Hundertneunundzwanzigstes Kapitel.
Mein Onkel Toby wendete sich mit dem Gesichte mehr als einmal herum, um zu sehen, wie ihn das Hintertreffen, der Korporal, unterstützte. Und sooft er das tat, machte der Korporal mit seinem Stock einen Schwung in die Luft — doch nicht prahlerischerweise. Mit dem leisesten Tone des ehrerbietigsten Zuredens hieß das soviel wie: »Nichts gefürchtet!«
Mein Onkel Toby aber fürchtete, und zwar gar herzlich. Er hatte noch nicht einmal — wie ihm mein Vater vorgeworfen hatte — das rechte Ende eines Frauenzimmers vom unrechten unterscheiden gelernt. Deswegen war er niemals an seiner rechten Stelle, wenn er nahe bei einem sein mußte. Ausgenommen, wenn es in Kummer und Betrübnis war. Alsdann war sein Mitleiden unendlich; auch hätte der liebreichste Ritter aus dem vorigen Jahrhunderte nicht weiter reisen können — auf einem Beine wenigstens nicht —, um eine Träne von einem weiblichen Auge zu wischen. Und dennoch, das eine Mal nicht gerechnet, da ihn Madame Wadmann dazu überlistete, hatte er niemals steif in eines hineingesehen, und pflegte oft in der Einfalt seines Herzens zu meinem Vater zu sagen, das wäre fast ebenso arg — wo nicht ebenso laut — wie unzüchtig reden.
»Und nun, wenn's das wäre?« pflegte mein Vater zu antworten.