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Das Buch vom Brüderchen: Roman einer Ehe cover

Das Buch vom Brüderchen: Roman einer Ehe

Chapter 41: 4.
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About This Book

The narrative follows a contented writer whose cheerful household and books about his two older sons shift focus to the youngest child, a toddler who insists on being included in the family story. Through episodic scenes of domestic life, play, and small adventures, the text explores parental affection, the fragile illusion of security that ignores mortality, and a child's claim to recognition. Gentle irony and quiet emotion combine to portray marital life and family roles while contemplating the gap between adult assumptions and a child's immediate needs, culminating in a solemn promise to record the youngest within the family's remembered life.

4.

Es war nichts Geringeres als ein Kampf mit dem Tode, den ich begonnen, und die Zeit, die folgte, wurde ein beständiger Wechsel zwischen der düstersten Verzweiflung und der hellsten Hoffnung. Das Schwerste unter solchen Verhältnissen ist natürlich die völlige Unthätigkeit, die darin besteht, bloß ruhig auf das zu warten, was kommen soll und geduldig alles der Zeit zu überlassen, während man gleichzeitig glaubt, daß alles, was geschieht, nur das Herannahen der Nacht beschleunigt, die man verscheuchen zu können hofft. Wie ängstlich beobachtete ich nicht meine Frau in dieser Zeit! Wie folgte ich ihr nicht auf ihren Fahrten zum Grabe! Und wie freute ich mich, wenn ich sie ruhig und fröhlich die Knaben um sich versammeln, ihnen erzählen und vorlesen sah, so wie nur sie es konnte, und wenn ich wieder ihre munteren Stimmen hören durfte, die durch einander klangen, wenn das Gelesene Anlaß zu einem dieser lustigen Kommentare gab, die es zu einem Feste machen, Kindern vorzulesen. Und wie konnte ich nicht beim Mittagstisch oder bei der Abendlampe nach dem angestrengten, abwesenden Ausdruck in dem Antlitz meiner Frau spähen, der wie eine Wolke kommen und uns alle stumm machen konnte.

Es war dann, als ginge ihre Seele plötzlich von uns fort und ließe uns allein. Die Knaben wechselten Blicke mit mir, Blicke, die deutlich sagten, daß sie, soweit ihr Alter es zuließ, ebenso wohl verstanden wie ich und ebenfalls litten, wenn es ihnen auch leichter fiel, die Gedanken zu zerstreuen. Svante stand auf und streichelte Mama, und er fühlte sich nicht zurückgestoßen, weil es ihm nicht gelang, ihre Augen zu erhellen. Er konnte nachher zu mir kommen und sagen:

„Mama thut mir so leid.“

Das war alles für ihn, und drum war er vielleicht ein besserer Tröster als ich.

Olof saß bei solchen Anlässen mehr still da und versuchte mit mir zu sprechen, als wäre alles, wie es sein sollte. Aber seine Augen folgten der Mutter, und ging sie hinaus, um allein zu sein, was oft geschah, wenn sie fühlte, daß sie uns nicht länger ansehen und mit uns sprechen konnte, dann pflegte er sich an ihre Thüre zu schleichen und dort lange zu stehen und zu horchen. Dauerte das Schweigen allzulange, so ging er sachte hinein, und geschah es, daß er abgewiesen wurde, dann kam er still zurück und setzte sich mit einer resignierten Miene nieder, als wüßte er, daß er nicht alles auf einmal verlangen könnte.

Es erging ihm wie mir, er hätte es als eine Erleichterung empfunden, wenn er nur gewußt hätte, was er thun sollte.

Und wenn wir drei zu solchen Zeiten allein saßen, dachten wir alle an das, was wohl hinter der verschlossenen Thüre vorging, wo meine Frau sich immer näher und näher zu der Grenze hinarbeitete, an der das Leben aufhört, wo sie sich zum Tode durchkämpfte.

„Wißt Ihr, woran Mama leidet?“ sagte ich eines Tages.

Olof sah fort, ohne etwas zu sagen, aber Svante antwortete:

„Ja.“

Ich hätte übrigens nicht zu fragen gebraucht. Denn ich wußte, daß sie sie auf das vorbereitet hatte, was kommen sollte.