Fünfzehntes Kapitel.
Als Doktor Slop in das Hinterzimmer trat, worin mein Vater und mein Onkel saßen und ihre Unterredung über das Frauenzimmer hatten, war es schwer zu entscheiden, ob Doktor Slops Gestalt oder Gegenwart sie mehr in Verwunderung setzte. Denn weil das Unglück sich nahe beim Hause zutrug, daß Obadiah es nicht der Mühe wert hielt, ihm wieder aufs Pferd zu helfen, so hatte ihn Obadiah, so wie er war, ungestriegelt, ungebürstet und ungespült, mit allen seinen Flecken und Klecksen hineingeführt. Er stand wie Hamlets Geist, unbeweglich und stumm, anderthalb Minuten an der Zimmertür — Obadiah hielt beständig seine Hand angefaßt — in aller Majestät des weichen Urstoffs des ersten Menschen. Die hinteren Falten seines Kleides, welche ihm zum Kissen gedient, waren gänzlich davon getränkt, und alle übrigen Teile desselben waren so über und über gesprenkelt von Obadiahs Schwall, daß Sie geschworen hätten — ohne sich etwas im Sinne vorzubehalten —, es wäre kein Schmutzkörnchen an ihm verloren oder vorbeigegangen.
Hier war eine schöne Gelegenheit für meinen Onkel Toby, seinerseits über meinen guten Vater zu triumphieren. Denn kein Sterblicher, welcher den Doktor Slop eingepökelt gesehen, hätte wenigstens das nicht von meines Onkels Toby Meinung ableugnen können, »daß meine Schwester es nicht gerne hätte, es käme ihr ein solcher Doktor Slop so nahe an ›***‹«. Allein das war ein Argumentum ad hominem, und weil mein Onkel Toby nicht recht gewandt darin war, so können Sie denken, daß er sich deswegen nicht gern damit abgab. Nein, die Ursache war — Spott und Hohn war seine Sache nicht.
Doktor Slops Gegenwart war um die Zeit ebenso unerklärbar als die Art und Weise derselben. Obgleich soviel richtig ist, daß ein Augenblick Nachdenkens meinen Vater hätte zurechtweisen können. Denn er hatte erst die Woche vorher dem Doktor Slop davon Nachricht gegeben, daß meine Mutter am Ende ihrer Rechnung wäre. Und da der Doktor nachher nichts weiter davon gehört hatte, so war's natürlich und politisch von ihm, einen Spazierritt nach Shandy-Hall zu machen, bloß um zu sehen, wie es da stünde.
Allein meines Vaters Gedanken nahmen unglücklicherweise einen verkehrten Weg bei der Untersuchung und hielten sich, wie mein allzeit fertiger Kritikus, bloß bei dem Klingeln und dem Pochen an der Tür auf, maßen den Zeitraum von einem zum andern, und waren dergestalt bei der Operation geschäftig, daß sie alles andere in der Welt nichts anging. Ein gewöhnlicher Fehler der größten Mathematiker, die mit Macht und Gewalt an der Demonstration arbeiten und darüber so sehr ihre Kräfte verschwenden, daß sie keine übrig behalten, den Schluß zu ziehen und die Anwendung zu machen.
Das Klingeln und das Pochen an der Tür wirkte zwar auch stark auf das Sensorium meines Onkels Toby. Sie brachten aber ein ganz anderes Gefolge von Gedanken in Gang. Die beiden unvereinbarten Punkte des Abstoßes brachten augenblicklich den Stevinus mit in meines Onkels Gedanken. Was Stevinus mit dieser Sache zu tun hatte, ist wohl das größte Problem von allen; es soll aufgelöst werden. In dem nächsten Kapitel aber noch nicht.