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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 31: Neunundzwanzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Neunundzwanzigstes Kapitel.

Als Korporal Trim seine beiden Mörser beschickt hatte, freute er sich über die Maßen über das Werk seiner Hände. Und wohl wissend, was es seinem Herrn für Vergnügen machen würde, sie zu sehen, konnte er dem Verlangen unmöglich widerstehen, solche stehenden Fußes nach seinem Zimmer zu bringen.

Außer dem moralischen Satze, auf welchen ich bei Erwähnung der Tür und Angel anspielte, hatte ich auch eine spekulative Betrachtung auf dem Korn, die daraus entspringt, und das ist diese:

Wäre die Türe aufgegangen und die Haspe in der Angel gelaufen, wie Türen eigentlich tun sollten.

Oder zum Beispiel ebenso willig wie unsere Regierung — das ist, wenn Euer Hochwohlgeboren von ihr haben, was Sie wünschen, sonst will ich mein Gleichnis lassen. — In dem Falle, sage ich, wäre bei Korporal Trims Eintreten keine Gefahr weder für den Herrn noch den Bedienten gewesen. Im Augenblick, da er gesehen hätte, daß mein Vater und mein Onkel Toby fest schliefen — so ehrerbietig war er in seinem Betragen —, wäre er mäuschenstill fortgegangen und hätte sie beide in ihren Lehnstühlen so süß fortträumen lassen, wie er sie gefunden. Das war aber, menschlicherweise davon zu sprechen, so unmöglich, daß während der vielen Jahre, da man diese Tür so hatte weiterknarren lassen, und unter den vielen Verdrießlichkeiten, die sich mein Vater dadurch zuzog, unter andern war auch diese, daß er niemals seine Arme übereinander schlug, um sein bißchen Mittagsruhe zu halten, ohne daß der Gedanke, daß ihn der erste beste, der die Tür aufmachte, unvermeidlich wecken müßte, ihm immer im Kopfe herumlief, und sich so stracks zwischen ihn und den ersten balsamischen Vorgeschmack des Schlafes drängte, daß er ihm, wie er oft bezeugte, alle seine Annehmlichkeiten raubte.

Wie kann's, mit Euer Exzellenz Erlaubnis, anders sein, wenn die Sachen auf schlechten Angeln laufen?

»Nun, was gibt's? Wer ist da?« rief mein Vater, der den Augenblick aufwachte, als die Türe zu knarren begann. »Ich wollte doch wohl einmal, daß der Schmied nach der vertrackten Türe sähe!« — »'s ist nichts, gnädiger Herr,« sagte Trim, »als zwei Mörser, die ich hereinbringe.« — »Ich will hier keinen Lärm haben,« sagte mein Vater hastig. »Wenn Doktor Slop Spezereien zu stampfen hat, so mag er's in der Küche tun.« — »Mit Euer Gnaden Wohlnehmen,« sagte Trim, »es sind zwei Bombenmörser, zu einer Belagerung auf nächsten Sommer, die ich aus einem Paar steifer Reitstiefel gemacht habe. Obadiah hat mir gesagt, Euer Gnaden brauchten sie nicht mehr.« — »Hol's der Teufel,« schrie mein Vater und sprang fluchend vom Stuhle auf. »Unter aller meiner Fahr und Habe ist mir nichts lieber und teurer, als diese Steifstiefel, sie kommen noch von unserem Großvater her, Bruder Toby. Es waren Erbstücke.« — »Ja, so tut mir's leid,« sagte mein Onkel Toby, »daß Trim sie vom Hauptgute getrennt hat.« — »Ich habe nichts aufgetrennt, gnädiger Herr,« sagte Trim, »ich habe nur die Stulpen abgeschnitten.« — »Ich kann alte Dinge ebensowenig leiden, wie ein anderer,« sagte mein Vater; »aber diese Steifstiefel,« fuhr er fort, wobei er bitter lächelte, »Bruder, sind seit dem letzten Rebellenkriege beständig bei der Familie gewesen. Sir Roger Shandy trug sie in der Schlacht bei Marstonmoor. Ich versichere dich, ich hätte sie nicht für zehn Louisdor gegeben.« — »Ich will dir das Geld geben, Bruder Shandy,« sagte mein Onkel Toby, betrachtete dabei die beiden Mörser mit unendlichem Vergnügen und fuhr mit der Hand nach der Geldtasche, wie er sie ansah. »Von Herzen gerne will ich dir den Augenblick das Geld dafür bezahlen.« —

»Bruder Toby,« versetzte mein Vater mit veränderter Stimme, »du bekümmerst dich nicht, was du für Geld verschleuderst und wegwirfst, wenn's nur für eine Belagerung ist.« — »Habe ich nicht jährlich hundertundvierzig Louisdor Renten und meine Pension dazu?« rief mein Onkel Toby. — »Was verschlägt das,« versetzte mein Vater hastig, »wenn du zehn Pistolen für ein Paar alte Stiefel gibst, zwölfe für deine Pontons und halb soviel für deine holländische Zugbrücke, geschweige des kleinen Artillerietrains von messingenen Kanonen, die du vorige Woche bestellt hast, nebst zwanzig anderen Zurüstungen für die Belagerung von Messina, mehr. — Glaube mir, liebster Bruder Toby,« fuhr mein Vater fort, und nahm ihn dabei ganz freundlich bei der Hand, »diese deine Kriegsoperationen übersteigen deine Kräfte. Du meinst es gut, Bruder, aber sie verleiten dich zu stärkeren Ausgaben als du anfangs gedacht hast. Und verlaß dich auf das, was ich sage, lieber Toby, sie werden dich endlich noch um all das Deinige und an den Bettelstab bringen.« — »Je nun, Bruder, was wär's denn nun auch mehr,« versetzte mein Onkel Toby, »solange wir wissen, daß es zum Besten unseres Vaterlandes geschieht.«

Mein Vater mußte lächeln, wenn er auch nicht gewollt hätte. Sein Zorn war allemal höchstens nur Knallpulver, und Trims Dienstfertigkeit und Einfalt und die großmütige, obgleich steckenreiterische Gesinnung meines Onkels Toby söhnte sie augenblicklich beide wieder mit ihm aus.

»Großmütige Seelen! — Gott erhalte euch und eure Bombenmörser dazu,« sagte mein Vater bei sich selbst.