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Das Leben der Renée von Catte cover

Das Leben der Renée von Catte

Chapter 17: Im Sommer kam Elisabeth. Sie brachte das
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About This Book

A portrait of a sensitive girl follows Renée as she copes with the death of her beloved dog and the small routines of privileged country life. Episodes of domestic observation, lessons with officious instructors, solitary pony rides, and imagined play reveal her loneliness, desire for a close friend, and attempts to perform adult roles. The narrative moves episodically through memory and everyday action, emphasizing mood, interior reflection, and the tensions between affection, duty, and yearning for independence.

 

Im Sommer kam Elisabeth. Sie brachte das Baby mit. Bill wurde in das große, weiße Zimmer einquartiert, das Renée als Kind gehabt hatte. Elisabeth sorgte viel um ihn. Renée sah sie kaum in der ersten Zeit.

An einem Sonntag kam Viktor herüber. – Am Abend dieses Tages fand Renée Elisabeth sonderbar verstört und erregt. Elisabeth wartete nicht, bis Papa seine abendliche Zigarre geraucht hatte; schon als Papa vom Tisch aufstand, zog sie Renée in den Garten.

„Was Viktor erzählt hat,“ begann sie, „diese Skandalgeschichte von Sarah. Ich sage dir –“

Renée wußte erst gar nicht – „Skandal, was denn?“ Elisabeth hatte sie unter den Arm gefaßt. – „Denke dir, was angefangen hat sie mit Prinz Johann; Hannsbabo hat ihn gefordert.“ –

Renée fuhr auf. „Es ist unwahr,“ sagte sie, „das ist eine ganz gemeine Lüge.“ – Sie erzählte, was sie von Sarah wußte. Elisabeth unterbrach sie nicht. Elisabeth munterte sie auf durch Fragen – Zwischenreden. –

Zum Schluß sagte Elisabeth: „Recht gewandt hat sie sich herausgelogen.“ –

Renée war außer sich, rief Elisabeth irgend ein Schimpfwort nach und lief ins Haus. –

Sie wartete gar nicht auf Entgegnungen und Erklärungen. Sie schrieb an Hannsbabo. Als sie zur Post ging, daß der Brief noch mitkam, fiel es ihr irgendwie auf die Seele, daß sie vielleicht anders hätte schreiben sollen – ruhiger – vorsichtiger. –

Vor der Postagentur traf sie den Boten, der nahm ihren Brief mit. –

Elisabeth sagte, es sei empörend, welche ungehörige Ausdrucksweise Renée habe; natürlich könnte man nichts mit Renée ruhig besprechen. Dieses ewig auffahrende, heftige Wesen, das sie bereits in der Kindheit zur Schau getragen hätte. –

„Als Kind hattest du vierzehn Erzieherinnen, da auch niemand es mit dir aushielt,“ sagte Elisabeth. Sie murmelte dann etwas von Unreife.

Von Hannsbabo kam die Antwort:

„Du tust mir unrecht, wenn du glaubst, ich sei lässig, Sarahs Ehre, die die Meine ist, gegen jedermann hochzuhalten. Ich danke dir. Ich habe an Elisabeth geschrieben.“

Am Abend rief Papa Renée zu sich. „Es ist durchaus indiskret von dir,“ so sagte er, „daß du Elisabeths natürlich unter vier Augen geäußerte Dinge weitergegeben hast. – Du wirst nun sorgen müssen, daß wenigstens die Version, die ich jetzt, um die Spitze abzubrechen, der Sache gegeben habe, aufrecht erhalten bleibt, auch von dir aus,“ – Papa betonte das, – „nämlich daß Elisabeth es nicht von Viktor gehört hat, sondern von irgend einer alten Dame, deren sie sich nicht genau erinnert und daß –“

„Pfui, ist der Viktor ein feiger Kerl!“

„Rede doch nicht immer so unreifes Zeugs,“ donnerte Papa. „Glaubst du etwa, ich habe Lust, mir Sohn und Schwiegersohn aneinanderhetzen zu lassen von eurem albernen Weibergewäsch.“ –

Renée wurde wütend: „Ich kann nichts dafür, und daß ich indiskret wäre, laß ich mir auch nicht sagen und überhaupt gehört das für Elisabeth, dein Schelten.“ –

„Na ja, es ist sehr töricht von Elisabeth,“ sagte Papa einlenkend.

Renée antwortete nicht. Sie lief ärgerlich fort und ließ Papa allein. Draußen stolperte sie fast über Bill, der sich brüllend auf der Erde herum rollte. –

Sie mußte lachen auf einmal. – Da war der Cattesche Hartschädel auch schon in dem winzigen Kerl. –