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Das Gedächtnis

Chapter 3: I. Die grundlegende Bedeutung des Gedächtnisses.
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About This Book

The work examines the nature and central role of memory, defining it as the capacity to imprint, retain and later reproduce perceptions and ideas. It outlines the adoption of scientific experiment in studying mental life and describes consciousness and the internal mechanisms that support remembering. A substantial practical section offers rules for effective memory work, covering attention, rhythmic structuring, grouping, localization, organization, interest, whole-versus-part learning, spaced repetition, imagination and mnemonic techniques. It also addresses sensory testimony and its errors, individual differences in imagery, ways to detect missing elements in knowledge, and how inhibition, facilitation and health affect retention, concluding with a concise synthesis of theory and practice.

I. Die grundlegende Bedeutung des Gedächtnisses.

Die gewaltigen Errungenschaften der Technik und Großbetriebe, die kulturfördernden Leistungen der Wissenschaften, die in rastlosem Fortschreiten die Menschheit zu ungeahnten Höhen führen, sie alle entsprangen dem menschlichen Geiste. Nicht auf einmal. In mühevollem Arbeiten, Entdecken und Verwerten baute die Nachwelt auf den Errungenschaften der Vorwelt weiter. Was der einzelne schuf und entdeckte, vermochte er mit einer bewundernswerten Kraft seines Geistes zu bewahren, mit dem Gedächtnis. Es entfiel ihm nicht sofort wieder. Er lehrte das Neue die andern. Sie vermochten es auch zu behalten, zu verwerten und weiter zu vererben. Das Gedächtnis ist die Fähigkeit des Menschen, Wahrnehmungen oder Vorstellungen einzuprägen, zu behalten, wenn auch nicht unverändert, und später in ähnlicher Weise wieder zu erneuern.

Im Gedächtnis liegen die Wurzeln zu jenem gewaltigen Riesenbau an Errungenschaften, den der einzelne Mensch überhaupt nicht mehr zu überschauen fähig ist. Das Gedächtnis ist das Pfund, mit dem er wuchern konnte. Darum wurde es auch immer hochgeachtet und zu bilden versucht. Von den ältesten Zeiten an bis zu den Gelehrten unserer Tage, Weltweisen, Ärzten, Erziehern usw., schenkte man ihm regste Beachtung. Es ist ein Schlüssel zum gesamten geistigen Leben.

Und wenn wir die verschiedenen Stufen menschlicher Begabung betrachten, so zeigt sich eine fast ausnahmslose Regel: Minderwertige Geister haben geringe Gedächtniskraft,[1] mittelgroße stets bessere Gedächtnisleistung, und hervorragende Geister fallen meist auch durch ihre erstaunliche Erinnerungsfähigkeit auf. Das Gedächtnis und die gesamte Geistesbildung stehen im allgemeinen im gleichen Verhältnis zueinander.

Ein Aristoteles, Leibniz, Goethe, Humboldt, Wilhelm Wundt und andere waren nur deshalb fähig, große geistige Zusammenhänge zu schauen und hervorzubringen, weil ihnen das Gedächtnis wie ein großes beseeltes Buch, das von selbst seine Seiten öffnet, einen ungeahnten Reichtum an geistigen Arbeitsunterlagen lieferte.

Auf so breiter, umfassender Grundlage gewonnene Ergebnisse haben entschieden mehr Allgemeingültigkeit und kommen der Wahrheit sehr nahe. Das Gedächtnis vertieft die Geistesbildung und gibt ihr Reichtum und Umfang.