Yvonne sprach nicht. Sie sagte nicht mehr: Erzähl mir, Renée. Sie sprach nicht mehr von all den süßen Dingen, die Wind heißen oder Frühling oder Rosen. Renée saß bei ihr. Am Tage schien die Sonne hinein und es war warm draußen. Die Sonne machte es grell im Zimmer. Da war nichts von dem sanften Grau, das die Schatten der Gegenstände bekommen bei der Dämmerung. Hart und unvermittelt standen sie da vor der Wand. Die Wand war grell weiß.
Dann saß Renée den ganzen Tag und sah Yvonne an. Aber ihr Herz war leer und ihre Seele war leer. Sie konnte nichts fassen von allem, was vor ihr geschah. Sie konnte es nicht fassen, daß Yvonne fortgehn würde.
Sie suchte auszudenken, was der Tod war. Sie suchte diese Erkenntnis ihrem Herzen aufzuzwingen. Aber das wehrte sich – wehrte sich.
Es kam ein Brief von Elisabeth. Renée mußte sich richtig besinnen, wer es war, und was man von ihr wollte. Eine ganze Weile las sie daran, daß Papa empört sei, weil Renée die kranke Sarah so im Stich gelassen und sich zu dieser fremden Dame begeben habe, um sie zu pflegen. Außerdem fürchte Papa die Ansteckung für Renée, denn wie sie durch Sarah erfahren hätten –
So lange las Renée, ohne daß es an sie herankam. Und dann einen kurzen Augenblick fühlte sie ein kleines Stechen im Herzen. Das ging vorbei.
Am Schluß standen ein paar Phrasen, wie Elisabeth sich sorgte um Renée.
Nein, das konnte nicht an sie heran. Das war aus einer fernen, fremden Welt, in die weder Schmerz noch Glück sie zurückbringen konnten.