Zwölftes Kapitel.
»Was mögen sie vorhaben?« sagte mein Vater. — »Ich denke,« antwortete mein Onkel Toby, wobei er, wie ich Ihnen sagte, die Pfeife aus dem Munde nahm und die Asche ausklopfte. — »Ich denke,« antwortete er, »es wäre wohl gut, Bruder, wenn wir klingelten.«
»Höre, Obadiah, was heißt das Gepoltere über unserem Kopfe?« fragte mein Vater. »Mein Bruder und ich können kaum hören, was wir sprechen.«
»Herr,« antwortete Obadiah, und beugte seine linke Schulter vor, »Madame ist ganz übel geworden.« — »Und was hat Susanna da im Garten zu rennen, als wenn ein halbes Dutzend Ehrenräuber hinter ihr wären?« — »Herr, sie rennt den kürzesten Weg,« versetzte Obadiah, »die alte Bademutter zu holen.« — »So sattelt ein Pferd,« sagte mein Vater, »und reitet geschwind zum Doktor Slop, dem Akkoucheur. Wir ließen ihn alle grüßen, — und sagt ihm, daß Madame in Kindesnöten ist und daß ich ihn bitten lasse, er möchte gleich mit Euch kommen.«
»Es ist sehr närrisch,« sagte mein Vater zu meinem Onkel Toby, als Obadiah die Türe zugemacht hatte, »da wir einen so erfahrenen Geburtshelfer wie Doktor Slop so ganz in der Nähe haben, daß meine Frau bis auf den letzten Augenblick auf ihrer eigensinnigen Grille bestehen und das Leben ihres Kindes, das schon sein Teil Leiden gehabt hat, der Unwissenheit eines alten Weibes anvertrauen muß. — Und nicht allein das Leben meines Kindes, Bruder, sondern auch ihr eigenes und das Leben aller der Kinder dazu, die ich hernach vielleicht noch hätte mit ihr haben können.«
»Es kann sein, Bruder,« versetzte mein Onkel Toby, »daß sie's tut, um die Unkosten zu sparen.« — »Ein Endchen Licht lieber!« erwiderte mein Vater. »Der Doktor muß sein Geld haben, er tue was dafür oder nicht; wo nicht noch mehr, um ihn bei guter Laune zu erhalten.« — »Dann kann es wohl aus keiner anderen Ursache sein,« sagte mein Onkel Toby in der Arglosigkeit seines Herzens, »als aus Schamhaftigkeit. Vielleicht schämte sich meine Schwester,« fuhr er fort, »käme ihr eine Mannsperson zu nahe an ***.« Ich will nicht Sagen, ob mein Onkel Seinen Satz geschlossen hatte oder nicht. Desto besser für ihn, daß man glaubt, er habe seinen Punkt gemacht. Denn nach meiner Meinung hätte er kein einziges Wort hinzusetzen können, um ihn zierlicher zu machen.
Hatte hingegen mein Onkel Toby die Periode nicht ganz zu Ende gebracht, so hat die Welt dem Umstande, daß meines Vaters Tabakspfeife plötzlich zerbrach, eins der nettesten Exempel von der zierlichen Figur in der Redekunst zu danken, welche die Rhetoriker Aposiopesis nennen. — Hilf Himmel! Wie genau kommt es nicht auf das Poco più und das Poco meno der italienischen Artisten, auf das unmerkliche mehr oder weniger an, die wahre Schönheitslinie sowohl in einer Periode als in einer Statue zu treffen! Wie kann doch der geringste Zug des Griffels, des Pinsels, der Feder, des Violinbogens usw. diese wahre, sanfte Rundung geben, welche das wahre Vergnügen erregt! O meine lieben Landsmänner, seid sorgfältig, seid behutsam mit eurer Zunge, und niemals, o niemals laßt es euch aus dem Sinne kommen, an was für kleinen Partikeln eure Beredsamkeit hängt und euer Ruhm.
»Meine Schwester schämte sich vielleicht,« sagte mein Onkel Toby, »käme ihr eine Mannsperson zu nahe an ***.« Diese Sternchen gemacht, und es ist eine Aposiopesis. Die Sternchen weggenommen und dafür geschrieben das Gesäß — Zote wird's. Streicht man das Gesäß aus und setzt dafür den bedeckten Weg, so wird's eine Metapher. Und da meinem Onkel Toby das Fortifikationswesen so sehr im Kopfe lag, so getraue ich mir zu sagen, hatte man ihn noch ein Wort hinzusetzen lassen, — so war's das Wort.
Ob das aber geschehen oder nicht geschehen, oder ob mein Vater seine Tabakspfeife in dem kritischen Augenblick von ungefähr oder aus Unwillen zerbrach, wird sich zu rechter Zeit ausweisen.