Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Laß uns zurückgehen zu den *** im vorigen Kapitel.
Es ist ein besonderer Griff in der Redekunst — zum wenigsten war es einer, da die Beredsamkeit zu Athen und Rom im Flor war, und würde es noch sein, wenn unsere Redner Mäntel trügen —, den Namen eines Dinges nicht zu nennen, wenn man das Ding selbst bei der Hand hatte, es husch vorzuweisen, gerade an dem Orte, wo es nötig war. Eine Wunde, eine Narbe, ein Schwert, ein durchlöchertes Gewand, ein blutiger Helm, anderthalb Pfund Pottasche in einer Urne, vor allen Dingen aber ein zartes Kind in königlichem Putze. Freilich, wenn's noch zu jung und die Rede so lang war, als Ciceros zweite Philippische, mußte es notwendig des Redners Mantel unsauber machen. Und wiederum, wenn es zu alt war, mußte es ihm beschwerlich fallen und seiner Aktion hinderlich sein, dergestalt, daß er durch das Kind ebensoviel verlor, wie er dadurch gewinnen konnte. Wenn aber ein politischer Redner das wahre Alter bis auf eine Minute richtig getroffen, — sein Bambino so listig unter seinen Mantel verborgen hatte, daß keine sterbliche Nase es riechen konnte, — und es da in einem so entscheidenden Augenblicke hervorbrachte, daß keine Seele sagen konnte, es würde bei den Haaren herbeigezogen, — o, ihr Herren, da tat es Wunder! Es hat wohl eher die Geldbeutel einer halben Nation geöffnet, ihre Gehirne verrückt, ihre Grundsätze erschüttert und ihre Staatskunst aus der Angel gehoben.
Solche Taten lassen sich jedoch nicht tun, außer, sage ich, in den Staaten und Zeiten, wo die Redner Mäntel trugen. Und zwar hübsch weite, meine lieben Brüder, von einigen dreißig oder vierzig Ellen gutem, aufrichtigem, superfeinem, rotem Scharlach, mit lang hingegossenen Falten, nach hoher, edler Zeichnung in der Draperie. Aus welchem allem, mit Euer Hochwohlgeboren gnädigen Erlaubnis, erhellet, daß der Verfall der Beredsamkeit an nichts anderem in der Welt liegt als an den kurzen Röcken. Unter den unserigen, Madame, können wir nichts mehr verbergen, das sich der Mühe verlohnte vorzuweisen.