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Das Leben der Renée von Catte cover

Das Leben der Renée von Catte

Chapter 4: Hannsbabo war gekommen mit der Schwägerin
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About This Book

A portrait of a sensitive girl follows Renée as she copes with the death of her beloved dog and the small routines of privileged country life. Episodes of domestic observation, lessons with officious instructors, solitary pony rides, and imagined play reveal her loneliness, desire for a close friend, and attempts to perform adult roles. The narrative moves episodically through memory and everyday action, emphasizing mood, interior reflection, and the tensions between affection, duty, and yearning for independence.

 

Hannsbabo war gekommen mit der Schwägerin. Sie war von sehr zierlicher Gestalt, sie lächelte viel, während sie zum allgemeinen Entzücken ihr Kauderwelsch redete, und sie nannte Renée: ‚Darling‘. Es war ihrem Kommen schon allerhand vorangegangen:

Elisabeth sagte: „Sie hat vier Koffer, schreibt Hannsbabo, das wird wohl die Ponykarre kaum schaffen.“ Und Elisabeth stand eine halbe Stunde dabei, als die Mädchen die Zimmer herrichteten. Außerdem waren ein Baumkuchen aus Salzwedel und mehrere Pakete aus Berlin angelangt. Ja, die Schwägerin nannte Renée: ‚Darling‘. Sie zog dabei den einen Mundwinkel schief und bekam ein Grübchen am Kinn. Hannsbabo war mit einer müden Dienstfertigkeit um sie herum. Sie empfing jeden seiner Dienste mit einem leisen, halb bedauernden ‚Oh‘ – meistens stand Hannsbabo an der Verandatür und trommelte gegen die Scheiben.

Eigentlich waren alle Leute sonderbar, während die Schwägerin zu Besuch war. Papa sprach mit einer gemäßigten Stimme, so als habe er immer ein weinendes Kind zu beruhigen, und Elisabeth erzählte mit aufflammender Begeisterung von den Reizen der Hoffeste. „Ich tue das, damit sie die Vorteile ihrer Heirat sieht,“ erklärte sie Renée. Indessen hatte die Schwägerin nur geantwortet: „Wir werden ja sehn; wir werden diesen Winter den Hof besuchen.“ Überhaupt – nun, Elisabeth würde es nochmals probieren.

Abends ging Renée mit Hannsbabo durch den Garten. Und als sie an das große, runde Rosenbeet gekommen waren, da sagte Renée: „Hannsbabo, liebst du Sarah?“ Hannsbabo wandte ihr einen kurzen Augenblick das Gesicht zu – dann lächelte er – dann legte er den Arm um ihre Schulter. „Du kleiner Bub Renée,“ sagte er. Renée schwieg. –

Als sie den Weg an der Weinmauer zurückgingen, war es dämmrig, so dämmrig, daß man nur an ihrem Duft die Rosen spürte auf dem runden Beet. – Nach dem Abendbrot erfuhr Renée, daß die Schwägerin Elisabeth eingeladen habe nach Berlin, und sie würden im Bristol wohnen, und Elisabeth strahlte. Die Schwägerin sprach den Abend hindurch und lachte und nannte Papa einen schönen alten Herrn, während Hannsbabo in den Zimmern umherging und die Bilder betrachtete, die er doch von Kind auf kannte.

In der Nacht dachte Renée vielerlei, und es fiel ihr ein, daß Hannsbabo ihr einmal die Photographie einer Frau in Pagenkleidern gezeigt hatte, und von dieser Frau träumte sie. –

So war jener Besuch verlaufen. Renée hörte Papa bei Tisch sagen, daß Sarah eine reizende kleine Frau sei, und Renée erinnerte sich nicht, solcherlei oft von Papa gehört zu haben. Papa hatte das Lob der Nachbarn geerntet. Papa hatte Genaueres erfahren über Sarahs Gelder und deren Anlage. Papa war befriedigt.

Im Herbst gab es die Vorbereitungen für den Winter, das Anprobieren, die Besuche, die Tanzstunden, und gegen den Dezember kamen Papa und Renée nach Berlin. Eigentlich ging eine ganz neue Art von Leben an. Beständig war in einer selbstverständlichen Art von Renée und ihren Bedürfnissen die Rede, und Renée sah sich als Mittelpunkt einer Anzahl von Geschäftigen; und während sie mit der undankbaren Gleichgültigkeit dessen, der nun endlich zu seinem Recht kommt, alles geschehen ließ, dachte sie an die schöne sonderbare Zukunft. –