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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 122: Hundertzweiundzwanzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Hundertzweiundzwanzigstes Kapitel.

Ein Auge ist darin ganz vollkommen einer Kanone gleich, daß es nicht sowohl das Auge oder die Kanone an und für sich selbst tut, als die Richtung des Auges und die Richtung der Kanone, wodurch das eine und die andere so viele Verwüstung anrichten. Ich halte das Gleichnis nicht für schlecht. Indessen, da ich's ebensowohl des Nutzens als der Zierde wegen gemacht und an die Spitze des Kapitels gestellt habe, so ist alles, was ich dafür zur Vergeltung verlange, dieses, daß Sie solches, sooft ich von Madame Wadmanns Augen spreche — einmal in den nächsten Perioden ausgenommen — im Sinne behalten mögen.

»Ich versichere Sie, Madame,« sagte mein Onkel Toby, »ich kann ganz und gar nichts in Ihrem Auge gewahr werden.«

»Es ist nicht im Weißen,« sagte Madame Wadmann. Mein Onkel Toby guckte aus allen Kräften und Vermögen in den Stern.

Nun war von allen Augen, die jemals geschaffen sind — von Ihren eigenen, gnädige Frau, bis auf die Augen der Venus zurück, welches doch wahrhaftig ein so buhlend Paar Augen waren, wie jemals in einem Kopfe gestanden —, kein einziges Auge so geschickt, meinen Onkel Toby um seine Ruhe zu bringen, wie gerade dasselbige Auge, in welches er da hineinsah. Es war kein rollendes Auge, Madame, kein tobendes oder mutwilliges, auch war's kein funkelndes, kein drohendes oder befehlendes Auge, das stracks viel fordern und ertrotzen wollte. Das hätte auf einmal jene Milch der menschlichen Natur gerinnen gemacht, aus der mein Onkel Toby gemolken war. Sondern es war ein Auge voll sanften Grußes und lieblicher Antworten. Es sprach nicht wie ein Trompetenregister in einer schlechtgebauten Orgel, in welchem Tone manches Auge, dem man etwas sagt, eine kreischende Unterredung führt, — sondern es lispelte leise, gleich dem leisen Röcheln einer sterbenden Heiligen:

»Wie können Sie ohne alle Pflege leben, Herr Kapitän Shandy, und so einsam, ohne einen Busen, an den Sie Ihr Haupt lehnen oder dem Sie Ihre Sorgen vertrauen könnten?«

Es war ein Auge —

Aber ich werde mich noch selbst darin verlieben, wenn ich nur noch ein Wort weiter davon sage.

Meinem Onkel Toby machte es den Garaus.