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Das Land unserer Liebe cover

Das Land unserer Liebe

Chapter 29: 4
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About This Book

The narrative follows Georg Freimann, the proud head of a shipping line, as he confronts postwar upheaval: returning soldier-revolutionaries, Allied oversight, and the forced surrender of his company's last great liner. Public disorder and the loss of professional purpose plunge him into despair, briefly contemplating a desperate act, while his secretary Antje Tietgens observes with compassionate restraint. Administrative maneuvers and personal pride collide as he assembles a commission to salvage what remains, and the story examines the collapse of an established world, conflicting loyalties, and the tension between private anguish and the demands of leadership.

4

Selbfünft schritten sie über das Werftgelände, vom Direktionsgebäude zur Helling hinüber — umstiebt vom ersten Schnee.

»Goddam!« knurrte Elias Patterson, »arbeiten könnt ihr immer noch, ihr Deutschen ...«

In seinem knisternden Nerzpelz sah er neben der verschlissenen Vorkriegseleganz Detlev Carstensens wie der reiche Verwandte aus, der den verarmten Vetter zu besuchen kommt. Aber der verarmte Vetter brauchte sein Haupt heute nicht niederzusenken, da stand seine Leistung: die »Deutschland« reckte sich schon bis fast unters Krangerüst ... Und überall klang im scharfen Dezemberhauch das tausendfältige Ticktack der Niethämmer, das schnarrende Schwirren des elektrischen Nietens — das Knarren der Krane, die viele hundert Tonnen hoben wie Streichholzschachteln und durch die Lüfte entführten wie Flaumfedern ... Der alte Carstensen nahm die geflüsterte Anerkennung des Mannes von drüben mit stummem Behagen hin. Ja — es ging aufwärts ...

Timmermanns fand sich selber sehr komisch — zwischen den zwei jungen Damen, von Bessies frierendem Köterchen mit verärgertem Kläffen umkreist ... In eine von euch bin ich verliebt, dachte er — wüßt' ich nur genau in welche ...

Ilse beobachtete den Getreuen, Treulosen, mit geheimem Schmunzeln ... Bobbies Psychologie war heute mal wieder sehr durchsichtig ...

Es war, als empfinde auch Bessie, daß ihr langer Lehrmeister nicht mit ganzem Herzen bei ihr sei. Sie schob plötzlich ihre kleine feste Hand unter seinen Arm, lachte den Überraschten von unten her vielsagend an. Es war wie eine Beschlagnahme.

Hoch droben auf dem obersten Laufsteg hämmerten die Zwillinge Tedje und Clas. Pink, pank! — Die Gesichter vom Schneesturm gerötet, die Hände klamm vor Frost, der ganze Oberleib dampfend vom Schaffen, aller halben Minuten ein Niet — tick tack — pink pank.

Plötzlich sah Tedje, daß sein Helfmann Anders entgeistert in die Tiefe starrte. Tedje folgte dem Blick — und sah da unten seinen Feind stehen — und — — die Feine ...

Düwel — und noch jemanden, den er kannte ...

Dies kleine Gör in dem plustrigen silbergrauen Pelzmantel, war das nicht — —

»Verdammi, Jung — weißt noch, Anders? Wegen dei hebbt wi twei us an de Köpp kregen vör Tieden!«

Wahrhaftig — sie war's ... Anders Niemann aber starrte wie verzaubert auf — die andere ... So nahe hatte er sie — seit seinem Versinken — nicht mehr gesehen ...

Da hob sie den Blick — alle drei schauten sie an der Steile des Schiffsrumpfes empor, Bob Timmermanns' erklärendem Finger folgend ... Mit einem Ruck zog Anders den Kopf in die Luke zurück. Und die kleine Amerikanerin hob den Kodak, die zwei schwindelfreien Klopfgeister hoch droben aus der Froschperspektive festzuhalten ...

In Tedjes frostrotes Antlitz schlug die Lohe des Abgrundes. Seine Brust keuchte, die Augen traten aus ihren Höhlen ...

»Mak keen Beesteri, Tedje!« rief Clas heiser.

Zu spät ... wie aus Versehen glitt der wuchtige Niethammer aus Tedjes Fingern, sauste in die Tiefe ...

Ein dreifacher Aufschrei drunten —

Haarscharf zwischen Robert Timmermanns und Ilse Carstensen klirrte das Wurfgeschoß des Hasses auf einen Querbalken der Helling, schnellte schräg empor, prallte mit hellem Klang wider die eiserne Schiffshaut, fiel zum zweiten Male dicht vor den Füßen der Erstarrten nieder.

Hoch droben glotzten zwei Jungmännergesichter — eins aufatmend, dankbar, daß der Streich mißglückt — eins grimmzerfressen, zähnefletschend in tückischer Wut ...

»Entschülligen S' man — t' weur man 'n lüttjes Verseih'n ...«