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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 102: Hundertzweites Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Hundertzweites Kapitel.

Ich erzählte dem christlichen Leser. — Ich sage christlichen, weil ich hoffe, daß er das ist. Wenn er's nicht ist, so tut mir's seinetwegen leid — und ich bitte ihn nur, der Sache reiflich nachzudenken und nicht die Schuld so ganz auf dieses Buch zu schieben.

Ich erzählte ihm, mein Herr, denn bei meiner Treue, wenn ein Mensch seine Historie auf eine so seltsame Art erzählt wie ich die meinige, so muß er wohl alle Augenblicke zurück- oder vorwärtsgehen, um in des Lesers Gedächtnis hübsch alles beieinander zu behalten. Ich meinerseits, wenn ich's jetzt nicht noch mehr und fleißiger täte als vorher, so tut sich so vielerlei schwankende zweideutige Materie mit so vielen Lücken und Brüchen hervor. Und die Sterne, welche ich in einigen der dunkelsten Gänge aufhänge, leisten so wenig Dienste, weil ich weiß, daß sich die Welt bei allem Lichte, das ihr die Sonne Selbst am hellsten Mittage gibt, so leicht verirren kann, daß — und nun, da, sehen Sie, habe ich mich selbst verirrt!

Aber es ist meines Vaters Schuld. Und wenn einst mein Gehirn anatomiert wird, so werden Sie ohne Brille sehen können, daß er einen groben, unebenen Faden hat mit durchschleichen lassen, wie man zuweilen in einem ausgeschossenen Stück Leinwand die ganze Webe hindurchlaufen sieht und fühlt, wenn man auch nur einen — da hängen schon wieder ein paar Lichtlein! — oder eine Aderlaßbinde oder einen Däumling daraus schneiden will. —

Quanto id diligentias in liberis Procreandis cavendum, sagt Cardan, welcher alles wohl überlegt; da Sie sehen, daß es mir moralischerweise unmöglich ist, dieses wieder herum- und dahin zu winden, wo ich anfing, es herauszuziehen, so will ich das Kapitel lieber noch einmal anfangen.