Hundertzweiunddreißigstes Kapitel.
Da Jungfer Brigitte schon mit Finger und Daumen die Klinke gefaßt hielt, so klopfte der Korporal nicht so oft, wie vielleicht Euer Gnaden Schneider tun muß. Ich hätte mein Beispiel schon ein wenig mehr in die Nähe nehmen können, denn ich bin dem meinigen wenigstens über die hundert Taler schuldig und wundere mich über des Mannes Geduld.
Aber das geht keinem Menschen etwas an; nur soviel, es ist eine verdammte Sache, in Schulden zu stecken, und es scheint ein für allemal ein feindliches Schicksal über die Schatzkammern gewisser guter Prinzen zu walten, besonders über die von unserem Hause, das keine Kameralwissenschaft in Fesseln zu legen vermag. Ich meinesteils bin überzeugt, es ist kein anderer Prinz, Prälat, Papst, Potentat, groß oder klein in der Welt, der in seinem Herzen mehr und eifriger wünscht als ich, mit der ganzen Welt Saldo zu sein, oder dazu dienlichere Mittel brauchte. Ich gebe niemals über einen Dukaten, gehe nicht in Stulpenstiefeln, kaufe keine Zahnstocher, lege das ganze Jahr nicht ein Viergroschenstück für Bänder und Spitzen an. Die sechs Monate, die ich auf dem Lande zubringe, lebe ich so kärglich, daß ich mit aller Gutherzigkeit von der Welt Rousseau meilenweit zurücklasse, denn ich halte mir weder Kerl noch Jungen, noch Pferd noch Kuh, noch Hund noch Katze, noch irgendein lebendiges Ding, das ißt oder trinkt, ausgenommen ein armes dünnes Stück von einer Vestale, mein Feuer zu unterhalten, die gewöhnlich eben so schlechten Appetit hat wie ich selbst. — Wenn Sie aber denken, das mache mich zum Philosophen, so möchte ich, meine guten Leutchen, keinen Strohhalm für ihr Urteil geben!
Wahre Philosophie —. Aber der Gedanke läßt sich unmöglich abhandeln, derweil mein Onkel Toby den Lillabullero pfeift.
»Laßt uns ins Haus gehen.«