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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 15: Dreizehntes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Dreizehntes Kapitel.

Obgleich mein Vater ein guter natürlicher Philosoph war, so war er doch auch so etwas von einem Moralisten dabei. Deswegen hätte er, als ein solcher, da seine Pfeife in der Mitte entzweibrach, beide Stücke nehmen und gelassen ins Kaminfeuer werfen sollen. Und damit gut! — Das ließ er aber wohl bleiben. Er warf sie mit aller möglichen Heftigkeit und, um der Handlung noch mehr Nachdruck zu geben, Sprang er vom Stuhl auf beide Füße, um sie auszuüben.

Dies hatte so etwas Ähnliches von Hitze. Und die Art, womit er auf das, was mein Onkel Toby sagte, antwortete, bewies es.

»Schämen,« sagte mein Vater und wiederholte meines Onkels Tobys Worte, »käme ihr eine Mannsperson zu nah an. Wahrhaftig, Bruder Toby! Hiobs Geduld solltest du ermüden, die ich nicht habe; obgleich schon seine Plagen, dünkt mich.« — »Wie so? — Warum? — Worin? — Weswegen? — Worüber?« versetzte mein Onkel Toby mit dem größten Erstaunen. — »Wenn ich bedenke, daß ein Mann so alt geworden sein kann, wie du, Bruder, und noch so wenig Weiberkenntnis hat!« — »Ich kenne von ihnen gar nichts,« versetzte mein Onkel Toby, »und ich dächte,« fuhr er fort, »der Puff, den ich das Jahr nachher, da Dünkirchen geschleift ward, in der Affäre mit der Witwe Wadman bekam, welchen Puff ich, wie du weißt, nicht bekommen haben würde, hätte ich nur die geringste Kenntnis vom Frauenzimmer gehabt, hätte mir wohl eine gerechte Ursache gegeben, zu sagen, daß ich von den Weibern und ihren Sachen weder etwas weiß, noch zu wissen verlange.« — »Mich deucht, Bruder,« versetzte mein Vater, »soviel könntest du doch wenigstens wissen, das rechte Ende eines Weibes vom unrechten zu unterscheiden.«

In Aristoteles' Meisterstücke wird gesagt: »Wenn ein Mensch an etwas denkt, das vorbei ist, so sieht er nieder auf die Erde; aber, wenn er an etwas denkt, das noch zukünftig ist, so sieht er aufwärts gen Himmel.«

Mein Onkel Toby dachte also wohl an keins von beiden, denn er sah gerade vorwärts. »Rechte Ende!« sagte mein Onkel Toby, murmelte es leise in den Bart und blieb dabei, wie er's murmelte, unvermerkt mit den Augen an einer kleinen Spalte hängen, die eine losgewichene Fuge im Gesimse des Kamins gemacht hatte. — »Rechte Ende eines Weibes! — Fürwahr,« sagte mein Onkel, »ich weiß ebensowenig, was das ist, als der Mann im Monde. — Und wenn ich auch einen ganzen Monat darauf sänne« — er hielt dabei noch immer die Augen auf die losgewichene Fuge —, »so weiß ich gewiß, ich würde es nicht ausfindig machen.«

»So will ich's dir sagen, Bruder,« erwiderte mein Vater. —

»Jedes Ding in der Welt,« fuhr mein Vater fort, indem er eine frische Pfeife füllte, »jedes Ding in dieser Welt, mein lieber Bruder Toby, hat zwei Enden.« — »Nicht immer,« versetzte mein Onkel Toby. — »Zum wenigsten,« versetzte mein Vater, »immer zwei Seiten, was auf eins ausläuft. — Nun, wenn sich jemand hinsetzt und überlegt mit kaltem Blute bei sich selbst, die Gestalt, den Bau, das Beikommensvermögen und die Brauchbarkeit aller Teile des Ganzen an dem Tiere, genannt Weib, und vergleicht solche analogisch« — »Ich habe den Sinn dieses Wortes niemals deutlich verstanden,« sagte mein Onkel Toby. — »Analogie,« versetzte mein Vater, »heißt ein gewisses Verhältnis und Übereinstimmung, die verschie —« Hier brach ein vertracktes Klopfen an der Türe meines Vaters Definition — wie seine Tabakspfeife — in Stücken und zertrat einer der merkwürdigsten und sinnreichsten Dissertationen den Kopf, die jemals im Schoße der Spekulation erzeuget worden; es gingen einige Monate hin, ehe mein Vater Gelegenheit finden konnte, glücklich davon entbunden zu werden. Und bis auf diese Stunde ist es — wegen Verwirrung und Mannigfaltigkeit unserer häuslichen Unglücksfälle, die sich nun scharenweise auf die Fersen treten —, ebenso problematisch, als der Gegenstand der Dissertation selbst — ob ich in diesem Buche einen Platz dafür finden werde oder nicht.