„Bist du müde, Renée?“
Renée sah sie an. Renée war bei ihren um ruhigen Gedanken. „Nein,“ antwortete sie.
„Erzähle, Renée, wo werden wir im Sommer sein?“
Renée versuchte zu lächeln, sie konnte lächeln, ihr Herz glaubte es ja gar nicht.
„Gehn wir am Ende da in meine Heimat,“ sagte Renée. „Dann nehmen wir irgend ein Haus, das an einem See steht, weißt du, das tun wir wegen der Abende. Denn da geht die Sonne unter ganz rot wie von Feuer und schöne, feurige Lichter kommen auf die Kiefern. Die Stämme können aussehn wie Fackeln, wenn die Sonne so untergeht –.“
„Das ist schön, wenn die Bäume Fackeln sind.“
„Willst du das sehn – ja – o, schön ist es,“ sagte Renée, und wieder lächelte sie, denn ihr Herz war leicht und zärtlich.
„Und warum sollten wir nachts in das Haus gehn. Wir haben da einen offenen Balkon am See, – da schlafen wir. Und ehe man einschläft, sieht man nichts als Sterne, denn man liegt und hat das Gesicht nach dem Himmel gewandt.
Und morgens, wenn man aufwacht, dann ist der Himmel weiß-blau und ein wenig dunstig noch – und seitwärts verblaßt ein weißer Mond.“
„O, wie schön du sprichst, Renée. Ich liege mit geschlossenen Augen und denke deinen Worten nach, ich lebe in ihnen, so als wäre ich blind und nur du sähest.“ Yvonne lächelte. „So weit geht diese wunderliche Täuschung, daß ich die Luft solcher Sommernächte spüre.“
„O, die ist gut und weich,“ sagte Renée, „die spürt man kaum. Gar kein Schirokko ist da, der diese dumpfen Stöße tut.“
„Nein, die Winde in Deutschland sind nicht böse und unheimlich. Sie kommen groß dahergefegt und machen es kalt und wirbeln mit trockenen Blättern. – Und wenn sie sich warm anfühlen, dann ist es, weil die Sonne so warm ist,“ sagte Yvonne.
Renée schwieg. Renée wollte doch weiter erzählen von zu Hause, von Groß-Gehren, das sie Yvonne zeigen würde, sie hatte doch weiter sprechen wollen, und nun schwieg sie, warum schwieg sie? – Eine Angst stieg auf in ihrem Herzen, eine unruhige Angst. Ihr Herz wollte weinen.
Renée stand auf und ging zum Fenster. Sie stand dort. Nicht daß sie weinte, richtige Tränen waren es nicht, nur sie fühlte, daß ihre Augen zitterten, und gewiß sah ihr Gesicht traurig aus, obwohl sie das gar nicht wollte.