Hundertfünfundzwanzigstes Kapitel.
»Verliebt!« sagte der Korporal, »Euer Gnaden befanden sich doch vorgestern noch ganz wohl, als ich Euer Gnaden die Historie vom Könige von Böhmen erzählte.« — »Böhmen!« sagte mein Onkel Toby und dachte lange nach. »Was ist aus der Historie geworden, Trim?«
»Wir müssen, mit Euer Gnaden Wohlnehmen, ungefähr davon abgekommen sein. Aber Euer Gnaden waren ebensoweit vom Verliebtsein weg, als ich es bin.«
»Es war eben, als Er mit dem Schiebkarren abmarschierte — mit der Witwe Wadmann,« sagte mein Onkel Toby. »Hier hat sie eine Kugel sitzen lassen,« setzte mein Onkel Toby hinzu und zeigte auf seine Brust.
»Sie kann mit Euer Gnaden Erlaubnis ebensowenig eine Belagerung aushalten, wie sie fliegen kann,« schrie der Korporal.
»Da wir aber Nachbarn sind, Trim, so ist es doch wohl der beste Weg, denke ich, ihr es erst in aller Güte anzuzeigen,« sagte mein Onkel Toby.
»Wenn ich so frei sein dürfte,« sagte der Korporal, »Euer Gnaden einen anderen guten Rat zu geben —«
»Warum spräche ich sonst mit Ihm davon, Trim?« sagte mein Onkel Toby.
»So würde ich damit anfangen, mit Euer Gnaden Wohlnehmen, daß ich wieder eine derbe donnernde Attacke auf sie machte und es ihr hernach in aller Güte mitteilte. Denn wenn sie vorher den geringsten Wind davon bekommt, daß Euer Gnaden verliebt sind —« »Ach, lieber Himmel! Sie weiß noch ebensowenig davon, Trim,« sagte mein Onkel Toby, »wie ein Kind, das noch geboren werden soll.«
Die guten Seelen!
Madame Wadmann hatte es schon, mit allen Umständen, ihrer Brigitte vierundzwanzig Stunden vorher erzählt und saß in ebendem Augenblicke und hielt Kriegsrat mit ihr über einige kleine Zweifel, wie die Sache ablaufen möchte, die ihr der Meister Hämmerling, der bei solchen Vorfällen niemals zu schlafen pflegt, in den Kopf gesetzt hatte, ehe er ihr erlauben wollte, daß sie ihr Te deum mit Ruhe halb aussänge —
»Mir ist erschrecklich bange,« sagte Madame Wadmann, »im Fall ich ihn heiraten sollte, Brigitte, daß der gute Kapitän mit seiner ungeheuren Wunde in der Hüfte niemals recht gesund sein möchte.« — »Sie mag wohl nicht so schlimm sein,« versetzte Brigitte, »als Sie denken, und ich glaube auch überdem,« fügte sie hinzu, »daß sie zugeheilt ist.« —
»Das möchte ich doch wohl wissen, bloß seinetwegen,« sagte Madame Wadmann.
»Wir wollen erfahren, wie lang und breit sie ist,« antwortete Jungfer Brigitte, »ehe noch zehn Tage vorbei sind. Denn derweile der Herr Kapitän Ihnen seine Aufwartung macht, wird sein Korporal Trim, das weiß ich, seine Liebe bei mir anbringen wollen. Und ich will ihn ruhig machen lassen, was er will,« setzte Brigitte hinzu, »um alles von ihm herauszukriegen.«
Die Maßregeln wurden den Augenblick genommen. Und mein Onkel Toby und der Korporal gingen weiter mit den ihrigen.
»Nun,« sagte der Korporal, wobei er seine linke Hand in die Seite stemmte und mit der rechten einen solchen Schwung durch die Luft tat, der einen glücklichen Ausgang — und mehr nichts — versprach. »Wenn Euer Gnaden mir die Erlaubnis geben wollen, den Plan zu dieser Attacke zu machen.« —
»Er wird mir damit einen großen Gefallen erweisen, Trim,« sagte mein Onkel Toby. »Und da ich schon vorher sehe, daß er ihn als mein Adjutant wird mit helfen ausführen müssen, so hat er hier ein paar Gulden, daß er sein Patent in ein Glas Wein tauchen kann.«
»Nun, so wollen wir denn, mit Euer Gnaden Wohlnehmen,« sagte der Korporal — und machte dabei einen Bückling für sein Avancement — »damit anfangen, daß wir Euer Gnaden besetzte Kleider aus dem großen Feldkasten hervorholen und brav auslüften lassen, und wollen die Aufschläge mit Gold auf die Ärmel heften. Und ich will die weiße Knotenperücke frisch aufwickeln und zum Schneider gehen, daß er Euer Gnaden scharlachene Hosen kehrt.«
»Ich tue wohl besser, Trim, daß ich die rotplüschenen anziehe,« sagte mein Onkel Toby. »Die werden zu schlecht sitzen,« sagte der Korporal.