niemand folgte. Nach sieben oder acht Minuten erreichte er ein kleines, elendes Haus, das zwischen zwei große Faktoreien eingequetscht war. In einem der Giebelfenster brannte eine Lampe. Er blieb stehen und klopfte wie auf eine verabredete Art an.
Nach einer kleinen Pause hörte er Schritte im Flur und wie die Türkette losgemacht wurde. Die Tür öffnete sich vorsichtig, und er trat hinein, ohne ein Wort zu der kleinen erbärmlichen Gestalt zu sagen, die sich in den Schatten drückte, als er vorbeischritt. Am Ende des Flurs hing ein zerlumpter grüner Vorhang, der sich in dem starken Luftzug, den er von der Straße her mitbrachte, hin und her bauschte. Er schob ihn beiseite und trat in einen langen, niedrigen Raum, der so aussah, als wäre er früher ein Tanzlokal dritten Ranges gewesen. Grell flackernde Gasflammen, die in den fliegenbeschmutzten Spiegeln gegenüber matt und verzehrt erschienen, brannten rings an den Wänden. Schmierige Reflektoren aus geripptem Wellblech waren dahinter angebracht und warfen tanzende Lichtkreise. Der Boden war mit ockerfarbigen Sägespänen bestreut, die an einzelnen Stellen zu Schmutzklumpen zertreten waren und auf denen sich von vergossenen Getränken schwarze Ringe abzeichneten. Ein paar Malaien hockten mit untergeschlagenen Beinen an einem kleinen Kohlenofen, spielten mit knöchernen Würfeln und zeigten beim Sprechen ihre weißlichen Zähne. In einem Winkel, den Kopf auf die Hände gestützt, räkelte sich ein Matrose über den Tisch, und an dem schreiend bemalten Büfett, das eine ganze Seite des Raumes einnahm, standen zwei heruntergekommene Weibspersonen und höhnten einen alten Mann, der mit einem Ausdruck des Ekels die Ärmel seines Rockes bürstete. „Er denkt, er hat sich Läuse geholt“, lachte die eine, als Dorian vorüberging. Der Mann sah sie erschreckt an und begann zu jammern.
Am Ende des Zimmers war eine kleine Treppe, die in eine verdunkelte Kammer führte. Als Dorian die drei wackligen Stufen hinaufhastete, schlug ihm der schwere Geruch des Opiums entgegen. Er holte tief Atem, und seine Nasenflügel zitterten vor Lust. Als er eintrat, blickte ein junger Mann mit glattgescheiteltem Blondhaar zu ihm auf, der sich über eine Lampe beugte, an der er eine lange, dünne Pfeife anzündete, und zögernd nickte.
„Du hier, Adrian?“ flüsterte Dorian.
„Wo soll ich sonst sein?“ antwortete er gleichgültig. „Kein Mensch will jetzt mehr mit mir sprechen.“
„Ich dachte, du wärst aus England fort?“
„Darlington wird nichts gegen mich unternehmen. Mein Bruder hat den Wechsel schließlich gezahlt. George spricht auch nicht mehr mit mir ... Ist mir auch einerlei“, fügte er seufzend hinzu. „Solange man noch das Zeug da hat, braucht man keine Freunde. Ich denke, ich habe zu viele Freunde gehabt.“
Dorian zuckte zusammen und sah sich nach den grotesken Gestalten um, die da in so abenteuerlichen Stellungen auf den zerlumpten Matratzen lagen. Die verkrümmten Glieder, die offenen Mäuler, die stierenden, glanzlosen Augen übten eine starke Anziehungskraft auf ihn aus. Er kannte die absonderlichen Paradiese, in denen sie litten, und welche dumpfe Höllen sie in das Geheimnis neuer Genüsse einweihten. Sie waren besser daran als er. Ihn hielten seine Gedanken eingekerkert. Die Erinnerung fraß wie eine fürchterliche Krankheit an seiner Seele. Von Zeit zu Zeit glaubte er die Augen Basil Hallwards auf sich gerichtet zu sehen. Aber er fühlte, daß er hier nicht bleiben konnte. Die Anwesenheit Adrian Singletons störte ihn. Er wollte irgendwo sein, wo ihn niemand kennt. Er wollte sich selbst entfliehen.
„Ich gehe in das andere Lokal“, sagte er nach einer Pause.
„Auf der Werft?“
„Ja.“
„Die tolle Katze ist sicher da. Sie wollen sie hier nicht mehr haben.“
Dorian zuckte die Achseln. „Ich habe die Weiber, die einen lieben, satt. Weiber, die einen hassen, sind viel interessanter. Übrigens ist dort der Stoff besser.“
„Ganz derselbe.“
„Mir schmeckt er da besser. Komm, wir wollen was trinken. Ich muß was haben.“
„Ich brauche nichts“, murmelte der junge Mann.
„Macht nichts.“
Adrian Singleton stand schläfrig auf und folgte Dorian ans Büfett. Ein Mischling in zerrissenem Turban und schäbigem Ulster grinste ihnen einen widerlichen Gruß zu, als er zwei Gläser und eine Branntweinflasche vor sie hinstellte. Die Weiber torkelten herbei und begannen zu schwatzen. Dorian kehrte ihnen den Rücken zu und sagte leise etwas zu Adrian Singleton.
Ein Grinsen gleich einem krummen malaischen Dolch verzerrte das Gesicht des einen Weibes. „Wir sind sehr stolz heute abend“, höhnte sie lachend.
„Um Gottes willen, rede nicht mit mir!“ schrie Dorian und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. „Was willst du? Geld? Da! Aber sprich kein Wort mehr zu mir!“
Zwei rote Funken blitzten für einen Augenblick in den wässerigen Augen des Weibes auf, dann verloschen sie wieder und ließen sie trübe und gläsern erscheinen. Sie warf den Kopf in den Nacken und raffte mit gierigen Fingern die Münzen auf dem Schenktisch zusammen. Ihre Gefährtin beobachtete sie neidisch.
„Es hat keinen Zweck“, sagte Adrian Singleton seufzend. „Ich will nicht mehr zurück. Was macht's aus? Ich fühle mich hier ganz wohl.“
„Du wirst mir doch schreiben, wenn du was brauchst?“ fragte Dorian nach einer Weile.
„Vielleicht.“
„Dann gute Nacht!“
„Gute Nacht!“ antwortete der junge Mann, schritt die Stufen hinauf und wischte sich den trockenen Mund mit dem Taschentuch ab.
Dorian schritt mit einem qualvollen Zug im Gesicht zur Tür. Als er den Vorhang beiseitezog, scholl ein gräßliches Lachen von den geschminkten Lippen des Weibes, das sein Geld genommen hatte. „Da geht er hin, der Seelenverschacherer!“ stieß sie mit einer heiser glucksenden Stimme hervor.
„Der Satan hol' dich!“ antwortete er, „du sollst mich nicht so nennen!“
Sie schnippte mit den Fingern. „Was, du willst wohl Prinz Märchenschön genannt werden, das paßte dir, he?“ kreischte sie hinter ihm her.
Bei diesen Worten sprang der schläfrige Matrose auf und blickte sich wild um. Das Geräusch der zufallenden Haustür drang an sein Ohr. Er stürzte hinaus, als ob er ihn verfolgen wollte.
Dorian Gray eilte rasch durch den herabstäubenden Regen den Kai entlang. Sein Zusammentreffen mit Adrian Singleton hatte ihn sonderbar bewegt, und er grübelte darüber nach, ob der Untergang dieses jungen Lebens wirklich sein Werk war, wie ihm Basil Hallward mit so schändlicher Beschimpfung schuldgegeben hatte. Er biß sich auf die Lippen, und für ein paar Augenblicke wurde sein Auge traurig. Aber schließlich, was ging es ihn an? Das bißchen Leben war zu kurz, als daß man die Sünden anderer auf seine Schultern laden könnte. Jeder lebte sein eigenes Leben und zahlte seinen eigenen Preis dafür. Das einzige Unglück war, daß man für ein einziges Vergehen so oftmals zahlen mußte. Man mußte immer und immer wieder zahlen. In seinem Handel mit dem Menschen glich das Schicksal sein Schuldbuch nie aus.
Die Psychologen sagen uns, daß es Augenblicke gibt, wo die Anreizung zu Sünden oder zu dem, was die Welt Sünden nennt, eine Natur so beherrscht, daß jede Faser des Körpers, jede Zelle des Gehirns von fürchterlichen Kräften gestachelt zu sein scheint. Männer und Frauen verlieren in solchen Augenblicken die Willensfreiheit. Sie bewegen sich wie Automaten ihrem schrecklichen Ende zu. Die Wahl ist ihnen geraubt, und das Gewissen ist entweder tot oder, wenn es noch lebt, so lebt es nur, um der Empörung ihren Reiz und dem Ungehorsam ihren besonderen Zauber zu verleihen. Denn alle Sünden sind, wie die Theologen nicht müde werden, uns vorzuhalten, Sünden des Ungehorsams. Als jener hohe Geist, der Morgenstern alles Bösen vom Himmel fiel, da fiel er, weil er ein Rebell war.
Unempfindlich, nur mit dem einen Gedanken ans Böse erfüllt, mit verfinstertem Geist, mit einer Seele, die nach Empörung lechzte, hastete Dorian Gray weiter, und beschleunigte, während er ging, seine Schritte immer mehr; aber als er in einen dunkeln Torweg einbog, der ihm oft genug als abgekürzter Weg zu dem berüchtigten Orte gedient hatte, den er jetzt aufsuchen wollte, fühlte er sich plötzlich von rückwärts gepackt, und bevor er Zeit hatte, sich zu wehren, wurde er gegen eine Mauer geschleudert und fühlte seinen Hals von einer brutalen Hand umklammert.
Er kämpfte wie wahnsinnig um sein Leben, und mit furchtbarer Anstrengung glückte es ihm, sich aus den umschnürenden Fingern loszureißen. Einen Augenblick darauf hörte er das Knacken eines Revolvers und sah den Glanz eines blanken Laufes gerade gegen seinen Kopf gerichtet und die dunkle Gestalt eines untersetzten Mannes vor sich.
„Was wollen Sie?“ keuchte er.
„Sei still“, sagte der Mann. „Wenn du dich rührst, schieß' ich dich nieder!“
„Sie sind toll. Was hab' ich Ihnen getan?“
„Du hast das Leben Sibyl Vanes zugrunde gerichtet!“ war die Antwort, „und Sibyl Vane war meine Schwester. Sie hat sich getötet. Ich weiß es. Ihr Tod ist deine Schuld. Ich habe geschworen, dich dafür zu töten. Jahrelang habe ich dich gesucht. Aber ich hatte keinen Anhaltspunkt, keine Spur. Die zwei Menschen, die dich hätten beschreiben können, waren tot. Ich wußte nichts von dir als den Kosenamen, den sie dir gab. Heute nacht habe ich ihn durch Zufall gehört. Mach' deinen Frieden mit Gott, denn heute nacht mußt du sterben.“
Dorian Gray wurde fast ohnmächtig vor Furcht. „Ich habe sie nie gekannt“, stammelte er. „Ich habe nie von ihr gehört. Sie sind verrückt.“
„Gesteh' lieber deine Sünden ein, denn so wahr ich James Vane heiße, so gewiß sollst du jetzt sterben.“ Es war ein entsetzlicher Augenblick. Dorian wußte nicht, was er sagen oder tun sollte. „Auf die Knie!“ brüllte der Mann. „Ich geb' dir eine Minute, deinen Frieden zu machen — nicht mehr! Ich muß heute nacht an Bord nach Indien, und muß vorher meine Arbeit getan haben. Eine Minute. Mehr nicht!“
Dorians Arme sanken herab. Von Todesangst gelähmt, wußte er nicht, was er beginnen sollte. Plötzlich zuckte eine jähe Hoffnung in seinem Gehirn auf. „Halt!“ schrie er. „Wie lang ist es her, daß Ihre Schwester gestorben ist? Rasch, sagen Sie!“
„Achtzehn Jahre“, sagte der Mann. „Warum fragst du? Was machen die Jahre?“
„Achtzehn Jahre!“ lachte Dorian mit einem triumphierenden Ton in seiner Stimme. „Achtzehn Jahre! Bringen Sie mich unter die Laterne und sehen Sie mein Gesicht an!“
James Vane zögerte einen Augenblick und begriff nicht, was er meinte. Dann packte er Dorian Gray und schleifte ihn aus dem Torweg heraus.
So dunkel und flackernd das windverwehte Licht auch war, es genügte doch, ihm den furchtbaren Irrtum zu zeigen, in den er geraten zu sein schien. Denn das Antlitz des Mannes, den er töten wollte, wies die ganze Blütenweichheit der Jugend auf, zeigte all die unbefleckte Reinheit der Jugend. Er schien kaum älter als ein Jüngling von zwanzig Lenzen, kaum älter, als seine Schwester gewesen war, als sie vor so vielen Jahren Abschied voneinander genommen hatten. Es war klar, daß dies nicht der Mann war, der ihr Leben zerstört hatte.
Er ließ seine Faust von ihm los und taumelte zurück. „Mein Gott, mein Gott!“ rief er aus, „und ich hätte Sie fast ermordet!“
Dorian Gray schöpfte tief Atem. „Sie waren dicht daran, ein furchtbares Verbrechen zu begehen, Mann“, sagte er mit einem strengen Blick. „Lassen Sie sich das eine Warnung sein, eine Rache nicht mit eigener Hand zu übernehmen.“
„Verzeihen Sie mir, Herr!“ stammelte James Vane. „Ich habe mich täuschen lassen. Ein zufälliges Wort, das ich in der verfluchten Kneipe hörte, brachte mich auf die falsche Spur.“
„Sie sollten lieber nach Hause gehen und Ihre Pistole wegtun, sonst kommen Sie noch in Ungelegenheiten“, sagte Dorian, drehte sich um und ging langsam die Straße hinunter.
James Vane stand voller Entsetzen auf dem Pflaster. Er zitterte von Kopf bis Fuß. Nach einer kleinen Weile bewegte sich ein schwarzer Schatten, der längs der regenfeuchten Wand hingeschlichen war, ins Licht hinaus und glitt mit verstohlenen Schritten an seine Seite. Er spürte eine Hand auf seinem Arm und drehte sich mit jähem Ruck um. Es war eines der Weiber, die am Büfett getrunken hatten.
„Warum hast du ihn nicht umgebracht?“ zischte sie und brachte ihr verlebtes Gesicht ganz dicht an das seine. „Ich wußte, daß du ihm folgtest, als du aus Dalys Haus fortranntest. Du Narr! Du hättest ihn totschlagen sollen. Er hat einen Haufen Geld und ist schlechter als sonst wer.“
„Er ist nicht der Mann, den ich suche,“ antwortete er, „und ich suche keines Menschen Geld. Ich such' eines Menschen Leben. Der Mann, dessen Leben ich suche, muß jetzt an die Vierzig sein. Der da war fast noch ein Knabe. Ich danke Gott, daß nicht sein Blut an meinen Händen klebt.“
Das Weib stieß ein bitteres Lachen aus. „Fast noch ein Knabe!“ höhnte sie. „Wahrhaftig, Mensch, es ist fast achtzehn Jahre her, seit Prinz Märchenschön das aus mir gemacht hat, was ich heute bin!“
„Du lügst!“ schrie James Vane.
Sie hob die Hände gen Himmel. „Bei Gott, ich sage die Wahrheit!“ rief sie.
„Bei Gott?“
„Du kannst mich kaltmachen, wenn es nicht so ist. Er ist der Schlechteste von allen, die herkommen. Sie sagen, er hat dem Teufel seine Seele für sein hübsches Gesicht verkauft. Es sind fast achtzehn Jahre, daß ich ihn kennenlernte. Er hat sich seitdem wenig verändert. Ich um so mehr“, fügte sie mit einem traurigen Blinzeln hinzu.
„Beschwörst du das?“
„Ich schwöre es“, klang es wie ein heiseres Echo aus ihrem entstellten Munde. „Aber verrate mich ihm nicht“, winselte sie; „ich habe Angst vor ihm. Gib mir 'n paar Groschen zum Nachtquartier.“
Mit einem Fluch riß er sich von ihr los und stürzte an die Straßenecke; aber Dorian Gray war verschwunden. Als er zurückblickte, war auch das Weib schon weg.
Siebzehntes Kapitel
Eine Woche später saß Dorian Gray im Gewächshaus von Selby Royal und plauderte mit der hübschen Herzogin von Monmouth, die sich mit ihrem Gatten, einem ermüdet aussehenden Manne von sechzig Jahren, unter seinen Gästen befand. Es war zur Teezeit, und das sanfte Licht der großen, mit einem Spitzenschleier verhängten Lampe, die auf dem Tische stand, erleuchtete das kostbare Porzellan und das getriebene Silberservice, das neben der Herzogin stand. Ihre weißen Hände machten sich zierlich zwischen den Tassen zu schaffen, und ihre vollen, roten Lippen lächelten über etwas, das ihr Dorian zugeflüstert hatte. Lord Henry lag zurückgelehnt in einem mit Silberseide bezogenen Rohrsessel und sah beide an. Auf einem pfirsichfarbenen Diwan saß Lady Narborough und tat so, als ob sie der Beschreibung des Herzogs zuhörte, die den letzten brasilianischen Käfer betraf, den er seiner Sammlung einverleibt hatte. Drei junge Leute in gewählter Gesellschaftstoilette boten den Damen Teekuchen an. Die Gesellschaft bestand aus zwölf Personen, und für den nächsten Tag wurden noch einige erwartet.
„Worüber sprecht ihr beide?“ fragte Lord Henry, während er gemächlich zu dem Teetisch ging und seine Tasse niederstellte. „Ich hoffe, Dorian hat dir von meinem Plan, alles umzutaufen, erzählt, Gladys. Es ist eine allerliebste Idee.“
„Aber ich will nicht umgetauft werden, Harry“, erwiderte die Herzogin und sah ihn mit ihren reizend schönen Augen an. „Ich bin mit meinem Namen ganz zufrieden und ich denke, Herr Gray kann auch mit seinem zufrieden sein.“
„Meine teure Gladys, ich würde um keinen Preis der Welt einen der beiden Namen umändern wollen. Sie sind beide vollendet. Ich dachte hauptsächlich an Blumen. Gestern schnitt ich mir eine Orchidee für mein Knopfloch. Es war eine wundervoll gesprenkelte Blume, so wirkungsvoll wie die sieben Todsünden. In einem Anfall von Gedankenträgheit fragte ich einen der Gärtner, wie sie heiße. Er sagte mir, es sei ein schönes Exemplar der Robinsoniana oder irgendeine derartige gräßliche Bezeichnung. Es ist eine traurige Wahrheit, aber wir haben die glückliche Gabe verloren, den Dingen schöne Namen zu geben. Und Namen sind alles. Ich kämpfe nie gegen Taten an. Mein einziger Kampf richtet sich gegen die Worte. Das ist der Grund, weshalb ich den vulgären Realismus in der Literatur verabscheue. Der Mann, der imstande ist, einen Spaten einen Spaten zu nennen, sollte gezwungen werden, selbst einen in die Hand zu nehmen. Es ist die einzige Sache, zu der er tauglich wäre.“
„Wie sollen wir also dich nennen, Harry?“ fragte sie.
„Sein Name ist Prinz Paradox“, sagte Dorian.
„Der wird sofort akzeptiert!“ rief die Herzogin.
„Ich will ihn nicht hören“, lachte Lord Henry und ließ sich in ein Fauteuil fallen. „Vor einem solchen Etikettchen kann man sich nicht retten. Ich weise den Titel zurück.“
„Fürstlichkeiten können nicht abdanken“, warnten ihn schöne Lippen.
„Du willst also, daß ich meinen Thron verteidige?“
„Ja.“
„Ich sage die Wahrheiten von morgen.“
„Ich ziehe die Irrtümer von heute vor“, antwortete sie.
„Du entwaffnest mich, Gladys!“ rief er, entzückt von ihrer übermütigen Laune.
„Deines Schildes, Harry, nicht deines Speeres.“
„Ich kämpfe nie gegen Schönheit“, sagte er mit einer huldigenden Handbewegung.
„Das ist dein Fehler, Harry, glaube mir's. Du überschätzest die Schönheit.“
„Wie kannst du das sagen? Ich gebe zu, daß ich es für besser halte, schön zu sein als gut. Aber andererseits ist niemand eher als ich bereit zuzugeben, daß es besser ist, gut zu sein als häßlich.“
„Dann also ist Häßlichkeit eine der sieben tödlichen Sünden?“ rief die Herzogin. „Wie steht es nun mit deinem Orchideengleichnis?“
„Häßlichkeit ist eine von den sieben tödlichen Tugenden, Gladys. Du als gute Tory darfst sie nicht unterschätzen. Das Bier, die Bibel und die sieben tödlichen Tugenden haben aus England gemacht, was es heute ist.“
„Du liebst also dein Vaterland nicht?“ fragte sie.
„Ich lebe darin.“
„Damit du es besser tadeln kannst.“
„Sähest du es lieber, daß ich mir das Urteil Europas über unser Land aneigne?“ fragte er.
„Was sagt man von uns?“
„Daß Tartüff nach England ausgewandert sei und dort einen Laden aufgemacht habe.“
„Ist das von dir, Harry?“
„Ich schenke es dir.“
„Ich kann's nicht gebrauchen. Es ist zu wahr.“
„Du brauchst dich nicht zu ängstigen. Unsere Landsleute erkennen sich nie in ihrem Steckbrief wieder.“
„Du bist so praktisch.“
„Eher gerissen als praktisch. Wenn sie ihr Kontokorrent abschließen, dann saldieren sie Dummheit mit Reichtum und Laster mit Heuchelei.“
„Und doch haben wir große Dinge vollbracht.“
„Große Dinge sind uns auferlegt worden, Gladys.“
„Wir haben ihre Last zu tragen vermocht.“
„Nur bis zur Börse.“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube an unsere Rasse!“ rief sie.
„Sie vertritt den überlebenden Ellbogenstreber.“
„Sie hat das Zeug zur Entwicklung.“
„Verfall reizt mich mehr.“
„Und die Kunst?“ fragte sie.
„Eine Krankheit.“
„Liebe?“
„Einbildung.“
„Religion?“
„Modesurrogat für den Glauben.“
„Du bist ein Skeptiker!“
„Niemals! Skeptizismus ist der Anfang des Glaubens.“
„Was bist du?“
„Definieren heißt beschränken.“
„Reich mir den Ariadnefaden!“
„Fäden zerreißen. Du wurdest deinen Weg im Labyrinth verlieren.“
„Du machst mich wirre. Laß uns von einem anderen sprechen.“
„Unser Wirt ist ein entzückendes Thema. Vor vielen Jahren nannte man ihn den Prinz Märchenschön.“
„Ach! Erinnere mich nicht daran!“ rief Dorian Gray.
„Unser Wirt ist recht greulich heute abend“, antwortete die Herzogin und errötete. „Er denkt wohl, Monmouth habe mich nur aus wissenschaftlichen Gründen geheiratet, weil ich das beste Musterbeispiel eines modernen Schmetterlings bin.“
„Ich hoffe aber, er wird Sie nicht auf Stecknadeln spießen, Frau Herzogin“, lachte Dorian.
„Oh! Das besorgt schon meine Kammerjungfer, Herr Gray, wenn sie sich über mich ärgert.“
„Und worüber ärgert sie sich, Frau Herzogin?“
„Über die geringsten Dinge, Herr Gray, glauben Sie nur! Gewöhnlich, wenn ich zehn Minuten vor neun nach Hause komme und ihr sage, daß ich bis halb neun angezogen sein muß.“
„Wie unvernünftig von ihr! Sie sollten ihr den Laufpaß geben!“
„Das wag' ich nicht, Herr Gray. Sie erfindet nämlich meine Hüte. Sie erinnern sich nicht an den Hut, den ich auf Lady Hilstones Gartenfest getragen habe? Natürlich nicht, aber es ist hübsch von Ihnen, daß Sie so tun. Also der war geradezu aus nichts gemacht. Alle guten Hüte werden aus nichts gemacht.“
„Wie jeder gute Ruf, Gladys!“ unterbrach Lord Henry. „Jede Wirkung, die man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muß eine Mittelmäßigkeit sein, wenn man eine Beliebtheit sein will.“
„Nicht unter Frauen“, sagte die Herzogin und schüttelte den Kopf; „und Frauen regieren die Welt. Ich behaupte steif und fest, wir können Mittelmäßigkeiten nicht vertragen. Wir Frauen, hat mal jemand gesagt, lieben mit den Ohren, gerade so, wie ihr Männer mit den Augen liebt, wenn ihr überhaupt liebt.“
„Es scheint mir, daß wir überhaupt nie etwas anderes tun“, flüsterte Dorian.
„Ach! Herr Gray, dann lieben Sie nie in Wirklichkeit“, antwortete die Herzogin wie in spöttischer Trauer.
„Meine liebe Gladys.“ rief Lord Henry. „Wie kannst du das sagen? Die Romantik lebt von Wiederholung, und die Wiederholung verwandelt jeden Anreiz in Kunst. Übrigens, jedesmal, wenn man liebt, ist es das erstemal, daß man geliebt hat. Die Verschiedenheit des Objektes verändert die Einzigkeit der Leidenschaft nicht. Sie macht sie nur stärker. Wir können im Leben bestenfalls nur ein einziges großes Erlebnis haben, und das Geheimnis des Lebens besteht darin, dieses Erlebnis so oft als möglich zu wiederholen.“
„Selbst wenn es einen verwundet hat, Harry?“ fragte die Herzogin nach einer Pause.
„Besonders wenn es einen verwundet hat“, entgegnete Lord Henry.
Die Herzogin wandte sich um und sah Dorian Gray an mit einem seltsamen Ausdruck in ihren Augen. „Was sagen Sie dazu, Herr Gray?“ forschte sie.
Dorian zögerte einen Augenblick. Dann warf er den Kopf zurück und lachte. „Ich stimme mit Harry immer überein, Frau Herzogin.“
„Auch wenn er unrecht hat?“
„Harry hat nie unrecht, Frau Herzogin.“
„Und macht Sie seine Philosophie glücklich?“
„Glück habe ich nie gesucht. Wer braucht Glück? Ich habe Vergnügen gesucht.“
„Und gefunden, Herr Gray?“
„Oft. Zu oft.“
Die Herzogin seufzte. „Ich suche Frieden,“ sagte sie, „und wenn ich jetzt nicht gehe und mich anziehe, habe ich ihn heut abend nicht.“
„Lassen Sie mich Ihnen ein paar Orchideen holen, Frau Herzogin!“ rief Dorian, sprang auf und ging ins Gewächshaus hinunter.
„Du flirtest ganz schändlich mit ihm“, sagte Lord Henry zu seiner Kusine. „Du solltest dich lieber in acht nehmen. Er kann sehr faszinieren.“
„Wenn er es nicht könnte, gäb's keinen Kampf.“
„Also Griechen kämpfen gegen Griechen?“
„Ich bin auf seiten der Trojaner. Sie kämpften für ein Weib.“
„Sie wurden besiegt.“
„Es gibt ärgere Dinge als Gefangenschaft“, erwiderte sie.
„Du galoppierst mit verhängtem Zügel.“
„Das Tempo macht Leben“, war die Antwort.
„Ich will mir das heut abend in mein Tagebuch schreiben.“
„Was?“
„Daß ein gebranntes Kind das Feuer liebt.“
„Ich bin noch nicht einmal versengt. Meine Flügel sind unberührt.“
„Du gebrauchst sie zu allem, nur nicht zur Flucht.“
„Der Mut ist von den Männern zu den Frauen gewandert. Das ist ein neues Erlebnis für uns.“
„Du hast eine Rivalin.“
„Wen?“
Er lachte. „Lady Narborough“, flüsterte er. „Sie betet ihn an.“
„Du machst mir Angst. Die Beschwörung des Altertums ist für uns Romantiker stets gefährlich.“
„Romantiker! Du hast alle Methoden der Wissenschaft.“
„Männer haben uns erzogen.“
„Aber nicht erklärt.“
„Gib uns eine Definition unseres Geschlechtes“, forderte sie ihn heraus.
„Sphinxe ohne Geheimnisse.“
Sie sah ihn lächelnd an. „Wie lange Herr Gray wegbleibt“, sagte sie. „Wir wollen ihm helfen. Ich habe ihm noch nicht einmal die Farbe meines Kleides angegeben.“
„Pah! Du mußt dein Kleid seinen Blumen anpassen, Gladys.“
„Das wäre eine zu frühe Übergabe.“
„Die romantische Kunst beginnt mit dem Höhepunkt.“
„Ich muß mir die Möglichkeit des Rückzuges offen halten.“
„Wie die Parther?“
„Sie fanden Schutz in der Wüste. Mir wäre das nicht möglich.“
„Man läßt den Frauen nicht immer die Wahl“, entgegnete er; aber kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, als von dem äußersten Winkel des Gewächshauses her ein unterdrücktes Stöhnen kam, dem das dumpfe Gerausch eines schweren Falles folgte. Alles sprang auf. Die Herzogin stand regungslos da vor Schreck. Mit ängstlichen Augen stürzte Lord Henry durch die wehenden Fächer der Palmen und fand Dorian Gray in einer todesähnlichen Ohnmacht am Boden liegend, mit dem Gesicht auf den kühlen Fliesen.
Er wurde sofort in den blauen Salon gebracht und auf ein Sofa gelegt. Nach einer kurzen Weile kam er wieder zu sich und sah sich verstört um.
„Was ist geschehen?“ fragte er. „Ach! jetzt fällt mir's ein. Bin ich hier sicher, Harry?“ Er begann zu zittern.
„Mein lieber Dorian,“ antwortete Lord Henry, „es war ein Ohnmachtsanfall. Weiter nichts. Du mußt dich wohl übermüdet haben. Komm lieber nicht zum Diner hinunter. Ich werde dich vertreten.“
„Nein, ich will herunterkommen“, sagte er und mühte sich, auf den Füßen zu stehen. „Ich komme lieber herunter! Ich darf nicht allein sein.“
Er ging in sein Zimmer und zog sich um. Als er bei Tisch saß, war in seinem Gehaben eine wilde, übermütige Lustigkeit, aber hin und wieder überlief ihn ein Angstschauer, wenn er sich erinnerte, daß er, gegen die Fensterscheiben des Gewächshauses gepreßt, das lauernde Gesicht James Vanes wie ein weißes Tuch erblickt hatte.
Achtzehntes Kapitel
Am nächsten Tage verließ er das Haus nicht und verbrachte den größten Teil der Zeit in seinem Zimmer, durchrüttelt von einer wilden Todesfurcht und dem Leben gegenüber doch gleichgültig. Das Bewußtsein, gejagt, umzingelt, aufgestöbert zu werden, fing an, ihn gänzlich zu beherrschen. Wenn nur die Vorhänge im Winde rauschten, schrak er zusammen. Die toten Blätter, die gegen die verbleiten Scheiben gefegt wurden, schienen ihm seine eigenen vergeudeten Vorsätze und ungestümen Gewissensbisse zu sein. Wenn er die Augen schloß, sah er wieder das Gesicht des Matrosen vor sich, wie es durch das feuchtbeschlagene Glas stierte, und das Entsetzen schien ihm noch einmal seine Hand aufs Herz zu legen.
Aber vielleicht war es nur seine Phantasie gewesen, die die Rache aus der Nacht heraufbeschworen und ihm die gräßliche Gestalt der Strafe vorgetäuscht hatte. Das wirkliche Leben war ein Chaos, aber es war eine furchtbare Logik in der Phantasie. Die Phantasie hetzte die Gewissensbisse hinter den flüchtigen Sohlen der Sünde her. Die Phantasie ließ jedes Verbrechen seine mißgestaltete Brut in sich tragen. In der gewöhnlichen Welt der Tatsachen wurden die Schlechten so wenig bestraft wie die Guten belohnt. Der Erfolg gehörte den Starken, Unglück machte die Schwachen unterliegen. Das war alles. Zudem, wenn ein Fremder um das Haus herumgestrolcht wäre, so hätten ihn die Diener oder Wächter entdeckt. Wären irgendwelche Fußtapfen in den Beeten bemerkt worden, so hätten es die Gärtner gemeldet. Ja: es war alles bloße Einbildung. Sybil Vanes Bruder war nicht zurückgekommen, um ihn zu ermorden. Er war mit seinem Schiff abgesegelt, um in irgendeiner arktischen See zu ertrinken. Vor dem war er also sicher. Der Mann wußte gar nicht, wer er war und konnte es nicht wissen. Die Maske der Jugend hatte ihn gerettet.
Und doch, wenn es eine bloße Ausgeburt der Einbildung gewesen war, wie schrecklich war doch der Gedanke, daß das Gewissen so fürchterliche Hirngespinste entstehen lassen und ihnen sichtbare Form und Bewegung geben konnte! Was für eine Art Leben würde er führen, wenn Tag und Nacht die Schatten seines Verbrechens aus düsteren Winkeln nach ihm spähten, ihn von geheimen Stellen aus neckten, ihm ins Ohr flüsterten, wenn er beim Mahle saß, ihn mit eisigen Fingern weckten, wenn er schlief! Als dieser Gedanke durch sein Hirn kroch, wurde er blaß vor Schrecken, und die Luft schien ihm plötzlich kälter geworden zu sein. Oh! in was für einer wilden Wahnsinnsstunde hatte er seinen Freund umgebracht! Wie bluterstarrend war nur die Erinnerung an diese Szene! Er sah es alles wieder. Jede gräßliche Einzelheit kam mit vermehrtem Entsetzen wieder zu ihm. Aus dem schwarzen Grabverlies der Zeit stieg schrecklich und in Scharlachrot gehüllt das Bild seiner Sünde empor. Als Lord Henry um sechs Uhr eintrat, fand er ihn schluchzend, als ob ihm das Herz brechen wolle.
Erst am dritten Tage wagte er auszugehen. Es lag etwas in der klaren, tannenduftenden Luft dieses Wintermorgens, das ihm seine Fröhlichkeit und seine Lebenslust wiederzugeben schien. Aber nicht nur die physischen Bedingungen seiner Umgebung hatten diese Wandlung zuwege gebracht. Seine eigene Natur hatte sich gegen das Übermaß der Angst empört, die ihre vollendete Ruhe zu stören und zu vernichten versucht hatte. Mit feinen und subtil organisierten Temperamenten ist es immer so. Ihre heftigen Leidenschaften können nur Hammer oder Amboß sein. Entweder töten sie den Menschen oder sterben selbst. Oberflächliche Sorgen, oberflächliche Liebesempfindungen können weiter leben. Tiefe Liebesempfindungen und große Sorgen gehen durch ihre eigene Überfülle zugrunde. Überdies hatte er sich jetzt überzeugt, daß er das Opfer einer erschreckten Einbildungskraft gewesen war, und sah jetzt auf seine Ängste mit einer Art Mitleid und nicht geringer Verachtung zurück.
Nach dem Frühstück ging er mit der Herzogin ein Stündchen im Garten spazieren und fuhr dann durch den Park, um mit der Jagdgesellschaft zusammenzutreffen. Der feinperlige Reif lag wie Salz auf dem Rasen. Der Himmel sah aus wie ein umgestülpter Pokal aus blauem Metall. Ein dünner Eisgallert umsäumte den seichten, schilfbewachsenen Teich.
Am Eingang des Tannenwaldes erblickte er Sir Geoffrey Clouston, den Bruder der Herzogin, der eben zwei verschossene Patronen aus seiner Flinte stieß. Dorian sprang aus dem Wagen, sagte dem Groom, er solle mit dem Gespann nach Hause fahren, und ging durch das welke Farnkraut und das gestrüppige Unterholz auf seinen Gast zu.
„Gute Jagd gehabt, Geoffrey?“ fragte er.
„Nicht berühmt, Dorian. Die meisten Vögel, glaub' ich, sind auf die Felder geflüchtet. Vielleicht wird's nachmittag besser sein, wenn wir auf frisches Revier kommen.“
Dorian schlenderte neben ihm weiter. Die starke, aromatische Luft, die braunen und roten Lichter, die den Wald durchflimmerten, das rauhe Geschrei der Treiber, das von Zeit zu Zeit aufgellte, und der scharfe Knall der Flinten, der dann folgte, das alles fesselte ihn und erfüllte ihn mit einem Gefühl entzückender Freiheit. Er war beherrscht von einem sorglosen Glück, von einer großartigen Gleichgültigkeit der Freude.
Plötzlich brach aus einem dicken Büschel alten Grases, vielleicht zwanzig Meter vor ihnen, ein Hase aus, die schwarzgesprenkelten Löffel steif aufgerichtet und die langen Hinterläufe nach vorn werfend. Er schnellte auf ein Erlendickicht los. Sir Goeffrey riß das Gewehr an die Schulter, aber in der anmutigen Bewegung des Tieres lag etwas, das Dorian Gray seltsam entzückte, und er rief hastig: „Schieß nicht, Geoffrey. Laß ihn laufen!“
„Ach, Unsinn, Dorian“, sagte lachend sein Gefährte, und noch ehe der Hase in das Dickicht setzte, schoß er zu. Man hörte zwei Schreie, den Schrei eines verwundeten Hasen, der schrecklich ist, und den Schrei eines sterbenden Menschen, der noch schrecklicher ist.
„Gott im Himmel, ich habe einen Treiber getroffen!“ rief Sir Geoffrey aus. „Was für 'n Esel der Mann ist, einem direkt vors Gewehr zu laufen! Hört auf mit Schießen!“ rief er mit seiner lautesten Stimme. „Ein Mann ist getroffen worden!“
Der Hegemeister kam mit einem Stock in der Hand herbeigelaufen.
„Wo, Herr? Wo ist er?“ rief er. Im selben Augenblick hörte das Schießen auf der ganzen Linie auf.
„Hier!“ antwortete Sir Geoffrey ärgerlich und rannte auf das Dickicht zu. „Warum, zum Kuckuck, halten Sie Ihre Leute nicht weiter zurück? Für heute hab' ich die ganze Jagd im Magen.“
Dorian sah ihnen nach, wie sie in die Erlenbüsche eindrangen und die biegsamen Zweige zur Seite bogen. Nach einigen Augenblicken erschienen sie wieder und zogen einen Körper ans Tageslicht. Er wandte sich entsetzt ab. Es schien ihm, als folge ihm das Mißgeschick überallhin. Er hörte, wie Sir Geoffrey fragte, ob der Mann wirklich tot wäre, und vernahm die bejahende Antwort des Hegemeisters. Es schien ihm, als wimmele der Wald urplötzlich von Gesichtern. Er hörte das Gelaufe von unzähligen Füßen und das gedämpfte Flüstern von Stimmen. Ein großer Fasan mit kupferfarbener Brust rauschte durch die Äste über ihm dahin.
Nach einigen Augenblicken, die ihm in seiner Fassungslosigkeit wie endlose, peinvolle Stunden vorkamen, fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Er zuckte zusammen und wandte sich um.
„Dorian,“ sagte Lord Henry, „ich halt 's für richtiger, die Jagd für heute beendet sein zu lassen. Es würde nicht gut aussehen, sie fortzusetzen.“
„Ich wollte, sie wäre für immer beendet, Harry“, antwortete er bitter. „Die ganze Geschichte ist gräßlich und grausam ist der Mann...?“ Er konnte den Satz nicht vollenden.
„Ja leider“, entgegnete Lord Henry. „Er hat die ganze Ladung in die Brust gekriegt. Er muß augenblicklich gestorben sein. Komm, wir wollen nach Hause.“
Sie schritten nebeneinander auf die Allee zu und sprachen etwa fünfzig Meter weit kein Wort. Dann sah Dorian Lord Henry an und sagte mit einem tiefen Seufzer: „Das ist ein böses Omen, Harry, ein sehr böses Omen.“
„Was denn?“ fragte Lord Henry. „Oh! diesen Unglücksfall meinst du. Lieber Junge, daran ist nichts zu ändern. Der Mann hatte ja selber schuld. Warum lief er in die Schußlinie? Überdies ist es nicht unsere Sache. Für Geoffrey ist es natürlich nicht gerade angenehm! Es ist nicht hübsch, Treiber niederzupuffen. Die Leute denken gleich, man wäre ein Sonntagsjäger. Und das ist Geoffrey nicht; er schießt sogar brillant. Aber es hat keinen Zweck, über den Unfall weiter zu reden.“
Dorian schüttelte den Kopf. „Es ist ein böses Omen, Harry. Ich habe das Gefühl, als müßte einem von uns etwas Schreckliches zustoßen. Mir selbst vielleicht“, fügte er hinzu und legte mit einer schmerzlichen Bewegung die Hand über die Augen.
Der ältere lachte. „Das einzig Schreckliche in der Welt ist Langeweile, Dorian. Das ist die einzige Sünde, für die es keine Vergebung gibt. Aber wir werden darunter schwerlich zu leiden haben, wenn die Gesellschaft bei Tisch nicht etwa noch über die Sache viel Aufhebens macht. Ich muß den Leuten sagen, daß dieses Thema einfach Tabu ist. Und Omina —so was wie Omina gibt's nicht. Das Geschick sendet uns keine Herolde. Es ist zu weise dazu oder zu grausam. Übrigens, was in aller Welt sollte dir geschehen, Dorian? Du hast alles, was sich ein Mensch hienieden wünschen kann. Ich wüßte niemand, der nicht freudig mit dir tauschen möchte.“
„Es gibt keinen, mit dem ich nicht tauschen möchte, Harry. Lach' nicht darüber. Ich spreche die Wahrheit. Der elende Bauer, der da gestorben ist, ist besser daran als ich. Ich habe keine Angst vor dem Tode. Das Sterben ist's, wovor ich mich ängstige. Seine ungeheuren Flügel scheinen mich rings in der bleiernen Luft zu umschatten. Herr des Himmels, siehst du nicht, daß da hinter den Bäumen ein Mann auf mich lauert und mich beobachtet?“
Lord Henry sah in die Richtung, wohin die behandschuhte Hand zitternd wies. „Ja,“ sagte er lächelnd, „ich sehe da den Gärtner auf dich warten. Er will dich vermutlich fragen, welche Blumen du heute auf dem Tisch haben willst. Wie lächerlich nervös du heute bist, lieber Junge! Du mußt gleich meinen Doktor konsultieren, wenn wir wieder in der Stadt sind.“
Dorian seufzte erleichtert auf, als er den Gärtner herankommen sah. Der Mann legte die Hand an den Hut, blickte erst zaudernd auf Lord Henry und zog dann einen Brief hervor, den er seinem Herrn überreichte. „Ihre Gnaden hat mir aufgetragen, auf Antwort zu warten“, sagte er halblaut.
Dorian steckte den Brief in die Tasche. „Sagen Sie Ihrer Gnaden, ich würde kommen“, sagte er kühl. Der Mann kehrte um und schritt rasch dem Hause zu.
„Wie gern doch die Frauen gefährliche Dinge tun!“ sagte Lord Henry lachend. „Das ist eine von ihren Eigenschaften, die ich am meisten bewundere. Eine Frau ist mit jedem auf der Welt zu flirten bereit, solange andere Leute dabei Zuschauer sind.“
„Wie gern du doch gefährliche Dinge sagst, Harry! In diesem Falle bist du aber ganz auf dem Holzwege. Ich habe die Herzogin sehr gern, aber ich liebe sie nicht.“
„Und die Herzogin liebt dich sehr, aber sie hat dich nicht gern, also paßt ihr beide famos zusammen.“
„Du machst Klatschereien, Harry, und diesmal ist gar kein Grund zu Klatschereien vorhanden.“