Hundertfünftes Kapitel.
Freilich habe ich's ein- oder ein paarmal nach meiner unbedachtsamen Weise ausgeplaudert; ich verließ mich darauf, daß die folgenden Nachrichten von den Liebesbegebenheiten meines Onkels Toby und der Witwe Wadmann, sobald ich nur Zeit gewinne sie zu schreiben, eins der vollständigsten Systeme — sowohl nach den elementarischen als praktischen Teilen der Liebe — enthalten würden, die nur jemals der Welt vorgelegt worden; aber müssen Sie sich deswegen nun gleich einbilden, ich werde mit einer Beschreibung des Amor anfangen? — Ob er halb Gott ist und halb Teufel, wie Plotinus behauptet.
Oder nach einer kritischeren Gleichung, die das Ganze der Liebe durch zehn Einheiten ausdrückt, mit dem Ficinus zu bestimmen, wie viele von diesen Einheiten zum ersten und wie viele zum zweiten gehören. — Oder ob Amor über und über, vom Kopfe bis zum Schwanze, ein großer Teufel ist, wie Plato sich unterstanden hat zu entscheiden. Über welchen platonischen Einfall ich meine Meinung nicht sagen mag. Aber meine Meinung vom Plato ist diese, daß er in diesem Beispiel sich als ein Mann zeigt, der sehr viel Ähnliches in seiner Gemütsart und Philosophie mit dem Doktor Baynyard hatte. Welcher Baynyard ein großer Feind von spanischen Fliegen war und sich einbildete, ein halbes Dutzend, auf einmal gelegt, würde einen Menschen ebensosicher dem Grabe zuführen, wie ein mit sechsen bespannter Leichenwagen, und daher den übereilten Schluß machte: der Teufel selbst sei in der Welt nichts anderes als eine große spanische Brummfliege.
Das sind solche Untersuchungen, womit mein Vater, der sich einen großen Vorrat von dergleichen Wissenschaft aufgestapelt hatte, in dem Fortgange des Liebeshandels meines Onkels Toby sehr geschäftig sein wird. Soviel muß ich voraussagen, daß er von seiner Theorie der Liebe — womit er, beiläufig gesagt, es so zu machen wußte, daß er meines Onkels Toby Gemüt ebensosehr damit kreuzigte als Amors selbst — nur einen Ausfall in die Praxis tat, und vermittels eines in Kampfer getränkten Wachstuches, das er Mittel fand, dem Schneider für Zwillich aufzuhängen, als er eben meinem Onkel Toby ein Paar neue Beinkleider machte, brachte er bei meinem Onkel Toby ebendie Wirkung wie Gordonius, und ohne den bösen Geruch, hervor.
Was dies für Veränderungen hervorbrachte, wird man gehörigen Ortes lesen. Alles, was nötig ist, der Anekdote hinzugesetzt zu werden, ist dieses: Was es auch für Wirkung auf meinen Onkel Toby haben mochte, es hatte eine häßliche Wirkung auf das Haus. — Und hätte es mein Onkel nicht, so wie er tat, ganz gelassen niedergeschmaucht, es hätte auch auf meinen Vater eine häßliche Wirkung tun können.